Händler, Shopper, Partygänger

Gloecks Haus

Der Brühl. Bis 1930 wurde auf dem Brühl ein Drittel der Weltpelz-Ernte umgeschlagen und die Rauchwarenhandlungen der Straße galten lange als die besten Steuerzahler der Stadt. 1928 waren das 794 Geschäfte, im Durchschnitt sieben pro Haus. Knapp zwei Drittel davon gehörten Juden, die wiederum mit Juden Handel trieben, so dass es in Leipzig zur Messe vor Kaftanen nur so wimmelte. Ungeachtet des als lebensgefährlich geltenden Verkehrs, standen die Händler zwischen den nach Tierhaut und Mottenkillern riechenden Fellbergen mitten auf der Straße, um zu feilschen und Nachrichten auszutauschen. Mit der Weltwirtschaftskrise begann der Niedergang des Brühls. Die Vertreibung der Juden beschleunigte und britische Bomber vollendeten ihn. Den Rest besorgte die SED. Vor ihr flohen die letzten Pelzhändler auf die Frankfurter Niddastr. und machten sie zum neuen Brühl. Heute handelt hier niemand mehr mit Fellen und an die Weltstraße der Pelze erinnert nur noch Gloecks Haus. Richard Gloeck war um 1900 der Chinchilla- König und kontrollierte den Welthandel mit den Pelzen der südamerikanischen Nager. Am Brühl 3, wurde Richard Wagner geboren. Heute steht dort ein Kaufhaus, die sogenannte Blechbüchse.
Der Brühl

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Bilder-Museum

Bürgerstolz. Leipzigs erstes Kunstmuseum am Augustusplatz wurde 1858 von einem Leipziger Seidenhändler gestiftet. Auch die Bilder des Museums waren Schenkungen. Doch das Haus wurde 1943 zerstört und die spendablen Bürger wenig später vertrieben, darunter auch die Familie Speck von Sternburg. Die Sammlung von Maximilian Speck von Sternburg blieb da. Inzwischen ist sie durch eine Stiftung legitimiert und bis heute der größte Schatz des Hauses. Zu sehen sind Bilder von Frans Hals, Lucas Cranach und Caspar David Friedrich sowie die Werkschauen von Max Klinger und Max Beckmann. Die Moderne und die internationale Gegenwartskunst fehlen. Dafür zeigt das Museum viel Leipziger Schule, darunter Bilder von Bernhard Heisig, Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer sowie Arbeiten der jüngeren Stars Neo Rauch und Daniel Richter. Um die Lücken der Sammlung zu füllen, fehlen die Sponsoren. Was einst privater Stolz reichlich gab, muss heute der öffentlichen Hand abgerungen werden. So auch der 2004 eröffnete Museums-Neubau das erste neue Kunstmuseum im Osten seit 1950. Innen gewähren sogenannte Lufträume überraschende Durchblicke. Von außen ist der Bau ein glatter Glas-Kubus und deshalb heftig umstritten.
Das Bilder-Museum

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Romanushaus

Verzockt. Nur widerstrebend wählten die Leipziger Ratsherren 1701 den 30jährigen Juristen F.C. Romanus zum neuen Bürgermeister. August der Starke hatte darauf bestanden. Er brauchte ständig Geld und Romanus beschaffte es. Davon profitierte auch Leipzig. Kurz nach seinem Amtsantritt ließ Romanus 700 Rübsenöl-Lampen installieren Leipzigs erste Straßenbeleuchtung. Außerdem baute er eine Kanalisation, pflasterte die Straßen und sorgte für die Armen. Doch sein Erfolg stieg ihm zu Kopf. Beim Bau seines Privatpalais übernahm er sich und begann im großen Stil Wechsel zu fälschen. Dem Schwert entging er nur, weil der Kurfürst keinen Prozess wollte, denn dort hätte man auch über ihn gerichtet. Romanus büßte auch ohne Urteil. Bis zu seinem Tod saß er auf der Festung Königstein 41 Jahre Haft für vier Jahre Höhenflug. Mit dem Bau seines Hauses begann die Blüte des bürgerlichen Barocks. Jeder dritte Leipziger Neu- und Umbau orientierte sich künftig daran. Romanus´ Tochter wurde später als Dichterin bekannt. Sie lud hier 1723 in einen der ersten deutschen Salons ein, in dem auch Bach und Gellert verkehrten. 1792 wurde im zweiten Stock, im Café Richter, die erste deutsche Buchhändler-Börse gegründet.
Architektur und Geschichte des Romanushauses

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Fregehaus

Goethes Bankier. Vom Tellerwäscher zum Millionär, das gab es auch schon im 18. Jh. Als der Lampertswalder Pfarrerssohn Christian Gottlob Frege 1730 als Lehrling in eine Leipziger Gewürzhandlung eintrat, war er weder durch Herkunft noch Vermögen dazu prädestiniert, Begründer des mächtigsten mitteldeutschen Bankhauses zu werden. Seine erste eigene Gewürzhandlung gründete er 1739 auf Kredit, daneben betrieb er Geldgeschäfte und war damit so erfolgreich, dass er dreimal in die besten Kaufmanns-Familien Leipzigs einheiraten konnte. Damit war sein Aufstieg gesichert. Er pachtete die kursächsische Münze, investierte in Bergwerke und Textilmanufakturen, war Rittergutsbesitzer, handelte mit Tuchen und baute seine Bankgeschäfte aus. Als er 1781 starb, war er Sachsens bedeutendster Unternehmer. Sein gleichnamiger Sohn führte die Firma fort und erwarb 1782 den Barockbau in der Katharinenstraße. Anfang des 19. Jh. zählten neben Goethe viele Vertreter des deutschen Hochadels zu den Kunden der Bank. 1945 wurde sie geschlossen. Im Haus arbeitet heute der integrative Euopa-Haus-Leipzig e.V.. Derzeit bekanntester Nachfahre der Freges ist Andreas Frege, der Frontmann der Toten Hosen (Campino).
Fregehaus

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Markt

Die Mitte. Der Markt ist nicht nur an den Wochenmarkt- Tagen einen Besuch wert, denn hier finden auch der Oster- und der Weihnachtsmarkt, das Stadtfest, die Classic Open und andere Veranstaltungen statt. Gehandelt wurde hier schon immer. Daraus entstand die Messe. In der Alten Waage (Markt 4) mussten die Kaufleute ihre Waren verzollen. 1924 ging im gleichen Haus erstmals der MDR auf Sendung. Das Königshaus (Markt 17) war das Gästehaus der Stadt. Hier logierten Peter der Große und August der Starke. Bach huldigte davor mit einer Kantate dem Kurfürsten, Friedrich der Große schlief hier und auch Napoleon. 1824 war der Markt Schauplatz der letzten öffentlichen Hinrichtung in Leipzig. Es war 34 Jahre her, dass der Raubmörder Jonas geköpft wurde und jetzt kamen die Menschen zu Tausenden, um die Enthauptung des Witwenmörders Woyzeck mitzuerleben. Drei Jahre hatten die Gelehrten gestritten, ob der Perückenmacher schuldfähig ist. Georg Büchner sollte ihn berühmt machen. Sein Drama Woyzeck ist bis heute eines der meistgespielten deutschen Bühnenstücke. Sechs Jahre später begann auf dem Markt eine Revolution, die ganz Sachsen erfasste, einen Regierungswechsel und eine neue Verfassung erzwang.
Markt

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Altes Rathaus

Echtes Bachporträt. Als Stadt-Museum ist das Alte Rathaus von den Kerkerzellen im Keller über das Hauptgeschoss bis zur Turmkugel selbst sein wichtigstes Exponat. In der Ratsstube hängt das einzige zeitgenössische Porträt Bachs, denn hier unterschrieb er 1723 seinen Anstellungsvertrag als Thomaskantor und städtischer Musikdirektor und musste versichern, dass seine Gottesdienst-Musik nicht zu lang und opernhaftig wird. Für die Ratsherren war Bach nur eine Notlösung. Erst als Telemann und andere Kandidaten absagten, kamen sie auf ihn zurück. Das spiegelte sich auch in der Bezahlung wider und sorgte dauernd für Streit. Trotzdem komponierte Bach unentwegt Kirchen- und Gebrauchsmusik, zeugte fleißig Kinder und wurde zum Markenzeichen der Stadt. Das Rathaus gilt heute als bedeutender Renaissancebau. Errichtet wurde es 1556 in nur neun Monaten von Hieronymus Lotter. Der acht Mal gewählte Bürgermeister war Baumeister, ein tüchtiger Kaufmann und Organisator und stand deshalb auch im Dienst des Kurfürsten. Damals war das Rathaus mehr als ein Amtssitz. Im Großen Saal empfing man die Ehrengäste der Stadt, aber dort wurde auch gefeiert und getanzt. Heute nutzt ihn die Stadt für Kulturveranstaltungen.
Altes Rathaus

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Barthels Hof

Durchhof. Der Barthels Hof ist als Durchhof der einzige erhaltene Leipziger Messehof aus dem 18. Jh. Auf der einen Seite fuhren die Packwagen hinein und zur anderen wieder hinaus, ohne wenden zu müssen. Errichtet wurde der Komplex um 1750 als Bank- und Handelshaus für den Leipziger Kaufmann Gottlieb Barthel. Da die Keller feucht und als Lager ungeeignet waren, wurden die Handelsgüter mit Kranbalken auf die Speicherböden in den hohen Dächern der vierstöckigen Häuser gehievt. Im Erdgeschoss befanden sich Verkaufskammern und Ställe, im Obergeschoss gab es prachtvolle Festsäle und im übrigen Haus lagen die Kontore, Wohnräume und Herbergen. Damit vereinten die Durchhöfe alle privaten und geschäftlichen Funktionen eines Kaufmannslebens. 1989 war Barthels Hof eine einsturzgefährdete Ruine. In den neunziger Jahren wurde er von dem Immobilienunternehmer Jürgen Schneider nahezu komplett entkernt und detailgetreu wieder aufgebaut. Die Fassade wurde bereits 1871 neobarock überarbeitet und dabei mit dem Renaissance- Erker des ältesten Bürgerhauses der Stadt geschmückt. Innenhof und Passagen laden heute mit zahlreichen Geschäften, Restaurants und vielen Veranstaltungen zum Shoppen und Genießen ein.
Barthels Hof

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Coffe-Baum

Gaffee-Sachsn. Das Haus Zum Arabischen Coffe Baum ist eines der ältesten Café-Restaurants Europas. Zu seinen Gästen zählten Lessing, Goethe, Wagner und Schumann. Im Erdgeschoss kann man sich noch auf ihre Plätze setzen, das Restaurant darüber widmet sich jüngerer Prominenz und in der zweiten Etage wird das sächsische Scheelschen Heeßer mit einem Café Français, einem Wiener Café und einer Arabischen Kaffeestube international. Das Museum unterm Dach zeigt schließlich Kaffee-Kultur vom Röstgerät über die Kaffeemühle und die Napoleon-Tasse bis zum Musikautomaten. Eröffnet wurde das Kaffeehaus bereits 1711, aber seinen Namen erhielt es erst 1720 mit dem neuen Hauszeichen über dem Portal. Wer den Osmanen und den Putto geschaffen hat, ist nicht überliefert. Angeblich hat August der Starke die Plastik bezahlt als Dank für die Liebesdienste der Wirtin Johanna Lehmann. Aber das ist eine Legende genauso wie die Wortschöpfung Kaffee-Sachse durch Friedrich den Großen, denn beim Volk kam das Luxusgetränk erst im 19. Jh. an. Ihren Ruf als Kaffee-Trinker verdanken die Sachsen dem Meißner Porzellan und deshalb meint Bliemschengaffee auch einen Kaffee, der so dünn ist, dass das Dekor durchschimmert.
Coffe-Baum

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Drallewatsch

Bermuda-Dreieck. Abends trifft sich Leipzig im Kneipenviertel Drallewatsch. Mit über 30 Lokalen ist es das Bermuda-Dreieck der Stadt, aus dem manche gar nicht und die meisten immer erst viel zu spät wieder heraus finden. Dabei bedeutet Drallewatsch auf Leipzigerisch so viel wie etwas erleben. Das hat durch die Messe eine lange Tradition und verträgt sich gut mit Unterhaltung und Kultur. Webers Hof und Becksches Haus mit ihrem Sommertheater im Innenhof sind der Beweis. Daneben laden Szene-Treffs wie Markt Neun, Sacharow, 100 Wasser, Bellinis, Zigarre und Spizz ein. Aber der Drallewatsch bietet auch historisches Flair und echte säggssche Gemiedlichgeid. Wie im Thüringer Hof, dem ältesten Gasthaus der Stadt, in dem schon Luther speiste. Oder in Zills Tunnel. Auch hier wird schon seit 1785 Bier ausgeschenkt. An seinem Stammtisch komponierte 1844 ein Karl Friedrich Zöllner das bekannte Lied Das Wandern ist des Müllers Lust. Vor dem Ratskeller unter dem Neuen Rathaus verkündet bereits das Portal, wie lange Bacchus hier schon regiert. Und wer Hunger hat, geht ins Antikhaus mit dem Kartoffelhaus Pelle, der Eierkneipe Eierei und dem Fischrestaurant Fregatte.
Drallewatsch

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Apothekenmuseum

Homöopathie. Das Sächsische Apothekenmuseum widmet sich der 600jährigen Apotheken- und Pharmaziegeschichte in Sachsen und zeigt in drei Räumen Apparaturen, Gefäße und Rezepte zur Herstellung von Arzneimitteln. Die Einrichtung stammt aus der Homöopathischen Central- Apotheke, die der Apotheker Willmar Schwabe seit 1871 im gleichen Haus betrieb. Mit dieser Apotheke, einem Großhandel und einem Verlag verhalf er der Homöopathie weltweit zum Durchbruch. Die daraus hervorgegangene Deutsche Homöopathie- Union und die Dr. Wilmar Schwabe GmbH sind bis heute erfolgreich. Begründet wurde die Homöopathie ein halbes Jahrhundert früher von Samuel Hahnemann ebenfalls in Leipzig. Deshalb räumt das Museum beiden Männern ihren Platz ein, auch wenn ordentlichen Medizinern die Homöopathie bis heute als Scharlatanerie gilt. Obwohl kein Apotheker, gestand man auch dem Scharlatan Karl May ein Plätzchen zu, denn auch sein Kara Ben Nemsi schätzte Schwabes Wunder-Pülverchen. Im richtigen Leben wohnte May für einige Tage über der Apotheke. Hier brachte man ihm den Biberpelz, mit dem er dann durch eine Hintertür flüchtete. Das brachte ihn ins Zuchthaus. Im Erdgeschoss der Apotheke lädt heute ein Restaurant ein.
Sächsisches Apothekenmuseum

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Bach-Denkmal

Bach-Stadt. Im Kampf der Städte um Gäste und Investoren positionierte sich Leipzig 1999 als Bach- und Musikstadt. Davon profitierte auch das Bachfest. Das zieht jedes Jahr an zehn Tagen im Juni mit rund 100 Konzerten bis zu 50.000 Besucher an. Bach schrieb in Leipzig die Werke, mit denen er berühmt wurde. Dafür stehen die Matthäus-Passion, die h-Moll-Messe und die Kunst der Fuge. 27 Jahre lebte und arbeitete er hier als Thomaskantor und Stadtmusik-Direktor. Darauf sind die Leipziger stolz, seit Mendelssohn Bartholdy sie mit seinen Konzerten und einem ersten Bach-Denkmal (heute am Dittrichring) darauf aufmerksam machte. 1895 widmete die Thomaskirch-Gemeinde dem Urvater der Harmonie (Zitat: Beethoven) ein eigenes Kirchenfenster, 1904 feierten die Leipziger ihr erstes Bach-Fest, 1908 errichteten sie das Denkmal im Thomaskirchhof und 1950 wurde das Bach- Archiv gegründet, das seine Schätze heute im Bose-Haus zeigt. Bach wohnte gegenüber und war mit dem Juwelier Bose befreundet. Zum Bose-Haus gehört ein Sommersaal, in dem sich per Seilzug ein Deckengemälde öffnen lässt, das eine Schallkammer frei gibt. Den Halleffekt dürfte auch Bach getestet haben. Bis heute werden hier Konzerte gegeben.
Neues Bach-Denkmal

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Thomaskirche

Bachs Grab. Vor bis zu 2.000 Gästen treten die Thomaner und das Gewandhausorchester immer freitags 18.00 Uhr, samstags zur Motette 15.00 Uhr und sonntags 9.30 Uhr im Gottesdienst in der Thomaskirche auf. Und dazu geben sie an Festtagen noch Extra-Konzerte. Kirche und Chor sind so alt wie die Stadt. Der heutige Bau mit einem der steilsten Dächer Deutschlands wurde allerdings erst 1482 gebaut. Aus dieser Zeit stammt auch das Grabmal des Ritters Harras, der berühmt wurde, weil er an einem Tag 60 thüringische Dörfer niederbrannte. Den Chorraum zieren die Porträts aller Superintendenten der Stadt seit 1614. Zu ihren Füßen liegt Bach, dessen Gebeine 1949 aus der zerstörten Johanniskirche hierher überführt wurden. Ob es wirklich seine sind, ließ sich nie ganz klären. Der Altar stammt aus der 1968 gesprengten Pauliner- Universitätskirche. Ihre Orgel bot das Vorbild für den Prospekt der neuen Bach-Orgel auf der Nordempore. Sie klingt wie aus dem 18. Jh. Echte Instrumente aus dieser Zeit werden in der Süd-Sakristei gezeigt. Daneben ist Bach ein Fenster gewidmet. Leipzigs Wohlstand war schuld daran, dass die Kirche häufig renoviert wurde, so dass ältere Ausstattungsteile dabei oft verloren gingen.
Homepage der Thomaskirche

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Mädlerpassage

Glockenspiel. Die 1912 errichtete Mädler-Passage wurde einer bekannten Mailänder Galerie nachempfunden und vereinte ursprünglich ein viergeschossiges Messehaus mit 8.000 m² Ausstellungsfläche und eine 140 m lange Einkaufspassage. Am Portal Grimmaische Str. verweisen zwei weibliche Sandsteinfiguren mit Wein und Vase auf die Porzellan-, Wein- und Ledermessen, die hier bis 1989 abgehalten wurden. Gleich hinter dem Eingang führen zwei Treppen hinab in Auerbachs Keller. Auf den Brüstungen stehen sich zwei Bronzefigurengruppen zur Kellerszene im Faust gegenüber, bei der Mephisto die Studenten verzaubert. Dem Zeh des Teufels sieht man an, dass er verdächtigt wird, Glück zu bringen. Zwischen den Boutiquen, Bars und Kneipen der überglasten Passage führen Treppen hinauf zu den früheren Messeflächen, die heute von Büros und Dienstleistern genutzt werden, darunter eine Frisierstube, die sich furchtlos J.C. Woyzeck nennt und das Kabarett-Theater Sanftwut, dessen kleines Café über der Rotunde als Geheimtipp gilt. Dort biegt die Passage zum Neumarkt ab. Am Durchgang zur Petersstraße spielt seit 1970 ein Glockenspiel aus Meissner Porzellan zu jeder vollen Stunde klassische Melodien und Volkslieder.
Homepage der Mädlerpassage

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Auerbachs Keller

Mephisto-Tisch. 1525 eröffnete der Medizinprofessor Dr. Auerbach einen Weinausschank, der so gut lief, dass er wenig später ein Messehaus darüber errichtete. Ein Nachfahre nahm das 100jährige Jubiläum 1625 zum Anlass, zwei Gemälde in Auftrag zu geben, die den Ritt auf dem Weinfass sowie das Gelage mit den Studenten aus der Faust-Sage illustrierten. Fortan erschienen Geschehen und Ort authentisch. Auch Goethe kannte Faust von Jahrmarkts-Puppenspielen aus Kindertagen. Als Jurastudent begegnete er ihm in Auerbachs Keller wieder. Später sollte er ihn als Handlungsort im Faust I weltberühmt machen. Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute, lässt er darin einen Studenten sagen. Dass der Kerl betrunken ist, hindert die Leipziger nicht, ihn immer wieder inbrünstig zu zitieren. Als der Kofferfabrikant Anton Mädler das alte Messehaus 1911 durch einen Neubau ersetzen wollte, wurde er bestürmt, Auerbachs Keller zu erhalten. Daraufhin erweiterte er ihn und geizte nicht mit weiteren Gemälden nach Faust-Motiven. Heute gehört Auerbachs Keller zu den bekanntesten Gasthäusern Deutschlands. Jüngste Attraktion ist der Mephisto-Tisch, aus dem roter und weißer Wein sprudelt.
Auerbachs Keller

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Goethe-Denkmal

Turnlehrer Goethe. Als der 16jährige Goethe 1765 nach Leipzig kam, um Jura zu studieren, geschah dies auf Befehl seines Vaters. Er hätte lieber schöne Künste studiert und fühlte sich hier zunächst wie ein Hinterwäldler. Man belächelte seine Kleidung und seinen Dialekt. Aber er war selbstbewusst genug, passte sich an und fand schnell Anschluss an die Gesellschaft. Da ihn sein Studium langweilte, besuchte er die Poetik-Vorlesungen von Gellert, der seine Übungen verriss und nahm Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, der ihn mit den Aufklärern und Winckelmann vertraut machte. Ohne Ernst Wolfgang Behrisch wäre der Dichter Goethe vielleicht schon in Leipzig gescheitert. Der Freund bestärkte ihn gegen Gellert und ermunterte ihn zu seinem ersten Gedichtband Anette. Darin verarbeitet Goethe seine Leidenschaft für die 19jährige Wirtshaustochter Anna Katharina Schönkopf. Nach zwei Jahren hatte Käthchen genug von ihm und er wurde krank. Friederike, die Tochter Oesers, seine zweite Flamme, pflegte ihn, bis er nach Frankfurt heimkehrte. Bildnisse beider Frauen zieren das 1903 eingeweihte Goethe-Denkmal auf dem Naschmarkt. Für die Goethe-Figur stand übrigens ein 28jähriger Turnlehrer Modell.
Goethe in Leipzig

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Naschmarkt

Leute gucken. Im Sommer bietet sich der Naschmarkt mit seinem Restaurant-Freisitz wunderbar zum Ausruhen und Leute gucken an. Seit dem 16. Jh. wurde hier gehandelt, was der Name Naschmarkt schon vermuten lässt, wobei Naschwerk Salzheringe genauso meinte wie Obst und Gemüse. In der frühbarocken Alten Börse am Ende des Platzes findet heute nur noch Kultur statt. Doch früher wurde darin das große Geld gemacht. Denn seit 1687 trafen sich Leipzigs Kaufleute dort im Erdgeschoss, um Kontakte zu pflegen und Geschäfte abzuschließen und im Festsaal darüber, um mit Wertpapieren zu handeln oder auf Auktionen zu bieten. Den übrigen Platz säumt ein bunter Stile-Mix vom Renaissance- Rathaus über den historisierenden Handelshof bis zum modernen Zeitgeschichtlichen Forum. Die 1999 eröffnete Einrichtung ist das ostdeutsche Pendant zum westdeutschen Bonner Haus der Geschichte und mit 200.000 Gästen im Jahr Leipzigs bestbesuchtes Museum. Die Ausstellung illustriert mit 3.200 Objekten vom bunten Plaste-Eierbecher bis zum Genex-Katalog und vom Flucht-Flugzeug bis zum selbst gebastelten Untergrundsender den Alltag in der DDR und zeigt das SED-Regime zwischen Verführung und Gewalt, Zustimmung und Unterdrückung.
Der Naschmarkt

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Specks Hof

Steile Karriere Der 1909 eingeweihte Specks Hof ist die älteste erhaltene Ladenpassage Leipzigs und war nach zwei Erweiterungen 1929 das größte von fast 50 Messehäusern in der Innenstadt. Bereits seit 1894 wurden die Gäste in den neuen Messehäusern auf kilometerlangen Zwangswegen an allen Ständen vorbeigeführt. So auch in Specks Hof. Der hatte seinen Namen von einem Vorgängerbau, der auf einem Porzellanfries im mittleren Lichthof dargestellt ist. Dessen Besitzer war Maximilian Speck, ein Gastwirtssohn aus Riesa, der mit 14 Jahren als Analphabet nach Leipzig kam. Doch er lernte schnell, wurde mit 20 Jahren Auslands-Vertreter einer Wollhandlung und schon bald darauf deren Teilhaber. Seine Geschäftsreisen verband er mit Galeriebesuchen und Kunstkäufen. Daneben entwickelte er sein Gut in Lützschena zur Musterwirtschaft und engagierte sich für die Weiterbildung des Gesindes und seiner Gutsbesitzer-Kollegen. Damit machte er sich auch in Russland und Bayern verdient. Der Zar schlug ihn deshalb zum Ritter und der bayerische König erhob ihn zum Baron von Sternburg. Den Leipzigern blieb der vermögende Speck als großer Kunstsammler in Erinnerung, dessen Bilder heute im Bilder-Museum hängen.
Homepage von Specks Hof

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Riquethaus

Den Hugenotten erging es in Sachsen wie den Juden. Sie hatten keine Bürgerrechte und durften keinen ordentlichen Beruf ergreifen. So machten auch sie aus der Not eine Tugend und wurden Händler, nutzten ihre Auslands-Kontakte und hielten zusammen. Damit kam der Erfolg. Das Hugenottenkreuz auf dem 1909 errichteten Riquet-Haus erinnert daran. Es feiert den Aufstieg einer hugenottischen Kaufmannsdynastie, die seit 1745 mit Waren aus Fernost und dem Orient handelte. Das Pagodentürmchen auf dem Dach und die farbigen Jugendstil-Mosaiken sind ein Hingucker wie die Elefantenköpfe, die in Kupfer getrieben den Eingang zieren. Sie waren das Markenzeichen von Riquet & Co. Die Firma war berühmt für ihre Tees und schon Goethe pries ihren Kakao. Am Ende der DDR war das einstige Messehaus eine Ruine. Bei seiner Rekonstruktion wurde auch das Eckcafé erneuert und als Wiener Café eingerichtet. Die Betreiber berufen sich auf eine Tradition, die schon Bach zu seiner Kaffee-Kantate inspirierte. Spuren von Riquet findet man in Leipzig sonst nur noch im Discounter-Regal als Markenzeichen auf Storck- Schokoladen. Die Riquet-Fabrik in Markkleeberg wurde abgerissen. Zuletzt produzierte der Konsum darin Bonbons.
Homepage des Café Riquethaus

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Nikolaikirchhof

Entscheidung. Die alte Nikolaischule war 1512 die erste Leipziger Stadtschule und viele ihrer Schüler wurden später berühmt, darunter der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz, der Extrem-Wanderer Johann Gottfried Seume oder der Komponist Richard Wagner. Trotzdem ließ die DDR das Gebäude verfallen, so dass es 1990 das erste Rettungsprojekt der neuen Leipziger Kulturstiftung wurde. Heute beherbergt die Alte Nikolaischule ein Gasthaus und die 500 Objekte umfassende Antiken Sammlung der Uni. Nebenan hinterließ Hugo Licht mit dem Predigerhaus einmal mehr seine Spur. Als Stadtbaudirektor von 1879-96 prägte er die Stadt wie kaum ein anderer. Die Palmensäule davor ist eine Kopie der Säulen in der Nikolaikirche. Sie erinnert daran, wie aus den Friedensgebeten in der Kirche politische Aktionen davor wurden, die zu den Leipziger Montagsdemos anschwollen und am 9. Oktober mit 70.000 Menschen die Entscheidung für den friedlichen Wandel in der DDR brachten. 144 farbige, nacheinander aufleuchtende Würfel im Pflaster symbolisieren das langsame Wachsen der Bewegung. Der randvolle Brunnen daneben lädt zur Besinnung ein. Man mag dabei den Tropfen assoziieren, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Herbst´89

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Nikolaikirche

Kerzen. Eine Kerzenandacht gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen in der Nikolaikirche lieferte 1981 den Anstoß für die späteren Friedensgebete jeden Montag. Anfangs trafen sich dazu kaum mehr als 50 Menschen. Doch mit den wachsenden Problemen der DDR wurden es immer mehr und die meist jungen Leute begannen, sich in Oppositionsgruppen zu organisieren. 1988 schloss die Kirchenführung diese Gruppen zeitweise von der Mitgestaltung der Gottesdienste aus, trieb sie damit auf den Nikolaikirchhof und legte so den Keim der Montagsdemos. Bereits im Mai ´89 kontrollierte die Polizei deshalb jeden Montag die Autobahnabfahrten und sperrte die Straßen zur Kirche. Nachdem es am 40. Jahrestag der DDR erstmals zu Massenverhaftungen kam und die SED-Führung ein Blutbad androhte, bot sie am Montag darauf, am 9. Oktober, ein martialisches Armee-, Polizei und Kampfgruppenheer auf und besetzte ein Drittel der Kirche mit Gefolgsleuten. Immer wieder schildern Besucher dieses Gottesdienstes später ihre Ergriffenheit, als sie danach vor der Kirche auf Zehntausende Menschen mit Kerzen trafen, vor denen sich die Uniformierten schließlich zurückzogen. Damit begann die friedliche Revolution in der DDR.
Nikolaikirche im Überblick

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Augustusplatz

Milchtöpfe. Sachsens erster König Friedrich August hat sich als Namensgeber für den Augustusplatz durchgesetzt. Zweimal wollte Karl Marx ihm diese Ehre streitig machen: 192833 und 195390. Von den Vorkriegsbauten blieben nur wenige erhalten, darunter das Krochhaus von 1928. Die glockenschlagenden Hammermänner auf seinem Dach erinnern an den Markusplatz in Venedig. Dennoch ließ sich der Stadtrat nur von einem Holzmodell in Originalgröße überzeugen, Leipzigs erstem Wolkenkratzer zuzustimmen. Die Oper schräg gegenüber wurde in den späten 50ern errichtet und blieb der imposanteste Theaterneubau der DDR. Als Institution ist sie nach der von Venedig und Hamburg die drittälteste in Europa. Den Mende-Brunnen vor dem Gewandhaus stiftete 1886 eine wohlhabende Witwe zum Gedenken an ihren Gatten. Irgendwann verwechselte ein Journalist die Stifterin mit einer gleichnamigen Bordellbesitzerin und begründete damit eine unausrottbare Leipziger Legende. Sehenswert sind auch die art-Deco- Halle der Uni-Kustodie (Goethestraße 2) und die Kuppelhalle der Deutschen Bank daneben. Beide zeigen Ausstellungen. Der Unmut über die Tiefgaragen-Ausgänge auf dem Platz spiegelt sich in der Bezeichnung Milchtöpfe wider.
Der Augustusplatz

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Gewandhaus

Ernste Freuden. Mit Beethovens Neunter weihte das Gewandhausorchester 1981 seine dritte Spielstätte und den einzigen Konzerthaus-Neubau der DDR ein. Chefdirigent Kurt Masur hatte ihn durchgesetzt und Chefarchitekt Rudolf Skoda hatte sich dafür in aller Welt umgesehen. Beide gaben dem ältesten bürgerlichen Konzertorchester der Welt, das Mendelssohn Bartholdy und Furtwängler zu seinen Dirigenten zählte, nach einem 37jährigen Provisorium wieder ein Zuhause. Der Mendelssohn-Saal hat 500 Plätze, der Große Saal 1900. Dort steht die Schuke-Orgel mit ihren 6.638 8 mm bis 9,5 m langen Pfeifen. Sie trägt den Leitspruch des Orchesters: RES SEVERA VERUM GAUDIUM Wahre Freude ist eine ernste Sache. Das Foyer wird von Sighard Gilles Gesang vom Leben beherrscht. Mit 712 m² ist es das größte moderne Deckengemälde Europas und nachts auch vom Augustusplatz zu sehen. 600 Veranstaltungen, darunter 80 Gewandhausorchester-Konzerte, ziehen hier jährlich eine halbe Million Gäste an. Dazu bespielt das Orchester die Oper, begleitet die Thomaner und geht auf Tournee. Gegründet wurde es 1743 von 16 Kaufleuten und das Messehaus der Tuch- und Wollhändler (Gewandhaus) gab ihm als Spielort 1781 seinen Namen.
Das Gewandhaus

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Uni-Campus

Kirchen-Aula. Das Ding muss weg! soll Parteichef Walter Ulbrich 1960 bei der Einweihung der neuen Oper gesagt haben. Gemeint war die 700 Jahre alte Unikirche St. Pauli. Acht Jahre später wurde sie gesprengt ein Gewaltakt, den die Leipziger der SED und sich selbst nie verziehen. Von den danach errichteten Uni-Gebäuden steht nur noch der Weisheitszahn. Der 142 m hohe Büroturm gehört heute einer US-Bank und lockt mit einer Aussichtsplattform auf dem Dach und einem Panorama-Café. Darunter liegt der neue Campus, mit dem die drittälteste deutsche Uni 2009 ihr 600. Jubiläum feierte. Der Neubau des Niederländers Erik van Egeraat zitiert die alte Uni-Kirche in modernen Formen und ist sowohl zentrale Aula als auch Andachtsraum. Der Preis dafür waren ein Rektoren-Rücktritt, sächsische Regierungskrisen, Demos, Schlammschlachten in der Presse und ein Thesen-Anschlag am Bauzaun zum Reformationstag vom Pfarrer der Thomaskirche. Gestritten wurde um Peanuts wie einen gläsernen Raumteiler, den Namen des Hauses oder den Standort der Kanzel. Nur die Verbissenheit des Streits ließ ahnen, dass es um mehr ging: Um die Schmach der Vergangenheit, die Stellung der Kirche und die säkulare Zukunft der Uni.
Der neue Uni-Campus

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Städtisches Kaufhaus

Muster-Messe. Mit der industriellen Massenproduktion Ende des 19. Jh. stieß die Warenmesse, bei der die Händler alle Waren mitbrachten, schnell an ihre Grenzen. Zugleich bot die Serie die Chance, dem Kunden nur noch ein Muster zu zeigen und ihn nach der Messe mit der Eisenbahn zu beliefern. Leipzigs Kaufleuten dämmerte als ersten, dass dies das Geschäft enorm erleichtern würde. Deshalb bauten sie 1894 mit dem Städtischen Kaufhaus einen neobarocken Mustermesse-Palast mit Zwangsrundgang, der so erfolgreich war, dass künftig alle Messe- Neubauten diesem Vorbild folgten. Damit wurde Leipzigs Messe zur ersten Mustermesse der Welt. Dafür musste das alte Gewandhaus, in dem seit 1781 das gleichnamige Orchester mit Gästen wie Mozart und Liszt musizierte, weichen. Eine Plakette in einem der Treppenhäuser erinnert daran, in einem anderen arbeitet Leipzigs ältester Fahrstuhl und in der Fassade findet sich eine Figur Kaiser Maximilians I., dem Leipzig sein Messeprivileg verdankt. Hauptattraktion ist die Straße der Stars im Innenhof mit den Handabdrücken vieler Promis, dazu Fotos, Autogramme und Reliquien. Drumherum laden Geschäfte und Restaurants zum Bummel ein und darüber befinden sich Büros.
Städtisches Kaufhaus

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Moritzbastei

Studentische Preise. 1551 beauftragte Kurfürst Moritz von Sachsen seinen Baumeister Hieronymus Lotter, die Leipziger Stadtbefestigung auszubauen. Eine ihrer vier Eckbastionen wurde deshalb Moritzbastei genannt. Nachdem sich die Bastei im Siebenjährigen Krieg als nutzlos erwies, diente sie als Lager und Werkstatt für verschiedene Berufe. 1796 wurde auf ihren Mauern die erste konfessionslose Bürgerschule Deutschlands errichtet. Als die ihr nachfolgende Höhere Schule für Frauenberufe 1943 von Bomben zerstört in Trümmern lag, verfüllte man den Schutt in die Gewölbe, so dass nur ein grüner Hügel zurück blieb. Bei der Suche nach Räumen für einen Studentenclub, entdeckten junge Leute die Anlage 1973 wieder und räumten sie mit 30.000 Helfern, darunter die Physik-Studentin Angela Merkel, in 150.000 unbezahlten Stunden wieder frei. Da das Projekt in keinem Plan stand, avancierte es schnell zum bekanntesten Schwarzbau der DDR. 1982 wurde die MB als Europas größter Studentenclub eingeweiht. Heute wird sie von einer Stiftungs-GmbH geführt, bietet ohne Förderung Kultur zu studentischen Preisen und ist einer der rührigsten Veranstalter der Stadt.
Die Moritzbastei

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Krystallpalast

Varieté-Legende. Seit 1997 hat Leipzig wieder ein Krystallpalast-Varieté nach 54 Jahren eine Neugründung der Sachsendiva Katrin Troendle und ihres Partners Bert Callenbach. Mit 200 Plätzen im Parkett und auf den Rängen sowie einem Gourmet-Restaurant lädt das Theater alle zwei, drei Monate zu einem neuen Varieté- Programm mit internationalen Gästen ein. Der alte Krystallpalast in der Wintergartenstraße, gegenüber dem Hauptbahnhof, war bis zu seiner Zerstörung 1943 eines der renommiertesten und bekanntesten Varieté-Theater Deutschlands. Allein der Varieté-Saal des 1882 aus Glas und Eisen errichteten Baus fasste 1.800 Gäste. Mit allen Sälen, Restaurants, Bars, Cafés, Salons und Biergärten bot der Komplex sogar 15.000 Menschen Platz. Trotzdem wurde er nicht wieder aufgebaut. Seine Aura wirkte allerdings noch lange nach. 1957 eröffnete der Zirkus Aeros auf dem Areal in einem Holzbau ein neues Varieté, das später zum Haus der Heiteren Muse wurde. Dort produzierte das DDR-Fernsehen die beliebte Samstagabendshow Da liegt Musike drin. 1992 ging das Gebäude durch Brandstiftung unter. Ein Versuch, den Standort mit einem Einkaufs- und Erlebniszentrum wiederzubeleben, scheiterte 1998.
Krystallpalast

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