City-Tour Südwärts

Museum Schnütgen

Gestopftes Loch Auch die mittelalterlichen Menschen hatten Angst und freuten sich, und für beides haben sie nach religiösen und künstlerischen Bildern und Gestalten gesucht. Ihnen widmet sich das Museum Schnütgen in der einstigen Damenstiftskirche St. Cäcilien. Es zeigt Werke der Bronze- und Elfenbeinkunst, der Holzskulptur und Bauplastik, der Goldschmiedekunst, der Glasmalerei und Textilgestaltung und illustriert daran die wichtigsten Themen dieser 700 Jahre währenden Epoche. Begründer der Sammlung war Ende des 19. Jh. der Domherr Alexander Schnütgen. Er schenkte seine Kollektion 1906 der Stadt und seither hat sie sich zu einer der wichtigsten Mittelaltersammlungen Europas entwickelt. Da in St. Cäcilien nur zehn Prozent des Bestandes gezeigt werden können, entsteht nebenan ein neues Kulturzentrum. Es bietet außer den Erweiterungsflächen für die Schnütgen-Sammlung, Platz für das Völkerkunde-Museum, die 2002 abgerissene Kunsthalle, den Kölner Museumsdienst und Teile der Volkshochschule. Aus den vielen verschiedenen Nutzungen folgten heftig widerstreitende Interessen und das ewig unentschiedene Projekt sorgte als Kölner Loch jahrelang für reichlich Spott und Häme im deutschen Blätterwald.
Das Schnütgen-Museum

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St. Lyskirchen

Heilige Comics Kölns kleinste romanische Kirche ist die einzige, deren historische Gewölbefresken aus dem 13. Jh. noch weitgehend erhalten sind. Die fast komplette Ausmalung vermittelt daher einen Eindruck, wie sich die Menschen des Mittelalters meist ohne Lesen zu können oder gar Latein zu verstehen Gott und die Martyrien der Heiligen vorstellten. In den drei Mittelschiffsjochen stehen sich jeweils vier Szenen des Alten und des Neuen Testaments gegenüber. In der linken Kapelle wird zudem das Martyrium der heiligen Katharina veranschaulicht, die Decke der rechten zeigt die Legende des heiligen Nikolaus. Da der als Patron die Schiffer schützte, war Lyskirchen auch Kölns Schifferkirche. Deshalb stand die Schiffermadonna neben dem Eingang ursprünglich draußen, sodass sie vom Rhein aus auch im Vorbeifahren gegrüßt und angebetet werden konnte. Der Überlieferung nach stiegen die über das Jahr gestorbenen Rheinschiffer Weihnachten noch einmal aus dem Fluss, um hier ein letztes Mal die Messe zu feiern. Dass der Rhein auch den Menschen in vermeintlich sicheren Lagen gefährlich werden konnte, zeigt die Hochwassermarke über dem Portal. Sie erinnert an die schlimmste Flut aller Zeiten von 1784.
St. Maria Lyskirchen

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Malakowturm

Taufpate Schock Eigentlich ist der Kölner Malakowturm gar kein Malakowturm. Denn so wurden ab 1855 die neuen Fördertürme mit Dampfmaschinen- Antrieb im Bergbau genannt, die man wegen der erhöhten Kräfte massiv wie Festungstürme baute. Ihren Namen hatten die Türme von der Festung Malakow, mit deren Fall sich 1855 der Krim-Krieg entschied. Als erster moderner Stellungskrieg der Weltgeschichte grub sich dieser Krieg den Europäern auch deshalb so tief ein, weil seine Ereignisse erstmals per Telegraf tagesaktuell übermittelt und dazu noch von Fotos illustriert wurden. Noch bevor sich der Schock darüber in der Bezeichnung von Fördertürmen niederschlug, hatte man in Köln schon 1855 einen Malakow-Turm als Teil der neuen preußischen Befestigungsanlagen errichtet. Doch die waren bereits nach 40 Jahren wieder veraltet, sodass man dem Turm 1893 die Hydraulik für die neue Drehbrücke einbaute, die die Halbinsel Rheinau mit dem Ufer verbindet. Hydraulisch wird die Brücke heute nur noch einmal im Jahr bewegt, gewöhnlich macht das ein Elektromotor und den Job des Brückenwärters erledigt der Hausmeister vom Schokoladenmuseum. Einmal stündlich muss er raus und bei Bedarf auf´s Knöpfchen drücken.
Der Malakow-Turm

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Schokoladenmuseum

Mmmm Als Komplex aus neogotischem Zollhaus und modernem Neubau lässt sich das Schokoladenmuseum auch als Schiff interpretieren. Denn per Schiff kam der Kakao früher nach Köln zu Stollwerck. Das Museum der Schoko-Firma hat sich ganz der 3000jährigen Kulturgeschichte des Kakaos verschrieben: vom Kakaobaum am Äquator über den Rohkakao aus der Kakaobohne bis zum schmeichelsüßen Seelentröster für Massen. Zur Kakaogeschichte gehört, dass die Bohnen mal Zahlungsmittel waren und dass die erste Schokolade zunächst heiß getrunken und dafür lediglich aufgegossen wurde, wie heute noch Kaffee und Tee. Im Tropenhaus wachsen Kakaobäume neben Kaffee und Vanille und daneben verarbeiten Maschinen das braune Pulver zu Tafeln, Trüffeln oder Hohlkörpern. Kosten kann man auch. Dafür taucht ein Schokoladenmädchen eine Waffel in den vergoldeten Schokoladenbrunnen, in dem ständig 200 kg flüssigwarmer Schokolade sprudeln. Vielleicht motiviert das zum Gang ins Obergeschoss. Da geht es zu den Azteken, zu Verkaufsautomaten, Werbeschildern und Fernsehspots. Auf die Kommandobrücke des Museums mit ihrem schönen Rheinblick, in den Schokoshop und ins Café mit seinen 14 Trinkschokoladen kommt man auch ohne Ticket.
Das Schokoladenmuseum

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Deutsches Sport- & Olmypiamuseum

Moderne Helden Der griechische Pankratio unterschied sich als eine Art Allkmapf noch sehr deutlich vom heutigen Kampfsport. Denn dabei war es durchaus erlaubt, dem Gegner mit bloßen Händen die Gedärme herauszureißen. Obwohl die Sportler auch damals schon Fairness schworen, war es ein langer Weg bis zum heutigen Wettkampfbetrieb. Ihn zeichnet das Deutsche Sportmuseum auf 2.000 m2 in einer alten Zollhalle nach. Die hier versammelten Legenden und Reliquien entlang einer Laufbahn sind selbst für Sportmuffel faszinierend. Rasenstücke aus den Bundesliga-Stadien erzählen von Stars, Skandalen und Fankultur. Eine vereiste Vitrine folgt den Spuren des deutschen Vierer-Bobs. Im Windkanal kann man versuchen, die Tour de France mitzufahren und im Boxring darf man wie Max Schmeling den Sandsack malträtieren. Dazu zeigen Video-Installationen die spektakulärsten Unfälle aus 100 Jahren Motorsport und zu Vitrinen umgebaute Spinde erzählen von den Helden, die darin ihre verschwitzten Klamotten aufbewahrten. Aber es geht auch um Sportpolitik: angefangen bei Turnvater Jahns Frisch, fromm und frei, über Leni Riefenstahls Film Olympia bis zu den deutsch-deutschen Duellen der Olympiade von 1972 in München.
Das Deutsche Sport- & Olmypiamuseum

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Rheinauhafen

Hafencity Rund 100 Jahre nach Eröffnung des Rheinauhafens entsteht auf seinem Areal ein neuer Stadtteil. Dabei werden seine Speicher und Silos umfunktioniert und durch Neubauten ergänzt, um darin Wohnungen, Büros, Restaurants und Kulturstätten unterzubringen. Blickfang des neuen, nur Fußgängern zugänglichen Viertels, sind die drei sogenannten Kranhäuser. Sie wurden alten Kränen nachempfunden und sorgten für viel Streit, weil sie in Kölns Silhouette ragen. Bis 2009 soll der Umbau abgeschlossen sein. Über den Projektstand informiert ein Pavillon vor dem Hafenamt mit einer Aussichtsplattform. Köln ist seit den Römern Hafenstadt. Damals lag der Hafen im Bereich von Groß St. Martin und war durch eine Insel geschützt. Der Rheinarm dazwischen verlandete im 11. Jh., wurde zugeschüttet und bebaut. Seitdem war das gesamte Ufer zwischen Bayenturm und Kunibertsturm Hafen. Allerdings waren hier weder Kais noch Schiffe vor Eisgang sicher, sodass im 19. Jh. mehrere kleine Becken entstanden, die aber bald auch nicht mehr reichten. Als Alternative dazu entstand 1898 hinter einer Insel, auf der die Kölner bis dahin spazieren gingen, der Rheinauhafen. Heute machen hier fast nur noch Freizeitkapitäne fest.
Die Geschichte des Rheinauhafens

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Bayenturm

Neue Welt Der Bayenturm war das mächtigste Bauwerk in der Stadtmauer, die Köln ab 1180 baute. Mit 12 Toren wie in Jerusalem, 52 Türmen und 22 Durchlässen zum Rhein war sie die längste Mauer im Reich und sogar länger als die von Paris. Bei der Erstürmung des Bayenturms durch die Kölner soll 1262 das erste Mal der Schlachtruf Kölle alaaf! erklungen sein. Seit 1994 sitzt Alice Schwarzer darin und verteidigt mit ihrem Feministischen Archiv und der Emma- Redaktion die Rechte der Frauen, inklusive des Rechts auf Schwanz-Abschneiden. Was sie selbst von Schwänzen hält, hat Schwarzer nie beantwortet. Deshalb wurde ihr unterstellt, weniger die Frauen befreien als die Konkurrenz ausschalten zu wollen. Ihren Einzug in den Turm feierte sie als großen Sieg und verwies darauf, dass früher die Macht hatte, wer ihn besaß. Seither geht es hier autoritärer und härter zu als gemeinhin unter Männern. Aber schließlich ist frau im Krieg und kämpft dafür, dass Frauen alles tun können, was Männer tun und umgekehrt. Deshalb muss jetzt gehorcht werden. Freiheit und Diskurs kommen danach. Wenn Mann und Frau endlich gleich sind, haben sie ihr ganzes Leben Zeit dafür: Dann ist alles verhandelbar. Schöne neue Welt.
Der Bayenturm

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Stollwerck

Bollwerk Stollwerck 500 Spontis, Punker, Junkies und Obdachlose wollten 1980 in der ehemaligen Schokoladenfabrik Stollwerck ihren Traum vom richtigen Leben im falschen leben. 47 Tage lang hielten sie dafür die Gebäude besetzt und lösten damit die bislang schwerste Krise der Stadtpolitik aus. Den Anlass bot ihnen die Sanierung des heruntergekommenen Vrings- Veedels. Dafür sollten 3.000 Vringser in Neubauten auf dem ehemaligen Fabrik-Gelände umziehen. Doch bevor die Abrissbagger anrollten, wohnten die Besetzer schon in der Fabrik, betrieben darin eine Volksküche und luden zu Ausstellungen und Konzerten ein, bei denen auch ein paar junge Unbekannte spielten, die sich BAP nannten. Das Projekt scheiterte an sich selbst, am AlkohoI, an Streitigkeiten und Schlägereien, vor allem aber am Desinteresse der Kölner. Als sich die Polizei ankündigte, zogen die letzten 100 Besetzer freiwillig ab. Nur ein paar ganz Harte kamen für ein bisschen Spaß-Bambule noch einmal zurück nichts im Vergleich zu den Kämpfen in Berlin oder Hamburg. Heute erinnern an das süße Dreieck zwischen Severinsmühlengasse, Annostraße und Corneliusstraße als einst größten Arbeitgeber des Viertels nur noch ein paar Maschinenteile.
Stollwerck

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St. Severin

Halbe Portion In St. Severin dürfen auch Atheisten ehrfürchtig erschauern, denn sie stehen an einer Wiege des Abendlandes und damit am 2000 Jahre alten Ursprung unserer Kultur. Nirgendwo sonst in der Stadt liegen unsere Wurzeln durch Grabungen so offen. Im 4. Jh zunächst als kleine Friedhofskapelle auf einem alten Gräberfeld errichtet, wuchs die Kirche in mindestens acht Bauphasen bis in das 16. Jh. zur heutigen Größe. Unter ihr sind Ubier, Römer und Christen beigesetzt. Als Wetter- und Fruchtbarkeitsheiliger profitierte St. Severin offenbar von seinen heidnischen Vorfahren und war, bis die Heiligen Drei Könige nach Köln kamen, der populärste Heilige des Mittelalters. Dabei ist nur der halbe Severin hier bestattet, die andere Hälfte liegt bis heute in Bordeaux. Der Schrein hinter dem Altar, einst einer der prächtigsten des Mittelalters, wurde 1795 für Reparationszahlungen an die Franzosen eingeschmolzen und 1819 durch einen Neubau ersetzt. Wie der Vorgänger bietet auch er sein Heil beim Hindurchgehen quasi als Volldusche. Von den Weissagungen und Wundern, die dem kämpferischen Severin zugeschrieben werden, erzählt ein 20teiliger Bilderzyklus. Das Chorgestühl ist das älteste in Köln.
St. Severin gotisch

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Ulrepforte

Wehrhafter Frohsinn Für umgerechnet 6 Millionen Euro hatte Köln dem preußischen Staat 1881 die mittelalterliche Stadtmauer abgekauft und akzeptiert, dass Teile davon als Denkmal erhalten bleiben. Das längste Stück blieb mit zwei Wehrtürmen am Kartäuserwall vom Abriss verschont. In beiden Türmen wird heute nur noch der Karneval verteidigt. Im nördlichen Turm sitzt die Prinzengarde, im südlichen die Blauen Funken und in der Ulrepforte an der UIrichstraße decken die Roten Funken die Flanke. Der Name Ulrepforte geht auf die Töpfer (Ulner) zurück, die zwar in der Stadt, aber wegen der Feuergefahr doch weit außerhalb der Bebauung wohnten. Und das wiederum zeigt, wie groß das Gebiet war, das die dem Erzbischof im 12. Jh. abgerungene Stadtmauer umschloss. Sieben Jahrhunderte lang boten Wiesen und Felder genug Platz zum Wachsen. Nördlich der Ulrepforte erinnert eine Reliefplatte als ältestes Profandenkmal Deutschlands an die Schlacht an der Ulrepforte. Sie war 1268 entbrannt, weil ein korrupter Anlieger die Mauer untertunnelt hatte, um Verbündete des Erzbischofs in die Stadt zu lassen. Doch die Kölner konnten den Angriff abwehren. Ihr Anführer war einmal mehr Mathias Overstolz.
Die Ulrepforte

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Severinstor

Schmitz Backes Das Vringsveedel ist wegen seines kölschen Ambientes eines der beliebtesten Ausgeh-Viertel Kölns. Vor der Severinstorburg führt an Weiberfastnacht 15 Uhr das Reiterkorps Jan von Werth die Romanze von Jan und Griet auf, bevor von hier der erste Karnevalszug zum Alter Markt startet. Das Tor selbst wird von Jean Jülich, einem früheren Edelweiß-Piraten für Feiern vermietet. Gleich nebenan lädt mit Früh em Veedel eine typisch kölsche Weetschaff op der Eck ein, die wegen ihrer Fenster und der Stammkunden aus den 20er Jahren auch heute noch Invalidendom genannt wird. Um die Ecke, auf dem Severinswall ist mit der Bottmühle eine der vier Stadtmauer-Windmühlen erhalten. Und wenn Kölner Omas ihre Enkel ermahnen Du bess noch net an Schmitz Backes vorbei dann meinen sie die Bäckerei, Severinstr. 5. Denn hier endete der Staupenschlag, bei dem Ganoven durch ein Spalier knüppelschwingender Veedelsbewohner mussten, bevor sie die Stadt verlassen durften. Vorausgesetzt sie kamen durch. In der Nr. 15 steht mit dem Haus Balchem Kölns schönstes Barockhaus und am Severinskirchplatz erinnert das Schokoladenmädchen an die Schokoladenfabrik Stollwerck, die bis in die 70er das Viertel prägte.
Das Severinstor

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Fort I

Krieg und Frieden Die Preußen hatten in Köln wenig Glück mit ihren Festungswerken. Der Wiener Kongress war kaum zu Ende, da legten sie den inneren Festungsring an, um nicht gleich wieder von den Franzosen überrannt zu werden. Doch als der 1863 fertig war, schossen die Geschütze schon so weit, dass er nichts mehr nutzte. Deshalb bauten sie nach 1870/71 einen zweiten, größeren Festungsring. Und als der 1880 stand, gab es sechs Jahre später Granaten, gegen die seine Ziegelmauern und Erdwälle keinen Schutz mehr boten. Daraufhin wurde der Ring bis 1914 mit Stahlbeton und Panzerungen noch einmal verstärkt, aber auch das nutzte nichts, denn 1918 erzwang der Versailler Vertrag den Abriss der Befestigung, ohne dass sie je einen Schuss abbekommen hätte. Nur Konrad Adenauer war es zu verdanken, dass einige Forts stehen blieben und in die Gestaltung des neuen Grüngürtels einbezogen wurden. Im Fort I feierten die Kölner 1926 nach dem Abzug der alliierten Besatzer ihre Freiheit und errichteten den Opfern der kölschen Regimenter ein Denkmal. Die 68er-Generation drehte das Vermächtnis ihrer toten Großväter um. Sie machte aus der Gedenkstätte einen Abenteuerspielplatz und nannte ihn Friedenspark.
Die Kölner Befestigungen

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Volksgarten

Tschingis Chans Söhne Mit vielen jungen, gut verdienenden Familien ist die Südstadt ein junger Stadtteil. Hier wählen nicht nur die meisten Grün, als Südstädter ist man auch gerne draußen im Grünen. Obwohl die Liegewiese im Volksgarten für Kölner Verhältnisse riesig ist, findet man darauf im Sommer bei schönem Wetter kaum noch Platz für ein Handtuch. Drei Spielplätze, ein Biergarten und ein 5,5 ha großer Teich mit Bootund Tretbootverleih sowie eine Aussichtsterrasse locken von der Großfamilie, über den Studenten bis zum Obdachlosen Massen von Menschen an. Auch hier wurden mit dem Fort IV ehemalige Festungsanlagen in die Gestaltung einbezogen. Das Kernwerk, zwei Eingangstore sowie Teile des Grabens sind noch erhalten. Dazu kommt etwas abseits ein früheres Munitionsdepot als Spielstätte für das Theater in der Orangerie. Jedes Jahr im August wird der Volkspark zum Lager der I. Kölner Hunnenhorde, eines Vereins, der sich vom Ethno-Club zum Karnevals-Corps wandelte und zum Vorbild für 80 weitere Stammes- Gründungen im Raum Köln wurde. Lieblingssport dieser Stämme ist es, sich gegenseitig den König oder die Königin zu klauen, während sie in Zelten und Jurten das Leben alter Kulturen nachspielen.
Der Volksgarten

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St. Pantaleon

Strenge Zucht So etwa sahen die Klöster aus, die außerhalb der Stadtmauern zu Keimzellen neuer Dörfer wurden: St. Pantaleon ist Kölns einziger noch ummauerter Klosterbezirk, dessen ursprünglicher Charakter heute noch erlebbar ist. Außerdem ist die Kirche unter ihren zwölf romanischen Schwestern in Köln die älteste mit der reichsten original erhaltenen Ausstattung. An ihrem Bau wirkte im 10. Jh. die aus Byzanz stammende Kaiserin Theophanu mit, weil hier mit St. Pantaleon ein Heiliger aus ihrer Heimat verehrt wurde. Theophanu war die Nichte des oströmischen Kaisers und ihre Vermählung mit dem weströmischen Kaiser beendete damals einen jahrhundertelangen Streit zwischen beiden Reichen. Als die Kaiserin mit 31 Jahren starb, ließ sie sich hier bestatten. Daraufhin wurde ihr 800 Jahre lang an ihrem Todestag eine Messe gelesen, bis die Franzosen die Kirche zum Pferdestall machten. Nach einem 100jährigen Intermezzo als protestantische Garnisonskirche wurde die Kirche 1922 wieder katholisch. Heute ist sie in der Hand des umstrittenen Opus Dei Ordens. Nach dem Ende des Kalten Kriegs griff der erzkonservative Geheimbund an Theophanus 1000. Todestag 1991 die Tradition der Theophanu-Messe wieder auf.
St. Pantaleon

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Wasserturm

Engelsburg Zum Namen des Griechenmarktviertels gibt es keine Erklärung, zu der es keine bessere gibt. Da sind die Straßennamen eindeutiger. Sie weisen das Viertel als früheres Handwerkerquartier aus, das mit der Industrialisierung verarmte und Ende des 19. Jh. viele Ostjuden und Zigeuner anzog. Armut, Fremdheit und Verbrechen waren ein guter Nährboden für Mythen und Legenden. Bis heute gilt das Veedel deshalb als besonders kölsch, obwohl die Nachkriegsbebauung eher dagegen spricht. Dafür sprechen Konrad Adenauer und Jacques Offenbach, die hier geboren wurden, und Peter Paul Rubens, der seine Kindheit hier verbrachte. Andererseits fuhren von hier ab 1941 auch die Deportationszüge in die Vernichtungslager. Ein interessanter Bau ist heute der Wasserturm. Er war 1872 Europas größter Hochbehälter und versorgte die Stadt wie schon zur Römerzeit erstmals wieder zentral mit Wasser. Nachdem mehrere Umnutzungspläne gescheitert waren, wurde er 1987 zum Nobelhotel umgebaut und von einer berühmten Designerin eingerichtet. Sein Spottname Engelsburg nach einem römischen Großmausoleum erinnert an die zeitweilig ernsthaft diskutierte Idee, aus dem Turm ein Columbarium für 50.000 Urnen zu machen.
Peter Paul Rubens

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Kwartier Lateng

Müffele und Süffele Zwischen Südbahnhof, Zülpicher und Barbarossaplatz liegt das Kwartier Lateng, eine in den 70er Jahren eingekölschte Namensversion des berühmten Pariser Studentenviertels. Da sich das Studieren und Forschen in Köln auf engstem Raum konzentriert, gilt das auch für die Kommunikations- und Gesellungsbedürfnisse der Studenten und ihrer Dozenten. Nirgendwo sonst ist für sie das Angebot zu müffele und zu süffele größer. Am dichtesten drängeln sich die Imbiss-Buden, Kneipen, Bars und Restaurants mit Speisen aus aller Herren Länder auf der Zülpicher Str., der Hochstadenstr., der Heinsbergstr., der Luxemburger und der Kyffhäuserstr. Wer es etwas ruhiger, luftiger und grüner mag, dem sei der parkartige Rathenauplatz empfohlen. Er wurde Ende des 19. Jh. als Aufmarschplatz für den Rosenmontagszug angelegt und hat heute neben den Kneipen am Rand einen schönen Biergarten in der Mitte. Aber das Kwartier Lateng bietet auch einiges an Unterhaltung. Neben Discos, Konzert-Veranstaltern und Kinos laden mehrere kleine Privattheater ein, darunter die Filmdose, das Atelier- Theater oder das Theater im Hof. Dazu kommen ganz in der Nähe das Millowitsch-Theater und der Bauturm.
Das Kwartier Lateng schläft nie

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Synagoge

Jahwes Farben Deutschlands Weg in die Moderne prägte auch Kölns Juden. Seit Mitte des 19. Jh. verloren die Orthodoxen an Einfluss und als 1899 die Synagoge in der Roonstr. geweiht wurde, praktizierten die meisten Juden schon den liberalen Ritus mit ihren Frauen und auf deutsch. Vor 1933 hatte Köln 18.000 Juden und sieben Synagogen mit liberalen, konservativen, orthodoxen und zionistischen Gemeinden. Nach 1945 gab es für die übrig geblieben 80 kein Gotteshaus mehr. Sie kamen überwiegend aus dem orthodoxen Osten, gründeten eine Einheitsgemeinde und übernahmen 1959 die vordem liberale Synagoge am Rathenauplatz. Damit hatte das früher so bunte jüdische Leben in Köln nur noch eine Farbe. Das änderte sich erst mit den Einwanderern aus der früheren Sowjetunion und unter dem Einfluss der reichen Auswanderergemeinden. 1996 gründete ein Brite erstmals wieder eine liberale Gemeinde und richtete sich mit ihr im Keller einer Riehler Kirche ein sehr zum Entsetzen der 5.000 Orthodoxen, obwohl die von den Kellerkindern nichts zu befürchten hatten. Denn ihre ungleich größere Synagoge hat neben dem Gebetsraum einen Festsaal, eine Mikwe, ein Restaurant, eine Bibliothek, ein Museum und einen Jugendtreff.
Die Synagogen-Gemeinde Köln

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Uni Köln

Manchmal die Größte Mit 47.000 Studenten liegt die Kölner Uni im Kampf um den Titel größte Uni Deutschlands mal vor und mal hinter der Münchner Konkurrenz. Allerdings hat die Kölner Institution den Vorteil, dass sie eine innenstadtnahe Campus-Uni mit kurzen Wegen im Grünen ist, die entlang der Universitätsstraße ein ganzes Viertel prägt. Ihre Haupt- und Hörsaalgebäude sowie das Philosophikum liegen um den Albertus-Magnus-Platz, der nach dem Urvater des Kölner Studium generale benannt wurde. In Bronze gegossen grübelt der Gelehrte vor dem Haupteingang über einem Buch. Das tun offenbar auch die Kölner Betriebwirtschaftler, Volkswirtschaftler und Juristen sehr erfolgreich. Denn sie landen in den deutschen Hochschulrankings regelmäßig unter den Top Five. Alt ist die Kölner Uni nicht. Sie wurde erst 1919 von Konrad Adenauer initiiert. Aber ihre Vorgängerin war 1388 nach Prag, Wien und Heidelberg die vierte Uni im Heiligen Römischen Reich und sie war die erste Uni, die nicht von Fürsten, sondern von stolzen Bürgern gegründet wurde. Leider passte selbst das nicht mehr ins revolutionäre Bildungskonzept der Franzosen, sodass die Kölner Uni wie alle anderen im Rheinland 1798 geschlossen wurde.
Die Uni Köln

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Museum für ostasiatische Kunst

Bewegung im Depot Als erstes Spezialmuseum seiner Art in Deutschland ging das Ostasiatische Museum 1913 aus der Japan-Sammlung eines privaten Stifters hervor. Schon damals war die Kollektion mit buddhistischer Malerei und Holzskulptur, japanischer Stellschirmmalerei, Farbholzschnitten und Lackkunst eine der bedeutendsten in Europa. Ergänzt wurde sie im Laufe der Zeit durch Sakralbronzen, Mobiliar und Keramik aus China, Korea und Japan. Schließlich kam zuletzt auch noch die Kalligraphie hinzu. Der um einen Meditationsgarten gruppierte Flachbau wurde 1977 von einem japanischen Le Corbusier-Schüler entworfen und gilt heute als Klassiker der Moderne. Da er weitgehend fensterlos ist, werden darin viele Exponate in abgedämpft- mystischem Licht gezeigt. Damit kontrastiert die Präsentation in den lichtdurchfluteten Räumen des Ergänzungsbaus von 1992. Da auch dieser Anbau nicht reicht, alles zu präsentieren, zeigt das Museum mehrere Sonderausstellungen im Jahr und variiert dazu ständig seine Dauerausstellung. Schönster Platz des Hauses ist die Terrasse der Caféteria direkt am Wasser. Gleich nebenan lädt eins der drei japanischen Kulturinstitute in Europa zu Ausstellungen und Veranstaltungen ein.
Das Ostasiatische Museum Köln

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Melaten

Wilde Papageien Der Name Melaten leitet sich von malade ab und verweist auf ein Leprahaus vor den Toren des mittelalterlichen Köln. Unter Napoleon wurde daraus der Kölner Zentralfriedhof. Die schönsten Gräber stehen an den Millionen- Alleen. Neben viel Lokal-Prominenz sind hier auch Menschen beerdigt, die über Köln hinaus berühmt wurden, darunter der Gewerkschafter Hans Böckler, der Erfinder des Viertakt-Motors August Otto, die Schriftstellerin Irmgard Keun, die Klosterfrau mit dem Melissengeist oder die Eau de Cologne-Familie Farina. Aus der Not, 2.800 wertvolle Grabmale nicht mehr erhalten zu können, wurde hier 1981 die Patenschafts-Idee geboren. Danach übernehmen interessierte Bürger die Restaurierung eines Grabes, um es später selbst zu nutzen. So wurde auch eine der bekanntesten Melaten-Skulpturen, der Sensenmann gerettet. Darunter hat eine Steinmetz-Familie ihren Sohn begraben und einen Frosch dazu gesetzt, weil Fröschlein der Kosename des Jungen war. Mit ein bisschen Glück trifft man auf Melaten sogar echte afrikanische Papageien. Die grünen Halsbandsittiche mit den lauten Stimmen wurden in einigen Großstädten des Rheintals heimisch, nachdem sie einem Züchter entkamen.
Der Melaten-Friedhof

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Ausgehen am Ring

Partymeile Der westliche Innenstadtring ist die abendliche Flaniermeile der Kino-, Kneipenund Partygänger. Und dafür werden am Wochenende manchmal sogar die Autos ausgesperrt. Im Belgischen Viertel treffen sich die Medienmacher aus dem benachbarten Mediapark, Künstler und Aussteller aus den nahen Galerien sowie Alt-Sannyasins, die hier in den 80ern mal ihre Europazentrale hatten. In den auffällig vielen Therapie- und Wellnessangeboten des Quartiers klingt das bis heute nach. Wer dort den Abend begonnen hat, schafft es oft nicht mehr bis ins Friesenviertel, denn dazwischen liegen das Ring-Carrée des Star-Architekten Norman Foster und der Hohenzollernring, beide ebenfalls mit einer Unmenge von Kneipen, Clubs, Discos und Restaurants. Das Kwartier Lateng am Zülpicher Platz bildet den südlichen Abschluss der Partymeile. Nebenan ist die Uni, an der sich 50.000 Jungakademiker auf ihr Examen vorbereiten, sodass sich hier vor allem Studenten und andere Gleichaltrige vergnügen mehr als 50 Schritte sind es dort selten bis zur nächsten Location. Trotzdem trifft sich im Sommer alles im Biergarten des Stadtgartens wieder und wer da keinen Platz mehr findet, der versucht es am Aachener Weiher.
Kölns wildeste Meile

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Bermudadreieck

Bermuda-Dreieck Das Hahnentor war einst der prächtigste Eingang zur Stadt und als Gegenstück zum baugleichen, abgerissenen Kölntor in Aachen ein wichtiges Element in der mittelalterlichen Krönungszeremonie. Denn nachdem die Könige und Kaiser in Aachen gekrönt wurden, war es ihre erste Amtshandlung, die Knochen der Heiligen Drei Könige im 70 km entfernten Köln zu besuchen und sich ihres göttlichen Beistands zu versichern. Dabei wurde den frisch Gekrönten am Hahnentor der feierliche Empfang bereitet. Heute ist das Hahnentor das Hauptquartier der Ehrengarde, der berittenen Schutztruppe des Dreigestirns im Kölner Karneval und der letzte Halt in Kölns schwulem Bermuda-Dreieck zwischen Friesenwall und Schaafenstr. Dorthin zieht es vor allem Kölns junge Schwule, während sich die reiferen, bärtigen und dicken Bären zwischen Heumarkt und Mühlenbach vergnügen. Insider behaupten, die Stadt habe die beste schwule Infrastruktur Deutschlands und ihre CSD-Parade übertreffe jede andere in Europa. Damit sei Köln noch vor Berlin Deutschlands wahre Schwulenhauptstadt. Auf dem Rudolfplatz merkt man davon nichts. Mittwoch und Samstag laden hier ein Ökomarkt und im Advent ein beliebter Weihnachtmarkt ein.
Kneipensafari unterm Regenbogen

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St. Peter.

Versteckte Bilder Mit St. Peter direkt neben St. Cäcilien hat sich in Köln das einzige Ensemble aus Stiftskirche für die Stiftsherren oder -damen und dazugehöriger Pfarrkirche für die gewöhnlichen Gläubigen erhalten. Die übrigen Pfarrkirchen wurden nach 1802 meist abgerissen, weil sie leer standen, nachdem die Gemeinden in die enteigneten, meist prächtigeren Stiftskirchen umgezogen waren. St. Peter lohnt den Besuch allein schon, weil die Kirche so leer erscheint, ein Eindruck, der gewollt ist und der durch die Farbgebung noch verstärkt wird. Denn St. Peter versteht sich mit wechselnden Ausstellungen und Konzerten als Kunst-Station. Hier sollen sich Religion, moderne Kunst und Musik frei begegnen können. Darauf verweist bereits die irritierende Leucht-Schrift SORGE DICH NICHT am Turm. Größter Schatz der Kirche sind neben dem Altarbild, das der in Köln aufgewachsene Peter Paul Rubens für seine Taufkirche malte, die Kirchenfenster im Stil der Renaissance. In der Fastenzeit und von Allerseelen bis zum 26. Dezember werden die Bilder gewöhnlich verhüllt, um das Interesse an ihnen wachzuhalten. Zu Ostern und am Fest des ersten Märtyrers Stephanus erstrahlen sie dann wieder in neuem Glanz.
St. Peter

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St. Maria im Kapitol

Göttliches Lächeln St. Maria im Kapitol ist die größte romanische Kirche Kölns und ihr Name zeigt, dass sie auf einen römischen Tempel steht, in dem, wie auf dem Kapitol in Rom, Jupiter, Juno und Minerva verehrt wurden. Die erste Kirche errichtete 690 Plektrudis, die mächtigste Frau des riesigen Frankenreichs. Mit der Äbtissin Ida war es im 11. Jh. wieder eine Frau, die mit einem Neubau ihre Macht und kaiserliche Herkunft zeigen wollte. Dafür gestaltete sie im Westen eine Empore nach dem Vorbild der Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen und im Osten übernahm sie exakt den Kleeblattchor der Geburtskapelle in Betlehem. Dieser Kleeblattchor mit zusätzlichem Umgang war der erste nördlich der Alpen und machte Köln zum Betlehem des Nordens. Schönstes Detail sind die Holztüren des einstigen Haupttors, deren Schnitzereien die Jesusgeschichte erzählen. Populärer ist Zint Märjens Ripp daneben. In Wirklichkeit gehörte Marias Rippe einem Grönlandwal, der sich in grauer Vorzeit mal in den Rhein verirrte. Nett ist auch der Apfel, der der Muttergottes am Eingang täglich hingelegt wird. Ein Junge soll ihn ihr jeden Morgen auf dem Schulweg vorbeigebracht haben, bis Maria ihn eines Tages anlächelte.
St. Maria im Kapitol

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Overstolzenhaus

Overstolz Das etwa 1230 erbaute Overstolzenhaus ist wahrscheinlich eines der ersten Steinhäuser des mittelalterlichen Kölns und damit das älteste Patrizierhaus Deutschlands. Noch halb romanisch und schon halb gotisch, vereint es profane und sakrale Formen und steht für das Streben einer sehr reichen Bürgerfamilie, sich dem Adel gleichzustellen. Dieses Streben ließ einen Gerhard Overstolz in der Schlacht von Worringen 1288 gegen den Erzbischof sogar seinen Stand vergessen. Anstatt sich zu Pferde mit den gepanzerten Edlen des Feindes zu messen, stieg er ab und stürmte in voller Rüstung den Kölner Fußtruppen voran. Leider überanstrengte er sich dabei etwas, sodass er zusammenbrach und starb, bevor er am Gegner war. Doch die wütenden Haufen der Handwerker und Bauern verursachten daraufhin ein solches Chaos unter den feindlichen Rittern, dass die sich lieber ihren Standesgenossen ergaben, als sich erschlagen zu lassen. Denn dieser Volkssturm hatte keine Ehre, hielt sich an keine Regel und machte keine Gefangenen, wie es unter Rittern üblich war, schon um das Lösegeld zu kassieren. Dadurch siegte Köln und deshalb baute die Stadt nach 1945 auch das zerstörte Overstolzenhaus wieder auf.
Das Overstolzenhaus

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Chlodwig-Eck

BAP-Stadt Die Südstadt ist die BAP-Stadt. Die Wurzeln der kölschen Kultband liegen zwischen Rolandstraße, Chlodwigplatz und Bonner Straße. Hier probte die Band seit 1976 in feuchten Kellern und Garagen ihre Bierkästen leer und Wolfgang Niedecken tingelte alleine als Südstadt- Dylan durch die Szenekneipen. In Südstadt verzäll nix oder Unger Kranenbäumen hat er dem Stadtteil ein Denkmal gesetzt genauso wie in Jupp einem ihrer Originale. Vielleicht treibt sich der Räuberpistolen-Erzähler heute noch am Severinstor herum, aber wahrscheinlich hat er sich längst tot gesoffen. Die Songs Amerika und Nix wie bessher spielen in An St. Magdalenen, und in der Ehrenstr. himmelte der junge Kunststudent Niedecken seine Queen vun de Ihrestross an. Schließlich fand 1992 auf dem Chlodwigplatz mit dem Antirassismus-Konzert Arsch huh die größte Demonstration in der Kölner Geschichte statt. Das alles gibt es noch, nur das Chlodwigeck, die frühere Stammkneipe der Band existiert nicht mehr. Es zog in die Annostr. um und eine Bank übernahm die Räume. Auch wenn es seit dem 30jährigen Jubiläum ruhiger wurde um BAP, bleibt es Niedeckens Verdienst, das Kölsch populär gemacht zu haben wie keiner vor ihm.
Das Chlodwig Eck - Verdamp lang her

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