Börse, Bunker, Hammermörder

Paulskirche

Nationaldenkmal. Seit 1948 ist die wieder aufgebaute Paulskirche keine Kirche mehr, sondern als Haus aller Deutschen ein Nationaldenkmal für öffentliche Veranstaltungen und Ausstellungen. Dazu zählen die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels oder die Vergabe des Goethe-Preises. Erstmals umgenutzt wurde die einstige protestantische Hauptkirche der Stadt durch die Frankfurter Nationalversammlung im März 1848. Im Oktober beschloss der erste demokratisch gewählte deutsche Souverän hier den Zusammenschluss aller deutschen Staaten zum Deutschen Reich und scheiterte am österreichischen Kaiser. Danach beschloss die Versammlung die kleindeutsche Paulskirchenverfassung und scheiterte am preußischen König. Damit zerfiel das Parlament und die Kirche wurde wieder Kirche. Durch zahlreiche nationale Gedenkfeiern erfuhr sie jedoch nach 1871 eine erneute Politisierung und wurde schließlich in der Weimarer Republik zum heiß umkämpften Nationalsymbol aller politischen Kräfte. Seit 1985 illustriert eine Dauerausstellung im Untergeschoss die politische Geschichte der Paulskirche. US-Präsident John F. Kennedy nannte sie 1963 bei einem Besuch die Wiege der deutschen Demokratie.
Die Paulskirche

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Liebfrauenkirche

Seelenbad-Mitte. Architekturhistorisch ist die im Krieg fast völlig zerstörte katholische Liebfrauenkirche keine Attraktion mehr. Dennoch lohnt sich ein Besuch. Schon wegen der steinernen Bildergeschichte über dem früheren Südeingang von Madern Gerthener. Der berühmte Steinmetz war Anfang des 15. Jh. Frankfurts Stadt- und Dombaumeister und ihm wird fast alles zugeschrieben, was aus dieser Zeit noch steht. Heute ist die Kirche mitten in der City ein stilles Refugium und lädt zum Innehalten ein. Drei Franziskanerinnen und neun Kapuziner aus dem benachbarten Kloster tun hier Dienst und das täglich von 5.30 - 21.00 Uhr. Damit ist Liebfrauen die am längsten geöffnete Kirche Frankfurts. Obdachlose, die im Franziskustreff für 50 ct ein Frühstück bekommen, sind meist ihre ersten Gäste. Dazu gibt es ein Turmzimmer für längere Gespräche und die Klosterpforte für die unaufschiebbaren Nöte. Wer Liebfrauen verlässt, wird die Madonna im Innenhof in Erinnerung behalten. Sie steht in einem Meer von Kerzen, die von über 1.000 Besuchern täglich angezündet werden von Christen, Atheisten und Andersgläubigen. Obwohl die Gemeinde nur 300 Mitglieder zählt, kommen zu ihren Messen bis zu 2.000 Menschen.
Die Liebfrauenkirche

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St. Katharinen

Gezeichnet. Fast genau zehn Jahre lang standen die Zeiger der Kirchturmuhr von St. Katharínen auf 21.30 Uhr, als wollten sie den Augenblick für immer festhalten, in dem Frankfurts größte evangelische Kirche und mit ihr die ganze Altstadt am 22. 03.1944 im Feuersturm unterging. Mit dem über 300 Jahre alten Gotteshaus verbrannten auch seine prächtige barocke Ausstattung und die umlaufenden Doppel-Emporen. Die 82 Bilder mit biblischen Motiven, die diese Emporen schmückten der ganze Stolz der Kirche waren zum Glück schon ausgelagert. Sie konnten später zwar restauriert, aber nicht wieder eingebaut werden. Denn nach dem Wiederaufbau ab 1950 gab es statt der Doppelemporen nur noch eine kleine Orgel-Empore. Das war nicht nur billiger, es entsprach auch dem nüchternen Zeitgeist. Er prägt auch die übrige Einrichtung und macht 17 Fenster mit Glasmalereien aus den 50er Jahren zum Hauptschmuck der Kirche. Dank einer hervorragenden neuen Rieger-Orgel entwickelte sich St. Katharinen seit 1990 zu einem Zentrum der Kirchenmusik mit mehreren Konzerten pro Woche. Das Leben der Gemeinde ist stark von der Hilfe für die Obdachlosen, Alkoholiker und Drogensüchtigen im Umfeld der Hauptwache geprägt.
St. Katharinen

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Hauptwache

Frankfurts Mitte. Der Name Hauptwache bezeichnet nicht nur das barocke Haus, sondern auch das Café darin, den Platz drum herum und auch noch die darunter liegenden S- und UBahnhöfe. Durch sie ist der Platz zwar der belebteste der Stadt, aber auch der ungemütlichste. Schuld daran ist vor allem ein Loch, durch das die Passanten in unterirdische Einkaufspassagen auf der sogenannten B-Ebene oder zu den Schnellbahnen verschwinden. Am Brunnen hinter der Wache wurde 1772 dem echten Gretchen aus Goethes Faust dem Protokoll zufolge glücklich der Kopf abgesetzt. Nach einem Urteil des Hessischen Staatsgerichtshofs von 1998 wäre die Kindsmörderin heute mit zwei Jahren auf Bewährung davongekommen. 1833 stand die Hauptwache als Schauplatz des Frankfurter Wachensturms erneut im Rampenlicht. Mit ihm wollten 50 Nationaldemokraten eine Revolution auslösen und die Republik ausrufen, doch sie scheiterten. Im 20. Jh. machte Carl Zuckmayer die Hauptwache erneut berühmt. Denn in einer ihrer Zellen endete 1802 die Blutspur des realen Schinderhannes. Zuckmayer verklärte den brutalen Räuberhauptmann zum Robin Hood und begeisterte damit auf der Bühne (1927) wie im Film (1928/58) ein Millionen-Publikum.
Die Hauptwache

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Börse

Bulle und Bär. Wer auf der Besuchergalerie der alten Börse im Parkett noch Hektik und Geschrei erwartet, kommt leider zu spät. Hier ist nicht mehr viel los, denn inzwischen werden 93 % der Aktien im Stadtteil Hausen per Internet verkauft und dabei klappern nur noch die Tastaturen. Trotzdem wurde der Börsensaal 2007 noch einmal modernisiert, denn das Fernsehen braucht Bilder vom drittstärksten Aktienmarkt der Welt. Die Kaufleute auf der Messe 1585 hatten andere Sorgen. Sie kannten den Wert ihrer vielen Münzsorten nicht mehr und begannen, Wechselkurse festzulegen. Das war der Anfang der Börse. Ihr stetiger Aufstieg fand erst 1914 ein Ende und nach 1945 existierte sie quasi nicht mehr. Ihr Wiederaufstieg verdankt sich der deutschen Teilung und dem Wegfall Berlins als Hauptstadt. Dadurch geriet Frankfurt auch als Finanzplatz in eine Ersatzrolle und seine Börse wurde als Deutsche Börse zum Welthandelsplatz. Bis heute nennen die Frankfurter den 1879 fertig gestellten Neorenaissance-Bau wegen seiner 43 m hohen Kuppel Kapitalistendom. Markanter als sein reicher Figurenschmuck sind der Bulle und der Bär davor. Der eine steht für das Auf (Hausse), der andere für das Ab (Baisse) der Kurse.
Die Frankfurter Börse

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Eschenheimer Turm

Der Schönste. Im Wilden Westen wäre Hans Winkelsee ein Held geworden, aber in Frankfurt sollte er als Wilddieb gehenkt werden. Zum Glück besannen sich die Ratsherren. Als er mit neun Kugeln eine 9 in die Wetterfahne des Eschenheimer Turmes schoss, machten sie ihn zum Förster. Der Turm gilt als der schönste von den einst 60 in der einstigen Stadtbefestigung und er schrieb sogar Theatergeschichte wenigstens im Namen des Theaters am Turm (heute Metropolis). Dort wurde 1966 Peter Handkes Publikumsbeschimpfung uraufgeführt, 1969 standen Marxismus- und Thai-Chi-Kurse auf dem Programm und 1974 erzwangen Frankfurts Juden dort die Absetzung von Fassbinders Der Müll, die Stadt und der Tod. In der Stiftstraße 36 nebenan, starb 1957 die 24jährige Prostituierte Rosemarie Nitribit. Mit einer Platzwunde am Kopf und Würgemalen am Hals lag sie tot in ihrer Wohnung. Dass die Tat nie aufgeklärt wurde, bot Raum für Spekulationen und einen Stoff, der gleich zweimal verfilmt wurde. Postum stieg Das Mädchen Rosemarie damit zur Kurtisane des Wirtschaftwunders auf. Obwohl ihr angesehenster Kunde gerade mal ein Sparkassen-Direktor war, heißt es bis heute, sie habe die mächtigsten Männer der Bundesrepublik bedient.
Der Eschenheimer Turm

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Holzhausenschlösschen

Wasserschloss-Idylle. Das Holzhausenschlösschen steht auf den Fundamenten einer alten Wasserburg mit Zugbrücke und war wie andere befestigte Höfe in der Umgebung Frankfurts ein Gut des Stadtadels. 1727 wurde es von der Familie Holzhausen umgebaut, später mit einem großen englischen Landschaftspark umgeben und als Sommersitz genutzt. Das blinde Eingangstor am Oeder Weg zeigt, wie groß der Park einst war. Die von Holzhausens konnten es sich leisten. Aus ihrem Geschlecht gingen seit dem 13. Jh. 70 Frankfurter ältere Bürgermeister hervor und wahrscheinlich noch einmal genauso viele jüngere, wie die Stellvertreter in Frankfurt heißen. 700 Jahre lang lenkten die Holzhausens so die Geschicke der Stadt. Ihr letzter kinderloser Spross starb erst 1910. Inflationsbedingt fiel das Schlösschen danach an die Stadt. Bereits zuvor hatte es der damals noch unbekannte Landschaftsmaler und Porträtist Hans Thoma samt Park in der Kunstgeschichte verewigt. Eines dieser Holzhausen-Bilder hängt im Städel. Es heißt nach dem damals noch gängigen Namen des Gutes Die Oede. Heute hat die Frankfurter Bürgerstiftung in dem Schlösschen ihren Sitz und lädt darin zu Lesungen, Ausstellungen und Konzerten ein.
Das Holzhausenschlösschen

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Wasserhäuschen

Späte Nostalgie. Schwer zu sagen, was das Wasserhäuschen in Frankfurt vom schlichten Kiosk in Berlin oder Hamburg unterscheidet. Trotzdem halten die Frankfurter ihre Kiosk-Variante seit einigen Jahren für etwas Besonderes. Das Kuriose daran ist, dass sie selbst die Minishops zuvor jahrzehntelang bekämpft hatten. Denn an den Büdchen mit dem billigen Bier traf sich häufig das soziale Elend, sie waren laut und schmutzig, und damit wollte niemand etwas zu tun haben. Erst als von den einst 800 Trinkhallen nur noch 280 übrig waren, entdeckte man ihre Vorzüge. Quasi über Nacht wurden aus den gemiedenen Assi- Treffs hoch geschätzte Orte nachbarschaftlicher Begegnung, und die Gelegenheit, dort auch noch nach Ladenschluss etwas einkaufen zu können, galt als unverzichtbar. Plötzlich waren die Wasserhäuschen Kult, wurden Gegenstand von Unterschriften-Sammlungen und Ausstellungen, Kunstaktionen und Foren, TV-Sendungen und Zeitungsartikeln, bis eine bekannte Frankfurter Journalistin ihrer Redaktion Schreikrämpfe für den Fall androhte, dass das Thema weiter hochgeschrieben werde. Aber da hatten die Stadtplaner längst bei Dehio geschworen, die letzten Wasserhäuschen zu verteidigen wie den Kaiserdom.
Das Wasserhäuschen

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Kriminalmuseum

Echte Morde. Das Frankfurter Kriminalmuseum im Keller des Polizeipräsidiums dokumentiert die Krimis, die das wahre Leben schreibt. Herzstück der Sammlung sind Fotos, Dokumente und Beweisstücke zu den spektakulärsten Frankfurter Verbrechen seit 1945. Dazu gehören Raubmorde und Banküberfälle, legendäre Prostituierten- Morde, die gescheiterte Thomy-Erpressung oder die Überfälle der Korbmacher Bande. Manche Exponate sind wirklich gruselig. Deshalb haben Kinder unter 14 Jahren auch keinen Zutritt. Neben abgehackten Händen werden ein Kopfdurchschuss, die Haut einer Wasserleiche, der Hirschfänger im Hintern eines Masochisten oder die Tatwaffe des sechsfachen Hammermörders gezeigt. Aber die Präsentation widmet sich auch alltäglicheren Delikten. Sie zeigt Fälscherutensilien, die Tricks von Schmugglern und Dieben, versteckte Waffen wie Stockdegen und Schießkugelschreiber oder improvisierte Pistolen für Gefängnisausbrüche, darunter Attrappen aus dem Blech von Marmeladen-Tuben und eine schießfähige Balsaholz-Pistole. In eigener Sache geht das Museum schließlich dem Tod von zwei Polizisten nach, die bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen um den Bau der Startbahn West 1987 ums Leben kamen.
Das Kriminalmuseum

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Deutsche Nationalbibliothek

Tiefgestapelt. Die Straßenfront der Deutschen Nationalbibliothek lässt nicht vermuten, was sich dahinter verbirgt. Der Zweck des Gebäudes erschließt sich erst von hinten. Die zum Garten hin offene Rückseite gewährt jeden Einblick und lässt viel Licht in die Büros und Lesesäle. Obwohl der Neubau erst 1997 eingeweiht wurde, reichen seine 340 Leseplätze oft nicht. Denn die Nationalbibliothek ist eine Präsenzbibliothek und leiht keines ihrer 8 Millionen Bücher aus. Wer darin lesen will, muss es hier tun und zwei Stunden auf ein bestelltes Buch warten. In den drei fußballfeldgroßen, unterirdischen Magazinen ist noch Platz für weitere 10 Millionen Bücher. Das soll bis 2035 reichen wenn es dann noch Bücher gibt. Bisher treffen täglich noch etwa 1.200 neue Titel ein vom Comic über das Kochbuch und den Forschungsbericht bis zum Roman alles Pflichtexemplare, die die Verlage von jeder Neuerscheinung abliefern müssen. Frankfurt teilt sich die Aufgabe einer Nationalbibliothek mit der älteren Deutschen Bücherei in Leipzig, deren Funktion sie nach der deutschen Teilung übernahm sowie mit dem Deutschen Musikarchiv in Berlin. Öffentliche Führungen finden jeden 1. Mittwoch im Monat um 10.30 Uhr statt.
Die Deutsche Nationalbibliothek

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Hauptfriedhof

Totentanz. Auf dem Frankfurter Hauptfriedhof liegen Arthur Schopenhauer, Theodor W. Adorno, Alois Alzheimer und Alexander Mitscherlich. Angeführt wird die Toten-Hitparade jedoch von einer Pauline Schmidt, dem echten Paulinchen aus der gar traurigen Geschichte mit den Streichhölzern im Struwwelpeter. Gegen das lichterloh brennende Kind haben die Philosophen und Psychiater keine Chance. Paulines Grab wird viel häufiger besucht als ihre Gräber. Nicht einmal Heinrich Hoffmann, der Erfinder des Struwwelpeter-Paulinchens, kann da mithalten. Dann schon eher das Mausoleum Reichenbach- Lessonitz. Denn das ließ Kurfürst Wilhelm II. von Hessen-Kassel 1845 für eine Emilie Ortlepp errichten, die als Berliner Goldschmiedstochter drei Jahrzehnte lang seine Geliebte war und ihm acht Kinder gebar. Obwohl der Kurfürst damit eine Staatskrise nach der anderen provozierte, erhob er sie zur Gräfin und heiratete sie sogar, als seine ordentliche Gattin gestorben war. Einen Besuch wert sind auch das Gemeinschaftsgrab für die Opfer des 1937 in Lakehurst abgestürzten Luftschiffes Hindenburg oder das Denkmal für einen Flugzeugabsturz 1996 vor der Küste der Dominikanischen Republik mit fast 200 Toten.
Der Hauptfriedhof

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Explora Museum

Alles Täuschung. Die Bilder an der Wand bewegen sich, sie schrumpfen oder verändern ihr Motiv, manche ziehen sich tief in die Wand zurück und andere treten scheinbar weit aus ihr heraus. Wer hier eintritt, muss seine Augen festhalten und das dahinter verrückt spielende Hirn gleich mit. Denn das Explora-Museum widmet sich dem räumlichen Sehen, vor allem aber den vielfältigen Techniken, die seit 500 Jahren entwickelt werden, um es zu überlisten. Gründer dieses Museums ist der Fotodesigner Gerhard Stief. Schon als Kind interessierte er sich für die Holografie und stereoskopische Bilder. 1995 löste er seine gesamte Altersvorsorge auf, um dafür den Glauburg-Bunker zu kaufen und darin zu zeigen, was er im Laufe seines Lebens zusammengetragen hat eine einmalige Kollektion. Doch bevor er seine Shower-Lady präsentieren konnte, eine nackte Schönheit, die bei Annäherung hinter einem Duschvorhang verschwindet, musste er erstmal meterhohen Taubenmist entsorgen. Bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion wurde der als normales Haus getarnte Bunker als Luftschutzraum vorgehalten. Im letzten Krieg fanden hinter seinen zwei Meter dicken Stahlbetonwänden bei Fliegerangriffen bis zu 1.500 Menschen Schutz.
Das Explora Museum

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KÄS

Türkischer Biss. Die Käs oder Kabarett Ändrungs- Schneiderei ist das erste türkische Kabarett mit deutschem Programm. Ihr Gründer, Sinasi Dikmen nennt sie die politischste Bühne der Stadt und wirbt zugleich mit der Prominenz seiner Gäste. Man kennt sich noch aus Dieter Hildebrands Scheibenwischer, denn dort feierte Dikmen seine ersten großen Erfolge. Anders als im Fernsehen, erleben die Zuschauer bei ihm die Stars hautnah, schon deshalb, weil die Käs so klein ist. Es liegt auf der Hand, dass Dikmen selbst vor allem das Zusammenleben von Deutschen und Türken aufs Korn nimmt. Denn seine 33.000 Landsleute sind auch in Deutschlands Ausländerhauptstadt mit Abstand die größte Migrantengruppe. Schon die Programm-Titel spielen darauf an. Sie heißen Wenn der Türke zweimal klingelt, Du sollst nicht türken! oder auch Islam für Anfänger. Merkwürdigerweise werden sie in Deutschland nur von Deutschen und bei Gastspielen in der Türkei ausschließlich von Türken besucht. Für Dikmen ist dies ein klares Zeichen dafür, dass die Türken in der Türkei besser Deutsch können als die Türken in Deutschland. Er kann sich das nur mit den ausgezeichneten Sprachkursen des Goethe-Instituts in der Türkei erklären.
Die KÄS

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Mousonturm

Theater, Zacken und Pomade. Der Mouson-Turm ist eines der ältesten und bekanntesten freien Theater Deutschlands für Gastspiele aus den Bereichen Theater und Tanz sowie Performance und Musik. Ferner werden hier Filme gespielt, Hörstücke aufgeführt, Lesungen gehalten und Ausstellungen gezeigt. Der 33 Meter hohe Backsteinbau im Ostend war 1926 das erste Hochhaus Frankfurts. Bis 1972 wurden hier international erfolgreiche Kosmetika hergestellt, darunter die Creme Mouson die mit der Tiefenwirkung aber auch Rasierwasser, Pomaden, Parfüms und Zahnpasten. Hinter dem Unternehmen stand seit 1798 die Frankfurter Familie Mouson. Nach dem Aus für die Fabrik durch interne Streitigkeiten sollte der Komplex zunächst abgerissen werden. Doch seine Dreiecks- und Zackenornamente retteten ihn. Sie wiesen ihn als seltenes Beispiel für einen expressionistischen Industriebau aus und so wurde er unter Schutz gestellt. 1977 zog ein Fabrikfest 20.000 Besucher an und ließ bei den Veranstaltern, aber auch in den Medien und in der Politik die Idee einer Kulturfabrik aufkeimen. Frankfurts legendärer Kultur-für-alle- Dezernent Hilmar Hoffman setzte sich dafür ein, dass daraus 1988 Wirklichkeit wurde.
Mousonturm

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Chinesischer Park

Lotus-Fels. Ein friedlicher Platz zum Ausruhen. In der Stille findet man Kraft zu neuem Denken, so lautet die Kalligraphie auf einer Tafel am Wasserpavillon des Chinesischen Gartens im Bethmannpark und beschreibt den daoistisch inspirierten Geist des Ortes. Danach soll der Garten ein Rückzugsort vom geschäftigen Treiben der Stadt sein und die Harmonie der Welt widerspiegeln. Der 4.000 m² große Frühlingsblumenort mit 22 Landschaftsbildern, einer Marmorbrücke, verschiedenen Pavillons, einem großen Teich und einem Wasserfall entstand 1989 in nur fünf Monaten. Die Fachleute, die dieses exotische Paradies damals anlegten, kamen ebenso aus China wie große Teile des Materials. Der Bethmannpark umgab seit 1783 den Landsitz der gleichnamigen Bankiersfamilie. Einige exotische alte Bäume erinnern noch daran. Anfang des 19. Jh. hatte Bethmann als Finanzier für den Hochadel halb Europas eine Stellung, wie seit den Fuggern kein anderes Bankhaus mehr. Frankfurt profitierte davon. Bethmanns waren gute Steuerzahler. Sie machten in Krisenzeiten mehrfach ihren Einfluss zugunsten der Stadt geltend und sie waren großzügige Mäzene. Erst die Rothschilds sollten Bethmann ab 1826 auf Platz zwei verweisen.
Der Chinesische Garten

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Alte Gasse

Rosa Dreieck. Frankfurts schwul-lesbische Szene konzentriert sich im rosa Bermuda-Dreieck rund um die Alte Gasse. Erster Anlaufpunkt für Männer ist das Infocafé Switchboard (Alte Gasse 36), während sich die Frauen links darüber in der Frankfurter Lesbenzentrale treffen. Auf dem Klaus- Mann-Platz erinnert der Frankfurter Engel von Rosemarie Trockel an die Schwulen-Verfolgung der Nazis und einige Schritte weiter, auf dem Petersfriedhof mahnt das Aids-Memorial Verletzte Liebe von Tom Fecht, denn in Frankfurt starben etwa 1.000 Menschen an Aids und damit mehr als in allen anderen deutschen Städten. Für jeden der Toten hat Fecht einen handgeschmiedeten Nagel in die Friedhofsmauer geschlagen. In den Clubs und Bars der Szene ist das kein Thema, hier tobt das wilde Leben. Außer auf der Alten Gasse findet man sie auf der Schäfergasse, der Stiftstraße und der Bleichstraße, der Brönnerstraße, der Elefantengasse, der Klapperfeldstraße und sogar auf der Zeil. Dazu hat Frankfurt ein paar schwule Hotels, mindestens ein halbes Dutzend Schwulensaunen und wie jede Stadt seine Treffs für den schnellen Sex, darunter die Friedberger Anlage, die Alte Oper, die Konstablerwache und den Grüneburgpark.
Das Switchboard

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Tigerpalast

Beste Unterhaltung. Zum Greifen nah erleben die Gäste im Tigerpalast ein Feuerwerk der Unterhaltungskunst. Ob Bougliones Königstiger aus Paris, Trapezkünstler aus Vietnam oder Magier aus Japan, ob der weltbeste Taschendieb Charly Borra, Seilakrobaten aus China, Jongleure aus New York oder Chansoniers wie Max Raabe und Georgette Dee sie und viele andere ziehen das Publikum im unverwechselbaren Ambiente des alten Ballhauses nahe der Zeil in ihren Bann. Zum ersten Mal öffnete sich der Vorhang des Tigerpalasts im Herbst 1988. Mit dem Entfesselungskünstler Hans Moretti und dem Jongleur Ernesto Montego betraten zwei deutsche Varieté- Stars die Bühne. Dafür hatten sich Tigerpalast- Gründer Johnny Klinke und die künstlerische Leiterin Margareta Dillinger jahrelang mit den Varieté-Erfolgen der 20er Jahre beschäftigt, um so ein verlorenes Stück Großstadt-Kultur zurückzugewinnen. Und sie erreichten ihr Ziel. Der Tigerpalast ist ein national und international anerkanntes Markenzeichen für hochkarätige Unterhaltungskunst. Zwei Revuen an fast jedem Abend bieten in einer atemberaubenden Show das Beste vom Besten. Und danach wartet im Souterrain das mehrfach prämierte Tiger-Gourmet- Restaurant.
Der Tigerpalast

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Zoo

Nachtjäger und Tropendonner. Aus heiterem Himmel zuckt ein Blitz durch das Exotarium und ein Donnerschlag erschreckt die Besucher. Trotzdem zucken die Krokodile mit keinem ihrer sechs Lider. Sie kennen das Theater. Es heißt Tropengewitter und wird als Attraktion zweimal täglich aufgeführt. Ähnlich spektakulär geht es im Grzimek-Haus zu, denn hier wird der Tag zur Nacht gemacht, um auch die nachtaktiven Tiere so zeigen zu können, wie sie wirklich sind. Benannt wurde das Haus nach Bernhard Grzimek, dem früheren Direktor des Zoos. Er bekam 1959 mit dem Dokumentarfilm Serengeti darf nicht sterben nicht nur den ersten deutschen Nachkriegs-Oscar, mit seiner 175- teiligen Serie Ein Platz für Tiere wurde er auch zur Kultfigur des deutschen Fernsehens. Daran erinnert auch das Camp mit dem fliegenden Zebra und dem gestreiften Landrover. Es zeigt, wie Grzimek in Afrika arbeitete. Außerdem sehenswert: der Katzendschungel, ein Urwald voller Großkatzen, das Vogelhaus mit riesigen Volieren, die Robbenklippen, die Raubtier-, Nashorn- und Giraffenanlagen, das Tierkinderund das Affenhaus. Frankfurts 1858 gegründeter Zoo ist Deutschlands zweitältester. Er zeigt etwa 4.500 Tiere aus 500 Arten.
Der Zoo Frankfurt

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Literaturhaus

Opulente Lesebühne. Das Literaturhaus Frankfurt ist ein Ort der literarischen Begegnung und der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer internationaler Literatur. Neben der klassischen Autorenlesung finden hier regelmäßig Diskussionen über Sachbücher statt oder Symposien und Tagungen wie die Frankfurter Literaturbiennale. Dazu werden Ausstellungen zu literarischen Themen gezeigt, die oft auch einen Bogen zur bildenden Kunst schlagen. Während der Buchmesse ist das jeweilige Gastland mit Lesungen und Veranstaltungen im Haus, einmal im Monat gibt es den Kinderbuch-Sonntag, und der Rotary-Club unterstützt Schreibwerkstätten mit bekannten Frankfurter Autoren für Jugendliche. Ihnen fühlt sich die Einrichtung besonders verpflichtet, denn vor ihrem Umzug in die Alte Stadtbibliothek 2005 war sehr umstritten, ob junge Leute den opulenten, vor Bürgerlichkeit nur so strotzenden Bau annehmen würden. Schließlich galt er bei seiner Fertigstellung 1825 als das Prunkstück der eleganten Promenade am nördlichen Mainufer. Davon ließen die Bomben des II. Weltkriegs nur die sechs Säulen des Portikus übrig. Erst im Jahr 2000 begann aus Stiftungsmitteln und privaten Spenden der Wiederaufbau der Ruine.
Das Literaturhaus Frankfurt

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Jüdischer Friedhof

Schindlers Liste. Die ältesten Gräber auf dem jüdischen Friedhof stammen aus dem 13. Jh. als die Juden noch unter den Christen nahe beim Dom wohnten, die jüngsten sind von 1828. Denn da wurde der Friedhof geschlossen, weil sich die Juden aus der Judengasse inzwischen auf die ganze Stadt verteilt hatten. Obwohl in der NS-Zeit zwei Drittel der Grabsteine verschwanden, zeugen die übrigen noch vom ewigen Liegerecht. Irgendwann zwang es dazu, die Toten zu stapeln. Deshalb stehen die Steine so ungeordnet und eng beieinander und deshalb ragen sie so unterschiedlich weit aus der Erde. Aus ihren hebräischen Inschriften geht hervor, wer der Tote war und ein Haussymbol zeigt, wo er wohnte. In die Nordmauer des Friedhofs sind 11.000 Blöcke mit den Namen deportierter und ermordeter Juden eingelassen, darunter der von Anne Frank. Die Lebensgeschichten dahinter kann man im Oskar - und - Emilie - Schindler - Lernzentrum im Museum Judengasse nachlesen. Es widmet sich der Rettung von 1.200 Juden durch den Krakauer Fabrikanten Oskar Schindler, der von 1958 bis zu seinem Tod 1974 in Frankfurt lebte. Daraus hat Steven Spielberg einen Film gemacht und seine 150 Interviews mit Überlebenden dem Museum überlassen.
Alter Jüdischer Friedhof

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Museum Judengasse

Ghetto. Die Juden standen immer unter dem besonderem Schutz der Fürsten. Deshalb nutzten die Städte die Schwäche der Landesherren im 15. Jh. nicht nur zum Ausbau ihrer Selbstverwaltung, viele vertrieben auch gleich ihre Juden. Für Frankfurt kam das nicht in Frage, dafür waren das Geld und die Beziehungen der Juden im Messehandel zu wichtig. Deshalb wies ihnen der Rat die mit Mauern und Toren abgeschlossene, 330 m lange Judengasse zu und forderte sie auf, einen gelben Ring zu tragen. Da auch die Zünfte in eigenen Vierteln lebten und eigenen Kleiderordnungen unterlagen, war daran nur besonders, dass die Juden weiterhin rechtlich benachteiligt wurden. Zugleich bot das Ghetto Schutz und erlaubte eine einzigartige Entfaltung jüdischen Lebens, so dass die Gemeinde von 100 auf 3.000 Menschen wuchs und in unvorstellbarer Enge lebte. Dem machten erst die Franzosen ein Ende. Sie zerstörten die Gasse und verkündeten die allgemeine Gleichheit. Beim Bau der neuen Verwaltung der Stadtwerke stieß man in den 80er Jahren auf die Reste des Viertels. Von den einst 195 Häusern blieben fünf Fundamente mit zwei Mikwen erhalten, an denen das Museum Judengasse heute den Alltag in der Straße illustriert.
Museum Judengasse

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Museum für Moderne Kunst

Kunst-Torte. Das Museum für Moderne Kunst zählt zu den besten unter den zeitgenössischen deutschen Kunsthäusern. Der Schwerpunkt seiner Sammlung liegt bei Pop Art, Objektkunst und Rauminstallationen, darunter Arbeiten von Andy Warhol, Claes Oldenburg, Roy Liechtenstein, Joseph Beuys und Reiner Ruthenbeck. Neben den stetigen Zugängen von anerkannten Werken aus den 60er Jahren haben die Kuratoren auch die spätere Kunstentwicklung im Blick und interessieren sich besonders für junge Künstler und aktuelle Trends. Das 1991 eröffnete Haus präsentiert seine Exponate im sogenannten Tortenstück, wie die Frankfurter den Dreiecksbau nennen. Auch ohne die Exponate gleicht der Gang durch die rund vierzig ungewöhnlich geschnittenen Räume einer Entdeckungsreise. Denn der Architekt Hans Hollein hat zwischen ihnen Übergänge und Verbindungen mit interessanten Lichteinfällen geschaffen, die jeweils neue und überraschende Perspektiven eröffnen. Sonderausstellungen setzen auch das scheinbar Bekannte immer wieder in neue Beziehungen. Ergänzt werden sie durch Satelliten-Räume, etwa das Archiv für die Präsentation von Werken, die gewöhnlich nicht gezeigt werden oder das Kinderzimmer mit Kunst für Kinder.
Das Museum für Moderne Kunst

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Kleinmarkthalle

Kalorienbörse. Als Frankfurts Stadtplaner 2005 wohlmeinend vorschlugen, die hässliche Kleinmarkthalle aus den 50er Jahren abzureißen und durch einen schicken Neubau zu ersetzen, hagelte es sofort Proteste. Die Empörung legte sich erst wieder, als sie mit einem Sanierungskonzept den geordneten Rückzug antraten. Doch selbst das sorgte noch jahrelang für Streit. Denn die Kleinmarkthalle ist gerade wegen ihres morbiden Charmes Kult bei den Frankfurtern, weil es hier eben nicht zugeht wie in einem EKZ, weil der selbe Gemüsemann hier schon seit 30 Jahren steht und weil hier auch immer noch ein Schwatz abfällt. Die Geschichte der Kleinmarkthalle reicht zurück bis 1879 als unweit ein Bau aus Glas und Gusseisen eröffnet wurde, den man mit den Hallen von Paris und Barcelona verglich. Damals boten dort vor allem die Bauern aus der Umgebung ihre Waren an. In der Halle von heute präsentieren etwa 60 Händler aus 25 Nationalitäten an rund 150 Ständen ihre Köstlichkeiten. Und die sind offenbar so unwiderstehlich, dass die Frankfurter die Kleinmarkthalle auch Kalorienbörse nennen. Angeboten werden vor allem Obst und Gemüse, Backwaren, Fisch, Milchprodukte, Fleisch und Wurst, Weine und Feinkost.
Die Kleinmarkthalle

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Stoltze-Museum

Lokalpatriot. Un es will mir net in de Kop enei, wie kann nur e Mensch net von Frankfort sei, so dichtete Friedrich Stoltze zu Ehren seiner Heimatstadt. Doch Stoltze war keineswegs nur der Mundartdichter, als den man ihn heute noch kennt. Einen Namen machte er sich Mitte des 19. Jh. vor allem als Herausgeber des politischen Satireblattes Latern. Darin legte er sich immer wieder mit Bismarck und der preußischen Regierung an, so dass er, als Frankfurt 1866 an Preußen fiel, einer Verhaftung nur durch die Flucht ins zeitweilige Exil entging. Tapfer gegen die Preußen gestritten zu haben, war in der vordem Freien Reichsstadt schon genug, um sich für alle Zeiten Ruhm und Ehre zu erwerben. Deshalb stiftete die Sparkasse Stoltze und seinem Sohn im Treppenturm des Schönborner Hofes 1978 ein Museum. Mit Texten, Bildern und Karikaturen aus dem Nachlass der beiden kommentiert es die Ereignisse eines unruhigen Jahrhunderts aus der Sicht der mehrfach gescheiterten Demokraten. Stoltzes Texte und Gedichte in Aktion bieten das Volkstheater Liesel Christ auf der Bühne im Großen Hirschgraben und das Mundart-Theater Rezi-Babbel an wechselnden Orten bei Stadtrundgängen und Kleinkunstveranstaltungen.
Das Stoltze-Museum

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Zeil

Kaufrausch. Auf 1.100 m nichts als Kaufhäuser und Fachgeschäfte die Frankfurter Zeil ist mit rund 14.000 Passanten pro Stunde eine der frequentiertesten und umsatzstärksten Shoppingmeilen Deutschlands und mit Mieten ab 180 /m² die teuerste. Das schlägt sich auch in den Preisen der Cafés und Restaurants nieder, die in der 40 m breiten Fußgängerzone zur Rast einladen. Viele Zeilbesucher ruhen sich deshalb lieber auf den Bänken unter den Platanen aus. Bevor sie sich wieder ins Gewühl stürzen, können sie ihre Einkäufe in den Schließfächern der Hauptwache deponieren. Highlight der Zeil ist neben dem neuen FrankfurtHochVier-Komplex die Zeil- Galerie mit mehr als 50 Geschäften und einer Dachterrasse, die für ihren Skyline-Blick berühmt ist. Der futuristisch anmutende Konsumtempel war in den 90er Jahren eine der Säulen im Schwindel-Imperium des Baulöwen Jürgen Schneider. Obwohl die nutzbare Fläche des Projektes auf dem Bauschild für jedermann sichtbar mit 9.000 m² angegeben war, holte sich Schneider bei den Banken Kredit für 22.000 m². Das Versagen der Finanzinstitute entlastete ihn vor Gericht, so dass er für den größten Betrug der Nachkriegsgeschichte mit knapp sieben Jahren Haft davonkam.
Werbung für die Zeil

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Justitia-Brunnen

Wein-Tumult. Der Justitia-Brunnen ist eine Sensation, denn seit 1340 sprudelt aus ihm zum Mainfest im Juli roter und weißer Wein, dazu wird nebenan ein Ochs am Spieß gebraten und auf dem Main stechen sich die Fischer aus den Booten. Der heutige Brunnen entstand 1611. Kurz darauf sollte der Wein daraus auch beim Krönungsfest für Kaiser Matthias sprudeln, doch dabei kam es zu so heftigen Tumulten, dass der neue Brunnen beschädigt wurde. Fortan wurde für die Krönungsfeiern ein eigener Weinbrunnen gebaut. Bis zum ersten Frankfurter Straßenkarneval 1862 hatten die Frankfurter offenbar gelernt, sich zu benehmen. Denn da spendete der Brunnen sogar Ebbelwei. Aber der Brunnen ist noch aus einem anderen Grund berühmt. Seine Justitia trägt nämlich keine Augenbinde, wie fast alle Justitias seit Dürers Narrenschiff. Für Dürer war die Binde noch ein sarkastischer Seitenhieb auf die Grenzen menschlicher Gerechtigkeit. Erst die Nachgeborenen drehten den Sinn der Binde um und machten daraus ein Symbol für die Unparteilichkeit der Göttin. Damit hat Frankfurt eine der wenigen originalen Justitias und deshalb nutzen einige deutsche Fernsehsender die Figur als Hintergrundbild für ihre Gerichtsberichte.
Der Justitia-Brunnen

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