Kaiser, Kunst und Ebbelwei

Römer

Best-Of-Kaiser. Warum der Römer Römer heißt, weiß keiner mehr. Sicher ist nur, dass er schon so hieß, als der Rat das Haus 1405 kaufte und sich dafür einen Rathaus-Neubau sparte. Leider war der Römer schnell zu klein, so dass sich die Amtsstuben immer tiefer in die Nachbarschaft fraßen. Das Labyrinth aus Treppen, Gängen und Absätzen, das dadurch entstand, lag 1944 in Schutt und Asche. Allein das Erdgeschoss blieb stehen. Und das auch nur, weil sein einstiger Baumeister nicht enden wollte wie sein Vorgänger. Den hatte der Rat davongejagt, als sein Gewölbe einstürzte. Deshalb geriet der zweite Versuch besonders massiv. Äußerlich sieht der Römer heute wieder so aus, wie nach seiner Renovierung um 1900. Daran hatte sich sogar der Kaiser mit eigenen Entwürfen beteiligt. Seitdem ziert ganz links am Alt Limpurg die Frankfurtia die Fassade und in der Mitte stehen die vier, für Frankfurt wichtigsten Kaiser: Kaiser Barbarossa, der hier zunächst zum König gewählt wurde, Ludwig der Bayer, der die Messe förderte und die Stadterweiterung erlaubte, Karl IV., der Frankfurt in der Goldenen Bulle als Ort der Kaiser-Wahl bestimmte und Maximilian II., mit dem die Stadt obendrein auch noch Krönungsort wurde.
Der Römer lexikalisch

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Kaisersaal

Des Riches Hus. Das Schmuckstück des Römers ist der Kaisersaal, heute noch der erste Saal der Stadt für Promi-Empfänge. Früher trafen sich hier die Kurfürsten, um zu beraten, wer Kaiser werden soll und nach der Wahl trafen sie sich hier wieder zum Kaiserbankett. Daran erinnert die Galerie der 52 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches von seinem Begründer Karl dem Großen bis zu seinem Bestatter Franz II.. Von den 20 Kaiserwahlen seit 1147 fanden 14 bereits in Frankfurt statt. Doch erst die Goldene Bulle von 1356 erhob diese Tradition zum Gesetz. Eine Kopie der Urkunde liegt zum Anschauen in einer Vitrine. Noch bekannter als der Kaisersaal ist durch das Fernsehen der Erscheinungsbalkon, ein Anbau auf ausdrücklichen Wunsch Kaiser Wilhelms II. Ende des 19. Jh.. Auf ihm präsentiert sich seither, wer von Frankfurt aus dem Volk Gewichtiges zu sagen hat oder mit ihm seine Großtaten feiern will. Lustig ist der Name Seufzerbrücke für die Brücke über der Braubachstraße. Er erinnert an das venezianische Vorbild und an den schweren Gang der Steuerzahler vom Rathaus hinüber zur Stadtkasse. Der Römer ist bis heute Sitz der Oberbürgermeisterin, des Stadtparlaments, des Standesamts und anderer Ämter.
Der Kaisersaal

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Ostzeile

Zurück in die Zukunft. Wie alle Großstädte in Europa wünscht sich auch Frankfurt eine aufgeräumte, kuschelige und irgendwie altertümliche Mitte. Leider fehlt ihm dafür die nötige Kulisse. Denn fast alle Altbauten wurden im Krieg zerstört und die Nachkriegs-Architektur erfüllt die Sehnsucht danach so wenig wie das kühle Stahlglasbeton-Einerlei von heute. So bleibt der Stadt nach Dresdner Vorbild nur die Flucht in die Replik. Tatsächlich war Frankfurt viel schneller als Dresden. Denn hier wurden mit der Ostzeile bereits 1986 komplett verschwundene Häuser wieder aufgebaut. Das Unwohlsein darüber spiegelte sich damals noch in der gleichzeitig errichteten Häuserzeile in der Saalgasse. Dort suchten die Architekten nach einer Synthese aus mittelalterlichen und modernen Bauformen, und das gilt inzwischen auch als gerade noch akzeptabel. Deshalb soll das riesige Areal des Technischen Rathauses nach dessen Abriss ab 2010 mit einer Mischung aus Saalgasse und Ostzeile bebaut werden. Auch hier werden verschwundene Häuser wieder auferstehen und durch echte Neubauten ergänzt. Dabei sollen die Repliken den Originalen bis ins Detail gleichen und die modernen Häuser den alten Grundstücksgrenzen folgen.
Kostümierte Parzellen

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Römerberg

Gute Stube. Neben dem Pariser Platz in Berlin, dem Hamburger Rathausmarkt und dem Marienplatz in München gehört der Römerberg als gute Stube der Stadt und gelegentlich der ganzen Republik zu den wichtigsten deutschen Plätzen. Im Mittelalter war er als Ort der Volksbelustigungen während der Kaiserwahlen, als Messeplatz vor des Riches Hus, Samstagsmarkt und Richtstätte oft sogar der Mittelpunkt des ganzen Reichs. Daran knüpfte auch die Neuzeit an. In den 30er Jahren sorgten die Römerberg-Festspiele mit 350 Theatervorstellungen für Furore, hier inszenierte die deutsche Studentenschaft am 10. Mai 1933 ihre Bücherverbrennung, 1936 kam Max Schmeling, um auf dem Platz seinen Sieg über Joe Louis zu feiern, zwei Jahre später drohte Hitler auf dem Römer-Balkon den Reichsfeinden, und 25 Jahre nach ihm kam John F. Kennedy, um von dort oben vor 150.000 Frankfurtern den deutschen Aufbauwillen zu preisen. Aber auch der Dalai Lama, Gorbatschow, Arafat, Königin Sofia von Spanien, der japanische Kaiser und der letzte lebende deutsche Kaiser, Franz Beckenbauer, ließen sich hier schon bejubeln nicht zu vergessen die Fußballhelden und -heldinnen, die hier ihre Siege und Beinahe-Titel feiern.
Der Römerberg

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Alte Nikolaikirche

English service. Das Schönste an der Alten Nikolaikirche ist ihr Carillon. Immer um 9.05 h, um 12.05 h und um 17.05 h spielen seine 47 Glocken ein Volks- oder Kirchenlied. Wahrscheinlich war St. Nikolai vor über 850 Jahren schon die Hofkapelle der Kaiserpfalz im Saalhof nebenan. Sicher ist, dass Bernhard von Clairvaux 1247 von hier aus zum zweiten Kreuzzug aufrief. Später übernahmen die Ratsherren die Kirche, um darin schon früh um fünf die Messe zu hören, aber auch um den Turm mit einer Galerie zu umgeben, von der aus sie die Turniere und Passionsspiele unten besser verfolgen konnten. Doch sie kümmerten sich auch um die Armen, so dass die hier einmal in der Woche zwei Laib Brot bekamen. Nach der Reformation wurde die Kirche zum Lagerhaus und ihr Turm war nur noch interessant, weil von dort oben ein Trompeter die einlaufenden Schiffe ankündigte. 1721 wurde sie zwar noch einmal geweiht, aber 1805 drohte ihr schon wieder das Aus. Zum Glück fehlte dem Rat nicht nur das Geld für den Erhalt der Kirche, es reichte nicht mal für ihren Abriss. Heute bietet St. Nikolai Frankfurts vielen Ausländern Gottesdienste in Englisch und die Gemeinde wirbt damit, dass ihre Kirche jedem immer offen steht.
St. Nikolai lexikalisch

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Haus Wertheim

Letzter Zeuge. Dass von den über 2.000 Fachwerkhäusern der Frankfurter Altstadt nach dem letzten schweren Bombenangriff am 24.3.1944 nur noch das Haus Wertheim stand, war kein glücklicher Zufall, sondern die letzte Rettung für viele Altstädter, die am Justitia-Brunnen aus der Erde krochen. Denn dort lag ein Notausstieg für das unterirdische Luftschutz-Labyrinth, das man nach 1940 mit zahllosen Durchbrüchen in den massiven Kellern der Altstadt geschaffen hatte. Der einzige Fluchtweg aus dem Feuersturm vom Römerberg hinunter zum Main war das Fahrtor und deshalb wurde sein Eingang, das Haus Wertheim, von der Feuerwehr auch mit allen Mitteln verteidigt. Fast die gesamte übrige Altstadt ging währenddessen unter. 15 Jahre früher wäre die Stadtplanung wahrscheinlich froh darüber gewesen. Denn die Altstadt galt als Notstandsgebiet mit unlösbaren baulichen und sozialen Problemen. Da man sie nicht einfach abreißen konnte, begann man in den Hinterhöfen Platz zu schaffen und über 600 Fachwerkhäuser zu sanieren. Dabei erwies sich die Notlösung überraschend als wegweisende Ideallösung. Und das wurde bis 1939 als Altstadtgesundung bei den Römerbergfestspielen mit internationalen Gästen gefeiert.
Das Haus Wertheim und sein Alltag - früher und heute

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Eiserner Steg

Holzwurm im Stahl. Der Eiserne Steg ist als Frankfurts wichtigste Fußgängerbrücke die beliebteste Verbindung zwischen Hibbdebach (Altstadt) und Dribbdebach (Sachsenhausen) und deshalb wird auch der Witz, nachdem der Stahlbau abgerissen werden soll, weil der Holzwurm drin ist, nie alt. Der Rost ist dagegen kein Witz. Er macht den Nieten der eisernen Konstruktion wirklich zu schaffen. Obwohl die Stadt Mitte des 19. Jh. nur die Alte Brücke hatte, lehnte der Rat den Bau einer zweiten, neuen damals ab. Daraufhin gründeten wohlhabende Bürger einen Brückenverein, verkauften Anteilsscheine und refinanzierten sie durch eine Maut. Als sich 1910 ein großer Kohletransporter unter den Bögen verkeilte, wurde die Brücke auf 8 m Durchfahrtshöhe angehoben. Bevor der Wahlfrankfurter, Ernst Jürgen Dreyer den Eisernen Steg in einem Drama gleichen Namens verewigte, ging er mit Max Beckmanns Eisgang 1923 schon in die Kunstgeschichte ein. Das Bild hängt heute im Städel. Ganz so berühmt ist die Strandperle im Sachsenhausener Brückenpfeiler noch nicht. Obwohl die kleine Bar früher mal ein Klo war, ist sie sehr beliebt. Bei gutem Wetter bieten ihre 280 Außenplätze einen schönen Blick auf Frankfurts Skyline.
Der Eiserne Steg

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Museum für Angewandte Kunst

Aufblasbares Teehaus. Die Gartenlandschaft, die der amerikanische Architekt Richard Meier 1985 für das Museum für Angewandte Kunst schuf, hat den guten Ruf des Museumsufers weit über Frankfurt hinaus entscheidend mitbegründet. Die drei weißen Kuben des Museumsneubaus fügen sich harmonisch in den alten Baumbestand des seit 1803 gewachsenen Parkensembles der Villa Metzler. Durch einen Glasgang ist der Altbau mit den hellen Neubauten verbunden. Darin präsentiert das Museum seine Sammlung von 30.000 bis zu 6.000 Jahre alten Gegenständen der Alltagskultur aus verschiedenen Regionen der Welt. Die Dauerausstellung Europäisches Kunsthandwerk zeigt die Entwicklung der Stilepochen von der Romanik bis zum Design der Gegenwart, während sich der Schwerpunkt Digital Craft Gestaltungen widmet, die so nur am Computer möglich sind. Die Ausstellungen Buchkunst und Grafik, Kunst und Kunsthandwerk Ostasiens sowie Islamische Kunst erweitern das Spektrum sowohl thematisch als auch räumlich. Eine der originellsten Neuerwerbungen der letzten Zeit ist ein aufblasbares japanisches Teehaus. Wenn es nicht gebraucht wird, muss der Hausmeister nur den Stöpsel ziehen, damit es einfällt und verschwindet.
Das Museum für Angewandte Kunst

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Museum der Weltkulturen

Annäherung. Die Globalisierung hat die Völkerkundemuseen mehr als andere Museen verändert. In Frankfurt gipfelte dies 2001 in der Umbenennung des Hauses in Museum der Weltkulturen, nachdem sich Künstler aus der Dritten Welt geweigert hatten, ihre Werke darin auszustellen. Sie fürchteten, in einem Völkerkundemuseum wie ihre Vorfahren als exotische Wilde vorgeführt zu werden und trafen damit den wunden Punkt des 1904 gegründeten Hauses. Denn genau das war sein Zweck und der hatte sich in dem Maße überholt, wie die Kulturen miteinander in Austausch traten. Die dabei möglichen Kollisionen ließen die Sensationslust des zivilisierten Westens gegenüber der Exotik primitiver Völker zurücktreten vor der Notwendigkeit, sich mit ihnen zu verständigen. Für diese Verständigung musste sich das Museum als Plattform anbieten, sonst hatte es keine Berechtigung mehr. Und das ist heute das Konzept hinter den Wechselausstellungen. Sie werden immer von Veranstaltungen, Konzerten, Gesprächen und Aktionen begleitet, die möglichst von Trägern der anderen Kultur mitgestaltet werden. Eine Dauerausstellung, die das Fremde aus seinem Kontext löst und als Objekt der Schaulust präsentiert, gibt es nicht mehr.
Das Museum der Weltkulturen

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Deutsches Filmmuseum

Traumfabriken. Filmgeschichte zum Anfassen das ist das Konzept des Deutschen Filmmuseums. Apparate für optische Täuschungen illustrieren die Vorgeschichte der jüngsten großen Kunstform und man kann sie alle ausprobieren: die Laterna Magica, die Guckkästen, die Abblätterbücher oder die Wundertrommeln. Die Camera obscura mit der verkehrten Frankfurter Skyline ist so groß, dass man sogar hineingehen kann. Schließlich erlebt man live die erste öffentliche Filmvorführung der Brüder Lumière mit dem Cinématographen 1895 im Pariser Grand Café mit. Und dann geht es in die richtigen Traumfabriken. Studios und Originalkulissen, Spezialeffekte und künstlerische Einfälle zeigen, wie sich der Film entwickelt hat. Dabei können die Besucher in einem Modellauto Verfolgungsjagden nachstellen oder per Tricktechnik auf dem Teppich über Frankfurt fliegen. Dazu präsentieren Sonderausstellungen ständig Neuigkeiten. Die besondere Attraktion des Hauses ist jedoch sein Kino. Es stellt seine Filme in thematischen Reihen vor und lädt zu Premieren oder Festivals ein. Markenzeichen ist dabei die Originalversion beim Stummfilm live begleitet von einer Wurlitzer-Orgel oder bei fremdsprachigen Filmen mit Untertiteln.
Das Deutsche Filmmuseum

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Deutsches Architekturmuseum

Urhütte und Skyscraper. Für die Beschäftigung mit Architektur und ihrer Geschichte gilt das Deutsche Architekturmuseum europaweit als eine der besten Adressen. Zentrum des Museums und zugleich sein größtes Exponat ist als Sinnbild der Baukunst ein Haus im Haus des Architekten Oswald Mathias Ungers über alle Stockwerke. Dafür wurde eine Doppelhausvilla von 1912 rigoros entkernt und unter Glas gestellt. So entstand eine transparente Architektur, die streng gegliedert und weiß gehalten, den Blick auf die Objekte lenkt. 24 Großmodelle von der Steinzeithütte, über das antike Pompeji, eine mittelalterliche Klosteranlage und eine Barockresidenz bis zu einem Ausschnitt von Manhattan lassen die Besucher die Vielfalt der Bau- und Siedlungsgeschichte erleben. Genauso wichtig wie die Dauerausstellung sind die mehrmals jährlich wechselnden Sonderausstellungen zu verschiedenen Aspekten der internationalen Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts oder zu einzelnen Architekten. Hinzu kommen Fotoausstellungen und Vorträge, Filme, Lesungen und Konzerte. Mit 180.000 Architekturplänen, Skizzen, Stichen und Zeichnungen sowie 600 Modellen kann das Museum für seine Arbeit auf einen reichen Fundus zurückgreifen.
Das Deutsche Architekturmuseum

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Museum für Kommunikation

Berliner Erbe. Frankfurt verdankt der deutschen Teilung nicht nur den Aufstieg zum Finanzplatz und die Messe, sondern auch sein Museum für Kommunikation. Denn das war früher das Reichspostmuseum unweit des Brandenburger Tors in Berlin und hatte dort als erstes Postmuseum der Welt Besucherzahlen wie später in Frankfurt nie wieder. Hierher kam das Museum nur, weil die Amerikaner seine ausgelagerten Bestände nach Hessen brachten und sie den deutschen Behörden übergaben. Die eröffneten damit 1958 als eines der ersten Museen am Schaumainkai das Bundespostmuseum. Die Villa, die dafür genutzt wurde, war schon damals viel zu klein. Sie dient heute nur noch der Verwaltung, denn das Museum bezog 1990 einen spektakulären Neubau, der auf vier Etagen zur Entdeckungsreise einlädt. Unter der Überschrift Medien erzählen Geschichte(n) folgt die Abteilung Zeichen, Schrift, Nachricht dem Weg vom mesopotamischen Schrifttäfelchen bis zur heutigen Post. Die Station Brief und Paket erzählt vom Warentransport und vom Reisen, den Nachrichtenverkehr veranschaulichen Telegrafie, Telefon, Radio, Fernsehen und Neue Medien und schließlich zeigt eine Galerie Kunstwerke des 17. bis 21. Jh. zum Thema.
Das Museum für Kommunikation

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Städel Museum

Exquisite Kunst und Lehre. Das Städel zählt zu den ältesten und wichtigsten Kunstsammlungen Deutschlands. Seit seiner Gründung 1815 durch Johann Friedrich Städel hat sich die Galerie des vormaligen Kunstinstituts zu einer Sammlung mit rund 2.700 Gemälden, 600 Skulpturen und 100.000 Grafiken entwickelt. Sie lädt ein zu einer Reise durch die Epochen und Kunstlandschaften Europas in den zurückliegenden 700 Jahren. Die Alten Meister zeigen Gemälde des 14. bis 18. Jahrhunderts von Holbein, Cranach, Botticelli, Dürer, Rembrandt und Vermeer. Das 19. und 20. Jahrhundert wird durch Impressionisten wie Monet und Cézanne, Expressionisten wie Kirchner und Beckmann und Maler der Klassischen Moderne wie Picasso und Dix vertreten. Künstler wie Penck, Baselitz und Bacon stehen für die Zeit nach 1945 und im Skulpturengarten werden auch die zeitgenössischen Plastiker präsentiert. Hinzu kommen international beachtete Sonderausstellungen und Führungen für jedes Bedürfnis wie art after work oder kunst im team. Die ebenfalls aus dem Kunstinstitut hervorgegangene Städel-Kunstschule steht als Hochschule für Bildende Künste in dem guten Ruf mit 10 Professoren für etwa 150 Studenten einen exquisiten Unterricht zu bieten.
Das Städel Museum

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Liebieghaus

Verdrängte Wünsche. Der Mann, die von weiblicher Erotik gezähmte Bestie. So gefielen sich die Schwärmer des frühen 19. Jh. und projizierten ihre idealisierten Verklemmungen und Sehnsüchte auf die Ariadne auf dem Panther. Als berühmteste Nackte ihrer Zeit wurde sie zehntausendfach reproduziert als Porzellanfigur, Spielkarte oder Souvenirknopf und fast genauso oft karikiert. Ihr Schöpfer, Johann Heinrich Dannecker, hatte davon nichts. Denn ein Copyright gab es damals noch nicht. Bis heute ist seine Ariadne das Aushängeschild des Liebieghauses. Sie kann als Manifest des Klassizismus, Wegmarke der Moderne oder Ikone einer neuen Trivialkultur gelesen werden. Die Skulpturensammlung in der früheren Fabrikanten-Villa ist eine der bedeutendsten in Europa. Sie verfolgt die Entwicklung der Plastik von ihren Anfängen in Ägypten vor 4.000 Jahren über die Antike und das Mittelalter bis in die Renaissance, das Barock und den Klassizismus und vergleicht dabei die Stile und Motive. Nebenan zeigt das Museum Giersch in ständig wechselnden Ausstellungen Künstler des 19. und frühen 20. Jh. aus dem Rhein-Main-Gebiet, um Eigenart und Bodenständigkeit gegen die Einebnungen der Globalisierung zu verteidigen.
Das Liebieghaus

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Bibelmuseum

Bibel in Aktion. Eine begehbare Bibel was soll das sein? Die Antwort darauf gibt das Bibelmuseum, eine Einrichtung, die sich als Erlebnismuseum für das Buch der Bücher versteht. Folglich darf man hier fast alles anfassen und ausprobieren. Dazu gehören ein Schiff, wie es zur Zeit Jesus´ auf dem See Genezareth fuhr, an dem die Segel zur großen Fahrt gehisst werden dürfen und ein echtes Nomadenzelt. Für das Erlebnis der Gastfreundschaft darin können sich die Besucher verkleiden und dann Geschichten lauschen, wie sie auch damals schon erzählt wurden. Es gibt Anleitungen zum Nachbau biblischer Musikinstrumente und wer sie erklingen lässt, bekommt eine Vorstellung von König Davids Harfe oder den Tänzen bei der Hochzeit von Kanaan. Dazu gibt es orientalische Düfte von Myrrhe, Balsam und Narde, die ebenfalls schon biblisch alt sind, und der Fisch wird als geheimes Erkennungszeichen der ersten Christen vorgestellt. Wie ein Mönch kann man sich an das Schreibpult eines mittelalterlichen Klosters stellen, um zu erleben, wie mühselig die handschriftliche Vervielfältigung der Bibel war. Und schließlich können sich die Gäste an einer Gutenberg-Presse ihren eigenen Lieblings-Bibeltext drucken.
Das Bibelmuseum

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Ebbelwei-Viertel

Ebbelwei-Viertel. Ob im Wagner, im Gemalten Haus, im Kanonesteppel oder in der Germania die Stimmung in den über 120 Ebbelwei-Wirtschaften rund um die Rittergasse ist überall gleich gut. Die Würze zur apfelweinseligen Geselligkeit liefert der den Frankfurter Kellnern gelegentlich nachgesagte Grobcharme. Während die übrige Stadt im Krieg schwer zerstört wurde, blieben in Alt-Sachsenhausen viele alte Fachwerkhäuser stehen. Sie geben heute die Kulisse für eine kopfsteingepflasterte Fußgängerzone ab, die das Viertel weit über Frankfurt hinaus bekannt machte. Wer sich hier in den Rausch trinkt, wird bei Frau Rauscher in der Klappergasse schnell wieder nüchtern. Denn die Brunnenfigur bespritzt zum Gaudi der wissenden Frankfurter die ahnungslosen Fremden. Nebenan in der Nr. 9 bietet die Äpplergalerie alles, was nur irgendwie mit Äpfeln und Apfelwein zu tun hat. Karl der Große soll hier die besiegten Sachsen angesiedelt haben, deshalb wurde der Ort später nach ihnen benannt. Der Kuhhirtenturm in der Großen Rittergasse ist der letzte erhaltene Teil der früheren Befestigung. 1810 übernahmen die klassizistischen Affentorhäuser als neue Zoll- und Wachgebäude die Funktion des südlichen Stadttors.
Das Ebbelwei-Viertel wird internantional

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Main Plaza

Glücks-Eier. Das neue Deutschherrenviertel auf dem früheren Schlachthofgelände wird gelegentlich als Modell für eine neue Urbanität gepriesen, denn es knüpft mit Fußgängerzonen, Arkaden, grünen Höfen, Läden, Galerien, Büros und Restaurants an die Mischnutzung von Altbauvierteln an. Sein Highlight ist das 88 m hohe Main-Plaza von Hans Kollhoff, der auch am Potsdamer Platz in Berlin mitbaute. Kollhoffs Frankfurter Turm bietet auf 24 Etagen luxuriöse Hotel-Wohnungen, einen Wellness-Club und mehrere Gastronomie-Einrichtungen. Ursprünglich hieß der Bau Romantik-Turm, denn Kollhoff wollte damit an die New Yorker Türme der 20er Jahre erinnern. Die Frankfurter sahen darin jedoch nur einen hohlen Zahn oder einen Termitenhügel. Der Bauherr des Viertels, Tom Bock, ließ sich davon nicht beirren. Mit italienischen Häusernamen, italienischer Küche und italienischen Straßenfesten sorgte er für italienisches Flair und hatte Erfolg damit. Der schöne Blick auf das andere Mainufer mag ihm dabei geholfen haben. Vielleicht hat Bock sich aber auch nur auf die Hoden des Mailänder Mosaikstiers im Arkadengang gestellt und mit geschlossenen Augen einmal schnell im Kreis gedreht. Das soll nämlich Glück bringen.
Das Main Plaza

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Ikonenmuseum

Byzantinischer Zauber. Die Niederlage des Deutschen Ordens 1242 in der Schlacht auf dem Peipussee bestimmt bis heute das Verhältnis und die Einflusssphären der abendländischen und der orthodoxen Kirche. Damit lag es nahe, die Ikonen- Sammlung, die ein Königsteiner Arzt 1988 der Stadt schenkte, im Deutschordenshaus am Ostende des Museumsufers zu zeigen. Im ehemaligen Speisesaal des Klosters hat der Kölner Stararchitekt Oswald Mathias Ungers klar konturierte Räume entworfen, die das Gebäude und die auf Holz gemalten Kultbilder aus dem 15.-20. Jh. spannungsvoll in Beziehung setzen. Zu den 800 Ikonen aus der Schenkung kamen 200 weitere durch Ankäufe und als Leihgaben, darunter allein 82 Dauerleihgaben aus der postbyzantinischen Ikonensammlung der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz zu Berlin. Die Exponate geben Einblick in die Welt des orthodoxen Glaubens vom Norden Russlands über den Nahen Osten bis nach Äthiopien. Besonders wertvoll sind eine koptische Papier-Ikone aus dem 12. Jahrhundert und eine Reihe signierter und datierter Ikonen. Daneben besitzt das Museum eine Königstür, Metallplastiken wie Reise-Ikonen, Segens- und Brustkreuze, Kirchengeräte und äthiopische Zauberrollen.
Das Ikonenmuseum

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Dreikönigskirche

Großes Gebimmel. Ein halbes Jahrtausend lang war Frankfurt evangelisch, jetzt wird es wieder katholisch, denn die Protestanten treten doppelt so schnell aus der Kirche aus wie die Katholiken. Dadurch ist die frühere Minderheit inzwischen die Mehrheit, obwohl auch ihr die Mitglieder davonlaufen. In der Dreikönigskirche am Sachsenhausener Ufer merkt man davon noch nicht viel. Sie beherbergt die größte evangelische Gemeinde der Stadt und ist auch wegen ihrer Kirchenkonzerte gut besucht. Errichtet wurde sie ab 1875 von Franz Josef Denzinger, der den 1867 abgebrannten Dom wieder aufbaute. Denzingers Neubau in Sachsenhausen löste eine mittelalterliche Stiftskapelle ab, die 1525 die Wiege des Frankfurter Protestantismus war und er war groß genug, die gedemütigten Frankfurter nach der Annexion durch Preußen und dem Verlust der Selbständigkeit wieder etwas aufzurichten. Die fünf Glocken der Dreikönigskirche wurden 1956 auf die neun Glocken des Domes abgestimmt und spielen seither eine wichtige Rolle im Großen Frankfurter Stadtgeläut. Dabei läuten viermal im Jahr 30 Minuten lang alle 50 Glocken der zehn Innenstadtkirchen. Leider gibt es keinen Punkt in der Stadt, von dem aus sie alle zu hören sind.
Die Dreikönigskirche

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Portikus

Spitzdach. Obwohl der Neue Portikus zur Städelschule gehört, werden hier keine Studenten- Arbeiten gezeigt. Vielmehr bekam die Kunstakademie damit 2006 eine neue Ausstellungshalle für die Präsentation aktueller Weltkunst. Die hatte sie bis dahin in einem Blechcontainer in der kriegszerstörten Alten Bibliothek gezeigt und sich dafür den Namen Portikus von deren imposanten Säulenportal geliehen. Dieser Name wurde schließlich auch auf den Neubau an der Alten Brücke übertragen. Seine tiefrote Farbe und sein steiles Satteldach lösten sofort heftige Diskussionen aus und lieferten neuen Zündstoff für den Streit um die Rekonstruktion der Altstadt. Die Traditionalisten jubelten, weil der Architekt Form und Farbe seines Baues mit längst verschwundenen Mühlen und Brückentürmen am gleichen Ort begründete, und die Modernisierer gifteten, dass man so nur im Mittelalter gebaut hätte und dass der Bau schon deshalb völlig daneben sei. Der Streit gipfelte schließlich in der Behauptung des Städel-Direktors, Spitzdach und Kunstavantgarde, das sei unvereinbar. Die Kunstfreunde sehen das offenbar anders. Seit dem Umzug in den neuen Hingucker auf der Maininsel haben sich die Besucherzahlen verdreifacht.
Der Portikus

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Alte Brücke

Franken-Furt. Schön ist die älteste Brücke der Stadt nicht mehr seit ihr 1945 die zwei mittleren Bögen weggesprengt wurden. Interessant ist sie trotzdem, schon wegen des Brickegiggels. Denn an dem wurden im Mittelalter über 130 Menschen gefesselt und in den Main geworfen. Damals stand der Giggel als Schifffahrtszeichen noch mitten über dem Fluss und Diebstahl, Abtreibung oder Giftmord wurden mit Ersäufen bestraft. Zudem erinnert der Giggel daran, dass die Brücke einst nur mit Satans Hilfe fertig wurde. Wie üblich wollte der dafür eine Seele, und zwar die des ersten Wesens, das die Brücke überquert. Doch der Baumeister hielt den Teufel zum Narren und trieb als erstes seinen Hahn hinüber. Später zahlte hier der Rattenmesser für jede tote Ratte einen Heller, warf die Kadaver in den Fluss und behielt die Schwänze als Quittung ein. Mit der Brückenfreyheit galt über dem Fluss sogar ein eigenes Recht. Danach wurden Leuten, die sich dort stritten, die Hände abgehackt. Karl dem Großen und seinen Franken wäre es noch schlimmer ergangen, wenn die Sachsen sie hier erwischt hätten. Doch eine weiße Hirschkuh zeigte ihnen eine Furt, so dass sie entkamen. Deshalb heißt Frankfurt heute noch Frankfurt.
Die Alte Brücke

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Primus Line

Schiff ahoi. Mit den Schiffen der Primus Line lässt sich Frankfurt auch vom Wasser aus erkunden. Sie liegen am Eisernen Steg und starten wenigstens im Sommer so oft, dass man auch auf gut Glück zusteigen kann. Flussaufwärts wird an der Gerbermühle gewendet, flussabwärts in Griesheim. Hinter dem Schifffahrtsunternehmen steht seit 1880 die Familie Nauheimer. Der erste Nauheimer begann mit einem Raddampfer, der morgens Marktfrauen und Arbeiter von Schwanheim nach Frankfurt brachte und sie abends wieder heimfuhr. Erst als die Eisenbahn schneller war, verlegte man sich auf das Ausflugsgeschäft. Doch damit war nach 1945 auch kein Geld mehr zu verdienen und so übernahm die Firma Fährdienste als Ersatz für die zerstörten Brücken. Das letzte große Schiff lag sowieso noch auf Grund. Der Chef selbst hatte es versenkt, um es im Krieg vor den Bomben und danach vor Reparationsforderungen zu schützen. Erst in den 50er Jahren ging es allmählich wieder aufwärts, so dass man 1980 einen Image-Wechsel wagte: Raus aus der Bockwurst-Gastronomie, rein in die gehobene Gourmet-Klasse. Das neue Konzept hatte Erfolg. Heute ist die Primus Line mit 5 Schiffen Hessens größtes Personenschifffahrts-Unternehmen.
Primus Line

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Rententurm

Germantown. Der gotische Rententurm schützte einst den Zugang vom Hafen zur Stadt und war zugleich Sitz der Zoll- und Hafenbehörde. Heute gehört er zum Saalhof, dem ältesten Bau der Stadt. Dieses Gebäude war seit dem 12. Jh. als Kaiserpfalz eine der wichtigsten Residenzen der mittelalterlichen Reise-Kaiser. Davon existieren heute nur noch eine Kapelle und Teile des Palastes. Nach langen Kämpfen gelang es den Frankfurtern im 14. Jh. dem Kaiser das Amt des Reichsschultheißen abzukaufen, der hier als Statthalter des Kaisers das Reich vertrat. Dadurch fiel ihnen später auch das Gebäude zu und sie nutzten es als Messehalle. 1676 spalteten sich im Saalhof die Pietisten von den Lutheranern ab, um die Gründung der ersten deutschen Musterkolonie Germantown in Amerika vorzubereiten. Nach dem Wiederaufbau der im Krieg völlig zerstörten Anlage wurde 1971 der heftig umstrittene Bunker für das Historische Museum angebaut, der inzwischen umgestaltet und teilweise wieder abgerissen werden soll. Das Historische Museum ist Frankfurts Stadtmuseum. Dazu gehören das Kindermuseum und das Apfelweinmuseum, ein Lokal zur Verkostung des Stöffsche mit Illustrationen zur Geschichte des Apfelweins an den Wänden.
Der Rententurm

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Leinwandhaus

Satiriker pro m². Die 1399 fertiggestellte Stadtwaage war eines der wenigen Steinhäuser der Gotik in Frankfurt und der Ort, an dem alle Messegüter gewogen und vermessen wurden, um sie anschließend zu besteuern. Seinen Namen verdankt das Haus der besonderen Rolle, die die Leinwand dabei bis in das 18. Jh. spielte. Nachdem Leipzig Frankfurt den Rang abgelaufen hatte, wurde das Gebäude nicht mehr gebraucht, war mal Zeughaus und mal Irrenanstalt, Tanzsaal oder Gefängnis, Lazarett oder Schlachthaus. Und damit empfahl es sich offenbar dem Museum für Komische Kunst als neues Domizil. Das will Frankfurt als Hauptstadt des satirischen Zeichnens bekannt machen. Denn angeblich gibt es nirgendwo in Deutschland mehr Satiriker pro m² als hier. Dafür stehen vor allem die Zeichner der Satirezeitschrift pardon und ihrer Nachfolgerin Titanic, die sich Neue Frankfurter Schule oder auch die Elche nennen, denn: Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche. Initiator des Museums war Frankfurts Kulturdezernent Hans Nordhoff. Er regte 2006 auch den Kauf einer Sammlung mit 5.000 Zeichnungen von Robert Gernhardt, F. K. Waechter, Chlodwig Poth, F. W. Bernstein und Hans Traxler an.
Das Leinwandhaus

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Dom

Kaiser-Macher. Eigentlich war der Dom nie ein Dom, denn er war nie Bischofssitz. Doch die ehemalige Stifts- und Pfarrkirche war seit 1356 Ort der deutschen Königswahl und von 1562 bis 1792 Krönungskirche für zehn deutsche Kaiser. Deshalb bürgerte sich auch der Name Kaiserdom ein. Zwei mal ging die Kirche fast unter. 1867 brannte sie ab, aber zehn Jahre später stand sie schon wieder. 1944 wurde sie von Bomben zerstört und bis 1953 noch einmal aufgebaut. Die Ausstattung weist dennoch architektonische Details und Kunstobjekte von der Gotik bis zur Moderne auf, darunter das Grabmal eines Gegenkönigs, der gar keine Lust auf den Job hatte. Im Kreuzgang des früheren Stifts präsentiert sich das Dommuseum mit kostbaren Reliquien und Monstranzen sowie der Büste des Kirchenpatrons Bartholomäus. Der Legende nach wurde er bei lebendigem Leib gehäutet, weil er einen armenischen König bekehrt hatte. Wer die 324 Stufen auf den 96 m hohen Turm nicht scheut, wird dafür mit einem schönen Blick belohnt. Die Funde von Mauerresten und eines reichen Mädchengrabs aus dem 7. Jh. lassen darauf schließen, dass hier schon zur Merowingerzeit eine Kirche stand. Bis zum heutigen Bau sollten ihr vier weitere folgen.
Der Dom

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Schirn-Kunsthalle

Kegelbahn. Langweilig ist es nie in der Schirn, denn sie schmückt sich ausschließlich mit fremden Federn und präsentiert sie bis zu zehnmal im Jahr in Ausstellungen, wie sie andere Häuser kaum zeigen können. Damit ist die Schirn eine der besten Galerien Europas und dafür begeisterten sich 1994 auch ein paar kriminelle Kunstkenner. Sie stahlen drei Bilder im Wert von 35 Millionen und damit gelang ihnen der größte Kunstraub in der bundesdeutschen Kriminalgeschichte. 2002 tauchten die Gemälde zwar wieder auf, aber einer der Täter ist bis heute nicht gefasst. Vermutlich geht es ihm gut, denn die Londoner Tate Gallery zahlte angeblich 5 Millionen dafür, dass sie ihre Bilder wieder bekam. Bis Mitte des 19. Jh. boten anstelle der Kunsthalle Frankfurts Metzger ihre blutige Ware feil. Die Schirme über den Fleischständen gaben dem Ort seinen Namen und so wurde auch die 1986 eröffnete Galerie danach benannt. Architektonisch war der Bau von Anfang an umstritten. Seiner Länge wegen wurde er als Kegelbahn verspottet und weil er quer zu den alten Stadtstrukturen steht und dazu noch den historischen Krönungsweg versperrt, stand im Streit um die Altstadt-Sanierung sogar sein Abriss zur Debatte.
Die Schirn

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