Spaziergang Altstadt

Radschlägerbrunnen

Düsseldörflich. Sicher ist nur, dass die Kinder das Radschlagen erfanden, als die Stadt Ende des 19. Jh. mit ihren Ausstellungen ein Millionen Publikum anzog. Statt zu betteln, schlugen sie För eene Penning! ihr Rad. Da dies für eine Tradition zu banal klang, wurde die Poesie nachgeliefert. Danach feierten die Düsseldorfer schon ihre Stadterhebung 1288 durch unbändiges Radschlagen. Oder: Sie ahmten damit einen Jungen nach, der das Eheglück Jan Wellems rettete, indem er sich als Ersatzrad unter die Hochzeitskutsche spannte. Oder: Die lustigen Düsseldorfer trösteten so bereits Jan Wellems unglückliche Braut. Tatsächlich erhob erst die Ausstellung Schaffendes Volk von 1937 den alten Betteltrick mit einem Wettbewerb zur Kulturtat. Daran erinnerte man sich 1971. Seitdem messen sich immer im Juni über 500 Kinder auf der Kö im Radschlagen. Auf Gullydeckeln, Türklinken und Brunnen gibt es die Radschläger schon länger. Die Einweihung des Burgplatz-Brunnens löste 1954 ein schweres kommunalpolitisches Erdbeben aus. Seine plattdeutsche Inschrift zitiert den düsseldörflichsten aller Düsseldorfer, Hans Müller-Schlösser, in einem Buchstaben nicht ganz korrekt. Das galt als unverzeihliche Beleidigung!
Die Radschläger

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Stadterhebungs-Monument

Ursprung. Das Stadterhebungsmonument wurde der Stadt 1988 zu ihrem 700jährigen Gründungsjubiläum vom Heimatverein Düsseldorfer Jonges gestiftet. Es erzählt in drei Szenen, wie die bergischen Bauern in der Schlacht bei Worringen 1288 ihren Landesherren Graf Adolf gegen den Kölner Erzbischof unterstützten und mit der letzten großen deutschen Ritterschlacht auch die strittige Erbfolge des Herzogtums Limburg entschieden. Als Dank dafür erhob der Graf Düsseldorf zur Stadt. In der ersten Szene symbolisieren Mistgabeln, Dreschflegel und Sensen sowie leere Harnische und Rüstungen die Anonymität des Tötens. Die 18 streitenden Parteien erkannten sich, von Trommeln angetrieben, nur an ihren Wappenschildern. Da die Bauern keine Gefangenen machten, gilt die Schlacht als blutigste des Mittelalters. In der mittleren Szene deuten die Unterarme des Grafen und seiner Frau die Siegelung der Stadtgründungsurkunde an. Die dritte Szene symbolisiert mit Schöffensiegel, Kanonikerhüten, Hanwerks- und Agrarprodukten den politischen und wirtschaftlichen Aufstieg Düsseldorfs. Für die genauere Deutung der 458 Einzelteile empfiehlt sich prophylaktisch die Lektüre von mindestens doppelt so vielen Geschichts-Büchern.
Das Stadterhebungsmonument

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Platt Scholl

Dialekt. Was den Kölnern ihre Kölsch-Akademie, ist den Düsseldorfern ihre Hans-Müller- Schlösser-Akademie ons Scholl för Düsseldorwer Platt. Als Gründung des Mundartfreunde Düsseldorf e.V. bietet sie seit 1987 Kurse zum Erlernen der heimischen Mundart an und lädt zu Veranstaltungen und Stadtrundgängen ein, bei denen Düsseldorfer Platt gesprochen wird. Besucht werden diese Veranstaltungen fast nur von älteren Menschen, denn im Alltag spricht in Düsseldorf heute niemand mehr Platt. Soweit es überhaupt noch lebt, hat es sich dem Kölschen angenähert und bis auf wenige eigenständige Worte auf einen Sprachklang reduziert. Gepflegt wird es nur noch im Karneval, im Namen von Kneipen und in den Speisekarten einiger Restaurants. Und dann wird es, wie die Kneipennamen Ohme Jupp (Onkel Jupp) oder En de Hött (entlegener Winkel), oft nicht einmal mehr von den Einheimischen verstanden. Wenigstens von den Jungen nicht. Damit steht die Akademie auf ziemlich verlorenem Posten. Ihr Namensgeber ist der Düsseldorfer National-Dichter Hans Müller-Schlösser (1884 1956). Sein 1913 uraufgeführter Schneider Wibbel hat den Düsseldorfer Altstadt-Dialekt einst literaturfähig und weithin bekannt gemacht.
Hans-Müller-Schlösser-Akademie

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Burgplatz

Treffpunkt. Der Burgplatz ist so etwas wie das Wohnzimmer der Stadt. Hier ist immer etwas los. Im Frühsommer steht hier die Hauptbühne der Jazz-Rally. Um den 14. Juli treffen sich als Highlight der Frankreich-Tage französische Oldtimer auf dem Platz. Hier werden der Altstadtherbst und der Japan-Tag gefeiert, hier starten Radrennen und tausende Skater in die Rollnächte. Und wenn mal kein Event ansteht, dann sorgen Straßenkünstler für Unterhaltung. Am liebsten vor der Freitreppe zum Rhein. Sie ist bei schönem Wetter zum Entspannen genauso beliebt wie die Freisitze der Cafés und Restaurants. Der größte Freisitz gehört zum ältesten Brauhaus der Stadt, dem Goldenen Ring. Gegenüber liegt die Akademie-Galerie. Dort stellen die Professoren und Meisterschüler der Kunstakademie aus. Der Burgplatz heißt so, weil genau hier 600 Jahre lang erst die Düsseldorfer Burg und dann das Düsseldorfer Schloss standen. Nachdem das Schloss 1872 niederbrannte, wurde es bis auf den Turm abgerissen. Unter dem Platz fließt unsichtbar die Düssel. Auf der Rheinuferpromenade machen zwei blaue Pflasterstreifen ihre Doppelmündung kenntlich. An ihrem Nordufer lag einst der Ursprung der Stadt, das Fischerdorf Düsseldorf.
Der Burgplatz auf Wikipedia

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Rathaus

Ratssilber. Der mit zwei Giebeldächern und einem Türmchen bewegteste Teil des heutigen Rathaus-Komplexes ist der älteste und stammt aus dem 16. Jh. Das Grupello-Haus von 1706 (Marktplatz 4) war ein Geschenk Jan Wellems an seinen Hofbildhauer Gabriel de Grupello, der hier das Reiterstandbild seines Kurfürsten auf dem Markt goss und dazu weitere Bildnisse des Herrscherpaares schuf. Der jüngste Teil des Rathauses ist der wilhelminische Bau im Westen. In der Akademie-Galerie Richtung Burgplatz stellen heute die Professoren der Kunstakademie aus. Der Ort dafür hat Tradition, denn genau hier stand einst die berühmte Gemäldegalerie Jan Wellems, deren 1.000 Kunstwerke um 1800 fast alle nach München gingen. Andere Teile des Rathauses überdecken heute Plätze, an denen einst ein kurfürstliches Komödienhaus und später das Stadttheater stand, von dem aus ein Carl Immermann 1834 das deutsche Schauspiel reformieren wollte. Die kostenlosen Führungen jeden Mittwoch ab 15 Uhr erzählen davon und zeigen den Plenarsaal, die Barockgalerie, den Jan-Wellem-Saal, den Heinrich-Heine-Raum, das Empfangszimmer des OB und das Ratssilber. Einen guten Überblick bietet das Stadtmodell im Rathausufer 8.
Die Rathaus-Führungen

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Jan Wellem

Hoch zu Ross. Was Max Emanuel für München, August der Starke für Dresden und Friedrich der Große für Berlin ist, das ist Jan Wellem (Johann Wilhelm II., 1658 1716) für Düsseldorf ein Barockfürst, der die Stadt prägte. Er förderte Musik und Kunst, baute die erste Oper und die erste Gemäldegalerie, sammelte alles, was kunstvoll und prächtig war, holte die Meister jedweder Künste und Gewerke an seinen Hof, gab den Zünften Arbeit, ließ die Verkehrswege ausbauen, erleichterte den Handel, unterstützte den Bau von Kirchen und Klöstern und gewährte auch den Protestanten und Juden eigene Gotteshäuser. Dazu feierte er gerne, war stolzer Schützenkönig und sorgte für seine Untertanen. Bis heute wird er deshalb in Düsseldorf verehrt wie kein anderer Landesvater vor oder nach ihm. In Bronze gegossen steht er hoch zu Ross auf dem Marktplatz mitten im Leben der Düsseldorfer. Und wenn die es, wie im Karneval, mal wieder besonders toll treiben, dann klettert die Jugend auch immer noch zu ihm hinauf, so wie es schon Heinrich Heine tat. Das mächtige Standbild gilt als eine der bedeutendsten Barockplastiken nördlich der Alpen. Der Kurfürst selbst gab es 1711 bei dem Flamen Gabriel de Grupello in Auftrag.
Jan Wellem und das Reiterstandbild

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Gießerjunge

Schmuck her! Am Durchgang vom Marktplatz zum Rheinufer steht die Bronzefigur des Gießerjungen. Sie erinnert an eine Legende, die sich 1711 tatsächlich so zugetragen haben soll. Danach erhielt der Bildhauer Gabriel Grupello den Auftrag, ein Reiterdenkmal für den Kurfürsten Johann Wilhelm zu schaffen, doch der Guss misslang, weil der Meister das Material für die Schmelze zu knapp kalkuliert hatte. Als auch der zweite Guss deshalb zu scheitern drohte, rannte der Gießerjunge zu den Zuschauern und bat die einen um ihre Ringe oder ihren Schmuck und die anderen, nach Hause zu laufen und ihr Silberbesteck zu holen. Nachdem er alle Spenden eingesammelt hatte, warf er sie in die Schmelze. Doch statt ihm zu danken, verprügelte ihn Grupello, denn der glaubte, nun sei der Guss endgültig verdorben. Doch als die Form geöffnet wurde, zeigte sich, dass die Qualität der Bronze vorzüglich war. Zum Dank gestaltete der Meister gleich noch eine zweite Figur diesmal die des Gießerjungen und stellte sie auf den Dachfirst seines Hauses am Marktplatz/Ecke Zollstraße. Der Gießerjunge von heute wurde der Stadt 1932 von den Düsseldorfer Jonges gestiftet, nachdem man sich der Legende wieder erinnert hatte.
Die Legende vom Gießerjungen

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Karnevals-Museum

Sommer-Helau. Tausende Narren läuten am 11.11. um 11:11 Uhr auf dem Rathausvorplatz mit der närrischen Auferstehung des Erzschelms Hoppeditz die fünfte Jahreszeit ein. Weit über 300 Karnevalssitzungen, Biwaks, Empfänge und Kostümbälle in jeder Session machen Düsseldorf neben Köln und Mainz zu einem der drei Epizentren des rheinischen Karnevals. Höhepunkt ist der Rosenmontags-Umzug mit über 70 Wagen in einem fast 7 km langen Zug mit 5.500 Jecken, knapp 50 Musikgruppen und 40 Tonnen Kamelle. Seit 2005 rumort der karnevalistische Vulkan in Düsseldorf sogar im Sommer. Denn da eröffnete das Carnevals-Comittee kurz CC genannt im Haus des Karnevals gleich hinter dem Rathaus sein Karnevals-Museum. Es zeigt prachtvolle Ornate und Roben, unzählige Vereinsmützen, Fotos der Prinzenpaare, Gemälde der CC-Präsidenten, Programmhefte und Liederbücher, Bilder und Filme von Sitzungen und Umzügen, dazu Orden über Orden. Ein jecker Spaß ist dabei der auf die Köln-Düsseldorfer Erbfeindschaft anspielende Giftschrank mit den Karnevals-Utensilien der bösen Konkurrenz. Der absolute Publikumsrenner sind die Skizzen der Wagenbauer für die prunkvollen Aufbauten und satirischen Szenen im Rosenmontagszug.
Haus des Karnevals

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Hoppeditz

Session. Hinter dem Haus des Karnevals thront auf einem Turm aus Masken und Mützen Düsseldorfs Ober-Narr, der Erzschelm Hoppeditz. Sein Erwachen und seine Rede vom Pferderücken des Jan-Wellem-Denkmals oder aus einem Senftopf sowie die närrische Antwort des Oberbürgermeisters eröffnen am 11.11. um 11:11 Uhr die neue Session. Mit dem Sturm der Möhnen (alten Frauen) auf das Rathaus an Weiberfastnacht schicken viele Betriebe ihre Mitarbeiter nach Hause. Das ist der Startschuss für den Straßen- und Kneipenkarneval und dann kann man von einem Düsseldorfer sowieso nichts Vernünftiges mehr erwarten. Am Freitagabend startet als Besonderheit der Tuntenlauf, bei dem Männer in Highheels und Frauenkleidern über die Kö stöckeln. Der Sonnabend ist für den Kinderumzug mit etwa 2.000 Teilnehmern reserviert. Am Sonntag ziehen die Veedelszöch durch die Stadtteile wie in Gerresheim oder Niederkassel. Der Rosenmontag gehört als Höhepunkt dem großen Umzug in der Altstadt. Und am Aschermittwoch ist alles vorbei. Dann wird unter großem Jammern und Klagen der Hoppeditz im Garten des Stadtmuseums verbrannt und begraben und beim Leichenschmaus, einem Fischessen, endgültig verabschiedet. Bis zum nächsten Jahr.
Der Hoppeditz auf Wikipedia

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Pegeluhr

Wasserstände. Oberhalb der Weiße-Flotte-Anleger zeigt die Pegeluhr mit ihrem kleinen Zeiger die Meter und mit ihrem großen die Zentimeter des Rhein-Wasserstandes an. Schon acht Mal in der Geschichte der Stadt lag dieser Pegel über der kritischen 10-Meter-Marke und erreichte 1926 mit 11,10 m seinen Höchststand. Doch passiert ist auch da nichts. Denn hier hat der Fluss durch die linksrheinischen Wiesen und Parks genug Platz, sich auszubreiten, und die Altstadt ist durch eine Mauer geschützt. Die gab es 1882 noch nicht, so dass die Altstadt schon bei 10,93 m unter Wasser stand und am Burgplatz ein Haus einstürzte. Seitdem haben die Rhein-Hochwasser in Düsseldorf keinen nennenswerten Schaden mehr angerichtet. Die Katastrophen- Meldungen kommen immer aus Köln, weil das direkt am Fluss liegt. Die Alarmstufe I tritt ab 7,10 m in Kraft. Dann wird am Unteren Rheinwerft der Durchgang zum Alten Hafen mit Aluminiumwänden geschlossen, an der Fährstraße in Hamm ein mobiles Tor errichtet und unter der Theodor-Heuss-Brücke eine Sperre eingezogen, die den Yachthafen vor Treibgut schützt. Der historische Tiefstand wurde übrigens im Sommer 2003 gemessen. Da zeigte die Pegeluhr nur noch 41 Zentimeter an.
Die Pegeluhr online

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Rheinufer-Promenade

Kasematten-Cafés. Die Rheinufer-Promenade reicht von der Tonhalle bis zum Landtag. Hier kann man in vielen Cafés, die aus winzigen Kasematten in der Ufermauer bewirtschaftet werden, direkt am Rhein sitzen, den vorbeiziehenden Schiffen, Skatern, Joggern und Radfahrern hinterher oder den Boulespielern zuschauen und sich über den Anblick von Oberkassel freuen. Vor der Freitreppe unterhalb des Schlossturms produzieren sich die Straßenkünstler, und auf beiden Seiten davon starten die Ausflugsschiffe. Doch das Schönste an der Promenade ist: Anders als die Kölner Frankenwerft liegt sie auf der richtigen Seite, nämlich im Osten. Deshalb hat sie abends immer Sonne den romantischsten Sonnenuntergang inklusive. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da hatten auch die Düsseldorfer nichts von diesen Sonnenuntergängen. Erst verstellten Hafenkräne den Blick, und dann versperrten täglich 55.000 vorbeifahrende Autos den Zugang zum Fluss. Nachdem der Verkehr in den 90er Jahren in den 2 km langen Rheinufer-Tunnel verlegt wurde, konnten die Verkehrsflächen umgestaltet und Fluss und Stadt wieder vereint werden. Den größten Anteil daran hatte der dafür mehrfach geehrte Architekt Nikolaus Fritschi.
Die Rheinuferpromenade auf Wikipedis

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Schifffahrt-Museum

Weiße Frau. Die älteste Sammlung zur Binnenschifffahrt auf dem Rhein hat ihr Domizil seit 1984 im Schlossturm. Mit Exponaten zur Ökologie des Flusses, zur Schiffbaugeschichte oder zu Handel und Reisen vermittelt die Ausstellung vom Kellergewölbe bis ins Obergeschoss einen lebendigen Eindruck von der Schifffahrt und den Menschen auf dem Strom. Alle Schiffstypen, die je den Rhein befahren haben, sind als Modell oder als Bild vertreten, vom germanischen Ruderschiff aus dem 3. Jh. bis zum Tjalk aus dem 19. Jh. Ähnlich illustriert das Museum die Entwicklung von der Schleppschifffahrt bis zur Schubschifffahrt. Andere Abteilungen widmen sich der Rhein-See-Schifffahrt oder dem Beginn der Fahrgastschifffahrt. Die Vitrinen zur Schlossgeschichte erzählen auch von der Weißen Frau, mit der die Düsseldorfer ihre Kinder erschrecken, wenn sie abends nicht ins Bett wollen. Als Herzog Johann Wilhelm I. verrückt wurde, wollte seine Gattin, Jacobe von Baden, seine Nachfolge antreten. Da das auch andere wollten, wurde die Herzogin hier im Turm ermordet. Seitdem spukt sie darin nachts als Gespenst herum. Mit einem Imbiss und einem schönen Panoramablick kann man den Rundgang im Café Laterne ausklingen lassen.
Das Schiffahrtmuseum im Düsseldorf-Magazin

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St. Lambertus

Jungfrauen. Anders als die meisten Städte hat Düsseldorf kein richtiges Wahrzeichen und wenn, dann wäre es wohl die Lambertuskirche. Sie steht seit 1394 am Ursprung der Stadt und verwahrt in einem kostbaren Schrein die Gebeine des Stadtpatrons St. Apollinaris. Das erhebt St. Lambertus zur Mutterkirche der Stadt. Neben Kunstwerken aus sieben Jahrhunderten verfügt sie über einen wertvollen Kirchenschatz, zu dem als Kuriosum auch der Zylinder eines Handwerkers gehört, der die Kirche einst vor einem Brand rettete. Außerhalb der Stadt ist St. Lambertus vor allem durch ihren schiefen Turm bekannt ein Erbstück des bergischpreußischen Regierungsarchitekten Adolph von Vagedes. Der verpasste dem Turm 1815 seinen heutigen Dachhelm, verbaute allerdings zu frisches Holz dabei, so dass sich die Konstruktion später verdrehte. Das bot Stoff für Legenden. Danach zeugt die Verwindung vom gescheiterten Versuch des Teufels, die Kirche herauszureißen. Aber es heißt auch tröstlich, der liebe Gott würde den Turm sofort wieder gerade rücken, sollte in St. Lambertus jemals eine Jungfrau heiraten. Leider ergab sich das noch nicht. Deshalb wurde der beschädigte Turm nach 1945 auch wieder verdreht aufgebaut.
St. Lambertus auf Wikipedia

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K20

Moderne Kunst. Da Nordrhein-Westfalen als Erfindung der britischen Besatzungsmacht geschichtslos war und sehr unterschiedliche Kulturräume vereinte, lag es nahe, die Identität des neuen Bundeslandes durch eine eigene Kunstsammlung zu stärken. Mit dem Kauf von 88 Bildern von Paul Klee wurde dafür 1960 der Grundstein gelegt. Der Jägerhof, das erste Domizil, erwies sich für die Präsentation der schnell wachsenden Bestände schon bald als zu klein. Deshalb wurde 1986 der Neubau am Grabbeplatz mit seiner geschwungenen Fassade aus schwarzem polierten Granit eröffnet, der jüngst noch einmal erweitert wurde. Heute zeigt das Gebäude als K20 die Kunst des 20. Jh. mit Werken der klassischen Moderne, des Fauvismus, des Expressionismus, der Pittura Metafisica, des Kubismus, des Dadaismus, des Surrealismus und des Blauen Reiters. Zu den Höhepunkten gehören Gemälde von Pablo Picasso, Wassily Kandinsky oder von Jackson Pollock, die Installationen von Joseph Beuys und Nam June Paik sowie die Fotos von Bernd und Hilla Becher. Wer vom K20 noch ins K21 im Ständehaus wechseln will, kann dafür alle 15 min einen kostenlosen Shuttle nutzen. Jeden 1. Mittwoch im Monat ist der Eintritt von 18-22 Uhr frei.
Das K20

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Kunsthalle

Brutalismus. An die im Krieg zerstörte, spätklassizistische Kunsthalle von 1881 erinnern heute nur noch die vier Karyatiden (weibliche Säulenfiguren) Richtung Andreaskirche. Sie trugen einst das kolossale Portal der alten Galerie. Den Neubau von 1967 nennt die Kunsthallen-Verwaltung inzwischen selbst ein selten gewordenes Zeugnis brutalistischer Fertigteil-Architektur. Trotzdem stellten sich Ende der 90er Jahre Kunstfreunde ihrem Abriss entgegen und setzten eine Modernisierung durch. Von Anfang an sind im Gebäude das Museum Kunsthalle und mit separatem Galerieraum der 5.000 Mitglieder zählende Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen untergebracht. Ohne eigene Sammlungen stellen beide Institutionen die zeitgenössische Kunst der Region und ihre universellen Bezüge in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. In der abstrakten Vogelskulptur Habakuk des Rheinländers Max Ernst vor der Halle deutet sich dies bereits an. Der Anspruch des Hauses sind freche und experimentelle Ausstellungen. So kontrastiert man die Eingeborenen auch schon mal mit zeitgenössischen Chinesen. Der Salon im Rücken der Karyatiden gilt übrigens als letzte echte Künstlerkneipe der Stadt, prominente Gäste inklusive.
Die Kunsthalle

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Kom(m)ödchen

Legende. Das Kom(m)ödchen ist seit über 60 Jahren eine Kabarett-Legende. Seit jeher verbindet man mit ihm große Namen. Die Älteren werden sofort an Lore Lorentz denken. Den Jüngeren fallen sicher eher Harald Schmidt, Thomas Freitag, Jochen Busse oder Hugo Egon Balder ein, die alle mal hier anfingen. Als Kay und Lore Lorentz das Kom(m)ödchen 1947 als politisch- satirisches Kabarett gründeten, hatten beide noch nie ein Kabarett von innen gesehen. Trotzdem wurden sie schon bald ins Ausland eingeladen als erstes deutsches Theater nach dem Krieg. Wenig später nahm Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) das Programm so ernst, dass er seine Übertragung im Fernsehen verbot das war die beste Werbung. Die Eröffnung der neuen Kunsthalle mit größeren Räumen bot den Anlass für einen Umzug. Nach dem Tod von Kay und Lore Lorentz übernahm Sohn Kay Sebastian Lorentz die Geschäftsführung. Unter ihm brachten Maike Kühl, Christian Ehring und Heiko Seidel mit Couch. Ein Heimatabend die erfolgreichste Eigenproduktion seit Gründung des Kom(m)ödchens heraus. Neben dem eigenen Personal treten hier auch andere Promis der deutschen Kabarettszene auf und dazu immer wieder vielversprechende Newcomer.
Das Kom(m)ödchen

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St. Martin

Mantel-Teilung. Kein anderer Heiliger ist so fest verwurzelt im Düsseldorfer Brauchtum wie der Heilige Martin, der seinen Mantel teilte und damit einen Bettler rettete. Einmal im Jahr, am Vorabend des 11. November, ist ganz Düsseldorf auf den Beinen, um mit St. Martin für Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft zu werben. Hauptakteure sind dabei die Kinder. Sie ziehen mit selbstgebastelten Laternen in über 120 Zügen dem Heiligen Martin hinterher, der sie, hoch zu Ross, meist zu einem Martinsfeuer führt. Dazu spielen oft Blaskapellen und die Kinder singen Martinslieder, um zum Schluss einen Weckmann (traditionelles Hefegebäck) oder andere Süßigkeiten zu bekommen. Zu den Organisatoren der Umzüge gehören häufig Kitas, Schulen und Vereine, allen voran die Schützen. Der von den Martinsfreunden organisierte Zug durch die Altstadt ist der größte in Düsseldorf. Er beginnt traditionell um 17 Uhr am Stiftsplatz und endet mit dem klassischen Gripschen, bei dem die Kinder in Häuser und Geschäfte einfallen, singen und dafür Süßigkeiten verlangen. Die Martinssäule auf dem Platz vor der St. Andreas Kirche stiftete 1965 der Heimatverein Düsseldorfer Jonges. Sie zeigt Martin beim Teilen seines Mantels.
Heiliger Martin von Tours

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Neanderkirche

Urmenschen. Erst eine Bombe räumte 1943 den Blick von der Bolkerstraße auf die Neanderkirche frei. Bis dahin war sie eine verbaute Innenhofkirche. Schuld daran waren die unübersichtlichen Konfessionsverhältnisse unter Jan Wellem, die erst 1682 durch einen Vergleich zwischen ihm und dem Großen Kurfürsten geregelt wurden. Danach durften sich auch die Reformierten in Düsseldorf eine Kirche bauen, wenn sie das Auge eines Katholiken nicht beleidigte, also nicht an einer Straße oder einem Platz stand. 1687 war die Kirche fertig. Sie ist damit die Urkirche der Düsseldorfer Protestanten. Dass es mal eine reformierte Kirche war, sieht man an ihrem kargen Schmuck und der seitlichen Kanzel immer noch. Besonders beliebt sind ihre sommerlichen Orgelkonzerte und ihre Jazz-Gottesdienste. An Urmenschen erinnert die Neanderkirche erst seit 1916, denn da wurde sie nach Joachim Neander benannt. Das war ein früherer Pfarrer der Kirche und ein berühmter Kirchen-Komponist. Um ihn zu ehren, war bereits ein Teil des Düsseltales nach Neander benannt worden. Und in diesem Neanderthal fanden italienische Kalksteinbrecher 1856 die Knochen einer frühen, bis dahin unbekannten Menschenart die Knochen des Neanderthalers.
Die Neanderkirch-Gemeinde

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Heine-Haus

Ballermann. Dereinst werde das Dienstmädchen, das feinen Engländerinnen die Stube zeigt, in der er zur Welt kam, mehr Trinkgeld bekommen, als das ganze Haus wert sei. Das schrieb Heinrich Heine sinngemäß über sein Geburtshaus in der Bolkerstraße 53. Was darin wie Hybris klingt, ist beißender Spott, schonungslos gegen sich selbst wie gegen andere. Seit 2006 fungiert das Heine- Haus als Literatur-Zentrum mit Buchhandlung in den vorderen sowie Literatur-Café in den hinteren Räumen und lädt regelmäßig zu Lesungen, Konzerten und Diskussionen ein. Das eigentliche Geburtshaus im Hinterhof existiert nicht mehr. Einige historische Ziegel wurden aber gerettet und bilden heute den Sockel für die Heine-Büste im hinteren Teil des Buchladens. Käme Heine heute durch die Straße seiner Kindheit, würde ihm wahrscheinlich wirklich sehr wunderlich zumute, wie er es in seinen autobiografischen Ideen ankündigt. Mit 51 Kneipen, Brauereien und Diskos hat sie sich in eine Amüsiermeile verwandelt, die BILD schon mal mit dem Ballermann vergleicht und Düsseldorfs Highway to Love mit Abschleppgarantie nennt. Wen wundert es da, dass freitags und samstags sogar der Kirchhof der Neanderkirche zum Biergarten wird.
Das Heine-Haus

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Längste Theke

Feiern + Shoppen. Wer abends in die Altstadt kommt, will feiern: Viel Alt trinken und Leute treffen. Und das am liebsten im Stehen mitten auf der Straße. Das führt gelegentlich zu straßensperrenden Menschenaufläufen. Denn zwischen Heine-Allee und Rhein gibt es auf nur 1 km² über 250 Lokale von der Falafel-Bude über den Brauerei-Ausschank bis zum Gourmet- Tempel. Das hat der Altstadt den Ruf der längsten Theke der Welt eingebracht, seit die Toten Hosen in ihrem Altbierlied für diesen Superlativ eintraten. Die Erfinder des deutschen Punkrocks hatten 1979 im Ratinger Hof (heute Stone, Ratinger Straße 10) ihren ersten Auftritt und sollen damit ihre Kraftwerk- Kollegen vom Stammtisch verjagt haben. Ähnlich beliebt wie das Stone sind das Pretty Vacant und der Q-Stall. Tagsüber wird das Viertel zum Shoppingquartier, allen voran die von Filialisten gesäumte Flingerstraße. Sie stößt im Osten auf das Carsch-Haus. Seit 1915 ein Luxus-Kaufhaus, wurde es in den 80ern für den U-Bahn-Bau um 23 m versetzt und ist heute vor allem für seinen Feinkostkeller berühmt. In den Seitenstraßen werden die Läden kleiner. Hier wechseln sich Luxus-Boutiquen mit Antiquariaten und Spezialsortimentern ab.
Dier längste Theke der Welt

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St. Andreas

Roll back. Herzog Wolfgang Wilhelm war 1613 heimlich zum Katholizismus konvertiert und rief deshalb 1619 die Jesuiten an seinen Hof. Die waren so etwas wie die Elitetruppe des Papstes und sollten auch in Düsseldorf wieder für Ordnung sorgen. Dafür gab der Herzog 1622 den Bau der frühbarocken Andreaskirche als pfalz-neuburgische Hofkirche in Auftrag und ließ sie mit größtmöglicher Pracht ausstatten. Das hatte offenbar Erfolg. Ab 1630 war der Magistrat wieder protestantenfrei und 1641 schloss auch die letzte protestantische Kirche der Stadt. Damit war Düsseldorf wieder katholisch. Bis heute ist der Besucher überall im Kirchenraum von Heiligen umgeben, ob im Deckenstuck oder auf Gemälden. Touristische Hauptattraktion ist das herzogliche Mausoleum. Dieser zwölf- bzw. sechsseitige Kopfbau beherbergt die Sarkophage von sieben Mitgliedern des Hauses Pfalz-Neuburg, darunter auch den reich geschmückten Zinnsarkophag des 1716 verstorbenen Kurfürsten Johann Wilhelm II. (Jan Wellem). Bis zur Auflösung des Jesuitenordens 1773 blieb St. Andreas Klosterkirche, dann war sie Pfarrkirche und seit 2005 ist sie wieder Klosterkirche diesmal für 12 Dominikaner. Ihr Angebot ähnelt dem anderer Innenstadtkirchen.
Führung durch St. Andreas

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Gewürzhaus

Senf-Hauptstadt. Was für Dresden der Stollen ist und für Frankfurt die Wurst, das ist für Düsseldorf der Mostert. Einst mit Traubenmost angerührt, wird er heute wie normaler Senf mit Essig hergestellt. Doch das tut dem Kult keinen Abbruch. Der Ort dafür ist das 16 m² große und von Gästen aus aller Welt besuchte Gewürzhaus. Dort füllen die Spicegirls, Mutter und Tochter Seeger, den Mostert in traditionelle Steingut- Töpfe ab, denn darin wurde er seit Gründung der ersten deutschen Senffabrik in Düsseldorf 1726 bis nach Übersee exportiert. Et Mosterttöppchen ist grau, wird mit einem Korken verschlossen und trägt, handgemalt, den blauen Schriftzug ABB für den Firmengründer Adam Bernhard Bergrath sowie einen Anker als Zeichen für Düsseldorf. So erscheint das Töppchen auch in einem Stillleben von van Gogh von 1884. Neben dem Düsseldorfer Original bieten die Spicegirls auch noch andere Senf- Spezialitäten, dazu Krüge und Küchentöpfe als Blauzeug sowie 300 Gewürze aus aller Welt. Schon beim Betreten des Ladens umfangen den Gast die exotischsten Düfte. Die Firma Löwensenf führt die ABB-Tradition fort und würdigt sie mit einem kleinen Museum im eigenen Senfladen auf der Bergerstraße 29.
Das Gewürzhaus in der Altstadt

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Schneider Wibbel

Heldengedenken. In der Schneider-Wibbel-Gasse ehrt Düsseldorf den gleichnamigen Helden seines National-Epos´ nicht nur mit dem Namen des Straßenzugs, sondern auch mit einer Spieluhr und mit einer kleinen abgegriffenen Bronze- Statue, deren Berührung Glück bringen soll. Denn nichts hat Düsseldorf in der Welt so bekannt gemacht, wie die 1913 uraufgeführte Rollentausch- und Mundart-Komödie um den erst verstorbenen und dann wieder auferstandenen Schneider. Das in der napoleonischen Ära angesiedelte Stück von Hans Müller-Schlösser (1884 1956) wurde seither viele tausendmal gespielt, mehrfach übersetzt, siebenmal verfilmt, fünfmal für das Radio vertont und für nahezu jedes Bühnen-Genre von Musical bis Ballett bearbeitet. Müller-Schlösser veröffentlichte über vierzig Bühnenstücke, Gedichtbände, Erzählungen und Bücher zur Düsseldorfer Heimatgeschichte, aber mit keinem dieser Werke sollte er je wieder an den Schneider-Wibbel-Erfolg anknüpfen können. Mit seinem nie bissigen, eher schwejk´schen Humor setzte er sich für die kleinen Leute seiner Heimatstadt ein und verteidigte ihre Lebensart gegen die Zumutungen der Moderne genauso wie gegen allerlei preußische und französische Überfremdungen.
Der Schneider Wibbel auf Wikipedia

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Et Kabüffke

Killepitsch. Irgendwann, als die Bomben auf Düsseldorf fielen, soll der Likörfabrikant Willi Busch im Luftschutzkeller zu seinem Freund, dem Schneider-Wibbel-Erfinder, Hans Müller- Schlösser, gesagt haben: Wenn dat so wider jeht, dann donntse ons he och noch kille. Und der Freund soll geantwortet haben: Äwwer nit, eh mer zwei noch ne Leckere jepitscht hant. Daran soll sich der Willi 1955 erinnert und aus 98 Kräutern, Beeren und Wurzeln einen Schnaps gebrannt haben, den er Killepitsch nannte. Vielleicht fiel die Geschichte aber auch erst seinem Sohn Peter ein, als ihm dämmerte, dass die Opfer des mörderischen (kille) Trinkens (pitsch) seine Kunden waren. Deshalb verstärkte er seinen Schnaps nicht nur um die Müller-Schlösser-Anekdote, sondern auch noch um ein ganz geheimes Geheimrezept und um uralte Tonfässer, in denen der Schnaps lagert. Das half. Die Kundschaft wurde wieder mehr und der Killepitsch zu eine äschte Düsseldorfer Spezijalität. Busch produziert heute in seiner Fabrik am MedienHafen über 1 Mio. Liter im Jahr. Kosten kann man den Kräuter im gemütlichen Et Kabüffke oder durch die Luke zur Straße. Zum Nachspülen lädt gegenüber die Hausbrauerei Uerige ein.
Der Killepitsch

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Keramik-Museum

Scherben. Wenn man in Düsseldorf etwas bewirken will, sollte man sich an Laurenz Heinrich Hetjens orientieren. Der technische Direktor einer Glasmanufaktur hatte der Stadt 1906 eine große Keramiksammlung und dazu ein beträchtliches Vermögen hinterlassen und dafür den Bau eines Museums mit seinem Namen gefordert. Tatsächlich bekam er, was er wollte, und das auch noch in Rekordzeit. Der Grund: Hetjens hatte für den Fall, dass Düsseldorf zögert, das Erbe anzutreten, Köln als Erbnachfolger eingesetzt. Heute ist das Hetjens mit seinen einmaligen Beständen so etwas wie das Welt- Keramik-Museum. Auf 8.500 m² zeigt es Irdenware, Steinzeug, Fayence und Porzellan von den Anfängen der Keramikherstellung bis in die Gegenwart aus allen Kulturen und Epochen. Anatolische Irdenware aus dem 6. Jt v. Chr. bildet die älteste Fundgruppe. Prunkstück der Sammlung ist die Fliesenkuppel eines islamischen Heiligengrabs. Und am besten bestückt ist man naturgemäß mit rheinischen Scherben. Der zeitgenössischen Keramik gelten viele Sonderausstellungen. Untergebracht ist das Hetjens- Museum im Palais Nesselrode. Das zerbombte Haus wurde 1964 nach den Plänen von 1775 wieder errichtet und bekam 1994 einen Anbau.
Das Hetjens-Museum

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Film-Museum

Perfekte Träume. Das Museum empfängt seine Besucher in einem Pantheon der Filmgeschichte mit klassischen Szenen wie Alfred Hitchcocks Angriff der Vögel und Requisiten wie dem Vampir-Mantel von Klaus Kinski in Werner Herzogs Nosferatu. Die nächste Abteilung fragt nach den großen Stars. Wer waren Greta Garbo oder Hans Albers? Warum wurden sie so berühmt? Und wo wurden die Filme eigentlich gezeigt, als es noch keine Kinos gab. Der zweite Stock widmet sich den Vorläufern des Films vom Schattenspiel bis zum Daumenkino, den technischen Erfindungen, mit denen die Bilder dann wirklich das Laufen lernten und der Entdeckung, dass sich die Szenen zerschneiden und zu neuen Abläufen montieren ließen. Auch der Verstärkung der Bilder durch den Ton ist eine eigene Abteilung gewidmet. Ein Filmstudio vermittelt schließlich den Eindruck, als machten die Schauspieler nur gerade mal Pause. Es wird gezeigt, wie sich der Film in die klassischen Künste integriert und wie er für Werbung und Politik nutzbar wird. Mit den jüngsten technischen Neuerungen von der nachträglichen Cholorierung alter Filme bis zur dreidimensionalen und klanglichen Vertiefung heutiger Bilder endet der Rundgang im vierten Stock.
Das Filmmuseum

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