Feldherren, Autobauer, Wasserratten

Hauptbahnhof

Doppelkopf. Bis zu 150.000 Reisende, Pendler und Besucher passieren täglich den größten Kopfbahnhof Europas und nutzen dabei die Promenaden mit 140 Geschäften, Cafés und Restaurants auf drei Ebenen. 1899 gab es in ganz Leipzig gerade mal 20.000 Bahnreisende am Tag. Doch das waren schon vier Mal mehr als 1871 und die ließen sich an den fünf kleinen Fernbahnhöfen der Stadt nicht mehr abfertigen. Ein Hauptbahnhof musste her. Aber wie? Alle Eisenbahnanlagen der Stadt waren entweder sächsisch oder preußisch. Man einigte sich schließlich 1902 auf einen Doppelbahnhof mit zwei Empfangshallen, zwei Treppenaufgängen, zwei Wartesälen und jeweils 13 Bahnsteigen, die eine Hälfte sächsisch, die andere preußisch. 1915 war der 298 m breite Bau fertig und tatsächlich wurde er bis 1934 von zwei Ländern betrieben. Die Wappen über den Empfangshallen erinnern noch daran. Neben der Parthe, die auf einer Länge von 900 m verlegt wurde, mussten dem Neubau auch die alten Fernbahnhöfe weichen, darunter der Dresdner Bahnhof. Dort wurde 1839 die erste deutsche Fernbahnstrecke nach Dresden eröffnet. Den Zug zogen zwei englische Loks. Die deutsche Saxonia durfte nur hinterher fahren. Sie war ein Nachbau.
Shopping in den Promenaden

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Straßenbahnmuseum

Dritter Frühling. Wenn Straßenbahnen und Busse ausgedient haben, enden sie gewöhnlich in der Schrottpresse. Einige werden aber auch als Gartenlaube wiedergeboren. Und wenn sie auch das überstehen, werden manche davon in ihrem dritten Leben sogar zum Kulturgut. Wer es nicht glaubt die Beweise stehen im Straßenbahn-Museum Möckern. Der älteste O-Bus Deutschlands war knapp 40 Jahre eine Gartenlaube in der Dübener Heide und der Triebwagen 349 der GLSt, Baujahr 1897, brachte es in der gleichen Funktion sogar auf 60 Jahre, bevor er wiederentdeckt wurde. Das von einem Verein getragene Museum kann fast den kompletten Fahrzeugpark des Leipziger Nahverkehrs seit seinen Anfängen im fahrbereiten Zustand zeigen und ist damit einmalig in Deutschland. Zu den Highlights der Sammlung gehören eine Pferde-Straßenbahn, ein Fahrkarten-Verkaufswagen, ein Schienenkran, die Restaurations-Werkstatt und eine 11 m² große Modell-Straßenbahnanlage mit echtem Oberleitungsbetrieb. An den Öffnungstagen des Museums pendelt stündlich ein historischer Zug zwischen dem Straßenbahnhof und der Innenstadt mit Zustieg an allen Haltestellen. Für angemeldete Gruppen sind Fahrten und Besichtigungen auch zu anderen Zeiten möglich.
Das Straßenbahnmuseum

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Auensee

Kurzurlaub. Das Erholungsgebiet Auensee war vor über 100 Jahren eine Kiesgrube für den Bau des Hauptbahnhofs. Zur Nachnutzung wurde 1912 die Lunapark GmbH gegründet, die für ihren bald darauf eröffneten Vergnügungspark damit warb, dass er der größte in Europa sei. Zu den Attraktionen zählten eine Achterbahn, die durch ein künstliches Gebirge fuhr, eine Pferde- und Motorrennbahn, eine Gondelstation, eine Lunapark- Bahn, mehrere Tanzpaläste und Fahrgeschäfte. Doch in der Weltwirtschaftskrise ging das Unternehmen pleite und 1941 übernahm die Stadt das Areal. An die früheren Lustbarkeiten erinnern heute nur noch die Parkeisenbahn mit echter Dampflok, der Bootsverleih und das Haus Auensee, das frühere Hauptgebäude des Lunaparks. An dessen Nutzung hat sich wenig geändert. Tagsüber ist es Restaurant und abends Vergnügungslokal, früher als Tanzpalast, heute als Konzert- und Event-Location. Hinzugekommen sind ein Fahrrad- und Sportgeräteverleih, ein Spielschiff für Kinder, Bolz- und Grillplätze und dazu mehrere Kioske mit Freisitzen. Ein beliebter Wander- und Radweg führt vom Auensee drei Kilometer westwärts durch die Parklandschaft des Auenwalds zur Domholzschänke bei Kleinliebenau.
Der Lunapark am Aensee

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Auenwald

Duft-Marke. Die Flussregulierungen seit dem Mittelalter schützten das Land zwar vor Überschwemmungen, aber damit verschwanden auch die alten Auenwälder. Deshalb ist Leipzig auf seinen Auenwald stolz. Er zieht sich mitten durch die Stadt und ist einer der größten in Europa. Doch auch er ist bedroht. Durch den Braunkohleabbau sank das Grundwasser. Als Folge verdrängten Hartholzbäume die Weichholzbäume und es entstand ein ungewöhnlich artenreicher Mischwald. Für seine Renaturierung wird seit 1993 im Frühjahr zwei Wochen lang die Schneeschmelze simuliert und der Wald teilweise geflutet. Davon profitiert auch die Leipziger Anemone, ein Bastard aus weißem und gelbem Buschwindröschen, der nur hier vorkommt. Besser bekannt ist der Bärlauch, der im Frühjahr weiß den Waldboden bedeckt. Sein intensiver Geruch trieb die Damenwelt um 1900 dazu, seine Ausrottung zu fordern. Heute gilt der gleiche Duft als Frühlingsbote und zieht die Leipziger hinaus in die Natur. Obwohl große Teile des Stadtwalds geschützt sind, bietet er 36 km Reitwege, 14 Waldspielplätze, mehrere Laufstrecken, einen Fitnesspfad und drei Lagerfeuerplätze. Die Auwaldstation im Schlosspark Lützschena informiert darüber.
Der Leipzig Auenwald lexikalisch

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Schlosspark Lützschena

Idylle. Nach jahrzehntelanger Verwahrlosung sind Schloss und Park Lützschena heute wieder einen Besuch wert. Als Wohnsitz Maximilian Speck von Sternburgs sind sie ein bedeutendes Denkmal bürgerlichen Kulturverständnisses. Hier zeigte der Wollhändler seine Kunstsammlung, so dass sein Gut von Gästen aus nah und fern besucht wurde. Mit den hier erprobten Neuerungen wurde Speck als Landwirtschaftsreformer bekannt. Hier betrieb er eine Brauerei, deren Bier noch heute das erfolgreichste in Ostdeutschland ist. Ohne Speck hätte Leipzig keinen Specks Hof und wohl auch kein Bilder- Museum. Trotzdem wurden seine Nachfahren 1945 enteignet, das Schloss zur Landwirtschaftsschule umfunktioniert und der englische Landschaftspark erst zum Holzeinschlag frei gegeben und dann parzelliert. Dabei verschwanden die meisten der einst 30 baulichen Gestaltungselemente oder sie wurden zerstört. Nachdem ein Ur-Urenkel Specks die Parzellen für die öffentliche Nutzung zurück gekauft hat, bemühen sich die Kommune und ein Verein erfolgreich um eine Wiederherstellung des von Elster und Luppe eingefassten Idylls. Auch das Schloss haben Nachfahren Specks gekauft. Sie züchten in der Tradition ihres Urahnen Alpakas.
Schloss und Park Lützschena

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Pilgerkirche

Es war einmal ein Religionslehrer, der entdeckte bei einer Radtour eine alte Kirche, die schon verfiel, weil sie keiner mehr brauchte. Das tat dem Lehrer leid. Und so ging er zum Bürgermeister und sagte: Ich habe einen Euro. Verkauf mir die Kirche! Und weil die Kirche auch dem Bürgermeister leid tat, willigte er ein. Dafür musste ihm der Lehrer versprechen, dass er die Kirche repariert. Das versprach der Lehrer. Doch darüber war er bald sehr erschrocken. Wie sollte er alleine eine so große Kirche reparieren? Aber er hatte eine Idee. Er musste Freunde finden, viele Freunde und ihnen tolle Feste in der Kirche versprechen. Dann würden alle helfen. Und so geschah es. Was wie ein Märchen klingt, ist wirklich so passiert. Henrik Mroska entdeckte die 700 Jahre alte Ritterguts-Kirche im Frühjahr 2005 und noch im gleichen Jahr gründete er den Kulturund Pilgerverein. Pilgerverein, weil die Kirche am Jakobsweg steht und weil der Bau einer Pilger-Herberge Fördermittel versprach. 2007 stand die Herberge, 2008 waren Kirchturm und -dach saniert und bald auch die Fassade. Daneben wurde wie versprochen gefeiert: mit Konzerten, Theater oder Lesungen und an hohen Festtagen sogar wieder Gottesdienste.
Von Leipzig nach Halle durch die Elsteraue

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Bismarckturm

Einheits-Feuer. Die Deutsche Studentenschaft nahm Bismarcks Tod 1898 zum Anlass, den Bau von Bismarcktürmen anzuregen und empfahl dafür den Entwurf des Architekten Wilhelm Kreis. Seinen Turm krönte eine Schale, in der zu Bismarcks Geburtstag, am Sedan-Tag oder zur Sommersonnenwende ein Feuer brennen sollte, das von den Nachbartürmen aus sichtbar war, so dass die Türme ein Feuernetz über das ganze Reich spannen würden. Obwohl viele der rund 240 Türme, die daraufhin entstanden, der Empfehlung folgten, blieb das Netz löchrig, das Wetter unberechenbar, die Organisation schwierig und die Vision ein Traum. Daran änderte auch der 1915 eingeweihte Turm in Lützschena nichts. Eine Allee mit 100 Krimlinden verstärkt bis heute seine Wirkung und spielt zugleich auf den Ursprung des Namens Leipzig (Lipa slawisch für Linde) an. Bis in die 50er Jahre war der Turm ein beliebtes Ausflugsziel. Dann verfiel er trotz Umbenennung in Turm der Freundschaft und wurde gesperrt. Seit 1997 kümmert sich wieder ein Verein darum. Er lädt zu Besichtigungen, Sonnenwendfeiern und einem jährlichen Crosslauf ein. Bei gutem Wetter reicht der Blick vom oberen Umgang bis zum nächsten Turm auf dem Petersberg bei Halle.
Der Bismarckturm

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Porsche

Emotionen. Das Leipziger Porsche-Werk ist eine der modernsten Autofabriken der Welt. Seit 2002 wird hier der sportliche Geländewagen Cayenne montiert und seit 2009 läuft in Leipzig auch der Gran Turismo Panamera vom Band. Porsches Engagement für die Stadt zeigt sich auch in der 1,8 Mio teuren Restaurierung der ehrwürdigen Ladegast-Orgel in der Nikolaikirche. Besuchern des Werkes werden neben einem Rundgang verschiedene Programme geboten, bei denen man als Fahrer oder Beifahrer die Eigenschaften eines Porsche am eigenen Leib erleben kann. Dabei geht es auf dem Formel 1-tauglichen Werksrundkurs durch die nachgebauten Kurven der berühmtesten Rennstrecken der Welt. Oder man probiert im 6 km langen Offroad-Parcours aus, was der Cayenne abseits befestigter Wege kann. Im Kundenzentrum mit seinem markanten Turm widmet sich eine Ausstellung der Geschichte der Marke Porsche und ein Restaurant verspricht besondere kulinarische Genüsse. Dazu bietet der auch Diamant genannte Bau einen faszinierenden 360°-Rundblick über das gesamte Werksgelände, darunter auch auf Weiden, auf denen Wildpferde und Auerochsen die Magerwiesen des früheren Truppenübungsplatzes pflegen und vor der Verbuschung schützen.
Porsche Leiozig

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Flughafen

Flugzeuge gucken. Wer das erste Mal die A14 entlang fährt, staunt nicht schlecht, wenn auf der Brücke vor ihm plötzlich ein riesiges Flugzeug quer über die Autobahn rollt. Das macht neugierig auf den Flughafen Leipzig/Halle. Den besten Überblick hat man von der Aussichtsterrasse auf dem Dach des früheren Flughafentowers. Von dort sieht man die Start- und Landebahnen, das Zentralterminal und den Bahnhof. Rund 40.000 Gäste nutzen jährlich die eineinhalbstündigen Führungen mit Besuch der Flughafenfeuerwehr. Als Interkontinental-Airport mit ICE- und S-Bahn-Anschluss hat der Flughafen heute wieder eine Zukunft. Immerhin war er mal der viertverkehrsreichste Flugplatz Deutschlands. Doch nach dem Krieg fanden hier nur noch Testflüge statt. Erst ab 1963 wurde der Platz wieder als Messeflughafen genutzt. Ein Kuriosum dabei war die nur zwei Mal im Jahr genutzte Abfertigungshalle, denn in der übrigen Zeit diente sie als Autobahnraststätte. Seit die Posttochter DHL 2008 ihr europäisches Frachtdrehkreuz von Brüssel nach Leipzig verlegte, verteilt nebenan eine 6,5 km lange Sortierung werktags 1.500 t Fracht, die nachts von 60 Transportmaschinen weiterbefördert werden. Das sichert 2.000 Arbeitsplätze.
Leipzig Halle Airport

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Mariannenpark

Pyramide. Der Mariannenpark heißt nach einer Marianne von Eberstein, deren Tochter das Rittergut Schönefeld 1900 der Gemeinde überließ. Die dafür bestimmte Gemeinnützigkeit sollte ein Park erfüllen, um den heftig gestritten wurde. Leipzigs Gartendirektor Hampel forderte Schönheit und sein Widersacher, Landschaftsarchitekt Migge, Nutzen. Hampel plädierte für kleinteilige romantische Landschaften, Migge für klare Linien, Rodelberg und Vereinswiese, Bolz- und Tennisplätze. Nach langen Kämpfen, Siegen und Niederlagen setzte sich schließlich in den 20er Jahren Migges Volkspark-Konzept durch. In dieser Form blieb der Park bis heute erhalten. Als Zeugnis für die Reformideen des frühen 20. Jh. im Gartenbau wurde er 1991 unter Schutz gestellt. Gleich mitgeschützt wurde der benachbarte Schlosspark, die Kirche für die Gefallenen von 1813, 1870/71 und 1914-18 sowie das Familiengrab derer von Eberstein. Die 6 m hohe schwarze Pyramide wurde 1883 errichtet und soll durch eine Eberstein ´sche Ägyptenreise inspiriert worden sein. Im Mariannenpark beginnt ein 25 km langer Radund Wanderweg durch die Parthenaue. Er führt über den Abtnaundorfer Park nach Plaußig und Taucha bis zur Mulde in Grimma.
Der Mariannenpark

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Parthenaue

Radtour. Die Parthenaue blieb von Braunkohlebaggern und Flussregulierungen weitgehend verschont und damit ist sie für Leipzig als Naturraum so besonders, dass sich für ihre Pflege ein Zweckverband gründete. Dessen Vorzeigeprojekt ist der Parthe-Radweg. Er beginnt im Mariannenpark und führt in den Abtnaundorfer Park, der einst der Bankiers-Familie Frege gehörte. Vorbei an Thekla mit seiner 900 Jahre alten Kirche, geht es durch den Plaußiger Gutspark in den denkmalgeschützten Ortskern, wo der Verband mit einer Naturschutzstation über das Ökosystem Parthenaue informiert. Auf den hügligen Weiden von Dewitz stehen oft echte Öko-Wasserbüffel. Und Beucha überrascht mit seiner scheinbar auf Felsen thronenden Wehrkirche. Tatsächlich sind die Felsen Steinbrüche, aus denen der Granitporphyr für das Völkerschlachtdenkmal stammt. In Erdmanshain wartet eine Radfahrerkirche, in Naundorf ein Turmuhren-Museum, in Ammelshain ein Schloss, in Fuchshain eine Bockwindmühle und in der romanischen Kirche von Pomßen die älteste spielbare Orgel Sachsens. Der 52 km lange Ausflug endet im 800 Jahre alten Grimma mit Sehenswürdigkeiten wie Rathaus, Hängebrücke, Stadtmauer, Klosterruine Nimbschen und Schiffsmühle.
Wandern in der Parthenaue

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BMW

Schwebende Karossen. Im Rathaus wurde ordentlich gefeiert, als 2001 die Entscheidung fiel, dass Leipzig nach dem Porsche-Werk auch noch ein BMW-Werk bekommen würde. Über 200 Hektar Wiesen und Äcker verwandelten sich daraufhin in Europas größte Industriebaustelle. Die Londoner Architektin Zaha Hadid entwarf das spektakuläre Zentralgebäude für die Büro-Arbeitsplätze und drum herum entstanden die drei Produktionshallen für Karosseriebau, Lackiererei und Montage. Dadurch schweben die halbfertigen Karossen seit dem Produktionsstart 2005 von einer Halle zur nächsten quasi quer über die Schreibtische. Große Lagerhallen gibt es nicht. Die meisten Komponenten werden just in time per Lkw angeliefert oder wie die Sonderanfertigungen von Cockpits und Sitzen von den Zulieferern direkt auf dem Gelände produziert und automatisch ans Band geliefert. Etwa 4.500 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. In Spitzenzeiten stellen sie täglich über 700 Autos fertig, so dass BMW-Leipzig 2009 mit einem Cabrio in Kaschmirsilber die Auslieferung des 500.000. Fahrzeugs melden konnte. Wer das Werk besichtigen will, muss sich anmelden. BMW bietet Führungen durch die Produktion, zur Architektur und für Kinder an.
Das BMW-Werk Leipzig

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Neue Messe

Fachmessen. Vor der zentralen Glashalle der Neuen Messe steht eine riesige Metallrose als Symbol für das Wiederaufblühen des 850 Jahre alten Messestandorts Leipzig. Seit Gründung der Stadt zogen ihre Jahrmärkte auch fremde Kaufleute an. Um dies zu fördern, erwirkte der Rat um 1500 von Kaiser Maximilian I. Reichsprivilegien, nach denen im Umkreis von 115 km keine andere Stadt Messen abhalten durfte. Damit waren Magdeburg, Erfurt und Naumburg aus dem Rennen, Leipzig stieg zu einem der wichtigsten Handelsplätze Europas auf und wurde 1934 sogar die einzige deutsche Stadt für internationale Universal-Messen. Dieses Pfund verspielte die SED. Durch die Ostausrichtung der Messe und ihr veraltetes Universal-Konzept blieben die West- Besucher zunehmend aus, so dass sie 1990 überflüssig wurde. Aber Bund und Land gaben Leipzig nicht auf. Bis 1996 entstand im Norden der Stadt die Neue Messe eines der teuersten Projekte des Aufbau Ost. Seitdem ziehen eine Vielzahl von Veranstaltungen, darunter rund 35 Fachmessen wie die Auto Mobil International, die Buchmesse oder die Modell-Hobby- Spiel jährlich 1,5 Mio. Besucher an und Leipzig kann sich gegen Frankfurt, Köln und Hannover wieder behaupten.
Die Leipziger Messe GmbH

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Napoleonstein

Überstürzte Flucht Seit 1857 erinnert ein kleiner Gedenkstein daran, dass Napoleon hier am 18. Oktober 1813 gegen 16 Uhr die bis dahin größte Feldschlacht der Weltgeschichte verloren gab und den Rückzug befahl. Er selbst soll daraufhin so überstürzt geflüchtet sein, dass er sogar seinen Dreispitz und sein Fernrohr vergaß. Die kleine Grünanlage lässt heute kaum noch erkennen, dass sie auf einem Hügel liegt. Damals stand hier eine Mühle und der Ort bot sich als Befehlsstand an. Vom Monarchenhügel in Liebertwolkwitz, 3,5 km südöstlich, beobachteten Napoleons Gegner, der österreichische Kaiser, der preußische König und der russische Zar, die Schlacht. Zwei Abende zuvor glaubte der Korse bereits, gesiegt zu haben und ließ die Glocken läuten. Aber er irrte sich. Die Verbündeten waren stärker. Die Sachsen kämpften wieder einmal auf der falschen Seite. Schuld daran war ihr König. Er war zu anständig und zögerlich für eine Zeit, die mit allen Traditionen brach und schnelle Entscheidungen forderte. Noch während der Kämpfe liefen die Sachsen über zu spät, um Friedrich August eine 16monatige preußische Gefangenschaft und ihrem Land den Verlust von fast zwei Dritteln seines Territoriums zu ersparen.
Der Napoleonstein

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Völkerschlacht-Denkmal

Koloss. Ein Mahnmal, groß und herrlich wie ein Koloss, eine Pyramide, ein Dom in Köln, forderte der Deutscheste der Deutschen Ernst Moritz Arndt als Teilnehmer der Völkerschlacht schon kurz nach ihrem Ende. Doch daran hatten die wiedererstarkten Fürsten kein Interesse und Sachsen als Verlierer auch nicht. Fortan mischte sich in den Siegerstolz der Deutschen die Enttäuschung. Sie fühlten sich um ihre nationale Einheit betrogen. Erst der Kampf des geeinten Reichs um den Platz an der Sonne ließ Arndts Vision ab 1898 Wirklichkeit werden. Die Ausschreibung gewann der Student Wilhelm Kreis und blamierte damit die gesamte deutsche Professorenschaft. Doch die wehrte sich und fand Gründe, den Architekten des Kyffhäuser-Denkmals, Bruno Schmitz, zu beauftragen. Für die Finanzierung gründete sich der Patriotenbund. Er warb 600 Millionen Goldmark ein, so dass das Denkmal pünktlich am 18. Oktober 1913 eingeweiht wurde. Bis heute ist es mit 91 m Höhe, 300.000 t Gewicht und einer Nachhallzeit von 10 Sekunden das größte Denkmal in Europa. Bis zum nächsten 100jährigen 2013 wird es saniert. Dafür backen Leipzigs Bäcker seit 2007 Völkerbrote und Völki-Brötchen mit einem Spenden-Aufschlag.
Das Völkerschlacht-Denkmal

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Südfriedhof

Fuchs & Hase. Die sagen sich in Leipzig auf dem Südfriedhof Gute Nacht!. Angelegt wurde er 1879 von Stadtbaurat Hugo Licht und Gartenbaudirektor Otto Wittenberg. Mit 82 ha zählt er zu den größten und schönsten Parkfriedhöfen Deutschlands. Dafür sorgen ein arboretumverdächtiger Baumbestand, viele stille Wiesen, rund 10.000 Rhododendren und Grabmale von bekannten Bildhauern wie Max Klinger und Carl Seffner. Überragt wird der Friedhof vom 60 m hohen Glockenturm der Kapellenanlage. Der 1909 eingeweihte Komplex aus Krematorium, Kolumbarium und Feierhallen wurde dem Eifel- Kloster Maria Laach nachempfunden und gilt als größter deutscher Bestattungsbau. Um ihn herum wurde ein zentraler Rundweg in Form eines Lindenblatts angelegt, um an das wendische Lipa (Linde) im Namen Leipzigs zu erinnern. Dieses Blatt sahen damals nur die Engel im Himmel. Heute sehen es mit Google-Earth und etwas Phantasie auch die irdischen Sünder. Die Liste der Promis, die hier ruhen, ist lang. Dazu gehören der Verleger Fritz Baedecker, der Circus-Direktor Cliff Aeros, der Kabarettist Jürgen Hart, der Ost-Rocker Klaus Renft, die Maler Mattheuer und Tübke, der Reichstags-Brandstifter van der Lubbe und die Mundartdichterin Lene Voigt.
Der Südfriedhof

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Wildpark

Familien-Spaß. Zunächst nur für den Forst erschlossen, entwickelte sich der ursprünglich sumpfige südliche Auenwald seit Ende des 19. Jh. zunehmend zum Ausflugsziel mit vielen Gaststätten. Deshalb wurde das Wildgehege, das der Rat der Stadt 1906 am heutigen Standort mit geschenkten Hirschen und Rehen einrichtete, sofort ein Publikumsmagnet. Damals versorgte der Forstmeister, der die Tiere fütterte, auch gleich die Besucher. Dafür gibt es heute die Wildparkgaststätte und das russische Teehaus. Der Park ist 42 ha groß und zeigt 250 Tiere aus 30 einheimischen Arten, darunter Elche und Wisente, Hirsche, Wildschweine und Luchse, in weiträumigen, naturnahen Gehegen. Dazu kommen noch die Tiere aus der Haustierfarm Ziegen und Kaninchen zum Streicheln, Enten und Gänse zum Füttern sowie Ponys und ein Kamel zum Reiten. Für Schulen gibt es ein Grünes Klassenzimmer mit vielen Bildungsangeboten. Wer im Wildpark feiern will, mietet sich im Meiler ein, einem Haus mit offenem Kamin zum Grillen. Die Hütte des Wildpark-Vereins bietet sich für Kindergeburtstage mit Lagerfeuer und Wildpark-Rallye an. Es gibt drei Spielplätze. Und wer will, kann sich sogar im Kremser durch den Park kutschieren lassen.
Der Wildpark

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Rundling

Späte Anerkennung. Der 1929/30 nach einem Entwurf von Hubert Ritter errichtete Rundling in Lößnig zählt heute neben der Hufeisen-Siedlung in Berlin-Britz zu den Architektur-Ikonen der Moderne in der Weimarer Republik. Ritter ordnete seine Häuser in drei konzentrischen Kreisen an, um ihnen eine gemeinschaftliche Mitte zu geben und bot darin 300 Wohnungen mit 13 verschiedenen, nach Süden ausgerichteten Grundrissen an. Das war damals luxuriös gemessen an den Hinterhöfen, aus denen die meisten Mieter kamen und es war zukunftsweisend für den kommunalen Wohnungsbau. Jahrelang hatten Kriegswirtschaft und Nachkriegskrisen private Investitionen in den Wohnungsbau blockiert, so dass 1927 100.000 Leipziger, darunter 5.000 Familien mit Kindern, zur Untermiete wohnten. Die Kommune musste handeln. Stadtbaudirektor Hubert Ritter gab darauf die zeitgemäße Antwort. Er wollte mit seinen Bauten niemanden mehr beeindrucken, sie sollten vor allem zweckmäßig und bezahlbar sein. Damit rüttelte er am Selbstverständnis der seit Jahrzehnten vom Historismus geprägten Stadt. Dennoch waren es nicht die Konservativen, die 1930 seine Abwahl betrieben, sondern die Hoffnungsträger der kleinen Leute: SPD, KPD und NSDAP.
Der Rundling in Lößnig

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Torhaus Dölitz

Polens Freiheit. Hätten Napoleons Truppen überall so tapfer gekämpft wie am Rittergut Dölitz, wäre die Völkerschlacht vielleicht anders ausgegangen. Hier standen Poniatowskis Polen und verteidigten mit dem Übergang über die Pleiße zugleich ihre gerade erst wieder gewonnene Eigenstaatlichkeit. Bis zum Ende der Schlacht blieb ihr Patriotismus für die österreichische Infanterie unüberwindlich. 13 Kanonenkugeln in der Fassade des Torhauses erinnern heute noch daran. Nachdem das Schloss 1947 gesprengt wurde, ist das Torhaus Leipzigs letzter echter Bauzeuge der Völkerschlacht. Deshalb treffen sich hier jedes Jahr im Herbst Traditionsvereine aus ganz Europa, um die Kämpfe mit viel Getöse und Pulverdampf nachzustellen. Sie kampieren in Biwaks, tragen historische Uniformen, schlafen auf Strohsäcken und kochen am offenen Feuer. Im Torhaus illustrieren die Leipziger Zinnfiguren- Freunde die Ereignisse auf ihre Weise. Eines der 50 Dioramen zu den Schlachten der Befreiungskriege zeigt auch den Kampf um Dölitz. Aber der Verein beschränkt sich nicht auf die napoleonische Ära, er stellt auch Schlachten aus anderen Epochen nach und setzt wichtige kulturhistorische und stadtgeschichtliche Themen in Szene.
Das Torhaus Dölitz

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Agra

Verblasster Ruhm. Dass viele Ostdeutsche Markkleeberg kennen, verdankt die Kleinstadt auch ihrer agra. Die Lehr- und Leistungsschau der sozialistischen Landwirtschaft präsentierte bis 1989 in über 90 Hallen und Pavillons die neuesten Landmaschinen, Züchtungen und Technologien und zog damit jährlich eine halbe Million Gäste an. Seit die Agra in der Neuen Messe (immer im April) stattfindet, erinnert daran nichts mehr. Zwei Hallen werden noch für monatliche Trödelmärkte genutzt, im Koi- und Japangartencenter finden Aquarien-, Terrarien-, Vogel- und Pflanzenbörsen statt, die Dölitzer Wassermühle präsentiert sich als ökologisches Kulturzentrum, das Schloss Markkleeberg als Galerie, im Weißen Haus wird geheiratet und musiziert und das Westphalische Haus zeigt eine Heimatkunde-Sammlung. Der Park ist ein ruhiger Erholungspark mit Spielplätzen, kleinem Freibad und Kegelbahn geworden. Ähnlich wurde er um 1900 auch konzipiert. Allerdings nicht für die Öffentlichkeit, sondern für den Zeitungsverleger Paul Herfurth, der das Weiße Haus als Sommersitz nutzte. Nur zu Pfingsten wird es hier noch einmal turbulent. Dann wird der Park zum Schauplatz eines Wave- Gotik-Treffens mit 20.000 dunklen Gästen.
Der Agrapark

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Torhaus Markkleeberg

Apel-Stein. In Dölitz saßen die Polen im Rittergut und wurden von den Österreichern bestürmt, in Markkleeberg war es umgekehrt. Auch hier ging es mit wechselndem Erfolg um den Pleiße-Übergang. Auf den 200 m zwischen Schloss und Schule sollen am Vormittag des 16.10.1813 800 Soldaten gefallen sein. Daran erinnert heute ein Museum im Torhaus. Es zeigt neben Funden von den umliegenden Schlachtfeldern eine Lazarettstube und ein 20m² großes Diorama der Kämpfe. Besonders eindrücklich sind die Aufzeichnungen des Dorfschullehrers Schumann, denn in seiner Schule hatten sich die Polen verschanzt, bis die Österreicher sie in Brand steckten. Dazu widmet sich eine ganz unkriegerische Heimatstube dem bäuerlichen Leben in Markkleeberg. Vor dem Museum stehen zwei Apelsteine Endpunkt eines patriotischen Schlachten-Wanderführers, den der Leipziger Schriftsteller Theodor Apel um 1860 anlegte und selbst bezahlte. Steine mit spitzem Kopf, das eingemeißelte V und die gerade Nummerierung verweisen auf die Truppen der Verbündeten, Steine mit rundem Kopf, einem N und einer ungeraden Zahl markieren dagegen Napoleons Stellungen. Dazu werden immer Gefecht, Heerführer, Einheiten und Stoßrichtung angegeben.
Das Torhaus Markkleeberg

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Markkleeberger See

Sturzfluten. Der erst 2006 fertig gestellte Markkleeberger See ist der jüngste Leipziger See. An der Seepromenade laden Cafés und Restaurants ein. Am Bootssteg davor legt ein Solarboot zu Rundfahrten ab. Es gibt drei Strände. Im Modellbaupark Auenhain können Familien auf kniehohen Gartenbahnen durch eine Mini-Landschaft fahren. Der Campingplatz Neuseenland verleiht GoKarts, Tretmobile und ein siebensitziges Konferenz- Bike. Freizeitradler und Inlineskater finden einen Asphalt vor, auf dem auch Rollski-Wettkämpfe stattfinden. Und in den Ferienhäusern oder auf den Caravanstellplätzen des Seeparks Auenhain kann man sogar übernachten. Doch die Hauptattraktion ist der Kanupark. Seine Wildwasseranlage ist eine der modernsten der Welt und olympiatauglich, so dass hier die deutsche Kanu-Elite trainiert. Gleichzeitig steht die Anlage auch Freizeitpaddlern offen und bietet beim Rafting Spaß für jedermann. Ihre regelbare Fließgeschwindigkeit und die einstellbaren Hindernisse erlauben es, neben internationalen Wettkämpfen auch ein kurioses Pappbootrennen auszutragen. Im Bootsverleih nebenan stehen Wasserfahrräder bereit und auf die Spaßkundschaft warten Wasserschuhe für den ultimativen Balancetest.
Der Markkleeberger See

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Cospudener See

Cossi. An manchen Wintertagen war Leipzigs Luft so ascheschwer, dass der eigene Speichel nach Schwefel schmeckte, die Flüsse der Stadt stanken zum Himmel und wer die Mondlandschaften der Tagebaue sah, war erschüttert. Das Image der Braunkohle war miserabel. Deshalb richtete sich die Empörung nach 1989 auch gegen die Bagger im Tagebau Cospuden, die sich dort durch den Auenwald immer näher an die Stadt fraßen. An den Demos beteiligten sich bis zu 10.000 Leipziger. 1992 rollte der letzte Kohlezug. 2000 wurden See und Landschaftspark Cospuden als EXPO-Projekt für die Revitalisierung einer Bergbaufolgelandschaft eröffnet der erste See des Neuseenlands. Heute ist das 25 m tiefe und 436 ha große Gewässer Leipzigs Badewanne. Knapp 500.000 Besucher strömen jährlich an Sachsens längsten Sandstrand. Auf dem Wasser tummeln sich Segler, Surfer und Kiter. Rund um den Hafen Pier 1 können sie ihr Equipment kaufen oder mieten und einen Kurs dazu buchen. Am Nordstrand treffen sich Beach-Volleyballer und -Soccer. Es gibt eine Sauna im See, eine Marina, eine Hacienda, zwei Fahrgastschiffe, einen Golfplatz, einen asphaltierten Rundweg für Jogger, Radfahrer und Skater und zu allem viele Veranstaltungen.
Der Cospudener See lexikalisch

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Belantis

PR-Profis. Das 2003 zwischen ehemaligen Tagebauen eröffnete Belantis ist mit 35 Fahrgeschäften, Rutschen, Schaukeln und Karussells, verteilt auf sieben Themenwelten, Ostdeutschlands größter Vergnügungspark. Höhepunkte sind eine Wildwasser- Abfahrt von der Spitze der höchsten Pyramide Europas, ein 600 m langer Achterbahnkurs, ein Riesenpendel und ein Frei-Fall-Turm. Speziell für Kinder gibt es einen Nostalgie-Jahrmarkt, mehrere Spielplätze, eine Silbermine und einen Streichel-Zoo. Dazu werden verschiedene Shows gezeigt. Und wer Hunger bekommt, kann zwischen vier Themen-Restaurants wählen. Hinter dem Vergnügungspark stehen große private Radiosender, die nach einer Antwort auf ihre schwindenden Werbeeinnahmen suchen. Statt den Kunden für immer weniger Geld, immer mehr Sendeplatz anzubieten, investieren sie in ein eigenes Produkt und machen dafür Werbung. Die eigene Medienmacht im Rücken hilft dabei auch ein PR-Netz, das bis in die Politik und in den öffentlich- rechtlichen Rundfunk reicht. Das Ergebnis sind jährlich über 500.000 Besucher vor allem aus Mitteldeutschland und Berlin-Brandenburg. Um das Publikums-Interesse wach zu halten, eröffnet Belantis jede Saison mit neuen Attraktionen.
Belantis

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Zwenkauer See

Kap Zwenkau. Was am Kulki schon Jahrzehnte her ist und am Markkleeberger See gerade abgeschlossen wurde, ist am Zwenkauer See noch voll im Gange: die Flutung des früheren Tagebaus. 2013 soll auch hier die Grube voll sein. Dann wird der See mit 970 ha der größte in Leipzig sein und 3,50 m über dem benachbarten Cospudener See liegen. Ein 770 m langer Kanal wird beide Seen verbinden und eine Schleuse das Gefälle ausgleichen, so dass man von hier bis in die Innenstadt paddeln kann. Die Flutung ist schon an sich ein Ereignis. Allmählich versinken die faszinierenden Landschaftsstrukturen des Braunkohlenabbaus für immer im Wasser und dabei eröffnen sich neue Perspektiven. Aber der See bietet bereits mehr. Am künftigen Hafen lädt der Bergbaupavillon Kap Zwenkau mit einem gleichnamigen Restaurant ein. Er wurde einer Förderbrücke nachempfunden, wie sie hier im Einsatz war, bis sie 2001 gesprengt wurde. Im Haus ist der Koloss noch als Modell zu sehen. Außerdem dreht mit der Santa Barbara bereits ein Ausflugsschiff mehrmals täglich seine Runden. Und der Aussichtsturm auf der Bistumshöhe erlaubt den interessanten Vergleich zwischen dem fertigen Cospudener und dem noch unfertigen Zwenkauer See.
Zweckverband Neue Harth

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Kulkwitzer See

Sauber. Bis 1956 war der Kulkwitzer See ein Braunkohlentagebau. Danach füllte er sich mit Grundwasser und wurde Anfang der 70er Jahre mit mehreren Stränden, einem Campingplatz und anderen Freizeitangeboten zum Badesee umgestaltet Seitdem gehört er mit über 2 m Sichttiefe zu den zehn saubersten deutschen Seen. Das zieht jährlich rund 500.000 Leipziger und 35.000 Übernachtungsgäste an die meisten davon Taucher. Für sie wurde extra ein Wrack versenkt, es gibt eine Tauchschule und einen Verein. Aber auch die Segler, Surfer und Angler haben ihre Vereine. Beim Bootsverleih kann man neben Kanus und Tretbooten sogar Segelboote mieten. Außerdem laden ein schwimmendes Strandbad, eine Wasserski- Anlage, ein Hochseilgarten, eine Saunalandschaft und eine Schiffsgaststätte ein. Diese Schiffsgaststätte ist das Wahrzeichen des Kulki. Der Sommergarten versorgt an heißen Tagen bis zu 30.000 Gäste. Das 53 m lange und 6 m breite Schiff hieß mal Frieda und war ein Saale-Lastkahn, bevor es 1973 in drei Teile zersägt, zum See transportiert und wieder zusammen geschweißt wurde. Die frühere Hochkippe ist heute ein Wald für Spaziergänge mit Seeblick. Für Radfahrer führt ein 10 km langer Rundweg um den See.
Der Kulkwitzersee ökologisch

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