City-Tour Neustadt

Gänsemarkt

Liebestod Statistisch regnet es in Hamburg nicht mehr als in München oder Venedig. Trotzdem hat keine deutsche Stadt so viele Einkaufspassagen. Am Gänsemarkt sind es gleich drei: der Gerhof, die Colonnaden und die Gänsemarkt- Passagen. Aber hier ist auch abends etwas los. Denn neben der Staatsoper liegen drei Kinos in der Nähe und deren Gäste lassen den Abend gern in den umliegenden Restaurants ausklingen. Der leider ziemlich beschissene Herr in der Mitte ist Lessing, der genau dort, wo er hinschaut, 1769 die Idee eines Deutschen Nationaltheaters begraben musste. Auch seine Zeitschrift Hamburgische Dramaturgie mochte damals keiner lesen. Germanistikstudenten steht das heute nicht mehr frei, denn ihre Professoren halten die Schrift für die Geburtsurkunde des deutschen Dramas. Zu Füßen des Dichters lag im Mai 1912 ein 70jähriger feiner Herr im Sterben, der sich zuvor in einem benachbarten Edelpuff im Kalkhof übernommen hatte. Er gab sich als Graf Kronsborg aus und verschied noch auf dem Weg ins Hafenkrankenhaus. Durch eine Tätowierung am Knöchel erkannte man ihn als Frederik VIII., König von Dänemark. Seine Gattin und drei seiner acht Kinder nächtigten währenddessen im Hamburger Hof.
Der Gänsemarkt

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Mineralogisches Museum

Grüße vom Mars Das muss schon ein ziemlicher Brocken gewesen sein, der da vor vier Milliarden Jahren mit 70 km/s (!) auf die Erde krachte und sie für immer um 23,5° aus ihrer Achse kippte. Ohne ihn hätten wir heute keine Jahreszeiten. Dagegen war der Bursche, der vor 65 Millionen Jahren mit einer Billion Tonnen bei Yukatan nieder ging und einen 180 km großen Krater riss, nur ein Leichtgewicht, auch wenn dabei fast alles Leben auf der Erde zugrunde ging, darunter die Dinosaurier. Kosmisch betrachtet war das gerade mal gestern. Und deshalb ist die Meteoritensammlung des Museums auch so interessant. Sie zeigt die kleinen Brüder der Kometen, über 600 Stück, darunter den größten Museums-Kometen Deutschlands von knapp einer halben Tonne und ein nur 9,6 g schweres Steinchen, das vor 1,3 Milliarden Jahren ins All geschleudert wurde, als auf dem Mars mal ein gewaltiger Komet einschlug. Nach einer ewigen Reise durchs All fiel es schließlich am 11. Juni 1911 irgendwo in Ägypten vom Himmel. Aber es gibt hier auch ganz normale Steine zum Anfassen und viele phantastische Kristalle, darunter den größten je gefundenen Amethystdrusen. Und man kann Omas Perlenkette auf ihre Echtheit prüfen lassen.
Das Mineralogische Museum

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Gruner+Jahr

Journalisten-Dampfer In Hamburg stieg der Stern von Henri Nannen, Gerd Bucerius gründete die Zeit und Axel Springer die Bild. Hier entwickelte sich die dpa zur größten deutschen Nachrichtenagentur, haben die kreativsten Werbeagenturen ihren Sitz und hier sind die meisten Internet-Adressen pro Kopf registriert. Hamburg ist einer der bedeutendsten Medienstandorte Europas. Fast 12.500 Unternehmen zählte die Branche 2005 und erwirtschaftete mit rund 70.000 Menschen jährlich einen Umsatz von 25 Milliarden Euro. Drei Hamburger Großverlage (Bauer, Gruner+Jahr, Springer) teilen sich allein 50% des deutschen Marktes im Bereich Publikumspresse. Als Zeichen seiner Weltoffenheit brach Europas größtes Druck- und Verlagshaus, Gruner+Jahr 1987 als erster großer Bauherr der Stadt das traditionelle Hamburger Backstein-Gebot. Mit Blick auf das Umfeld entwarfen die Architekten einen Überseedampfer für Journalisten als neue Unternehmenszentrale. Ganz aus Zinkblech, Stahl und Glas, mit Bullaugen, Reelings und Seitenstützen, greift der Bau die Motive des Hafens mit Docks, Kränen und Schiffen auf und assoziiert mit den schmalen Höfen zwischen seinen Schiffskörpern die Gängeviertel der alten Stadt.
Gruner+Jahr - expand your brand

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Portugiesen-Viertel

Lissabon des Nordens Obwohl es auf keinem Hamburger Stadtplan ein Portugiesen-Viertel gibt, weiß jeder Taxifahrer sofort, wohin Fahrgäste mit diesem Ziel wollen: in das Dreieck Ditmar- Koel-Straße/Vorsetzen/Johannisbollwerk/ Neuer Weg. Denn hier gibt es auf einem knappen Quadratkilometer mehr portugiesische Restaurants und Cafés als wahrscheinlich sonst irgendwo in Europa außerhalb Portugals. Wie im Urlaub an der Algarve kann man sich hier aussuchen, bei wem man seinen Bacalhau ( Kabeljau), seine Caldeirada (Fischspezialität) oder sein Bife à moda da casa (Hüftsteak) isst, ganz so als wäre man nicht in einer deutschen Großstadt. Aber auch wer die Lissaboner Kuchentheken kennt und solche süßen Versuchungen wie Barrigas de Freiras (Nonnenbäuche), Toucinho do Céu (Himmelsspeck) oder papos de anjo (Engelsbäckchen) gekostet hat, kann hier die Erinnerung an den Genuss auffrischen. Mit fast 11.000 Portugiesen lebt in Hamburg die größte portugiesische Einwanderungsgemeinde Deutschlands. Die meisten dieser Portugiesen sind Nachfahren von Arbeitsmigranten aus den 60er Jahren und haben sich so erfolgreich integriert, dass inzwischen sogar deutsche Wirte unter portugiesischer Flagge segeln.
Das Portugiesenviertel

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Krameramtsstuben

Luxuriöse Enge Die Krameramtswohnungen vermitteln einen Eindruck, wie die Hamburger in den Gängevierteln vor 1900 lebten. Die Bebauung auf den Hinterhöfen war oft so eng, dass zwischen den Fachwerkhäusern kaum drei Meter Platz blieben. Die Krameramtswohnungen wurden 1676 von einer zunftähnlichen Vereinigung der Gewürz-, Seiden- und Eisenwarenhändler als Altersvorsorge für ihre Witwen gebaut. Da die Frauen alleine nicht geschäftsfähig waren, blockierten sie nach dem Tod ihrer Männer den Laden oder sie redeten, wenn sie im Haus wohnen blieben, dem Nachfolger ständig hinein. Die elegante Lösung waren die mietfreien Krameramtswohnungen, in denen die alten Damen außer kostenloser Holzkohle auch noch eine kleine Rente bekamen. Mit der Einführung der Gewerbefreiheit 1866 verlor diese Art der Vorsorge ihre Funktion und die Stadt übernahm die Wohnungen. So viel Platz wie die Kramer- Witwen hatten die übrigen Bewohner der Gängeviertel allerdings nicht. Die hausten oft zu mehreren auf 12 m2 und waren dabei auch nicht so komfortabel möbliert. Trotz dieser Weitläufigkeit ist in den Witwenwohnungen gerade mal so viel Platz, dass sich höchstens 4 - 5 Besucher gleichzeitig darin umsehen können.
Die Krameramtsstuben

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Michel

Wahrzeichen Der 132 m hohe Michel ist als Turm der Michaeliskirche Hamburgs Wahrzeichen. Seit 1661 lässt er das Herz aller Seefahrer höher schlagen, wenn er am Horizont auftaucht. Seine Existenz verdankt der Michel dem Dreißigjährigen Krieg, in dem das uneinnehmbare Hamburg um mehr als das Doppelte wuchs, während das Land rundum ausblutete. Drei mal wurde die Kirche seither zerstört. Das erste mal 1751 durch Blitzschlag, das zweite mal 1906 wieder durch Feuer, diesmal verursacht durch Unachtsamkeit bei Reparaturen, und zuletzt 1945 von Bomben. Mit 2500 Plätzen wurde die Kirche als größtes Gotteshaus Hamburgs 1952 wieder eingeweiht. 453 Stufen führen auf die 82 Meter hohe Aussichtsplattform, von der seit 300 Jahren um 10 und 21 Uhr sowie sonntags um 12 ein Turmbläser einen Choral in alle vier Himmelsrichtungen bläst. Darunter tickt mit fast fünf Meter langen Zeigern Deutschlands größte Kirchturmuhr. Auf dem zweiten Turmboden illustriert eine große Multivisionsschau über 1000 Jahre hamburgische Geschichte. Und ganz unten in der Gruft ruht Carl Philipp Emanuel Bach, der als Hamburgs Musikdirektor zu Lebzeiten viel berühmter war als sein heute so verehrter Vater, Johann Sebastian Bach.
Der Michel kirchlich

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Großneumarkt

Currywurst-Krieg Bei schönem Wetter herrscht Biergartenatmosphäre auf dem Großneumarkt und bei schlechtem kann man drinnen weiter feiern. Denn drum herum gibt es neben dem legendären Jazzkeller Cotton-Club über 30 weitere Kneipen. Deren Live-Konzerte hatten den Platz einst berühmt gemacht. Doch davon ist nicht mehr viel übrig. Die Wirte haben sich inzwischen auf das Tourismusgeschäft verlegt. Trotzdem gelang es einigen Spaßvögeln kürzlich, den Großneumarkt noch einmal in die Schlagzeilen zu bringen. Nachdem der Schriftsteller Uwe Timm in einem Roman eine Lena Brückner vom Großneumarkt zur Erfinderein der Currywurst erklärt hatte, gründeten sie den Currywurst-Club Hamburg und bestritten einer Herta Heuwer in Berlin, die dort von einem Gegenclub vertreten wurde, diese Ehre. Auf dem Höhepunkt der Kämpfe reiste eine vermummte Hamburger Guerilla-Truppe nach Berlin, um den dortigen Propaganda-Apparat auszuschalten und entrollte unter den Augen misstrauischer Polizisten vor dem Reichstag ein Transparent mit dem Spruch: Schluss mit den Lügen Currywurst = Hamburg. Doch die Berliner blieben hart. Unversöhnlich weihte jede Stadt eine eigene Gedenktafel für ihre Currywurst-Erfinderin ein.
Der Großneumarkt lexikalisch

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Hans Hummel

Hummel! Hummel! Natürlich ist es Unsinn, dass sich das Hamburger Autokennzeichen HH vom Hamburger Schlachtruf Hummel!, Hummel! ableitet, aber die Geschichte ist so hübsch, dass sie ortsfremden Quiddjes immer wieder gern erzählt wird. Angeblich geht der Ruf auf den Neustädter Stadtsoldaten Daniel Christian Hummel zurück, der mit seinen wilden Kriegsgeschichten aus der Franzosenzeit den Spott der Straßenjungen heraus forderte. Schon von weitem begrüßten sie ihn mit Hummel, Hummel. Als Hummel starb, bezog der Wasserträger Johann Wilhelm Bentz seine Wohnung und der hatte überhaupt keinen Nerv dafür, dass die Kinder den Ruf auf ihn übertrugen. Mit 30 Litern Wasser auf den Schultern konnte er sich jedoch schlecht dagegen wehren. Und so bellte er ein wütendes Mors! Mors! zurück die Kurzform des plattdeutschen Klei di an n Mors. Ins Hochdeutsche übersetzt hieß das: Kratz Dich am Arsch und im übertragenen Sinne Du kannst mich mal. Zur Erinnerung an den Wasserträger schuf der Bildhauer Richard Kuöhl 1938 den Brunnen-Hummel, und der bekam 2003 Hundert Kunststoffbrüder. 240 kg schwer und 1,82 m groß, bevölkern sie seither, bunt bemalt, die Gegend zwischen Hauptbahnhof und Alter Wall.
Hans Hummel und der Hummelbrunnen

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Bäckerbreitergang

Liebeskrieg mit Noten Das heruntergekommene Areal zwischen Speckstraße, Valentinskamp, Caffamacherreihe und Bäckerbreitergang lässt noch erahnen, wie man in Alt-Hamburg vor der Aktion Gomorrha im August 1943 lebte. Seit 2004 soll hier ein Ensemble aus Galerien, Läden und Gastronomie entstehen, das der Investor etwas großspurig schon mal den Hackeschen Höfen in Berlin an die Seite stellte. Dem Quartier täte das gut. Denn außer den Resten eines der einst für Hamburg so typischen Gängeviertel im Bäckerbreitergang gibt es hier nichts, was den Weg lohnt. Gängeviertel bezeichnete dabei ursprünglich keinen Ort, sondern die labyrinthisch enge Bebauung der Armenviertel. Nur noch hier blieb davon etwas erhalten. In einem verschwundenen Haus in der Speckstraße wurde 1833 Johannes Brahms geboren, dem in der Peterstr. ein Museum gewidmet ist. Brahms war der konservative Frontmann in den Musikerkriegen des 19. Jahrhunderts, in denen es immer auch um Frauen ging. Abgeblitzt bei der 14 Jahre älteren Frau seines Mentors Robert Schuhmann, wurde Hans von Bülow, ein anderer Frustrierter, sein wichtigster Verbündeter. Denn dem hatte Richard Wagner als Anführer der Revolutionäre die Frau ausgespannt.
Der Bäckerbreitergang

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Hanseviertel

Unblutig shoppen Mit 680 Metern Schaufenster, 63 Läden und acht Restaurants war das Hanseviertel 1980 bei seiner Eröffnung die größte Einkaufspassage Europas und eine wettergeschützte Alternative zur Mönkebergstraße. Der Bau aus einer Million Klinkern mit Kuppeln aus Stahl und Glas bediente zudem den hanseatischen Backsteinmythos 200.000 Besucher am ersten Wochenende waren ein guter Einstand. Trotz des deutlich verschärften Wettbewerbs ist das Hanseviertel bis heute mit über 20.000 Tagesgästen und 70 Millionen Euro Jahresumsatz Hamburgs erfolgreichste Passage und ein Wahrzeichen seiner Einkaufskultur. Hier eröffneten die ersten deutschen Joop- und H&M-Shops und hier wurde das Parken mit Kreditkarte erfunden. Dabei war der Hummerstand, an dem der Champagner schon mittags in Strömen fließt, schon immer Kult, wie auch Hans Rahner, der 2005 im Mövenpick als ältester Bar-Pianist der Welt seinen 100. Geburtstag feierte. Mit Störtebeckers Enthauptung immer zur vollen Stunde wäre hier vielleicht sogar noch mehr los. Aber von dem geplanten Figurenspiel nach dem Vorbild der Rathaus-Uhren in Prag oder München blieb nur das Glockenspiel übrig. Die Szene war dem Bauherren zu blutrünstig.
Das Hanseviertel

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Ohnsorg Theater

Atomschiet Bei etwa 600 Varianten des niederdeutschen Platt ist auch das Ohnsorg-Theater-Platt genau genommen eine verschnittene Kunstsprache, die nie jemand so gesprochen hat. Allerdings ist es seinem Ursprung sehr viel näher, als das Missingsch, das bei den Fernseh-Übertragungen der Aufführungen seit 1954 vier mal im Jahr als Platt verkauft wird. Trotzdem wurde das Theater gerade damit Deutschlands populärste Mundart-Bühne und brachte Legenden wie die Volksschauspielerin Heidi Kabel oder den Lieblingsopa der Nation, Henry Vahl hervor. Bereits 1902 gegründet, hat das kleine Haus mit seinen gerade mal 387 Plätzen bis heute eine traumhafte Auslastung und bringt es mit Gastspielen im gesamten deutschsprachigen Raum auf gut 600 Vorstellungen im Jahr. Die Hausübersetzer für die ebenfalls gespielten Klassiker sprechen nebenbei auch die plattdeutschen Nachrichten für den NDR. Dass dabei der Weltwirtschaftsgipfel zum Dörpskrooghümpel (Welt = Dörp, Wirtschaft = Kroog, Gipfel = Hümpel) wird, ist üble Nachrede, aber der Atommüll wird tatsächlich zum Atomschiet, der Attentäter zum wo keen dat daan hett, und beim Kompromiss kommen die verstrittenen Parteien endlich op een Brett.
Das Ohnsorg-Theater

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Alsterarkaden

Verwehrter Ruhm Die Alsterarkaden wurden 1843 von Alexis de Chateauneuf erbaut, einem unglücklichen Sohn der Stadt, den man in London mit Semper, Schinkel und Klenze verglich, der hier aber nicht zum Zuge kam. Aufträge erhielt er nur nach dem Großen Brand. Als die gröbste Not vorbei war, ließ man ihn wieder fallen. Vor den Geschäften unter den weißen venezianischen Bögen spielen am Wochenende oft Straßenmusikanten. Hier ist Felix Jud ansässig, eine Hamburger Institution für Literaturfreunde und man findet den exklusiven Juwelier Jensen oder das persische Restaurant Saliba. Die Mellin- Passage in der Mitte des Blocks mit Decken-, Wand- und Glasmalereien im Jugendstil ist Hamburgs älteste und kleinste Shopping-Galerie. Eines der Modegeschäfte am Ausgang Neuer Wall, Ladage & Oelke, ist schon seit dem Bau der Arkaden hier. Fast immer sitzen auf den Stufen am Fleet Leute, füttern die Schwäne oder schauen den Alsterdampfern beim Schleusen zu. Für größere Schiffe ist die Brücke zu niedrig. Die Stele mit dem Mutter-Kind-Relief auf der anderen Seite wurde 1929 als Kriegerdenkmal errichtet. Sie geht auf Ernst Barlach zurück und war so umstritten, dass die Nazis sie 1933 sofort wieder abbauten und durch einen Phönix ersetzten.
Die Alsterarkaden

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Jungfernstieg

Promenade Lange vor der Reeperbahn war Hamburg für seine erste Flaniermeile, den Jungfernstieg berühmt. Seit dem 17. Jahrhundert wurden hier die Töchter ausgeführt und Komplimente ausgetauscht. Das Ufer ziert ein Gang von Linden, in dem wir holde Schöne sehen, die dort, wenn Tag und Hitze schwinden, entzückend auf- und niedergehen reimte schon der Dichter Hagedorn. Und 100 Jahre später schwelgte Heinrich Heine, nur witziger, im gleichen Ton. Besonders beliebt war seit 1799 der Alsterpavillon, der seither sechs mal umgebaut wurde. 1841 hatte vor dem heutigen Kino Streits die deutsche Nationalhymne Premiere, ohne dass man damals die spätere Bedeutung des Lieds schon geahnt hätte. Mit immer mehr Luxus-Geschäften wurde die Uferstraße Anfang des 20. Jh. auch zu einer guten Einkaufsadresse. Doch dieser Glanz verblasste, als in der Innenstadt die neuen Passagen entstanden. Die Anlieger sammelten daraufhin Geld, um den Schiffsanleger zur hellen Sitztreppe mit der Binnenalster als Bühne davor umzugestalten. Gediegener und geradezu feudal gibt sich Hamburg nebenan im Hotel Vier Jahreszeiten am Neuen Jungfernstieg 9. Nirgends sonst schmeckt der Afternoon-Tea so britisch, wie hier am Kamin.
Der Jungfernstieg

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Museum für Kommunikation

Aliens An der Nordsee hat sogar die Post ihre Eigenheiten. Deshalb empfängt das Museum für Kommunikation seine Gäste auch nicht mit einer Postkutsche, sondern mit einem Wattwagen. Der bringt heute noch Briefe und Pakete von Cuxhaven nach Neuwerk. Dazu werden hier viele Fragen beantwortet, die man sich noch nie gestellt hat? Kann man mit einem Ottifon telefonieren? Wer braucht eine Gesprächszettelboje? Was wurde aus der Flaschenpost, die Christoph Kolumbus 1494 ins Meer warf, als er dachte, jetzt sei es aus mit ihm. Wie kommt ein ordinäres Unterwasserkabel in ein Damen-Dekolletés? Oder was stand eigentlich in den letzten Telegrammen von der Titanic und wie kamen die überhaupt nach Europa. Aber man kann hier auch Liebesbriefe mit Federkielen schreiben und die Tinte dann ganz majestätisch mit Sand ablöschen. Oder man schickt eine Rohrpost per Druckluft auf die Reise. Daneben lässt sich allerhand bestaunen, von der Brieftaube bis zu einer Kopie der Platte voller Bilder und Töne, mit der die Raumfähre Voyager 1977 als Weltall-Flaschenpost bestückt wurde. Inzwischen hat sie sich 11,5 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Noch haben sie die Außerirdischen dort nicht entdeckt.
Das Museum für Kommuniklation

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76er-Denkmal

Narben Mancher Plastiker wäre glücklich, wenn seine Steine nur halb so viel Beachtung fänden wie Richard Kuöhls 76er Denkmal für die Soldaten eines Infanterieregiments, das von hier in die beiden Kriege von 1870/71 und 1914-18 zog. Seit Jahrzehnten wird der Helden-Klotz beschmiert, mit Vorschlaghämmern oder sogar Sprengstoff attakiert, doch immer wieder gereinigt und instand gesetzt, nachts beleuchtet und kurz danach wieder abgeschaltet, auf jeden Fall aber regelmäßig diskutiert. Das hat weniger mit dem Denkmal als mit der deutschen Vergangenheit zu tun. Denn Kuöhls Stein wurde zwar wie unzählige andere tief in der Weimarer Republik geplant, aber unglücklicherweise erst nach 1933 gebaut. Und das macht ihn für manche eindeutig zum Nazi-Denkmal, vor dessen Anblick sie die Welt schützen wollen. Die Mehrheit der Welt möchte sich aber gar nicht beschützen lassen. Sie will den Stein schon deshalb behalten, weil Kuöhl als Hamburgs größter Bauplastiker gilt. Dieser Dauerstreit gipfelte 1985 in einem kuriosen Kompromiss. Danach wurde der Österreicher Alfred Hrdlicka mit einem Gegendenkmal beauftragt, das bezeichnenderweise nie fertig wurde. Seither sorgt das Fragment für noch mehr Unruhe.
Das 76er Denkmal

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Planten und Blomen

Wassermusik Nichts charakterisiert die Hamburger besser als der Name Planten un Blomen für ihren Lieblingspark. Denn Planten un Blomen meint auf Platt nichts weiter als Pflanzen und Blumen und das dürfte an Nüchternheit kaum zu übertreffen sein. Dabei wird Blomen wie Bloumen gesprochen so viel für Quiddjes, also Nicht-Hamburger. Hervor gegangen aus mehreren großen Gartenschauen und dabei immer wieder erweitert, bietet der Park alles, was man sich in einem Stadtpark nur vorstellen kann. Neben zahlreichen Spiel- und Sportangeboten sowie Aufführungsstätten für Musik und Theater, sind das vor allem verschiedene Themengärten. Hier kann man töpfern und Trampolin springen, Inliner und Schlittschuh fahren, auf Ponys reiten, Minigolf und Schach spielen, eine Schlammschlacht eröffnen, in Dünen herumtoben, klettern und rutschen, einer japanischen Teezeremonie beiwohnen, ein Gewächshaus besuchen oder auf den Mittelmeer-Terrassen vom nächsten Urlaub träumen. Doch der Höhepunkt des Parks ist die Wasserlichtorgel im Parksee mit ihren sommerlichen Abendkonzerten nach Anbruch der Dunkelheit. An Sonn- und Feiertagen spielt die Musik zu festen Zeiten auch tagsüber. Dann allerdings ohne Licht.
Planten und Blomen

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Universität Hamburg

Kampfansage Das barockisierende Hauptgebäude der Uni legt eine Tradition nahe, die Hamburg gar nicht hat. Den Hamburger Pfeffersäcken war eine Uni nämlich immer zu teuer. Und außerdem hatten sie keine Lust, sich von fremden Professoren auf der Nase herumtanzen zu lassen. Erst die neuen Kräfte nach 1918 konnten die Gründung einer Uni durchsetzen. Und die brachte es schnell zu einer hohen, wenn auch kurzen Blüte. Denn durch die Entlassungen nach 1933 und den Krieg ging es genauso schnell wieder bergab. Davon erholte sich die Uni erst wieder, als die Kriegsgefangenen heimkehrten. Innerhalb eines Jahrzehnts verfünffachten sich daraufhin die Studentenzahlen, so dass 1964 ein neuer Campus nötig wurde. Drei Jahre später entrollten zwei Studenten vor dem Auditorium Maximum ein Transparent mit dem Spruch Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren. Das sollte zum Kampfruf der 68er-Bewegung werden. Als höchstes Gebäude von Eimsbüttel kam das Geomatikum erst in den 70er Jahren dazu. Mit rund 39.000 Studenten in mehr als 90 Studiengängen hat Hamburg heute die fünftgrößte Uni Deutschlands. Zur Weltspitze zählen vor allem seine Meeres- und Klimaforscher sowie die Molekular- und Neurobiologen.
Die Uni Hamburg

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Zoologisches Museum

Wahre Liebe Der Star des Museums ist eindeutig Walrossdame Antje, das frühere Maskottchen des NDR. Und Antje ist schon deshalb der Renner, weil sie eigentlich ein Bulle ist. Gezeigt werden hier nur die 1.200 repräsentativsten Stücke einer zehntausend Mal größeren Sammlung überwiegend ausgestopfte Säugetiere wie Nashorn, Affen, Raubkatzen, exotische Huftiere und dazu mehrere imposante Walskelette. Der eigentliche Reichtum des Museums lagert in den Depots. Dort findet man die antarktische Seemaus, die in Wirklichkeit ein Borstenwurm ist neben dem Bathynomus giganteus, einem ellenlangen Onkel unserer Kellerassel. Und hier verbirgt sich auch der treueste Kerl der Schöpfung, ein fünf Zentimeter langer Anglerfisch, der sich nahe der Geschlechtsöffnung in seine zehn Mal größere Geliebte so verbissen hat, dass er fest mit ihr verwachsen ist. 4000 Liter Alkohol müssen die Museologen jedes Jahr nachfüllen, damit Fische, Kröten, Echsen und andere Viecher nicht auf dem Trockenen sitzen und zu schimmeln beginnen. Denn 10.000 Präparate der Hamburger Sammlung tragen einen roten Klebestreifen, der sie als Typusexemplare ausweist. Und damit sind sie weltweit maßgebend für die Bestimmung einer Art.
Zoologisches Museum

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Völkerkunde Museum

Voll verhext Exotischer als im Hochzeitshaus des Maori-Häuptlings Te Waru kann man in Hamburg nicht heiraten. Deshalb kümmern sich viele Paare auch nicht um den bösen Fluch, der mal darauf lag. Te Waru hatte sich nämlich ein Pfeifchen angezündet, als das Haus gebaut wurde und das hatte die Götter so erzürnt, dass sie ihm nacheinander drei Frauen raubten. Nach der dritten toten Gattin verkaufte Te Waru das Haus entnervt an einen Europäer, der es zur Sicherheit erst von mehreren Maori-Priestern entfluchen ließ, bevor er es nach Hamburg brachte. Interessant sind hier aber auch die riesigen Tanzmasken aus Neuguinea, eine japanische Kupferpuppe mit herausnehmbaren Organen, die ägyptischen Mumien oder die Indianer- Kollektion. Das Highlight des Museums ist jedoch das Hexenarchiv, eine Sammlung zu Aberglauben, Hexenwahn und bösem Blick mit einer Sprechstunde für Hexen und Verhexte. Obwohl das Museum schon 1879 gegründet wurde, ist es nicht verstaubt. Vielmehr baut es mit seinen 350.000 Objekten immer wieder neue Brücken zwischen den Kulturen und begeistert mit seinen Veranstaltungen selbst Multi-Kulti-Skeptiker. Auch deshalb hat es mehr Besucher als jedes andere Völkerkundemuseum in Europa.
Das Völkerkundemuseum

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Grindel-Hochhäuser

Paternoster Nach dem Krieg sollte beim Wiederaufbau alles anders werden. Man wollte frei, hell, luftig und grün bauen und am liebsten mit jeder Tradition brechen, auch weil die von den Besatzern missverstanden werden konnte. Da war die weiße Moderne der Weimarer Republik noch das Unverdächtigste, zumal deren Vertreter fast alle emigriert waren. Die Briten machten es den Hamburgern leicht. Sie hinterließen ihnen zwölf Fundamente samt Plänen und Baumaterial für ein Hauptquartier, dass sie dann doch in Frankfurt bauten. 1948 übernahm die Stadt das Projekt und errichtete die erste Hochhauswohnstadt Deutschlands. Als seelenlose Wohnmaschine attackiert und als Hamburgs Manhattan bejubelt, war sie ein Zeichen des Aufbruchs. Der Paternoster im Bezirksamt Eimsbüttel war dann aber doch wieder sehr traditionell. Denn dafür war Hamburg früher berühmt. Während andere Städte den (geschlossenen) Bonzenheber bevorzugten, favorisierte man hier den (offenen) Proletenbagger. Heute sind davon nur noch 40 übrig und dieser hier ist einer der letzten öffentlich zugänglichen. Also sofort ausprobieren! Denn die verbliebenen Paternoster werden nach und nach still gelegt und für Neubauten gibt es keine Genehmigung mehr.
Die Grindel-Hochhäuser

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Pöseldorf

Pöseldorf Die Alster trennt so ungemein, pflegten vor 100 Jahren die Damen aus Pöseldorf und Harvestehude zu sagen, wenn sie ihre Tochter akut gefährdet sahen, einen Gatten aus Uhlenhorst, von der andern Seite des Sees zu wählen. Heute gibt es hier kaum noch Töchter. Aber wie man vor dem Sparmarkt auch im reiferen Alter noch besonders schön aus dem Porsche steigt und welches Geschmeide man anlegt, wenn der Golden Retriever Gassi muss, das kann man noch erleben. Neben prächtigen Villen ist die Nobelgegend von Konsulaten, Medienunternehmen, luxuriösen Boutiquen, Galerien und Antiquitätenläden geprägt vor allem um die Milchstraße. Die hatte in den 70er Jahren auch noch eine andere Farbe. An der Ecke Mittelweg lag das Onkel Pö, in dem Udo Lindenberg, Otto Waalkes, Marius Müller-Westernhagen und andere Show-Größen ihre Karrieren begannen. Daran erinnert heute nur noch das von einem Ehemaligen betriebene Szene-Lokal Zwick (Mittelweg 121). Nachdem auch die Modemacher Wolfgang Joop und Jil Sander von hier fort gezogen sind, steht heute neben dem Verlag Milchstraße die Klinik des Beauty-Papstes Thomas Jansen für Pöseldorf und für Harvestehude die Deutschlandfiliale des Guinessbuch-Verlags.
Pöseldorf

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Center Court am Rothenbaum

Schnelle Bälle Auf dem Center Court am Rotherbaum trifft sich seit über 100 Jahren die Weltelite des Tennis und kämpft beim größten, wichtigsten und härtesten deutschen Tennisturnier um den Sieg. Heiße Matches mit packenden Ballwechseln sind garantiert, denn durch den Status des Masters Series-Turniers sind dafür automatisch die besten 50 Tennisprofis der Welt qualifiziert. Neun Turniere dieser Klasse gibt es weltweit. Hamburg steht damit, nach den vier Grand Slams, ganz weit vorne auf der großen Bühne der Tenniswelt und konnte zuletzt nicht weniger als zwei Millionen Euro Preisgeld vergeben. Dem Niveau der Spiele entspricht der voll überdachte Center Court. Die Zeltkonstruktion lässt sich je nach Wetterlage innerhalb weniger Minuten öffnen oder schließen. 19 Millionen DM zahlte der Deutsche Tennis Bund (DTB) 1997 für diesen Ausbau die größte Investition seiner Geschichte. Seither werden neben den Spielern auch die bis zu 13.200 Zuschauer von 8.000 Quadratmetern Dachfläche vor Wind und Regen geschützt. Neben dem Center Court in Rotherbaum befinden sich noch 13 kleinere Tennisplätze. Während des Hamburg-Masters stehen davon fünf für Spiele und fünf für das Training zur Verfügung.
Der Tennis-Hexenkessel im Herzen der City

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Alsterpark

Flirtfaktor Kaum wird das Wetter schön, sind die Bänke an der 1,5 km langen Promenade am Westufer der Außenalster genauso besetzt wie die Holzsessel auf den Wiesen. Denn beim ersten Sonnenstrahl kommen die Hamburger hierher, um mal Luft zu schnappen oder fasziniert die rasanten Fahrten und Kehren der vielen Segelboote auf dem Wasser zu verfolgen. Der Alsterpark ist eine der beliebtesten Grünanlagen der Stadt. Was heute ein Park ist, waren noch bis 1953 Privatgrundstücke. Damals kaufte der Senat die Flächen für die Internationale Gartenausstellung an und übergab sie anschließend der Öffentlichkeit. Einige Skulpturen und Gartenarchitekturen erinnern noch daran. Inzwischen gibt es mehrere Ausleihstationen für Ruder- und Tretboote und dazu eine Reihe von Restaurationen mit Alsterblick. Morgens zwischen 8 und 10 Uhr treffen sich hier die Hundehalter und Jogger. Und die Lokal-Gazetten behaupten, dass dabei enorm was abgeht, denn hier sei der Flirtfaktor besonders hoch. Bei wem auch das nicht hilft, der kann sich ja mit Lale Andersens Kleiner Bank im Alsterpark trösten. Die steht nämlich auch einsam unter alten Bäumen, und fährt ein weißes Boot vorbei, fängt sie an zu träumen.
Gustav Lüttges Alsterpark

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Schwanenvater

Weiße Freiheit Hamburgs 130 Alsterschwäne sind echte Großstadt-Viecher: Sie leben in Normalehen, in Kommunen, als schwule Paare, Alleinerziehende und in Dreiecksfamilien. Dass sie einmal im Jahr auf den eisfreien Eppendorfer Mühlenteich umziehen müssen, ist ebenfalls der Großstadt geschuldet. Sie lässt ihnen nicht genug Ruhe, sich ihr Eisloch selber frei zu halten. Den Umzug organisiert Hamburgs Schwanenvater Olaf Nieß, den die Stadt ganzjährig für seinen Job bezahlt. Denn für die Hamburger sind Schwäne das Symbol ihrer Freiheit, seit sie sich im 15. Jahrhundert das Recht nahmen, welche zu halten ein Privileg, dass bis dahin nur Grafen und Herzögen zustand. Deshalb sind sie auch sehr tolerant, etwa wenn die Männchen in aller Öffentlichkeit Sex miteinander haben, sogar Nester bauen und erst scheitern, wenn ihnen Nieß Eier unterschiebt. Wiederum haben die schwulen Kerle kein Problem, wenn es einer von ihnen doch mal mit einer Frau probiert. Sie kümmern sich auch um die Jungen ihres Ex, ohne der Mutter dabei Stress zu machen. Schon etwas länger her, versuchten es gleich acht Paare in einer Kommune. Doch ein alter Haudegen, der sich dabei übergangen fühlte, jagte sie zornig wieder auseinander.
Der Schwanenvater Olaf Nieß

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Iranische Moschee

Deutscher Islam Mit 15.000 Iranern ist Hamburg die persischste Stadt Europas und der Verfassungsschutz hält ihre Moschee für die Zentrale der islamischen Revolution in Deutschland, weil ihr Imam von einem Staat bezahlt wird, der seit Ayatollah Khomeni die Welt islamisieren will. Diesem Imam zufolge ist das nichts Schlimmes. Er ist Deutschlands einziger Ayatollah, dazu der jüngste der Welt und ungewöhnlich liberal. Nach den Anschlägen in London 2005 erließ er eine Fatwa gegen die Terroristen und verdammte sie damit in die Hölle. Er predigt die Integration der Moslems, die Versöhnung mit den Juden und die Gleichrangigkeit der Religionen, nicht ohne den Islam dann doch etwas höher zu stellen. Aber das ist sein Beruf. Praktisch fordert der an einer deutschen Botschaftsschule ausgebildete Gelehrte einen Islam, der in Deutschland deutsch wird. Dafür ist seine in den 60er Jahren von Teppichhändlern erbaute Moschee die prächtigste im Land und lädt auch nichtmuslimische Touristen ein, ihre Mosaiken und einen der größten Rundteppiche der Welt zu bewundern. An seinen 80 Millionen Knoten haben 22 Teppichknüpfer drei Jahre lang gearbeitet. Er wiegt eine Tonne und misst 16 Meter im Durchmesser.
Die Iranische Moschee

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Hamburgische Staatsoper

Tödliche Konkurrenz Nachdem es Opern bis dahin nur an den Fürstenhöfen gab, gründeten Hamburger Bürger 1687 die erste öffentliche Oper Deutschlands und traten damit als neue Eliten erstmals an, sich eine eigene Öffentlichkeit zu schaffen. Damals stand die Oper für alles, was heute der gesamte Kultur- und Medienbetrieb leistet. Und das lässt erahnen, was damit in Gang kam. Kein Wunder, dass das Haus sofort heftig umstritten war. Von den einen wurde es als Ort der Freiheit bejubelt und von den anderen als Sündenpfuhl verdammt. Gleichzeitig feierte hier, lange bevor sie auf dem Markt ankam, die entfesselte Konkurrenz die fröhlichsten Urständ. Der später so berühmte Georg F. Händel etwa duellierte sich 1703 vor dem Haus mit einem Kollegen, weil der ihm das Dirigat einer Oper streitig machen wollte. So wild ging es später nicht mehr zu. Da inszenierten hier Franz Liszt und Richard Wagner. Placido Domingo begann hier seine Weltkarriere und der Amerikaner John Neumeier machte die Stadt zur deutschen Ballett-Hochburg. Zuletzt durften sich die Hamburger über die Ehrungen für Peter Konwitschny als bester deutscher Opernregisseur und für Ingo Metzmacher als bester deutscher Dirigent freuen.
Die Hamburgische Staatsoper

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