City-Tour Altstadt

Rathaus

Freiheit Mit seinen 647 Räumen und dem 112 Meter hohen Turm ist Hamburgs reich geschmücktes Rathaus größer als der Buckinghampalast und zeigt wie stolz und wohlhabend die Stadt am Ende des 19. Jahrhunderts war. Aber es spiegelt auch den Zeitgeist mit seiner Repräsentationslust wider, denn eigentlich gilt es in Hamburg als unfein, sich zur Schau zu stellen. Bis heute beherbergt der Bau links die Bürgerschaft (das Parlament) und rechts den Senat (die Landesregierung) des Stadtstaates. Während sich im Obergeschoss der 111 m langen Neorenaissance- Fassade Sinnbilder bürgerlicher Tugend neben Vertretern verschiedener Berufe zeigen, stehen zwischen den Fenstern des Hauptgeschosses die Kaiser des alten Reiches als Schirmherren der einstigen Hamburger Freiheit. Um sich deren Gunst zu sichern, lud der Rat seit 1356 immer am 24. Februar den kaiserlichen Gesandten und einen hochrangigen Ausländer zum Matthäi-Festmahl ein, dazu 200 Diplomaten und 200 Hamburger Honoratioren. Das blieb auch so nach 1871, obwohl man den Preußen in der Fassade keinen Platz mehr zugestand. Als ältestes Festessen der Welt findet das Matthäi- Mahl bis heute statt. Der Brunnen im Innenhof erinnert an die letzte Choleraepidemie von 1892 und den verspäteten Trinkwasserbau.
Das Hamburger Rathaus online

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Börse

Verblasster Ruhm Mit knapp 6.000 Millionären ist Hamburg die reichste Stadt Deutschlands und mit fast 50.000 Beschäftigten im Banken- und Versicherungsgewerbe sein zweitgrößter Finanzplatz. Als Börsenplatz hat die Stadt dagegen ausgespielt, obwohl sie auch da mal ganz vorne war. Denn hier gingen die Kaufleute als erste dazu über nur noch mit Schuldscheinen, statt mit Geld und Waren zu handeln. Der Treffpunkt dafür war seit 1558 die Trostbrücke. Und dort bezogen die Broker 25 Jahre später auch ihr erstes eigenes Haus. Den Namen Börse übernahmen sie dabei von einem ähnlichen Handelsplatz in Brügge. Als die alte Börse 1842 dem Großen Brand zum Opfer fiel, waren die Börsianer schon in den Neubau umgezogen, in dem sie bis heute mit Versicherungen und manchmal noch mit Getreide handeln. Alle anderen Geschäfte sind ins Internet abgewandert, so dass der Parkett-Saal mit der großen Anzeigetafel überflüssig wurde. Die IHK ließ sich daraufhin ein mehrstöckiges Haus mit Gründerzentrum, Börsenclub und Veranstaltungsräumen so in den Saal einbauen, dass seine historische Hülle sichtbar blieb. Dadurch ist er trotzdem noch erkennbar als der Ort, an dem einst viel Geld gemacht und verloren wurde.
Die Hamburger Börse

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Thalia Theater

Erfolgsstory Das Thalia Theater war schon als Boulevardtheater mit Schauspielern wie Inge Meysel oder Carl Voscherau, dem Vater des späteren Hamburger Bürgermeisters, sehr erfolgreich. Daran änderte auch die Neuausrichtung als zeitkritische Sprechbühne in den 60er Jahren nichts. Das Thalia blieb das beliebteste und bestverkaufte Haus der Stadt. Daran konnte Ulrich Khuon als neuer Intendant 2000 anknüpfen. Bis in die jüngste Vergangenheit brachte er das Theater immer wieder an die Spitze der deutschen Kritiker-Charts. Dabei inszeniert er gar nicht, sondern beschränkt sich ganz auf die Rolle des Managers. Seinen Erfolg erklärt sich die Fachpresse damit, dass Khuon sein Ensemble genauso ernst nimmt wie sein Publikum und dass er Regisseure gewinnt, die in der Lage sind, mit originellen Handschriften scheinbar Vertrautes in ein neues Licht zu rücken. Die Nähe die daraus zwischen dem Haus und seinen Gästen erwächst, ist dann manchmal sogar ein Fest wert, etwa wenn die überraschten Schauspieler nach der 150. erfolgreichen Vorstellung eines Stücks plötzlich nicht abtreten können, weil für sie und die Zuschauer eine riesige Torte und dazu Sekt für alle auf die versperrte Bühne gefahren wird.
Thalia Theater

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Hamburger Kunsthalle

13.000 Freunde Ein Kubus von heute, ein Anbau aus dem frühen 20. und dazwischen ein Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert bereits die Architekturen der Kunsthalle kündigen die Zeitreise an, zu der ihre Sammlungen einladen. Diese Zeitreise führt vom Mittelalter bis in die Gegenwart und dabei trifft man auf alle großen Namen, die einem auch woanders begegnen mit dem Unterschied, hier findet man sie alle unter einem Dach. Denn die Kunsthalle ist mit 13.000 m2 Deutschlands größtes Kunstmuseum. Was sie darüber hinaus so einmalig macht, ist ihre hamburg- typische Verankerung in der Bürgerschaft. 13.000 Fördermitglieder unterstützen das Haus der größte und aktivste Museums-Freundeskreis der Republik. Das spiegelt sich nicht nur in den vielen, von den Freunden getragenen Angeboten wider, sondern auch in den Spenden und den damit möglichen Ankäufen. Um sich dieses Engagement zu erhalten, ordnet das Museum seine Sammlung mit neuen Schwerpunkten und Bezügen immer wieder um und bietet schnell wechselnde, viel beachtete Sonderausstellungen. Bürgerschaftlichem Engagement verdankte das Museum 1869 bereits seine Gründung. Die neue Sonderausstellungshalle hat zuletzt auch wieder ein Mäzen bezahlt.
Die Hamburger Kunsthalle

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Deutsches Schauspielhaus

Tops und Flops Von Deutschlands größtem Sprechtheater lässt sich mit einiger Gewissheit eigentlich nur sagen, dass es zu groß ist. Der Zuschauerraum hat 1.200 Plätze und wirkt damit auch dann noch leer, wenn 700 Leute darin sitzen. Den Akteuren verlangt dies eine enorme Präsenz und noch mehr Stimmkraft ab. Doch auch sonst ist das Haus ein Ort der Extreme - eine Magic-Box, die aus hehren Ambitionen scheinbar beliebig Riesen-Blamagen, unsägliche Streits oder spektakuläre Erfolge macht. So wurden die Off-Theater-Experimente des Intendanten Tom Stromberg von der Fachpresse 2000 als Ärgernis des Jahres verdammt und fünf Jahre später wurde das gleiche Haus unter dem selben Intendanten von den gleichen Kritikern als Theater des Jahres gefeiert. Just nach diesem Erfolg übernahm allerdings Friedrich Schirmer vom Stuttgarter Staatstheater die Leitung. Und obwohl der dort recht erfolgreich war, wurde sein engagierter Start hier zunächst verrissen eine Reihe von Tops und Flops, die sich bis zur ersten Nachkriegs- Intendanz unter Gustaf Gründgens zurückverfolgen lässt. Hamburgs erstes Theater taugt offenbar immer für eine Schlagzeile, und sicher schauen die Hamburger auch deshalb so genau hin.
Das Deutsche Schauspielhaus

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Lange Reihe

Von bunt nach rosa Noch ist das Leben in Hamburg nirgendwo bunter als auf der Langen Reihe in St. Georg. Doch das ändert sich gerade. Eigentumswohnungen und steigende Mieten verdrängen zunehmend die Multikulti-, Drogen- und Prostituiertenszene, die sich hier seit Jahrzehnten zu Hause fühlte. Stattdessen siedeln sich immer mehr besser betuchte Schwule und Lesben an. Die vielen Läden, Bars und Kneipen auf der 1,8 Kilometer langen Straße werden dabei immer origineller und machen sie zur beliebten Shopping- und Ausgehmeile die Nebenstraßen eingeschlossen. Noch beträgt der Ausländeranteil hier 40 Prozent. Aber er sinkt rapide. Wo sich früher Familien mit vielen Kindern eine Wohnung teilten, leben heute Singles und Paare, die nie welche haben werden, so dass der Stadtteil in wenigen Jahren ein Drittel seiner Einwohnerzahl verlor. An der Nummer 71 erinnert eine Tafel daran, dass hier der Blonde Hans geboren wurde. Der Durchgang in der Nummer 17 führt zur Koppel 66, einer Hamburger Institution für Kunsthandwerk mit 18 Ateliers für Mode und Design in einer alten Fabrik. Und gleich um die Ecke, im Hotel Atlantic an der Außenalster, logiert der König der Deutsch-Rocker, Udo Lindenberg.
Die Lange Reihe in St. Georg

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Hansaplatz

Warten auf Jesus Der 1888 errichtete Hansabrunnen ist einer der schönsten Brunnen Hamburgs. Bekrönt von der Hammonia, schmücken ihn Kaiser Karl der Große, der Hamburg das Stadtrecht verlieh, Erzbischof St. Ansgar, der es geistig begründete und der Schauenburger Adolf III., der der Stadt mit dem Hafen ihr wirtschaftliches Fundament gab. Bis vor wenigen Jahren trafen sich hier Hamburgs 15.000 Junkies, so dass die Hauseigentümer ihre Eingänge mit Gittern verbarrikadierten. Doch inzwischen hat die Polizei die Szene zerstreut und sorgt durch Dauerstress dafür, dass sie auch nirgendwo anders Ruhe findet. Das verbliebene Elend reicht aber noch aus für einen Gruseltripp. Vor allem die Beschaffungsprostitution ist unübersehbar und sorgt in der Mittagspause und am Feierabend für zunehmenden Autoverkehr rund um den Platz. Hamburgs Erzbischof erklärte kürzlich, wenn Jesus heute nach Hamburg käme, würde er hierher ziehen. Da aber in nächster Zeit niemand mit ihm rechnet, betreibt vorerst die Stadt in unmittelbarer Nähe ein Drogenzentrum und dazu Deutschlands einzige Zentralambulanz für Betrunkene. Ein kirchlicher Verein kümmert sich währenddessen am Bahnhof um die Straßenkids und Stricher.
Der Hansaplatz

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Centrum Moschee

Fremde Nachbarn 45 Moscheen gibt es in Hamburg, von denen man die meisten gar nicht erkennt, weil sie sich in Hinterhöfen verstecken. Von den 130.000 Moslems, die sie besuchen, hält der Verfassungsschutz 200 für gewaltbereit und 20 für Terroristen, ohne etwas gegen sie tun zu können. Die einzigen Sanktionen waren bisher Platzverweise für die Moscheen Al-Koud und Al Nour, weil sich dort auch die Attentäter des 11. September trafen. Mit denen hatte die Merkez Camii als Hamburgs älteste und größte Moschee zum Glück nichts zu tun. Deren Imam, Ramazan Ucar, ist sogar SPD Mitglied, spielt aber auch in der Milli Görus eine führende Rolle und sorgt damit für große Verlegenheit. Denn einerseits bietet die Milli Görus als mächtigste islamische Organisation in Deutschland ihren Anhängern eine Betreuung von der Wiege bis zur Bahre, andererseits enthebt sie sie damit der Not, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Und damit wird auch ihr unterstellt, Gewalt zu erzeugen, obwohl sie selbst jede Gewalt ablehnt. Die Moschee mit Markt, Barbier, Restaurant, Buchladen und Infobüro in einem alten Schwimmbad steht auch Ungläubigen offen. Dazu wird jeden ersten Freitag im Monat deutsch gepredigt.
Die Centrum Moschee

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Museum für Kunst und Gewerbe

Schönheit und Nutzen Das 1877 gegründete Museum für Kunst und Gewerbe ist eines der führenden Häuser seiner Art in Europa. Der leuchtend gelbe Bau präsentiert angewandte europäische Kunst und Plastik vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Kunst der Antike, Ostasiens und des Orients, sowie Volkskunst- und Textilsammlungen, dazu Wohnkultur, modernes Design, graphische Arbeiten und Fotos internationaler Künstler. 700.000 Ausstellungsobjekte erlauben es den Museumsmachern alle nur denkbaren Bezüge zwischen fast allen Epochen und Kulturen herzustellen und diese in ihren Produkten greifbar zu machen. Dafür stehen vor allem die rund 30 Sonderausstellungen im Jahr. Sie widmen sich so verschiedenen Themen wie dem Kult um König Fußball, der japanischen Kriegspropaganda, politischen Plakaten in Israel, Bildern, die lügen, oder den Gladiatorenkämpfen im alten Rom. Highlights sind darüber hinaus das Design-Labor, in dem man 500 verschiedene, nach Produktgruppen geordnete Objekte wie Stühle, Besteck oder Weinutensilien ausprobieren kann. Dazu wird an Firmen ein Freiraum vermietet, in dem sie ihr Design-Konzept vorstellen können. Dieses Angebot ist einer Viertelmillion Menschen im Jahr einen Besuch wert.
Das Museum für Kunst und Gewerbe

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Mönckebergstr.

Shopping-Meile Was der Kudamm für Berlin ist, das sind für Hamburg die Spitaler und die Mönckebergstraße die eine Fußgängerzone, die andere nur von Bussen und Taxis befahren. Selbstverständlich sind die Kauftempel der Straße alle die größten und schönsten oder sonst irgendwie superlativ, und das zieht neben reichlich Publikum auch Straßenkünstler aus aller Welt an. Dazu laden Bänke und Cafés zum Verweilen ein und vor dem Karstadt erklingt immer zur vollen Stunde ein Glockenspiel. Das Herz des Trubels und ein beliebter Treffpunkt ist der Mönckebergbrunnen. Der Pavillon dahinter bot früher als Bücherhalle geistige Nahrung. Heute nutzt ihn eine Imbisskette. Ideal für das Hamburg- typische Schmuddelwetter sind die Einkaufs- Galerien. Die kleine Landesbankgalerie am Gerhart-Hauptmann-Platz ist schon über 30 Jahre alt, die Galerie im Levantehaus, Richtung Bahnhof, ist eine der jüngeren. Aus ihrem mit Flammenschalen bewehrten Portal stürzt ein Centauer und auch drinnen tummeln sich allerhand phantastische Wesen. Zurück, Richtung Rathaus stößt man auf Hamburgs älteste Pfarrkirche St. Petri, deren Löwenkopf-Türklopfer als Hamburgs ältestes Kunstwerk gilt. Daneben steht das malerische Hulbe-Haus.
Die Mönckebergstr.

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St. Jacobi

Banausen Von der St. Jacobikirche aus dem 14. Jahrhundert war nichts mehr übrig, nachdem ihr riesiger Turm bei einem Bombenangriff 1944 in das Kirchenschiff gestürzt war. Gerade noch rechtzeitig hatte der Kirchenvorstand beschlossen, die wichtigsten Schätze in einen Schutzraum unter dem Turm zu bringen. So blieb auch die größte Barockorgel Nordeuropas, ein Werk des berühmten Arp Schnitger von 1693 erhalten. Mit 4000 Pfeifen und 60 Registern ist sie, seit die Kirche 1963 rekonstruiert wurde, wieder ihre Hauptattraktion. Denn das Instrument beschert der Gemeinde nicht nur gut besuchte Gottesdienste, viele Konzerte und Tagungen, sondern vor allem viel mehr Mitglieder, als sie amtlich hat. Sicherlich tragen dazu auch die plattdeutschen Predigten bei, die fernöstlichen Meditationen und die Tanzgottesdienste, das Turmcafé oder die Mittagspausen für die Seele. Immerhin fand 1720 auch ein Johann Sebastian Bach das Instrument so toll, dass er sich hier als Organist bewarb. Als er aber für die Ehre, daran zu spielen, Geld mitbringen sollte, anstatt welches damit zu verdienen, verzichtete er dankend. Den banausischen Jacobiten trug das eine geharnischte Strafpredigt ihres Pastors ein.
St. Jacobi

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Chilehaus

Prominenter Mix Während der Expressionismus in der Malerei etwa fünfzehn Jahre Zeit hatte, sich zu entfalten, blieben ihm in der Architektur kriegsbedingt gerade einmal fünf. Genau deshalb ist das Chilehaus von 1924 als eines der wenigen realisierten Großprojekte dieser Kunstauffassung auch so berühmt. Zwischen Jugendstil und neuer Sachlichkeit, lehnte dieser Stil das Ornament am Bau bereits ab, konnte aber noch nicht darauf verzichten. Aus dieser Not flüchtete er sich in abstrakte Zacken, Bögen und Wellen. Der Architekt Fritz Höger fand aber auch einen Ausdruck für den expressionistischen Hang zur Archaik. Er verbaute 4,8 Millionen Ausschussklinker, die man sonst nur für Schweineställe nutzen würde, wie er selbst zugab. Zugleich kündigte sich in seiner Reihung von 2800 gleichen Fenstern bereits das Bauhaus an. Dieser merkwürdige Mix aus Tradition und Moderne ließ Höger zum Erneuerer des norddeutschen Backsteinbaus werden. Die Schiffsform des Bürogebäudes verweist auf seinen Bauherren, den Kaufmann Henry B. Sloman. Der war im Überseehandel mit Salpeter reich geworden. Und der Kondor in der Bugspitze des Hauses erinnert als Wappentier Chiles daran, woher dieser Rohstoff damals kam.
Das Chilehaus

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Deichtorhallen

Millionär im Nebenjob Wie der Hamburger Bahnhof in Berlin, dient auch der Berliner Bahnhof in Hamburg der modernen Kunst. Nur: In Berlin gibt es den Bahnhof noch und in Hamburg wurde er 1911 mit zwei Markthallen überbaut, die seit 1989 als Galerien dienen. Die nördliche Halle zeigt auf 3.800 m2 bildende Kunst und die südliche auf 1.800 m2 Fotografien. Davor wartet seit 2005 ein Helium-Ballon auf Gäste, um sie für 15 Minuten auf 150 Meter Höhe zu bringen. Höchstens 30 Personen auf einmal kann er mitnehmen. Und das auch nur, wenn der Wind mitspielt. Bei klarer Sicht soll man dort oben sogar Lüneburg, Itzehoe und Brunsbüttel erkennen. Das Stahlseil, das den Ballon hält, ist 22 Millimeter dick und lässt ihm 50 Meter im Radius Spielraum. Bei Stromausfall kann das Seil mit einem Notaggregat eingeholt werden. Und sollte es reißen, versichert der Betreiber, lässt sich der Ballon trotz der tonnenstarken Auftriebskräfte ganz normal landen. Illustrer Investor des Highflyers ist Farhad Vladi, ein großer deutscher Landkartenhändler, der nebenbei immer mal ein paar Milliönchen beim Verkauf von privaten Inseln verdient. Wer sollte besser wissen als er, wo man so etwas auf der Welt noch findet.
Die Deichtorhallen

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Dialog im Dunkeln

Rollentausch Beim Dialog im Dunkeln passiert nichts, was man mit geschlossenen Augen nicht auch alleine und ohne Eintrittsgeld erleben könnte. Trotzdem sind die Räume, die nur mit Düften, Winden, Temperaturen, Tönen und Texturen eine Bootsfahrt, einen Park, eine Stadt oder eine Bar simulieren eine Sensation. Denn sie sind stockdunkel und lassen die Versuchung, die Augen sofort wieder aufzureißen, völlig ins Leere laufen ein inszenierter Notstand also, in dem normale Alltags-Situationen plötzlich sehr aufregend werden, auch weil Sehende und Blinde dabei die Rollen tauschen. Denn ohne blinden Guide, dem man natürlich blind vertrauen muss, ist man hier völlig erschossen. Aber um dieses prickelnde Gefühl ging es den Vätern der Idee 1988 gar nicht. Sie wollten vielmehr bei den Sehenden Verständnis für die Nöte Blinder wecken. Ähnlich sieht auch die Hamburger Sozialbehörde den Dialog im Dunkeln vor allem als ABM-Projekt. Dass es auch anders geht, beweisen die privaten Betreiber von Dunkel- Bars in Berlin, Köln und anderen Städten. Dort verdienen Blinde ihr Geld als Animateure oder Kellner in ganz normalen Jobs und ihre Gäste haben dabei genauso viel Spaß wie im sozialen Hamburg.
Dialog im Dunkeln

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Zollmuseum

Trickser Seit es Menschen gibt, leben sie in Gemeinschaft und deren Häuptlinge verlangen Abgaben, um die sich die Indianer gerne drücken. Davon erzählt das Zollmuseum im ehemaligen Zollamt Kornhausbrücke, das früher die Einfuhr aus Übersee kontrollierte. Dort beweist eine Tontafel aus Mesopotamien, dass es schon vor 4000 Jahren ein Finanzamt gab, und eine römische Zollquittung macht klar, dass man sich dem schon damals kaum entziehen konnte. Eine Bart- und Perückensteuer zeigt, wie findig die Mächtigen beim Geldeintreiben seit jeher waren und wie sie damit immer wieder neue Schummeleien herausforderten. Dafür stehen eine Schwarzbrennerei und eine Fälscherwerkstatt oder moderne Beispiele für Markenschwindel und Produktpiraterie. Hinzu kommen die kreativen Tricks der Schmuggler, eine Beinprothese als Zigarettenversteck, hohle Kinderbücher für den Medikamentenversand, Kraftstofftanks für den Waffenschmuggel und Teppiche mit berauschender Nebenwirkung. Man wäre in keinem Museum der Zollverwaltung, wenn dazu nicht auch die Kniffs und Hilfsmittel zur Bekämpfung des Betrugs gezeigt würden. Der Zollkreuzer Oldenburg im Zollkanal hinter dem Haus war dagegen noch bis 2005 im Einsatz.
Das Deutsche Zollmuseum

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Speicherstadt

Zollfrei 16.000 Menschen lebten auf den Brookinseln, als Hamburg 1871 Reichsgebiet wurde und einen neuen Freihafen brauchte, weil nur für den die alten Privilegien des Zoll-Auslands weiter gelten sollten. Nach dem Abriss des Stadtviertels 1885 entstand hier der größte zusammenhängende Lagerhauskomplex der Welt. Giebel, Zinnen und Spitzbögen erinnern zwar an die Backsteingotik alter Hansestädte, aber hinter den Kulissen steckte moderne Technik, von der hydraulischen Winde bis zum elektrischen Licht. Bis heute lagern hier Tee, Kakao, Gewürze, Tabak und Teppiche. Allerdings werden diese Güter nicht mehr mit Schuten transportiert, sondern auf Lkw und in Containern. Anhand von typischen Arbeitsgeräten und Waren zeigt das Speicherstadtmuseum, wie hier gewirtschaftet wurde, vom Verlesen und Rösten der Kaffeebohnen über die Lagerung von Kautschukballen bis zur Teeverkostung. Und es zeigt, wie aus den Quartiersleuten, die als Lageristen von Speicher zu Speicher zogen, die Logistikunternehmen von heute wurden. Wer nach den vielen Düften endlich auch mal etwas schmecken will, der kann in der Kaffee-Klappe den Rio Minas mit dem Supremo vergleichen oder auch einen Japan Finest Sencha kosten.
Die Speicherstadt

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U 434

Russen-Alarm! Der Bär auf dem Turm von U 434 weist das U-Boot im Baakenhafen eindeutig als russisches Kriegsschiff aus. Dazu ist es auch noch eines der größten nichtatomaren der Welt. Doch die Invasion blieb aus, als es 2003 hier auftauchte. Vielmehr lädt das Schiff seitdem zur Besichtigung ein. Zuvor hatte es 26 Jahre lang gut getarnt die russische Küste bewacht und die der USA ausspioniert. Lebensmittel und Wasser reichten dabei für 80 Tage, die 40°- 60° heiße Luft allerdings nur für dreieinhalb, so dass das Boot immer wieder auftauchen musste. Die Bedingungen für die 84köpfige Besatzung waren extrem. Nur mit einer Wandklappe statt eines Betts und nicht einmal auf dem Klo allein, hielten die Mannschaften das nur eine Fahrt durch und mussten danach ausgetauscht werden. Für die 32köpfige Schiffsführung dagegen, die sich Betten teilen und ihr Klo immerhin abschließen konnte, ging es sofort weiter. Platz hatten hier nur die 24 riesigen Torpedos. Damit sich das Schiff beim Abschuss nicht durch Blasen verriet, musste der Raum jedes Mal geflutet werden. Zugleich schoss das Wasser in die Ballasttanks, um den Verlust von zwei Tonnen pro Abschuss auszugleichen. Das Schiff wäre sonst aufgeschwommen.
U 434

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HafenCity

Zukunfts-Musik Noch ist nicht viel zu sehen von der neuen HafenCity. Aber mit den Häusern am Sandtorkai und den Magellan-Terrassen gewinnt sie immerhin erste Konturen, und es ist leichter, sich in den Hafenbecken Pontons mit Pavillons, Traditionsschiffe oder Marinas vorzustellen. Die beispiellosen Planungen umfassen die gesamte, drei Kilometer lange und ein Kilometer breite Hafenbrache. Mit 5.000 Wohnungen, 40.000 Arbeitsplätzen, Shoppingmeilen, Restaurants und Kultureinrichtungen soll hier die Innenstadt fast um das Doppelte wachsen. Dabei wird das neue Viertel weiterhin vom Hafen geprägt. Seine Plätze werden als Fernweh-Plätze an den Köpfen der Hafenbecken liegen und seine Kaimauern, an denen das Wasser auch dann noch um 3,50 Meter steigt und fällt, werden seine Promenaden. Herzstück des neuen Stadtteils wird das Überseequartier mit dem Schifffahrtsmuseum, einer Maritimen Erlebniswelt aus Science Center und Aquarium sowie einem Kreuzfahrtterminal für die größten Pötte der Welt. Doch der Leuchtturm des Ganzen wird der Glaspalast auf dem alten Kaispeicher A im Westen. Während im Speicher selbst die Autos parken, musiziert unter seiner futuristischen Haube die Elbphilharmonie.
Die HafenCity

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Afghanisches Museum

Heimweh Nach einem Vierteljahrhundert andauernder Kämpfe ist von Afghanistans unzähligen Volksgruppen fast jede mit jeder verfeindet. Drei Viertel seines Territoriums sind völlig unzugänglich, dazu schlimmer vermint als jeder andere Teil der Erde und so unsicher, dass sich nicht einmal die Besatzungstruppen dort hinein wagen. Hotels gibt es keine, die wenigen Kulturschätze sind zerstört, die Wirtschaft liegt am Boden, viele Menschen hungern und überleben nur, weil sie Mohn anbauen oder Opium schmuggeln. Es gibt keinen Grund, das Land besuchen oder gar dort leben zu wollen. Nicht einmal für einen Afghanen wie Nek Mohamad, der seit 1990 als Öl- und Teppichhändler in Hamburg lebt. Trotzdem hat er Heimweh. Deshalb gründete er 1998 ein kleines Privat-Museum in der Speicherstadt mit Backstube, Teehaus und Bazar, auf dem ein Schuhmacher, ein Teppichknüpfer und ein Porzellandoktor arbeiten. Dazu zeigt er die Miniaturmodelle zerstörter Kultstätten wie den Buddha von Banja, informiert über die Sitten und Bräuche seines Landes und erinnert daran, wie liberal und friedlich seine Heimat war, bevor 1979 erst die Russen und dann die Amerikaner kamen. Darüber will er dann aber lieber nicht mehr reden.
Das Afghanische Museum

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Spicy´s

Scharfe Sache Das private Gewürz-Museum Spicys ist mit 350 m2 eher klein, es versteckt sich in einem alten Speicher und man erreicht es nur über eine schmale Treppe. Trotzdem hat es mehr Besucher als manches große Staatsmuseum mit Säulenportal in repräsentativer Lage. Der Grund: Hier darf man alles anfassen, riechen und schmecken. Und das ist bei rund 50 Rohgewürzen von einfachen Senfkörnern über Anis und Basilikum bis Ingwer und Muskat nicht nur für Hausfrauen ein Erlebnis, sondern mit den Blechdosen, Säcken und Kisten als originalen Importverpackungen auch für den Rest jeder echten Piraten-Familie. Dazu zeigt das Museum alles, was man sonst noch im Gewürzhandel braucht: Mühlen und Waagen, Dosierschaufeln und Mörser, Sacknäh- und Siebmaschinen oder Stampfwerke. Interessant ist dabei auch die Geschichte. Denn früher wurden Gewürze eher für Heilzwecke als zum Abschmecken genutzt, wobei ihre Wirkung oft kurios missdeutet wurde. Und schließlich: Wer weiß denn schon wirklich, wo der Pfeffer wächst, und dass er eigentlich eine Beere ist. Auch das erfährt man hier. Denn in Hamburg kennt man sich damit schon immer aus. Bis heute ist die Stadt der drittgrößte Gewürz- Umschlagplatz der Welt.
Spicy´s Gewürzmuseum

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Hamburg Dungeon

Deftig, heftig Die Tour des Grauens beginnt an einer morschen, wurmstichigen Tür, die sich knarrend zu einem düsteren, altertümlichen Fahrstuhl öffnet, durch den die Ratten huschen und aus dem gequältes Stöhnen dringt. Dann geht es los abwärts natürlich. Die Enthauptung des berühmten Piraten Klaus Störtebeker, die Schrecken von Pest und Cholera, der große Hamburger Brand sowie die grausame mittelalterliche Inquisition sind nur einige der Schreckensszenarien, die man hier hautnah miterlebt. Dazu kommen eine Bootsfahrt durch die Nacht der großen Sturmflut Weihnachten 1717 mit allem, was zu einer ausgewachsenen Katastrophe dazu gehört sowie das Labyrinth der verlorenen Seelen, in dem ein Inquisitor auf die Besucher wartet, ihre Schuld oder Unschuld feststellt und ihnen dann einen Weg aus den verschachtelten Gängen weist, oder aber sie bis an ihr Ende darin herumirren lässt. Der 90minütige Rundgang wird von 20 Schauspielern belebt und wartet mit Überraschungen auf, bei denen immer mal kräftig auf die Tube gedrückt wird. Das ist sicher nichts für Kinder, Ästheten und anders empfindsame Gemüter. Aber robustere Naturen mit Sinn für deftige Unterhaltung kommen hier bestimmt auf ihre Kosten.
Das Hamburg Dungeon

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Miniatur Wunderland

Liliput Wenn das Schloss am Rand der Stadt brennt, rasen sofort alle Feuerwehren los und in kürzester Zeit ist der Brand gelöscht. Länger darf es auch nicht dauern. Denn jetzt wird es schon dunkel, nacheinander gehen die Lichter an und wenn es wieder hell wird, brennt das Schloss erneut und alles beginnt von vorn. Der Tag hat hier nämlich nur 15 Minuten. Seit ihrer Eröffnung 2001 wächst die größte Modelleisenbahnanlage der Welt weiter und weiter und ist mit 850.000 Gästen im Jahr längst zu Hamburgs beliebtester Attraktion geworden. Über ihre 9 km langen Gleise rattern 700 Züge mit 10.400 Waggons. 6000 Autos blinken beim Abbiegen nicht nur, auch ihre Stopplichter funktionieren und dazwischen wuseln 150.000 Menschen, die einen Jahrmarkt besuchen, sich einen Skihang hinab stürzen, gerade aus einem Gefängnis ausbrechen oder im Stadion ein Fußballspiel verfolgen. An 100 Knöpfen können die Besucher mitspielen, die Fans Toor! brüllen lassen oder Wind für die Windräder erzeugen. Und all das in den Alpen, in den Everglades, an Norwegens Küsten oder rund um den Hamburger Michel. Die Computerzentrale, die diese Wunderwelten steuert, sieht aus, als könnte man mit ihr auch ein Raumschiff starten.
Das Miniatur Wunderland

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Deichstr. Nikolaifleet

Alt-Hamburg Nur einer Bürgerinitiative ist es zu verdanken, dass das letzte Stück Alt-Hamburg 1974 nicht abgerissen wurde. Die Häuser an der Deichstraße waren überraschend stehen geblieben, obwohl genau an diesem Ort 1842 der Große Hamburger Brand ausbrach. Doch der Wind trieb ihn zur Binnenalster, wobei er jedes dritte Hamburger Haus zerstörte und 20.000 Menschen obdachlos machte. Erst nach drei Tagen war er gelöscht. So wie hier, sah zuvor die ganze Altstadt aus. Giebel an Giebel reihten sich die repräsentativen Bürgerhäuser. Hinter ihren Toren lag meist eine hohe Diele mit bemalter Balkendecke, die auch zum Fleet hin ein Tor hatte, wo mit Schuten die Ware angelandet wurde. Dadurch war die Diele zugleich das Durchgangslager, neben dem in den Kontorräumen an Stehpulten die Buchhalter arbeiteten. Durch ein Fenster zur Diele hatte der Handelsherr sie dabei immer im Blick. Eine Treppe führte hoch auf die Galerie mit den Wohnräumen. Und darüber befanden sich die mit Winden bewirtschafteten eigentlichen Lagerböden. In der Nr. 37 ist ein solches Haus rekonstruiert worden, sogar mit dem Erker zum Fleet hin, der als Klo und Mülleimer diente. Leider ist es nur den Haus-Gästen zugänglich.
Die Deichstr.

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St. Katharinen

Katzbalgerei St. Katharina war seit dem 13. Jahrhundert die Kirche der Schiffsbauer, Bierbrauer und Kaufleute auf den Fleetinseln Cremon und Grimm. Berühmt wurde sie durch einen Pastor, der sich öffentlich jahrelang mit Lessing stritt, was denn nun wichtiger sei, der Glaube oder die Vernunft. Lessing tat das zwar als Katzbalgerei ab und nahm den großen Glaubenskrieger nicht ernst, trotzdem schrieb dieser Streit Geschichte. Danach war die Bibel nicht mehr, was sie vorher war. Auf die Volksphantasie hatte das keinen Einfluss. Die entzündete sich weiterhin an den Martyrien der Namenspatronin der Kirche, Katharina und brachte die heiß begehrte zypriotische Prinzessin in ein ziemlich verqueres Verhältnis zu dem angeblich genauso attraktiven Störtebecker. Danach wurde nämlich die Krone, die Katharina zu Ehren die Spitze des 115 m hohen Kirchturms ziert, aus dem Goldschatz des geköpften Seeräubers gegossen. Seit das Kirchenschiff 1943 zerstört wurde, trägt der Turm allein die Ehre, der älteste Bau der Stadt zu sein. St. Katharina wird die Kirche der neuen HafenCity und gewinnt dadurch eine Gemeinde zurück, die durch den Bau der Speicherstadt 1890 und den Krieg für immer verloren schien.
St. Katharinen

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Bischofsturm

Geteilte Stadt Nur mühsam entwickelte sich das altsächsische Dorf Hamm zu einer Handelssiedlung, da es immer wieder von Wikingern und Slawen überfallen wurde. Daran änderte auch die Hammaburg auf dem heutigen Domplatz wenig, mit der es im 9. Jahrhundert zum Missionsstützpunkt ausgebaut wurde. Die Burg war so schwach, dass der hier ansässige Erzbischof wiederholt in das besser befestigte Bremen fliehen musste. Um endlich Frieden zu schaffen, setzte der deutsche König den Sachsen Herrmann Billung als Markgrafen für das Gebiet ein und sorgte damit für den nächsten Konflikt. Denn jetzt stritten sich geistliche und weltliche Herrschaft um die Macht, so dass sich der Bischof um 1040 neben der alten Hammaburg als ersten Steinbau nördlich der Elbe einen 22 m hohen Wehrturm mit 4 m dicken Wänden errichten ließ. Die Grafen zogen sofort nach und bauten erst die Alsterburg am heutigen Rathaus und dann die Neue Burg an der heutigen Nikolaikirche. Damit zerfiel Hamburg für 150 Jahre in die bischöfliche Altstadt und in die gräfliche Neustadt. Nur noch die Reste des Bischofsturms erinnern daran. Sie wurden erst 1962 wieder entdeckt und sind seither in einem unterirdischen Schauraum zu besichtigen.
Der Bischofsturm

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Internationales Maritimes Museum

Maritimes Es ist 600 Jahre her, dass die Hamburger den gefährlichsten Piraten der Ost- und Nordsee, Klaus Störtebecker samt seiner Mannschaft köpfen ließen, weil er ihre Schiffe überfallen hatte. Aber verziehen haben sie ihm das bis heute nicht. Während Rügen dem wilden Gesellen alljährlich ein monatelanges Festival widmet, tut ihn Hamburg mit einem unscheinbaren Denkmal in einer Grünanlage an seiner einstigen Richtstätte ab. Doch dort wird der Seeräuber künftig mehr Beachtung finden. Denn hinter ihm erhebt sich mit dem Kaispeicher B der älteste Bau der Speicherstadt und der beherbergt ab 2007 auf 14.000 m2 eines der größten Schifffahrts- Museen der Welt. Dort werden 27.000 Schiffsmodelle vom Wikingerschiff aus Knochen bis zur sündhaft teuren Santa Maria aus Gold gezeigt, dazu 5.000 Gemälde und noch mehr nautische Geräte, Uniformen, Waffen, Möbel und andere Gegenstände des maritimen Alltags. Zum Museum gehören außerdem ein Institut für Marinegeschichte und eine Bibliothek mit 1,5 Millionen Fotos, 120.000 Büchern, 35.000 Schiffsplänen und 2.000 Filmen. Bis zur Eröffnung ist diese außergewöhnliche Privatsammlung in der Elbchaussee 277 untergebracht und nur nach Absprache zu besichtigen.
Das Internationale Maritime Museum Hamburg

Hinweis: Digitalisierte Illustration mit qualitativen Verlusten. Rückseiten vergrößert.