Vom Schloss zum kühlen Grund

Stallhof

Ritterspiele. Der Stallhof gilt heute als der älteste erhaltene Turnierplatz der Welt. Mit den originalen Bronzesäulen für das Ringelstechen, der Pferdeschwemme und der toskanischen Langgalerie ist die Renaissance des 16. Jahrhunderts hier noch ganz gegenwärtig. Seinen Namen hat der Hof vom benachbarten königlichen Marstall, der über seine lange Rampe auf zwei Etagen nutzbar war und Platz für 128 Pferde und viele Wagen bot. Doch schon August der Starke ließ das Gebäude für seine Kunstsammlungen umgestalten und heute zeigt darin das Verkehrsmuseum seine Exponate. Der Hof davor diente mit Ritterspielen, Jagden, Tierkämpfen, Ringrennen und anderen höfischen Vergnügen schon früher der Unterhaltung und ähnlich, manchmal sogar wieder mit Ritterkämpfen, wird er auch heute genutzt. Im Sommer finden hier Theateraufführungen, Konzerte oder Filmveranstaltungen statt und in der Adventszeit ein mittelalterliches Weihnachtsspektakel. Sachsens einstige Macht und Größe zeigen die 22 Wappen seiner Territorien über den Pfeilern der Galerie. Davon war nach dem Wiener Kongress 1813 nur noch ein Drittel übrig. Der Rest fiel an Preußen, das im Kampf gegen Napoleon rechtzeitig die Seiten gewechselt hatte.
Der Stallhof im Detail

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Fürstenzug

Letzter Aufzug. Wie ein Gotteszeichen überstand ausgerechnet der Fürstenzug mit der 800jährigen Ahnenreihe der kriegsuntüchtigen Wettiner das Inferno vom 13.2.1945 fast unbeschadet, während rundherum alles in Schutt und Asche versank. Als der Fries drei Jahrzehnte später repariert wurde, mussten von den 24.000 Porzellanfliesen gerade einmal 700 ausgetauscht werden. Der Rest wurde nur gereinigt. Danach erstrahlte das größte Porzellan-Gemälde der Welt auf 102 Metern Länge wieder in alter Schönheit. Darauf reiten 35 Markgrafen, Kurfürsten und Könige, denen zu Fuß 58 Wissenschaftler, Künstler, Handwerker und Bauern folgen. Am Ende des Zuges läuft mit großem Hut der Schöpfer des Mammutwerkes, der Maler Wilhelm Walther, begleitet von zwei Helfern. Sieben Jahre brauchte er für das ursprüngliche Kratzputzbild von 1876, ohne dabei den letzten Wettiner, Friedrich August, schon berücksichtigen zu können, denn der war da noch ein Kind. Als König beauftragte dieser Friedrich August 1907 die Meißner Porzellanmanufaktur, das bröcklig werdende Putzbild auf haltbare Porzellanfliesen zu übertragen. Den Niedergang der Monarchie hielt das genauso wenig auf wie ähnliche Aufzüge in München und Berlin.
Der Fürstenzug im Detail

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Georgentor

Derfn diedn das? Das Georgentor war ursprünglich das alte Stadttor zur Elbbrücke und wurde erst 1530 zum Georgentor umgebaut. 1701 ließ sich August der Starke darin seine Privatgemächer einrichten, die bis 1918 auch seine Nachfolgern nutzten. Um Friedrich August III., den letzten sächsischen König, ranken sich bis heute viele Anekdoten. Belegt ist das tragische Ende seiner Ehe mit Luise von Toskana, die 1902 mit dem Französischlehrer ihrer Kinder durchbrannte und damit fast einen Aufstand auslöste. Für die Popularität des Königs spricht, dass er inkognito in der Kneipe mit seinen Untertanen Skat gespielt haben soll. Eine andere Geschichte erzählt, dass er sich artig bedankte, als ihm ein Fleischermeister eine Zigarre schenkte, weil er dessen fliehendes Pferd gestoppt hatte. Bei der Verbrüderungsanfrage, ob er auch Fleischer sei, wich er allerdings aus: Nein, ich sehe nur so aus. Am liebsten erzählen sich die Dresdner aber, wie der König reagierte, als ihm der Soldatenrat 1918 die rote Fahne auf das Schloss setzte. Derfn diedn das?, soll er da gefragt haben. Das wird nur noch getoppt von der Rücktritts-Anekdote. Macht doch euern Dreck alleene! soll er sich verabschiedet haben.
Das Georgentor lexikalisch

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Hofkirche

Affront. Die größte Attraktion der Hofkirche ist die silberne Herz-Kapsel Augusts des Starken, in der das Herz wieder schlagen soll, sobald eine Schöne die Wettiner-Gruft betritt. Die Hofkirche ist das letzte große Bauwerk des italienischen Barocks nördlich der Alpen. Ihrer Nachhallzeit von neun Sekunden verdankt das berühmte Te Deum von Johann Adolf Hasse seine schlichte Struktur. Das Altarbild von Anton Raphael Mengs ist eines der größten in Deutschland. Hier steht die letzte Dresdner Silbermann- Orgel. Die Kanzel ist ein Werk des Zwinger-Bildhauers Balthasar Permoser. Und in der Gedächtniskapelle erinnert eine abstrakte Pieta über dem größten Porzellan-Monolithen der Welt an den Untergang der Stadt am 13.2.1945. Der Bau einer katholischen Hofkirche im Mutterland der Reformation ab 1739 war ein Affront. Friedrich August II. erfüllte damit das Versprechen seines Vaters, Augusts des Starken, der für Polens Krone Katholik wurde. Als Zugeständnis an das protestantische Umfeld zeigt keine der 78 großen Figuren auf dem Kirchendach eine Maria. Die Prozessionen fanden drinnen, im Gang zwischen Haupt- und Seitenschiffen statt. Und das Geläut blieb stumm, bis Napoleon die Glaubensfreiheit einführte.
Die Hofkirche auf Wikipedia

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Semperoper

Schönste Brauerei der Welt. Seit die Radeberger Exportbierbrauerei als ehemals königliche Hofbrauerei mit dem Bild der Semperoper als ehemals königliches Opernhaus werben darf, gilt die Semperoper nicht mehr nur als eines der schönsten Opernhäuser der Welt, man hält sie auch für die schönste Brauerei der Welt. Bei ihrem Wiederaufbau in den 80er Jahren wurden die Innenräume wieder reich mit Bildern, Deckengemälden, Stuck und Leuchtern ausgestattet. Und wie schon zu Sempers Zeiten wurde dabei kräftig imitiert. Der Witz dabei war, dass im Arbeiter- und Bauernstaat DDR, der sonst alles imitierte, niemand mehr wusste, wie man falsche Marmorsäulen oder Holzvertäfelungen aus Gips herstellt. In geheimen Verhandlungen mussten die Sieger der Geschichte deshalb den Klassenfeind um Hilfe bitten, dazu auch noch den bayerischen. Heute gleicht die Oper mit dem prachtvollen Zuschauerraum, der Königsloge und den vier hohen Rängen wieder weitgehend dem Original. Alles, was an moderner Technik nötig ist, wurde raffiniert versteckt. Doch das Haus ist auch für seine musikalischen Traditionen weltberühmt. Hier fanden Uraufführungen von Richard Wagner, Carl Maria von Weber und Richard Strauss statt.
Die Semperoper

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Italienisches Dörfchen

Wilde Schnörkelei. Das italienische Dörfchen wurde 1913 von Stadtbaurat Hans Erlwein als Großrestaurant gebaut und von namhaften Künstlern im historisierenden Stil der Zeit üppig ausgeschmückt. Dazu gehören ein Weinzimmer und ein Biersaal, das Kurfürstenzimmer, ein Café und ein Restaurant. Ein Besuch lohnt sich schon wegen der phantastischen Schnörkelei. Seinen Namen hat das italienische Dörfchen von den 32 Häuschen am gleichen Ort, in denen die italienischen Handwerker und Künstler wohnten, die die Hofkirche bauten. Schon sie betrieben Weinstuben, Cafes und Kneipen. Nach ihrem Weggang 1755 zogen gewöhnliche Dresdner nach, darunter viele, die dem Hof nahe standen, wie der Maler Vogel von Vogelstein oder auch Carl Maria von Weber. Erst 1834 wurde das Dörfchen für Sempers erstes, später abgebranntes Hoftheater abgerissen. Nur ein Vorgänger des heutigen Restaurants blieb stehen. Am Elbkai darunter liegt der Theaterkahn. Er ist Spielstätte des musikalischen Kabaretts Dresdner Brettl und zugleich Schiffsrestaurant. Hinter der Augustusbrücke lädt der Radeberger Spezialausschank in die ehemalige Brückenmeisterei zum Pilsner oder Zwickel ein. Beide Biere werden in Kupferkesseln vor Ort gebraut.
Das italienische Dörfchen

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König Johann

Wett-Poppen. Für die Sachsen ist König Johann kein Held, weil er Dantes Göttliche Komödie ins Deutsche übersetzt hat, sondern weil er mit großen Ehetaten für den Fortbestand des ältesten deutschen Fürstengeschlechts sorgte. Wie so oft im 18. und 19. Jahrhundert war auch König Johann als junger Prinz der letzte verbliebene Wettiner, von dessen Lendenkraft Zukunft oder Untergang seines Hauses abhingen. Und dieser Druck ließ ihn, wie schon so viele seiner Vorgänger, bei der Nachzucht völlig versagen. König Friedrich August war so verzweifelt über den lahmen Neffen und Thronfolger, dass er nur noch einen Ausweg sah. Johanns leiblicher Vater, sein Bruder, der 66jährige Prinz Maximilian musste noch einmal ran. Schließlich hatte der schon einmal bewiesen, dass er es konnte. Dafür wurde dem Greis eine appetitliche, 23 Jahre junge Gräfin an die Seite gelegt, doch auch das half nichts mehr. Jedenfalls nicht direkt. Auf Umwegen half es schon. Denn der Kronprinz fühlte sich durch den makabren Potenz- Konkurrenten derart herausgefordert, dass der Knoten endlich platzte. Plötzlich zeugte er ein Kind nach dem anderen und kam erst nach dem siebenten wieder zur Ruhe. Die Sachsen waren begeistert.
Der Theaterplatz im Detail

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Schinkel-Wache

Tickets. Die 1832 nach Entwürfen des Berliner Star-Architekten Karl Friedrich Schinkel errichtete Hauptwache war die Polizeiwache der Altstadt. Heute wird sie als zentrale Theaterkasse mit Souvenir-Verkauf und als Café genutzt An der klassizistischen Strenge des Baus schieden sich die Dresdner Geister. Deshalb wollte ihn Semper nur wenige Jahre nach seiner Fertigstellung an die Elbe umsetzen. Die Zuständigkeit der Wache für das Schloss bot 1844 Anlass für einen Skandal. Dem König waren 26.000 Taler aus der Privatschatulle gestohlen worden und der Täter hatte ihm dafür seinen Haufen hinein gesetzt. Da die Wache niemanden gesehen hatte, musste der Dieb zur Dienerschaft gehören. Die Untersuchung des Haufens durch den Hofapotheker ergab aber, dass der Täter französische Schoten und Sardinen gegessen hatte, und so etwas konnten sich Diener nicht leisten. Die Befragung der Delikatessen-Läden führte zu einem Major von Römer, dem hoch verschuldeten Kommandeur der Schlosswache. Römer wanderte für zehn Jahre ins Zuchthaus und verlor seinen Adelstitel. Das Ereignis hinterließ bis in das 20. Jh. Spuren in der Sprache der Dresdner. Danach wurde hier nicht mehr gestohlen, sondern gerömert.
Altstädter Wache

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Residenz

Sachsens Louvre. Das Residenzschloss ist wieder eines der bedeutendsten Museen Europas. August der Starke wollte es am liebsten abreißen und sich ein neues wie der Sonnenkönig bauen. Weil er dafür kein Geld hatte, tat er, was auch seine Ahnen seit einem halben Jahrtausend immer wieder taten: Er reparierte, baute um und erweiterte, was er hatte. Die dadurch erhalten gebliebenen Spuren aus allen europäischen Stilepochen machen das Residenzschloss heute zu Sachsens interessantestem Bauwerk. Sein letzter großer Umbau im Stil der Neorenaisance zum 800jährigen Wettin-Jubiläum Ende des 19. Jh. änderte an seiner Nutzung wenig. Der König wohnte weiter im ersten Stock des Georgentors, Staatsempfänge fanden in den Paradezimmern über der Schatzkammer im Zwingerflügel statt, und für größere Empfänge oder Feste wurde der Riesensaal über der Schlossstraße genutzt. Nach 14 Jahren Wiederaufbau kehrten Schritt für Schritt das Münzkabinett, das Kupferstichkabinett, das Grüne Gewölbe und zuletzt die Türkische Cammer in das neue alte Gemäuer zurück. Mit dem Einzug der Rüstkammer und dem rekonstruierten Thronsaal ist das kriegszerstörte Schloss wieder komplett. Der Hausmannsturm kann bestiegen werden.
Das Residenzschloss

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Grünes Gewölbe

Schatzkammer. Nach über 60 Jahren konnte die Schatzkammer der Wettiner 2004 mit der ältesten und reichsten Pretiosensammlung Europas wieder an ihren angestammten Platz ins Grüne Gewölbe im wieder aufgebauten Residenzschloss umziehen. Ihre 4000 Prunkstücke aus den edelsten Materialien sind das Werk der bedeutendsten Künstler der jeweiligen Zeit. Allein der Hofstaat des Großmoguls mit seinen 132 Figuren von Hofgoldschmied Melchior Dinglinger kostete August den Starken mehr als das Jagdschloss Moritzburg, arbeiteten doch die drei Dinglinger-Brüder mit 14 Gehilfen sieben Jahre lang daran. Ähnlich kostbar sind der einzige grüne Diamant und der größte Saphir der Welt, der berühmte Kirschkern, dessen 113 geschnitzte Gesichter nur unter der Lupe zu erkennen sind, oder der sächsische Kronschatz mit seinen neun Juwelengarnituren. Bereits August der Starke hatte das Grüne Gewölbe zum Museum umgestalten lassen. Seitdem wurden die Stücke hier, nach Materialien geordnet, auf Konsolen vor verspiegelten Wänden präsentiert. Davon war 1945 nichts mehr übrig. Nur die geheime Verwahrung, der älteste, einbruch- und feuersicherste Raum, hatte die Bomben hinter meterdicken Wänden einigermaßen überstanden.
Grünes Gewölbe

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Kupferstich-Kabinett

Exklusive Freuden. Das Kupferstich-Kabinett ist eines der ältesten und bedeutendsten Museen der Welt für Kunst auf Papier. Bereits im 16. Jh. hatten die sächsischen Fürsten damit begonnen, Zeichnungen und Drucke zu sammeln. Hier liegen weltberühmte Blätter von Dürer, Rembrandt, Michelangelo, Fragonard und Caspar David Friedrich bis hin zu Toulouse-Lautrec, Picasso und Baselitz. Kupferstiche von Schongauer und Holzschnitte von Cranach finden sich neben der einzigen bekannten Zeichnung van Eycks und seltenen historischen Fotos. Es gibt profane und biblische Motive, Porträts, Landschaften, Stillleben, Darstellungen von Festen und anderen Großereignissen, aber auch naturwissenschaftliche Illustrationen. Mit rund 515.000 Zeichnungen, Aquarellen, Gouachen, Radierungen, Lithographien, Kupferstichen, Fotos, illustrierten Büchern und Mappen von mehr als zwanzigtausend Künstlern aus acht Jahrhunderten und aus vielen Ländern der Welt ist der Reichtum der Sammlung schier unerschöpflich. Präsentiert werden die Bilder in wechselnden Sonderausstellungen. Wem das nicht reicht, der kann sich die Originale im öffentlich zugänglichen Studiensaal auch vorlegen lassen und sich ganz aus der Nähe daran erfreuen.
Kupferstichkabinett

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Taschenberg-Palais

Teure Liebe. Es war noch nicht lange her, dass in Sachsen auf Ehebruch die Todesstrafe stand, und ein Bürger musste immer noch das Land verlassen, wenn er sich erwischen ließ, als der ordentlich verheiratete August der Starke seiner neuen Mätresse, der Gräfin Cosel, ganz offiziell ein Palais neben sein Schloss bauen ließ. Das war selbst für einen souveränen Fürsten gewagt. Tatsächlich nahm die Cosel eine Sonderstellung unter Augusts Liebschaften ein. Sie war die einzige Mätresse, der er ein schriftliches Eheversprechen gab, keine überhäufte er so mit Schätzen und keiner blieb genug Zeit, ihm vier Kinder zu schenken. Doch nach acht Jahren war auch ihre Uhr abgelaufen. August wollte seinen unsicheren Thron in Polen durch die Liaison mit einer Polin retten. Und das ließ alle Vorzüge der Cosel zu Nachteilen werden, neben ihrer Schönheit vor allem ihren Witz und ihre Entschlossenheit. Als sie verzweifelt ihren letzten Trumpf zog und drohte, den geheimen Ehevertrag zu veröffentlichen, ließ August sie verhaften und bis zu ihrem Tod 49 Jahre später auf der Burg Stolpen einkerkern. Ihr Palais wurde bis zum Ende der Monarchie zum Wohnsitz des Kronprinzen. Heute ist es Dresdens nobelstes Hotel.
Das Taschenberg-Palais

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Porzellan-Sammlung

Maladie. Die Porzellansammlung ist wegen ihrer 20.000 Stücke frühen Meissener und ostasiatischen Porzellans die wertvollste und umfangreichste keramische Spezialsammlung der Welt. Zu verdanken ist dies der maladie de porcelaine (Porzellan-Krankheit) Augusts des Starken. Porzellan war damals das teuerste ostasiatische Importgut. Und den sich selbst als dekadent empfindenden Höfen erschien China als der ideale Staat, weil dort ein tüchtiger Bauernsohn in höchste Ämter aufsteigen konnte. Porzellan stand damit nicht nur für Reichtum, Macht und Weltoffenheit, sondern auch für Modernität. Vor diesem Hintergrund tauschte August der Starke 1717 mit König Friedrich Wilhelm I. von Preußen 151 chinesische Deckelvasen gegen 600 sächsische Dragoner. Die Ausstellung zeigt vor der Kulisse des Zwingers nur die 750 schönsten Stücke. Der Bogen spannt sich von Zeugnissen der chinesischen Ming- Periode bis hin zu japanischen Porzellanen des frühen 17. und 18. Jh. Für die Entwicklung des Meissener Porzellans von der Erfindung 1708 bis zum späten 18. Jh. stehen Gebrauchsgeschirr, Rokoko-Idyllen und Miniaturen von Komödianten, Musikern und Hofnarren sowie ein ganzer Zoo aus Affen, Löwen, Vögeln und Hündchen.
Die Porzellansammlung offiziell

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Zwinger

Herkules Saxonicus. Der nach einem früheren Festungsteil benannte Zwinger hatte für August den Starken vor allem einen Zweck: Er sollte bei der Hochzeit seines Sohnes 1719 als Festplatz die Habsburger beeindrucken und ihn als künftigen Kaiser empfehlen. Dümpelten die Lustgartenpläne zuvor lange dahin, bekamen Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann und Bildhauer Balthasar Permoser ab 1717 Druck. Fertig wurde der Festplatz dennoch erst 1728. Bei den Feierlichkeiten ersetzten Kulissen, was noch fehlte. Höhepunkt der barocken Schnörkelei ist bis heute der Wallpavillon mit August dem Starken als krönendem Herkules Saxonicus. Gegenüber steht der Stadt-Pavillon mit seinen 40 Glocken aus Meissener Porzellan, seitlich, als Sinnbild des Zwingers, das Kronentor mit der polnischen Krone. August der Starke bevorzugte das Nymphenbad. Dort konnten sich die von den Festspielen erhitzten Gäste erfrischen. Kaum fertig gestellt, verkam die Anlage. Der Sohn Augusts des Starken hatte keinen Sinn für große Feste. Erst Semper entdeckte den Zwinger wieder und schloss seine offene Front 1855 mit der stilistisch etwas befremdlichen Galerie. Der Innenhof wird heute im Sommer für Serenaden und Festspiele genutzt.
Der Zwinger

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Rüstkammer

Fundus. Die Rüstkammer ist als Sammlung von Prunkwaffen, Rüstungen und Kleidern mit 10.000 Exponaten eine der reichsten und bedeutendsten ihrer Art in der Welt. Die Ausstellung in der Sempergalerie zeigt davon nur die 1.300 schönsten Objekte. Sie stammen aus ganz Europa und dem Orient. Neben beindruckenden Harnischen für Mann und Ross, zeigt sie das sächsische Kurschwert und den Kurhut als Zeichen des Wahlrechts der Wettiner für Könige und Kaiser, dazu den Degen des Zaren Peter der Große und den Krönungsornat Augusts des Starken. Als Ausstatter für Kostümfeste, Ritterspiele und Jagden spiegelt die Rüstkammer einen wichtigen Teil der Hofkultur wider und vermittelt anhand der dabei benutzten Sportgeräte, mit Turnierbildern und Fürstenporträts einen Eindruck vom Glanz der Feiern. Nach der Fertigstellung des Riesensaals im Schloss kehrt die Rüstkammer an ihren angestammten Platz zurück. Neben den bereits jetzt ausgestellten Prunkwaffen erwarten den Besucher dann auch die einzigartigen Bestände der Kostümsammlung und der Gewehrgalerie. Bereits eröffnet wurde dort die Türckische Cammer eine der ältesten und weltweit bedeutendsten Sammlungen osmanischer Kunst außerhalb der Türkei.
Die Rüstkammer

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Gemäldegalerie

Second Life. 500.00 Menschen besuchen jährlich die Alten Meister. Die meisten wollen die Engel von Raffaels Sixtinischer Madonna sehen, die als Kitsch längst Kultstatus haben. Aber sie freuen sich auch über Rembrandts pinkelnden Ganymed, Giorgiones Schlummernde Venus oder Liotards Schokoladenmädchen. Diese Bilder haben die Sammlung berühmt gemacht. Wer keine Zeit hat für den Museumsbesuch, kann ihn bei Second Life nachholen, mit einem Audioguide durch jeden Raum gehen und jedes Bild ansehen kostenlos. Ein Sammlungsschwerpunkt liegt auf der italienischen Malerei der Renaissance mit Hauptwerken von Raffael, Giorgione, Tizian, Correggio, Mantegna, Botticelli, Parmigianino, Veronese und Tintoretto. Aber auch die Holländer und Flamen des 17. Jh. sind mit Rembrandt und seiner Schule oder Ruysdael sowie Rubens, Jordaens und Van Dyck gut vertreten. Sogar zwei Johannes Vermeers gibt es hier. Auch das ist bei den wenigen Bildern, die es überhaupt von ihm gibt, etwas Besonderes. Für die altdeutschen und altniederländischen Meister stehen van Eyck, Dürer, Cranach und Holbein. Hinzu kommen die Spanier und Franzosen des 17. Jh.. Zusammengetragen hat das vor allem der Sohn Augusts des Starken.
Gemäldegalerie Alte Meister

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Schauspielhaus

Come back. Wer in Dresden ins Theater wollte, verschob das lange auf den nächsten Besuch in Berlin. Unter dem neuen Intendanten Wilfried Schulz erwachte das Staatsschauspiel 2009 zu neuem Leben. Seitdem kommen die Besucher wieder so viele wie seit der Wende nicht, und sie werden jünger. Die Aufführungen sind wieder Stadtgespräch und Gegenstand des überregionalen Feuilletons. Dresden wird nach 10 Jahren wieder zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Die Einnahmen haben sich verdoppelt. Und während gewöhnlich nach jeder Spielzeit das Personal wechselt, bleibt das Team in Dresden weitgehend stabil. Mit reichlich Vorschuss-Lorbeeren aus Hannover versehen, trat Schulz in Dresden an, weil er erkunden wollte, wohin der totale Utopieverlust von 89 geführt hat und wie der Begriff von Bürgerlichkeit heute noch mit den Werten der Aufklärung zu füllen ist. Das herauszufinden, helfen ihm namhafte Regisseure. Das Erfolgsrezept ist ein Mix aus neuen Gegenwartsstücken, modern interpretierten Klassikern und Bestseller-Adaptionen, oft mit Dresden-Bezug. Daneben ist mit der erfolgreichen Bürgerbühne im Neustädter Kleinen Haus ein generationenübergreifendes Laien-Format entstanden, das dem Stadttheater neue Chancen bietet.
Das Staatsschauspiel

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Landtag

Schwarz. Der neue Sächsische Landtag von Peter Kulka (1994) wurde als offenes Haus konzipiert. Im Bürgerfoyer informieren wechselnde Ausstellungen, auf dem Dach lädt das Restaurant Chiaveri mit Sonnenterrasse ein, und natürlich steht auch die Bürgertribüne des Plenarsaals Besuchern nach Voranmeldung offen. Außerdem bietet der Vorplatz Raum für Demos und andere politische Äußerungen. Die offene Konstruktion aus Stahl und Glas soll von außen Transparenz assoziieren, von innen erlaubt sie einen schönen Blick auf die Elblandschaft. Dabei ordnet sich der Bau der Umgebung angenehm unter, so dass er im Sommer hinter der Linden-Allee des Neuen Terrassenufers fast verschwindet. Verwaltung, Abgeordneten- Büros und Fraktions-Säle sind im angrenzenden neusachlichen Altbau des ehemaligen Sächsischen Finanzamtes von 1931 untergebracht, dessen Innenhof überdacht und zur Kantine umfunktioniert wurde. Stärkste Fraktion ist seit 1990 unangefochten die CDU, zweitstärkste die Linke. Die SPD bangt um zweistellige Ergebnisse und ist damit ähnlich schwach, wie die FDP und die Grünen oder die NPD. Die gibt den Hofnarren. Von allen anderen ignoriert, rächt sie sich mit medienwirksamen Provokationen und Skandalen.
Der Sächsische Landtag

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Neptunbrunnen

Weltgeschichte. Zwingersteinmetz Balthasar Permoser ist der Schöpfer von Neptun und sein Gefolge, der prächtigsten Dresdner Brunnenanlage im Garten des früheren Marcolini-Palais, dem heutigen Friedrichstädter Krankenhaus. Das Palais wurde im Sommer 1813 nach dem gescheiterten Russlandfeldzug Napoleons Hauptquartier. Hier traf er sich Ende Juni mit Österreichs Außenminister Metternich, der ihm einen Frieden in den Vorkriegsgrenzen anbot. Doch obwohl Napoleon gerade seine ganze Armee verloren hatte, lehnte er das Angebot ab, denn es hätte sein Ende als Kaiser bedeutet. So gewann er wenigstens Zeit, auch wenn das bisher schwankende Österreich nun endgültig auf die Seite der Russen, Preußen und Schweden trat. Drei Wochen später stand die Koalition mit fünffacher Übermacht vor den Toren Dresdens. Napoleon jagte währenddessen in Schlesien den preußischen General Blücher und konnte gerade noch rechtzeitig umkehren, um das Kriegsglück ein letztes Mal für sich zu wenden. Weitere sechs Wochen später, in der Völkerschlacht bei Leipzig, war es auf Seiten der Alliierten. Napoleon musste fliehen und die Deutschen waren frei. Die Hoffnungen, die sie damit verbanden, wurden bald enttäuscht.
Das Palais Marcolini

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Kongress-Zentrum

Alt und neu. Die ansteigende Rampe des 2004 eröffneten Kongress-Zentrums nimmt mit ihrer Freitreppe deutlich Bezug auf die Brühlsche Terrasse. Sie markiert das Ende der Neuen Elbterrasse und leitet, dem Schwung der Elbe folgend, den Blick weiter in Richtung Radebeuler Weinberge. Dabei ist der Bau ähnlich transparent und zurückhaltend gestaltet wie der benachbarte Landtag und wiederholt sogar dessen weit ausgreifendes Dach über dem Eingang. In sechs Sälen sowie 15 kleineren Konferenzräumen können hier bis zu 6.800 Personen gleichzeitig tagen. Betrieben wird das Kongress-Zentrum vom benachbarten Maritim-Hotel. Für dieses Hotel wurde 2004 der städtische Speicher von Stadtbaurat Hans Erlwein für Tabak, Wolle, Gewürze und Stoffe umgebaut. Highlight des 328-Zimmer- Hauses ist sein 38 m hohes Atrium mit zwei Panoramaliften. Durch die Dachverglasung ist es darin taghell. Da der massige Bau in die Stadtsilhouette ragte, gab ihm Erlwein durch kleinteilige Giebel und Stufen die Anmutung einer traditionellen Dachlandschaft. Der Speicher gehörte zum weggebombten Packhof, einem Nebenhafen mit eigenem Gleis und Elbkai. Nur er blieb schwer beschädigt stehen, war aber kaum noch nutzbar und verfiel.
Das Kongress-Zentrum

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Sportpark

Sportstadt. Am Eingang zum Ostragehege bieten sich für das schnelle Fitnessprogramm zwischendurch ein Trimm-Dich Parcours und mehrere witzige Spiel- und Sportgeräte für das Kraftund Koordinationstraining an. Dazu kommen Tischtennisplatten, drei Kurzlaufbahnen, Plätze für Basket-, Hand- und Volleyball sowie Badminton und eine Skatestrecke. Diese kostenlos nutzbaren Angebote für den individuellen Freizeitsport bilden den Eingang zum Sportpark Ostra für den organisierten Sport. Dazu gehören das Eisstadion, das neue Eissport- und Ballspielzentrum, das Sportschulzentrum und das Nachwuchsleistungszentrum von Dynamo Dresden, ein Leichtathletikstadion, eine Kegel- und Fechterhalle, eine Rollkunst- und Rollschnelllaufbahn, mehrere Fußball- und Faustballplätze, ein Werferplatz, eine Tennis- und Volleyballanlage, ein Rugby- und Cricketplatz, mietbare Beachvolleyball- Plätze und die Trainingshalle des Dresdner Sportclubs 1898 e.V.. Gleich im Anschluss an die Neue Elbterrasse verfügt Dresden damit über die größte innenstadtnahe Sportfläche einer deutschen Großstadt. Die Offenhaltung des Ostra-Geges als Naturraum geht auf August den Starken zurück, der hier von einem zweiten Großen Garten träumte.
Deutschlands größter Sportpark in Zentrumsnähe

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Yenidze

Ganz oben. An einem lauen Abend im Fackelschein unter der leuchtenden, orientalisch anmutenden Yenidze-Kuppel zu sitzen und aus dem höchsten Biergarten Dresdens den Blick über die angestrahlte Altstadt schweifen zu lassen, das ist als Tagesausklang kaum zu übertreffen. Aber das Kuppelrestaurant bietet den gleichen Blick fast genauso schön auch von drinnen. Die zweite Attraktion der Yenidze ist die erfolgreiche Lesebühne 1001 Märchen. Auch wenn es überraschend klingt, die Yenidze war nie eine Moschee. Sie war eine Zigarettenfabrik. Und ihre Türme waren auch keine Minarette. Das waren die Schornsteine der Fabrik. Beides zusammen war ein genialer Werbegag, der sich von alleine verbreitete, weil direkt daneben Dresdens wichtigste Eisenbahnstrecke verläuft. Bauherr war der self-made-man Hugo Zietz, der in nur zwei Jahrzehnten mit Zigarettenmarken wie Salem, Mogul oder Fatima zu einem der führenden deutschen Tabak-Unternehmer aufstieg. Dieses Lebenswerk wollte Zietz 1907 mit dem Nachbau eines Kalifengrabs krönen. Namensgeber wurde das Hauptanbaugebiet seines Tabaks. Als zentrales Tabakkontor der DDR lieferte die Yenidze bis 1990 den Rohstoff für die legendäre f6 und den üblen Stinker Karo.
Die Yenidze

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Casanova

Casanova. Elf mal in seinem Leben musste der berühmte Schürzenjäger Giacomo Casanova nach eigenen Angaben pausieren, weil ihn in Ausübung seines Geschäfts eine der verschiedenen galanten Berufskrankheiten ereilte. Dann zog es ihn nur noch zu einer Frau zu seiner Mama, Zanetta Casanova, Hofschauspielerin in Dresden. Aber lange hielt es den amourösen Globetrotter nie in der Stadt, weil er sich zu oft mit seinem jüngeren Bruder Giovanni, dem Rektor der Kunstakademie stritt. Der ist hier beerdigt. Giacomo, der Schürzenjäger, von dem es kein Grab mehr gibt, starb im nahen böhmischen Dux. Sehenswert sind außerdem das Grab von Gerhard von Kügelgen, das Grab Carl Maria von Webers von Gottfried Semper und die Kreuzigungsgruppe in der Friedhofskapelle, die der 80jährige Zwinger-Bildhauer Balthasar Permoser für sein eigenes Grab schuf. An Lorenzo Matielli, Schöpfer der 78 überlebensgroßen Figuren auf dem Dach der Hofkirche, erinnert ein Gedenkstein. Von mehreren Wettinern, die heute in der Fürstengruft der Hofkirche liegen, blieben die Grabkreuze erhalten. Die vielen polnischen und italienischen Namen auf den Grabsteinen zeugen von der engen Beziehung des Hofs zu beiden katholischen Ländern.
Der "falsche" Casanova in Dresden

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Alberthafen

Hafenstadt. Im Alberthafen zeigt ein historisches Terminal mit dem 65 m langen Elbeschleppkahn Waltraud von 1913, zwei Güterwagen der Kgl. Sächs. Staatseisenbahnen und einem historischen Kran, wie der Umschlag hier vor 100 Jahren funktionierte. Dazu vermittelt die rekonstruierte Eigner-Kajüte mit Kohleherd und Plumpsklo im Inneren der Waltraud eine Vorstellung von den Lebensbedingungen an Bord. Unweit davon kann man über das Militärhistorische Museum das 1995 pensionierte Minensuchboot Atlantis der Bundesmarine besichtigen. Für den maritimen Ausklang der Hafen-Visite empfiehlt sich das Fischhaus in der früheren Hafenkantine mit seinem riesigen Meerwasser-Aquarium. Der 1895 erbaute Alberthafen ist mit 42 ha und sieben Kränen am 1.000 m langen und 75 m breiten Hafenbecken einer der großen Binnenhäfen und bietet Platz für 20 Schiffe. Genutzt wird er heute vor allem für Schwertransporte, etwa für das Dresdner Trafowerk. Betreiber ist die Sächsische Binnenhäfen GmbH, die alle Elbehäfen zwischen Rosslau in Sachsen-Anhalt und Lobositz in Böhmen bewirtschaftet. Die inzwischen obligatorische Hafen-City für die Kreativwirtschaft soll im gegenüberliegenden Neustädter Hafen entstehen.
Der Alberthafen

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Messe

Messestadt. Bis 1995 flossen in den Hallen, in denen heute Fach- und Publikumsmessen, Rockkonzerte und Kongresse Besuchermassen anziehen, Ströme von Blut. Dann hatte der 1910 von Hans Erlwein fertiggestellte Städtische Vieh- und Schlachthof ausgedient. 1999 wurde er für Messen und Kongresse umgebaut und um ein modernes gläsernes Foyer sowie eine zusätzliche, 4.000 m² große Halle für bis zu 10.000 Menschen erweitert. Dresden war nie eine Messestadt und ist es auch heute nicht. Die Veranstaltungen beschränken sich deshalb meist auf die Region. Das erlaubte die ungewöhnliche Standortwahl. Die Schlachthof-Bauten spiegeln bereits den bis heute ungelösten Konflikt zwischen traditionellem und modernem Bauen wider. Erlwein löste ihn mit dem sogenannten Heimatstil und gab dem Industriekomplex die Anmutung einer Gartensiedlung. Die weiterhin unsanierten Teile des Schlachthofs werden mit Ateliers, Ausstellungs- und Gewerberäumen vom Kunstzentrum Ostrale genutzt, das jedes Jahr in den Sommermonaten zu einem gleichnamigen internationalen Festival für zeitgenössische Kunst einlädt. Da die Ausstellungsfläche mit 15.000 m² innen und 50.000 m² außen riesig ist, sind es oft auch die präsentierten Objekte.
Messe Dresden

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Zschoner Mühle

Klipp-Klapp. Als einzige noch funktionstüchtige, historische Wassermühle Dresdens ist die im Zschonergrund gelegene Zschoner Mühle eines der beliebtesten Ausflugsziele der Stadt. Zur Mühle gehört neben dem Mühlenmuseum eine Gaststätte. Sie ist eingerichtet mit bäuerlichen Antiquitäten aus dem Barock und mit Mobiliar aus der Gründerzeit und schenkt unter anderem den Wein vom Haus-Weinberg über dem Mühlenhof aus. Den kann man bei schönem Wetter auch im Biergarten trinken oder mit in die Kulturscheune nebenan nehmen. Sie lädt regelmäßig zu Puppenspielen, Theateraufführungen, Konzerten, Lesungen und anderen Veranstaltungen ein. Doch der Höhepunkt der Zschoner Mühle sind die Mühlenführungen mit Müller Thomas Winkler. Er ist ein echtes Original und erklärt seinen Gästen seit mehr als zwei Jahrzehnten, wie der Zschonerbach auf das über sechs Meter hohe Wasserrad schießt, die Mühle zum Klappern bringt, wie dabei das Korn zu Mehl gemahlen wird und wie der Alltag des Müllers aussah. Wer will, kann sich aus dem Mehl auch gleich noch sein eigenes Brot backen oder bei der Dusche unterm Wasserrad die eigene Härte testen. Dazu gibt es eine Kräuterführung durch Müllers Garten und verschiedene Angebote für Schulen.
Die Zschoner Mühle

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