Spaziergang Altstadt

Neues Rathaus

Letztes Aufgebot der Monarchie Kein Gebäude Münchens zeigt den Übergang von der Residenzstadt zur modernen Bürgerstadt besser als das Neue Rathaus. Bürgerstolz spricht schon aus dem neogotischen Stil des 1867 begonnenen Prachtbaus. In den Plastiken über dem Haupteingang ist die Botschaft noch deutlicher: Gewerbefleiß, Häuslichkeit, Wehrhaftigkeit und Mildtätigkeit haben München stark gemacht, nicht Fürstengunst. Deshalb erscheinen die Wittelsbacher auf dem Monumentalgemälde im Gemeindesaal von 1879 auch nur noch als blässliche Gestalten im Hintergrund, während sich die Bürgerschaft egalitär um die Monachia schart. Der Protest des Hofes folgte prompt. Um Ausgleich bemüht, überließ man die Krönung der Monachia auf dem Bild im Magistratssaal von 1887 dem Stadtverschönerer Ludwig I. und schmückte 1904 die Fassade mit allen 40 Wittelsbacher Landesherren. Ihnen voran reitet der damals amtierende Prinzregent Luitpold, der anders als sein Vorgänger, der Märchenkönig, recht beliebt war. Etwa zur gleichen Zeit entstanden in Berlin die Puppenallee der Hohenzollern und in Dresden der Fürstenzug der Wettiner. Doch auch diese letzten Aufgebote retteten die Monarchie nicht. Sie war am Ende.
Das Neue Rathaus

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Glockenspiel

Dreimal täglich Applaus Den Applaus der Menge auf dem Marienplatz hat sich Münchens dienstältester Promi redlich verdient. Als bayerischer Ritter Caspar von Nothafft ist er seit 100 Jahren der Star des 32köpfigen Puppentheaters am Turm des Neuen Rathauses. Immer pünktlich um 11, 12 und 17 Uhr stößt er mit eingelegter Lanze im vollen Galopp seinen Lothringer Gegner vom Pferd. Die Szene zeigt den letzten von 30 Kämpfen eines Ritterturniers bei der Prunkhochzeit Herzog Wilhelm V. im Jahr 1568, die so prachtvoll war, dass sie Kulturgeschichte schrieb. Darunter tanzen die Schäffler (Böttcher) und erinnern an das Ende der großen Pest von 1517, als sich kein Münchner mehr auf die Straße traute. Erst die Schäffler lockten die Bürger mit ihren fröhlichen Tänzen wieder heraus und das wird bis heute alle sieben Jahre mit einem großen Fest gefeiert. Untermalt wird das Puppentheater vom blechernen Spiel eines Carillons mit 43 Glocken zu altbekannten Melodien. Um 21 Uhr ertönen sie noch einmal. Denn dann bringen ein Nachtwächter und ein Engel in den Erkern des siebten Stocks das Münchner Kindl zu Bett. Das ist zwar eigentlich ein ausgewachsener Mönch, aber das haben die Münchner schon fast vergessen.
Das Glockenspiel

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Marienplatz

Wunder über Wunder Der Marienplatz ist Münchens Straßenkunstbühne, Demoforum, Empfangshalle, Verliebtentreff, Christkindlmarkt und Faschingsgaudizone. Seit 1638, als hier noch gehandelt, tourniert und geköpft wurde, wacht Maria über dem Treiben. Drache, Löwe, Schlange und Basilisk zu ihren Füßen stehen für die besiegten Feinde: Hunger, Krieg, Irrglaube und Pest. Maximilian I. hatte die Säule errichten lassen, nachdem die Schweden die Stadt verschont hatten. Außerdem war er der Jungfrau Dank schuldig, weil sie ihm auch schon am Weißen Berg bei Prag half. Dort trug der Schlachtruf Mariaaaaaa! die Truppen der Liga unter seiner und Tillys Führung zum Sieg, so dass die Protestanten Böhmen und Österreich aufgaben. Daran erinnern bis heute auch in Wien und Prag Mariensäulen nach Münchner Vorbild. Das zweite Heiligtum auf dem Platz ist der Fischbrunnen. In ihm waschen die Münchner, angeführt von ihrem Oberbürgermeister, jeden Aschermittwoch ihre leeren Geldbörsen aus und hoffen, dass sie sich dadurch rasch wieder füllen und dann auch voll bleiben. Das neue Geld reicht erst mal nur für einen starken Kaffee und etwas Saures gegen den Kater genug, um den alten Brauch am Leben zu halten.
Der Marienplatz

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Altes Rathaus

Reichskristallnacht Die Moriskentänzer im Saal des Alten Rathauses erinnern daran, dass hier im 15. Jahrhundert mehr getanzt als beraten wurde. Denn damals beschnitten die Fürsten die Selbstverwaltungsrechte der Stadt immer mehr und es gab nicht mehr viel zu beraten. Unter der Kaisersonne an der Decke trafen sich am 9.11.1938 auch die alten Kämpfer der NSDAP, um ihren Putsch von 1923 zu feiern. Kurz zuvor hatte der 17jährige Jude Herschel Grynszpan in Paris einen deutschen Botschaftssekretär erschossen und Goebbels ermunterte die anwesenden SA- und SSFührer zum Volkszorn. Noch am gleichen Abend organisierten sie im ganzen Reich die Reichskristallnacht. Doch die Randale der braunen Horden fand wenig Zuspruch. Als offener Rechtsbruch stieß sie vielmehr überwiegend auf Ablehnung. Selbst linientreue NSDAP-Genossen sprachen von einem Rückfall ins Mittelalter. Im Turm nebenan zeigt der Karikaturist Ivan Steiger seine Sammlung von europäischem und amerikanischem Spielzeug aus zwei Jahrhunderten. Die Bronzedame zu Füßen des Baus soll übrigens die Julia aus Romeo und Julia sein ein Geschenk der Partnerstadt Verona. Oft stecken ihr Liebespaare Blumen zu. Ob das der Liebe hilft, ist nicht bekannt.
Das Alte Rathaus

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Moriskentänzer

Geheimnisvolle Jazzdancer Die Moriskentänzer gehören zu München wie das Kindl. Und deshalb gibt es sie auch gleich drei Mal: als Kopien an ihrem ursprünglichen Standort im Alten Rathaus, im Durchgang darunter und als Originale im Stadtmuseum. Von den ursprünglich 16 Figuren haben sich nur zehn erhalten. Gefertigt 1480 von Erasmus Grasser, gehören sie zu den großartigsten Holzschnitzereien der deutschen Spätgotik. Trotz dieses Superlativs weiß heute niemand mehr, was sie eigentlich darstellen. Die Deutungen reichen vom Werbetanz für eine Frau über den spanischen Schwerttanz und die arabische Jahrmarktsunterhaltung bis zum Tanz der Stadtboten. Klar ist nur, was man sieht. Die Tänzer bewegen sich in einer Weise, die damals nicht üblich war. Offenbar ging es ihnen um die Verblüffung der Zuschauer durch möglichst gekonnte Verrenkungen, wie sie später erst im Jazzdance wiederkehren. Die Münchner mochten den zugezogenen Grasser anfangs nicht und gestanden ihm nicht einmal zu, die Meisterprüfung abzulegen, so dass er sich mühsam als Wappenschnitzer durchschlagen musste. Erst seine Tänzer brachten ihm die Anerkennung und so viele Aufträge, dass er als reichster Bürger der Stadt starb.
Die Moriskentänzer

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Das Hofbräuhaus

Heiß umkämpfte Schließfächer Herzog Wilhelm V. wollte 1589 nur sparen, als er beschloss, sich ein eigenes Hofbräuhaus zu bauen, um sein Bier nicht mehr in Einbeck kaufen zu müssen. Das Selbstgebraute muss schon damals gut gewesen sein, denn 1632 ließen sich die Schweden damit ihren Abzug bezahlen. Über 200 Jahre belieferte die Brauerei nur den Hof und einige auserwählte Wirte. Erst 1828 gab der König den öffentlichen Ausschank frei. Und damit begann der Aufstieg zum bekanntesten Gasthaus der Welt. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts ließ sich der Andrang in den alten Gemäuern nicht mehr bewältigen, so dass die Produktion nach Haidhausen zog, während man hier ein neues Gasthaus mit Biergarten baute. Das hat bis heute 5000 Plätze und bedient bis zu 35.000 Gäste am Tag. Auf den Tischen unter dem neun Meter hohen Gewölbe der Schwemme haben Generationen von Trinkern ihre Spuren hinterlassen und man trifft hier wirklich noch auf Männer mit Gamsbarthut und in Lederhosen. Stammgast ist man freilich erst, wenn man aus dem eigenen Keferloher (Maßkrug) trinkt und den in einem der 424 Schließfächer aufbewahren darf. Höhere Weihen hat München nicht zu vergeben. Die Wartelisten sind deshalb lang.
Das Hofbräuhaus über sich selbst

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Hofbräuhaus-Lied

Saupreißische Bayern-Hymne In München steht ein Hofbräuhaus - eins - zwei - gsuffa wer das wahrscheinlich bekannteste Stimmungslied der Welt für den Urtyp des bayrischen Volksliedes hält, liegt leider völlig falsch. Ein Saupreiß, ein berlinischer, hat sich die erfolgreiche Sauf-Arie 1935 ausgedacht und der hieß Wilhelm Gabriel und nicht Joseph Huber. Er saß dabei auch nicht in einem Café an der Münchner Kaufinger Straße, sondern am Berliner Kudamm. Doch das tat der Sangeslust damals schon so wenig Abbruch wie heute die unverkennbar exotische Herkunft mancher Trachten-Kellner der bayerischen Trinklust. Deshalb bekam Gabriel auch schon 1936 den größten Hofbräuhaus-Humpen der Welt zum Dank. Heute gehört sein Lied zum Repertoire jeder Blaskapelle. Und die spielt auch Am Platzl fast immer. Dazu schleppen 100 Bedienungen bis zu 22.000 Maß am Tag an die Tische und im Hintergrund schwitzen fast 60 Köche, Bäcker und Metzger. Die Gäste trinken nicht nur kräftig, sie haben auch Hunger und verdrücken im Jahr allein 188.000 Brezn, 161.000 Knödel, 15.000 Hendl und unzählige Haxn, außerdem 45 Tonnen Kartoffelsalat, 26 Tonnen Sauerkraut und fast 7000 Kilometer Würste.
Das Hofbräuhaus-Lied

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Maximilianstr.

Shopping für die Reichen und Schönen König Max II. wäre nach eigenem Bekenntnis lieber Professor als Landesherr geworden, aber als König sah auch er sich gezwungen, sich als Bauherr zu produzieren. Deshalb gab er 1852 die nach ihm benannte Maximilianstraße in Auftrag. An der waren nicht nur die Glas- und Eisenkonstruktionen neu, sondern vor allem der öffentliche Zweck. Dadurch empfahl sich die Straße, obwohl sie nie eine Flaniermeile wurde, mit ihren Cafés, Hotels, Läden und öffentlichen Einrichtungen trotz ihrer merkwürdig historisierenden Fassaden von Anfang an dem gehobenen Bürgertum. Und das ließ sie zu Deutschlands teuerster Einkaufsmeile mit Juwelieren, Mode-Boutiquen, Galerien, Designer- und Antiquitätenläden werden. Dafür stehen die Nobelherberge Vier Jahreszeiten oder Firmenlogos wie die von Christian Dior und Jil Sander. Auch Rudolf Mooshammer, der ermordete Modezar und Märchenkönig-Epigone, hatte hier sein Geschäft. Hinter dem Ring öffnet sich die Straße breit und grün zur Isar hin und hat keine Ähnlichkeit mehr mit ihrem geschäftigen Auftakt. Dort locken nur noch Deutschlands größtes Völkerkundemuseum und das von den Münchnern so gerne verballhornte Max-denk-zwei-Mal.
Maximilianstr.

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Kammerspiele

Jubel und Proteste Überall Florales: vom Balkongitter über die Türklinke und den Wandschmuck bis zu den blütenähnlichen Lämpchen, die im Zuschauerraum den obligatorischen Kronleuchter ersetzen. Die 1901 von Richard Riemerschmidt ausgestatteten Kammerspiele sind ein unverfälschtes Jugendstiltheater und gelten bis heute als das schönste Theater Europas, das sich in diesem Stil erhalten hat. Aber seinen Ruhm verdankt das Haus vor allem seinen provokanten Inszenierungen, die die Kammerspiele unter dem Avantgarde-Lümmel Otto Falckenberg bereits in den 20er Jahren zur wichtigsten deutschen Sprechbühne außerhalb Berlins machten. Große Namen wie Heinz Rühmann, Bertold Brecht und George Tabori halfen seither, diesen Ruf zu verteidigen. Und genau dafür engagierte die Stadt 2000 auch Frank Baumbauer, einen der erfolgreichsten Intendanten des deutschsprachigen Raumes. Er holte internationale Gäste auf die Bühne, experimentierte mit Formen aus der freien Theaterszene und gab dem Haus durch zeitgenössische Interpretationen neuer und alter Stoffe ein völlig neues Profil. Beim konservativen Münchener Publikum erzeugte er damit die Reibung, die nötig ist, um das Theater wieder ins Gespräch zu bringen.
Die Kammerspiele über sich selbst

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Isartor

... sofort nach einigen Jahrhunderten ... Das Isartor ist das einzige Münchner Stadttor, das noch fast so aussieht wie im 14. Jahrhundert zur Kaiserzeit, als es gebaut wurde. Dazu erteilte der Magistrat sofort nach einigen Jahrhunderten den Auftrag, das Tor von vorne zu bemalen. Diese Erklärung geht auf das spindeldürre Original mit dem schwarzen Hut, den skurrilen Komiker Karl Valentin, zurück, dem im Turm ein Musäum gewidmet ist für 99jährige in Begleitung ihrer Eltern Eintritt frei. Gezeigt werden Kunstwerke mit Tiefgang wie Kaminkehrer bei Nacht, Leistenbruch oder Alte Schachtel und dazu Installationen wie Liegender Stehkragen, Lederhosenträger außer Betrieb oder Winterzahnstocher. Selbst die Notdurft ist hier Kunst, denn der Gast verrichtet sie würdevoll in einer Befreiungshalle statt auf dem WC. Bis zum Ersten Weltkrieg tingelten etwa 800 Kleinkünstler wie Valentin durch Münchens Kneipen. Ohne das Turmstübl nebenan wären sie wohl vergessen. Das kleine Gedenk-Lokal pflegt die Tradition als Kleinkunstbühne. Auf seinen Stühlen sollen schon Ringelnatz, Wedekind und Mühsam gesessen haben. Die Einrichtung im Stil des legendären Café Größenwahn würde dazu passen.
Das Isartor

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Viktualienmarkt

München am münchnerischsten Holzfässer mit Sauerkraut neben französischem Käse und gutem Wein, Papayas neben Blumenkohl und polnischen Pilzen oder Hummer neben Schweinshaxen ein buntes Schlemmerparadies, umweht von Grillwurstduft, Fischgeruch und Damenparfüms das ist München, wo es am münchnerischsten ist: samstags auf dem Viktualienmarkt. Seit 200 Jahren findet er hier statt und seit 100 Jahren ist er so groß wie heute. 140 Firmen bieten dort ihre Waren feil und die gstandnn Standl-Frauen nehmen sich alle Zeit der Welt für die Wünsche ihrer Kunden, ob feine Dame, junge Mutter oder reifer Gamsbartträger. Zum jahreszeitlich wechselnden Treiben gehören der Tanz der Marktweiber am Faschingsdienstag, das Aufstellen des Maibaums am 1. Mai, der Tannenduft im Winter und das Kastaniengrün über dem Biergarten im Sommer. Leben und Leben lassen, scheint hier die Devise zu sein oder auch: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Und weil hier München ganz bei sich ist, sind auch die Levitenleser, Volksschauspieler und Gstanzl-Sänger immer dabei. Politisch völlig korrekt haben jeweils drei Männer und drei Frauen aus der Gilde jeder einen eigenen Brunnen von Karl Valentin bis Liesl Karlstadt.
Der Viktuialienmarkt

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Stadtmuseum

Alles wegen Lola Nirgendwo sonst verlief die 48er Revolution so kurios wie in München und nirgendwo anders hatte sie so ernste Folgen. Schuld daran war Lola Montez, die junge Geliebte Ludwig I., an deren provokanten Auftritten sich der Unmut immer weiter aufschaukelte, bis selbst die Minister den Gehorsam verweigerten und der König nichts mehr für sie tun konnte. Erst diese Schwäche ließ die moralische Empörung in politische Forderungen umschlagen, bis die Bürger das Zeughaus stürmten, um sich zu bewaffnen. Leider fanden sie dort nur Hellebarden, Musketen und Morgensterne, so dass die Nationalgarde vor dem Schloss den Sturmtrupp der Revolution wohl eher für einen Karnevalsumzug hielt. Und tatsächlich trollte sich der Haufen nach einer kleinen Schubserei bald wieder, seltsamerweise sogar mit Hochrufen auf den König. Für Ludwig I. war das trotzdem zu viel. Verständnislos dankte er ab. Hellebarden, Musketen und Morgensterne gibt es auch heute noch im Zeughaus. Denn inzwischen zeigt hier das Stadtmuseum seine Sammlungen zu Themen wie Mode, Schaustellerei, Puppenspiel, Musik und Film. Hinzu kommen die Wechselausstellungen, die oft das Interessanteste sind, was München aktuell zu bieten hat.
Das Müchner Stadtmuseum

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Ruffinihaus

Triumph der Gemütlichkeit Die Ruffinihäuser sind längst nicht so alt wie sie aussehen. Sie stammen von Gabriel von Seidl, einem Mann, der sich mit seinen malerischen Bauten der Leichtigkeit und Gemütlichkeit verschrieben hatte und um 1900 Münchens gefragtester Architekt war. Seidl sammelte kistenweise Fotos zu einem Herbarium künstlerischer Entzückungen, das er hier wie einen Katalog vorführt. Seine jüngeren Kollegen, die längst sachlicher bauten, spotteten über Seidls altväterlichen Historismus und behaupteten, mit ihm würde München noch im eigenen, sehr guten, selbst gemachten Renaissancefett ersticken. Doch da schwang Ärger mit. Denn Seidl bekam die lukrativen Aufträge der vielen Gründerzeit- Neureichen und nicht seine jungen Neider. Der Rindermarkt zu Füßen der Seidl-Häuser war früher das, was der Name und der Brunnen am Rand vermuten lassen. Der Löwenturm im Osten hat dagegen weder etwas mit Löwen noch mit deren sinnbildlicher Wehrhaftigkeit zu tun. Er ist nur ein alter Wasserturm für die Bewässerung der früheren Gärten vor der längst verschwundenen Stadtmauer. Und wer noch ein Souvenir sucht - Antonie Kaiser (Rindermarkt 1) hat die größte Auswahl an Bierkrügen der Stadt.
Bilder-Rundgang durch das Ruffinihaus

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Alter Peter

Uhrzeiten für jedermann Wer heute St. Peter betritt und den Blick über die vielen Altäre, Figuren und Gemälde, den Stuck und die Farben schweifen lässt, kann sich kaum vorstellen, dass davon 1945 fast nichts mehr übrig war. Obwohl der Alte Peter als frühere Klosterkapelle älter ist als die Stadt und München seinen Mönchen sogar den Namen verdankt, sollte die Ruine damals gesprengt werden. Doch es kam anders. Mit den Spenden der Bürger wurde die Kirche als erste in München ab 1950 wieder aufgebaut. Der Bayerische Rundfunk unterstützte das Projekt und spielte als Pausenzeichen das Volkslied Solang der Alte Peter ein, jedesmal schmerzhaft um den letzten Ton verkürzt, bis der Besungene wieder stand und die Gäste wieder fragen konnten, warum am Turm so viele Uhren sind. Das hatte schon Karl Valentin beschäftigt und der hatte pfiffig herausgefunden: damit mehrere Leute gleichzeitig die Uhrzeit ablesen können. Bereits 1954 konnte der berühmte Hochaltar wieder eingeweiht werden und das war selbst dem Papst einen Glückwunsch wert. Doch die Arbeit ist bis heute nicht abgeschlossen. Zuletzt wurden der Deckenstuck und die Fresken restauriert und die Münchner finanzierten auch das wieder.
Der Alte Peter

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Frauenkirche

Beichtväter als Akkordarbeiter München hat viele Wahrzeichen, aber keins ist so bekannt wie die welschen Hauben seiner Frauenkirche. 100 m hoch, verdanken die Türme ihre Wirkung vor allem dem städtischen Bauverbot für Hochhäuser. So bildet der Nordturm bis heute den unverstellten Nullpunkt der bayerischen Landesvermessung, während der Südturm als Aussichtspunkt bestiegen werden kann. Mit der Errichtung des schlichten Backsteinbaus über dem Grab Kaiser Ludwig des Bayern machten die Wittelsbacher 1468 einmal mehr ihren Anspruch auf einen Bischofssitz und die Kaiserkrone deutlich und wie gewohnt nahm sie damit keiner ernst. Immerhin gewährte Rom für den Bau der Kirche einen Sonder-Ablass, worauf 270 Priester in etwa 150.000 Beichten ihre Schäfchen von allen Sünden und noch mehr Goldstücken befreiten. Nach zwei Jahren war das Geld zusammen und nach zwanzig die Kirche fertig. 1576 hoffte man noch einmal, sie mit den Gebeinen des Heiligen Benno zum Bischofssitz erheben zu können. Aber erst 1821 war es soweit. Die Frauenkirche wurde Dom des Erzbistums München-Freising und damit 1977 zur Wirkungsstätte für Kardinal Joseph Ratzinger, der 2005 der erste deutsche Papst seit fast 500 Jahren wurde.
Das Wahrzeichen Münchens - die Frauenkirche

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Kaisergrab

Katerstimmung und teuflische Wut München die Hauptstadt eines Weltreichs das war der Traum der Wittelsbacher seit Kaiser Ludwig dem Bayern. Deshalb wurde die Frauenkirche auch für 20.000 Menschen gebaut, obwohl die Stadt damals schon den Alten Peter und nur 13.000 Einwohner hatte. Doch es sollte keinen zweiten Bayern-Kaiser geben. Und so blieb auch der Platz, den man 200 Jahre lang in der Fürstengruft für ihn frei hielt, leer. Heute liegt dort der letzte Wittelsbacher, Ludwig III., den die Münchner 1918 erst vertrieben, um ihm dann, 1921 bereits in Katerstimmung, zu Zehntausenden das letzte Geleit zu geben. Die Ausmaße der Kaiser-Kirche erschließen sich nicht sofort, denn die Seitenschiffe verstecken sich hinter langen Pfeilerreihen. Davon ließ sich auch der Teufel täuschen. Der glaubte nämlich, Baumeister Jörg von Halspach hätte vergessen, Fenster in die Kirche einzubauen und das freute ihn, denn ein solches Gotteshaus würde niemand besuchen. Als er seinen Irrtum doch noch bemerkte, stampfte er so wütend mit dem Fuß auf, dass man bis heute den Teufelstritt am Eingang sieht und den Luftzug seines empörten Abflugs spürt. Tatsächlich zieht es um die Frauenkirche fast immer.
Ludwig der Bayer

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Jagd- und Fischereimuseum

Sexuelle Entgleisungen Jagdbüchsen als Reliquien, Geweihe als Monstranzen und tote Vögel als Märtyrer? Tatsächlich präsentiert das Deutsche Jagd- und Fischereimuseum seine Exponate in einer alten Augustinerkirche. Dabei ist das unzüchtige Treiben im Bayerischen Wald für die Museologen ein ähnlich heikles Thema wie einst für die Mönche. Immerhin werden zur Abschreckung einige Früchte des allgemeinen Drunter und Drübers gezeigt schreckliche Mischwesen mit Flügeln und Hörnern, Hasenohren und Reißzähnen, Federn, Fellen, Klauen, Schwimmfüßen und sogar Tabakspfeifen sogenannte Wolpertinger, auf die besonders Preißen gerne Jagd machen. Tipps dazu gibts beim Museumswärter. Jagdzeit: nur bei Vollmond und 11 Tage vor einem starken Gewitter. Personal: ein ortskundiger Herr und eine ledige, furchtsame Dame. Ausrüstung: Proviant, Wein und Decken, dazu Kartoffelsack, Kohlenschaufel, Kerze und Strick. Ort: dunkel und abgelegen. Falle: Sack mit Stock aufsperren, 30 cm davor Kerze aufstellen und warten. Fang: neugierigen Wolpertinger mit der Kohlenschaufel reinschubsen, zubinden, fertig! Außerdem noch im Museum: Waffen und Trophäen, präparierte Tiere aller Art und exotisches Angelzeug.
Das Jagd- und Fischereimueum

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St. Michael

Gotteslohn für Übereifer Wilhelm V., genannt auch der Fromme, war im 16. Jahrhundert der tüchtigste deutsche Glaubenskrieger des Papstes. Er ließ einsperren, vertreiben, foltern und köpfen, verjagte den Kölner Erzbischof, als der die Seiten wechseln wollte, und sicherte so den Katholiken die Mehrheit im Reich. Doch Wilhelms Eifer rächte sich. Als er seinen wichtigsten Verbündeten, den mächtigen Jesuiten, die Michaelskirche baute, deutete er einen Turmeinsturz als Fingerzeig Gottes, noch prächtiger zu bauen. Das trieb ihn in den Ruin und er musste abdanken. Die Kirchenfront zeigt ihn mit seinem Vater an der Spitze seiner Vorfahren als ersten Verteidiger des Heilands. Wie der Erzengel Michael zu seinen Füßen will er das Böse bezwingen. Die größte Renaissancekirche des Nordens setzte als Triumphbau der Gegenreformation mit ihren Barockanklängen Jahrhunderte lang Maßstäbe. In ihrem gewaltigen, nur noch von St. Peter in Rom übertroffenen Tonnengewölbe kündigt sich bereits der absolute Herrschaftsanspruch eines Landesherren an, der nicht mehr bereit ist, seine Macht mit den Ständen zu teilen. Davon konnte der Märchenkönig, der hier 1886 seine letzte Ruhe fand, nicht einmal mehr träumen.
St. Michael

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Augustinerbräu

Das Ketchup-Tabu Am besten schmeckt München in altbayrischer Umgebung und die bietet als Wiege seiner Bierkultur und letztes Gasthaus der Prinzregentenzeit nur noch das Augustinerbräu. Die Augustiner waren 1328 die ersten Brauer der Stadt und ihr Bier schmeckte ihnen selbst so gut, dass der Herzog ihre Sauflust rügen musste. Herzstück des Gasthauses ist der prachtvolle Muschelsaal mit seinem großen Oberlicht. Im Sommer zieht es die Gäste dagegen in den arkadengesäumten Biergarten. Wer hier die Münchner Küche probieren will, sollte wissen: im Leberkäse ist weder Käse noch Leber, Obazda ist ein zerquetschter Camembert mit Zwiebeln und Gewürzen, Meerrettich heißt hier Kren, Radi ist ein fein geschnittener Rettich, ein Fleischbflanzerl eine Boulette und ein Steckerlfisch ein Grillfisch. Wer nun noch weiß, dass die Weißwurst nicht das Zwölfuhrläuten hören darf, also vormittags gegessen wird am liebsten zu Brezn und süßem Senf, der gehört schon fast dazu. Aber Achtung! Scharfer Senf kann bereits als Provokation verstanden werden, Ketchup sogar als Beleidigung. Auch die Haut essen nur Preißn mit. Die Wurst wird ausgezuzlt, ausgedrückt oder geschält, niemals abgebissen oder geschnitten.
Augustinerbräu

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Bürgersaalkirche

Stress im Himmel An der Büste des Münchner Stadtapostels Rupert Mayer in der Bürgersaalkirche ist ein ständiges Kommen und Gehen. Die Gläubigen legen ihre Hand an seine blankgewetzte Brust, senken den Kopf und sprechen ihr Gebet. Die Chancen, dass es erhört wird, stehen gut. Denn die Kirche attestierte Mayer, er habe noch nach seinem Tod etwa 40.000 Gebete an die richtigen Stellen im Himmel weiter geleitet und so bei Krankheit, Liebeskummer, Prüfungsangst und Jobsuche geholfen. Dafür sprach ihn der Papst 1987 im Olympiastadion vor 80.000 Menschen selig. Stadtapostel nannte man den Jesuiten bereits während der Inflationszeit, als er Notleidenden half und monatlich 70 Predigten hielt. Zuvor hatte er sich als einziger bayerischer Feldgeistlicher im Ersten Weltkrieg das Eiserne Kreuz verdient und seinen Einsatz bei der Rettung von Verwundeten mit einem Bein bezahlt. Später sorgten seine Bahnhofs-Predigten vor Ausflüglern für Aufsehen und schließlich verdiente er sich nachhaltigen Ruhm durch seine Standhaftigkeit gegen die Nazis. Auch nach mehreren Haftstrafen ließ er sich von ihnen nicht das Wort verbieten, obwohl er dabei weder seine Kirche noch seine Kollegen hinter sich wusste.
Die Bürgersaalkirche

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Brunnenbuberl

Spritziger Jugendstil Das neckische Brunnenbuberl ist einer der beliebtesten Springbrunnen der Stadt. Als er 1895 aufgestellt wurde, soll Prinzregent Luitpold den Künstler Mathias Gasteiger persönlich um ein Feigenblatt für den wasserspritzenden Knaben gebeten haben. Doch die königliche Petition wurde abgelehnt. In Kunstdingen stand der Künstler über dem Regenten, zumal Luitpold als leutselig und tolerant galt. Gasteiger und seine Frau gehörten der Künstlergruppe Scholle an, aus der wichtige Impulse für den Münchner Jugendstil hervorgingen. Das Leitmotiv dieser Bewegung war die künstlerische Durchdringung aller Lebensbereiche, so wie in Gasteigers Villa in Holzhausen am Ammersee. Dort spürt man bis heute die Absicht, Landschaft, Garten, Haus und Einrichtung einer gestalterischen Idee zu unterwerfen. Dass dieser Totalitätsanspruch einmal bis in die Politik reichen würde, ahnte damals noch niemand. Und dem Brunnenbuberl, dessen Wasser man übrigens nicht trinken kann, sieht man es nicht an. Aus 70 anderen Brunnen Münchens kann man dagegen trinken. Sie werden wie am Marienplatz, am Viktualienmarkt oder im Nymphenburger Schlosspark mit Wasser aus dem kommunalen Leitungsnetz betrieben.
Brunnenbuberl

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Wittelsbacher Brunnen

Kamikaze für die Wissenschaft Münchens schönster Brunnen entstand 1895, nachdem auf Initiative Max von Pettenkofers ganz München an das neue Trinkwassernetz angeschlossen war. Der große Hygieniker war eine der tragischen Gestalten der Wissenschaft, die keine beweissichere Erklärung für ihre nachweisbar richtige Lösung fanden. Damit war Pettenkofer zwar praktisch erfolgreich, doch in seinem Selbstverständnis als Forscher gescheitert. Als dies offenbar wurde, verspotteten ihn Münchens Hausbesitzer schadenfroh als Scheißhausapostel, denn sie hatten den teuren Ausbau bezahlen müssen. Pettenkofer stürzte sich daraufhin in selbstmörderische Experimente, um seinen Ruf als Wissenschaftler wieder herzustellen. Und als das nicht gelang, brachte er sich um. Der Nachwelt war auch der Praktiker Pettenkofer ein Denkmal wert. Es steht hinter dem Brunnen am benachbarten Maximilansplatz gegenüber der Statue für seinen Lehrer Justus Liebig. Dessen Theorien gelten noch heute als richtig. Ihm verdankt die Menschheit den Kunstdünger als Mittel gegen den Hunger, aber auch das Backpulver und die Instant-Fleischbrühe. Den Extrakt für die leckeren Suppen gewann der Chemiker übrigens aus Gerberei-Abfällen.
Der Wittelsbacher Brunnen

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Stachus

Münchens Rache Einen Karlsplatz gibt es in München eigentlich gar nicht. Stattdessen gibt es den Stachus, benannt nach einem längst vergessen Wirt, der hier einst eine Schenke betrieb. Mit ihrer Ignoranz gegen den amtlichen Namensgeber, Kurfürst Karl Theodor, bestrafen die Münchner seit 200 Jahren dessen Pläne, Bayern gegen die Niederlande auszutauschen. Immerhin beließen sie ihm das Karlstor. Es geht auf ein altes Stadttor zurück und aus seiner Wölbung blicken vier Münchner Originale herab, darunter der Finessensepperl, der sich als Postillon damoure verdingte und der Lohnkutscher Xaver Krenkl, der einmal seine Majestät überholte, obwohl das verboten war und ihm dabei zurief: Wer ko, der ko! damals ein ungeheurer Spaß, den man heute kaum noch versteht. In den 60er Jahren war der Stachus Europas verkehrsreichster Platz und ein Inbegriff für Dauerstau. Bei seiner Untertunnelung für die S- und U-Bahn wurde auch das benachbarte Einkaufszentrum angeschlossen. Die unterirdischen Passagen mit ihren vielen Geschäften sind mit bis zu 30.000 Kunden pro Stunde doppelt so belebt wie die Kaufinger Straße. Und davon profitiert auch der Stachus-Brunnen als Treffpunkt oder Ort für eine Rast.
Der Stachus

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Damenstiftskirche

Familien-Trauma Für die Hohenzollern hieß das Familien-Trauma Leutnant Katte, bei den Wittelsbachern hieß es Agnes Bernauer. Die war die Tochter eines einfachen Badstubners und Thronfolger Albrecht III. hatte sich bei einem Turnier so in sie verliebt, dass er sie unstandesgemäß heiratete. Sie lebten in Straubing und hatten bereits ein Kind, als ihr Glück 1435 auf brutale Weise zerstört wurde. Albrechts Vater Ernst ließ den Sohn aus der Stadt locken, Agnes Bernauer ergreifen, fesseln und in die Donau werfen. Dort konnte sie sich zwar von ihren Fußfesseln befreien und ans Ufer schwimmen, wurde aber so lange mit Stangen unter Wasser gedrückt, bis sie ertrank. Vier Jahre dauerte es, bis sich Vater und Sohn wieder in die Augen sehen konnten. Albrecht hatte inzwischen ein zweites Mal, diesmal standesgemäß, eine Anna von Braunschweig geheiratet. Zum Zeichen der Aussöhnung wurde nach dieser Anna die hier errichtete Kapelle benannt. Die heutige St. Anna Damenstiftskirche ist schon ein Nachfolgebau. Darin gibt es eine interessante Abendmahlsgruppe und zwei sehenswerte Gemälde, die nach dem Krieg nur in Sapia-Tönen wieder hergestellt wurden, weil man nur noch Schwarz-Weiß-Vorlagen von ihnen hatte.
Die Damensstiftskirche

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Asamkirche

Barock-Schocker Wer mit Kirchenbau und kunst bisher nichts anzufangen wusste, kann es ja mal mit einem Besuch der Asamkirche versuchen. Entweder das Thema hat sich damit für ihn erledigt oder er fängt Feuer. Denn die Kirche ist ein dunkelmystischer Barockschocker, der jeden, ob Laien oder Kenner, mit seiner schieren Menge an Pomp glatt erschlägt. Das kann man toll finden oder schrecklich, aber es lässt niemanden kalt. Der Bau ist so außergewöhnlich, dass er nur kirchenamtlich nach seinem Patron, dem Heiligen Johann Nepomuk, heißt. Umgangssprachlich wird er nach seinen Schöpfern und Bauherren, den Brüdern Asam, benannt. Die waren im frühen 18. Jahrhundert als malende, bauende und bildhauernde Multitalente die bedeutendsten Künstler Bayerns und prägten mit ihrer Arbeit die Kirchenkunst in Süddeutschland, Österreich und Böhmen. Aber nur hier konnten sie sich ohne Rücksicht auf einen Geldgeber richtig austoben, denn das hier war ihre Privatkirche, so privat wie ihr Wohnhaus gleich nebenan. Sie steckten ihr gesamtes Vermögen in den Bau. Die damit finanzierte Pracht entfaltet Ihre volle Wirkung nur am frühen Morgen. Denn nur dann fällt für kurze Zeit ein wenig Sonnenlicht in den Raum.
Die Asamkirche

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Marionetten-Theater

Große Kunst für Kleine Die Befreiung des Schauspiels vom schlechten Ruf des Zotenspektakels gipfelte 1737 in Leipzig noch in einem Skandal. Dabei hatte die legendäre Neuberin auf offener Bühne symbolisch die wichtigste Figur des Volkstheaters, einen Harlekin aus Stroh, verbrannt. Der Abschied des Marionettentheaters vom Rummelplatzklamauk ein Jahrhundert später vollzog sich dagegen völlig unspektakulär. Dafür verbündete sich der Münchner Puppenspieler Josef Schmid mit dem Multikünstler und Hofzeremonienmeister Ludwig I., Graf von Pocci, und gemeinsam gewannen sie Autoren und Bühnenbildner des großen Theaters für Schmids kleines. Doch auch mit diesen Partnern dauerte es ein ganzes Puppenspielerleben, bis Papa Schmid genug Erfolg hatte, um die Jahrmarktsbude wirklich hinter sich zu lassen. Er war schon fast ein alter Mann, als er 1900 auf der Blumenstraße das erste feste Marionettentheater der Welt eröffnen konnte ein Giebel-Säulen-Musen-Tempelchen, das Samstagabend auch für Erwachsene spielt. Aus Dankbarkeit für den Gründer des kleinsten Theaters der Stadt widmete ihm München seine kürzeste Straße die Papa-Schmid-Straße. Sie ist gerade einmal 75 Meter lang.
Papa Schmid und das Münchner Marionetten-Theater

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