Spaziergang Residenz

Alter Hof

Löwen als Erziehungshelfer Die Wittelsbacher waren im 12. Jahrhundert offenbar nicht besonders beliebt. Denn sie bauten sich ihre Burg nicht in die Mitte der Stadt, sondern in die Nordostecke, um sich von da zur Not auch gegen die eigenen Untertanen verteidigen zu können. Und das war 100 Jahre später, als Ludwig der Strenge die Burg zur Herzogsresidenz erhob, wahrscheinlich noch ganz ähnlich. Ludwig soll sich nämlich zahme Löwen gehalten haben und mit ihnen durch die Stadt spazieren gegangen sein, um sich den nötigen Respekt zu verschaffen. Das half wohl. Denn sein Sohn, Ludwig der Bayer, hatte diese Sorgen nicht mehr. Der wurde erst König und dann Kaiser und machte den Alten Hof zur ersten festen Residenz des Reiches. Dabei wäre das fast schief gegangen, denn der Kaiser wurde als Kind von einem Affen auf den Holzerker neben dem Torturm entführt, und wenn ihn Affe da fallen gelassen hätte .... Aber zum Glück konnte er ihn gar nicht fallen lassen, denn der heutige Alte Hof wurde samt Affenerker erst gebaut, als der Kaiser schon lange tot war. Und die Geschichte wird hier auch nur erzählt, weil sie jedes Kind in München kennt. Und vor Kindern will man sich ja nicht blamieren.
Alter Hof

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Hofpfisterei

Brot wie zu Kaisers Zeiten Man sieht dem kleinen Lädchen keineswegs an, dass es die Wiege einer uralten Münchner Institution ist. Der Name Hof-Pfisterei verweist auf seine lange Geschichte. Denn darin steckt das lateinische pistrina für Bäckerei. So hießen im Mittelalter alle Kloster- und Hofbäckereien. Tatsächlich ist die Hofpfisterei schon seit 1331, also seit der Kaiserzeit, aktenkundig. Damit steht der Betrieb in einer fast 700jährigen Tradition. Doch das hindert ihn nicht, in modernen Zeiten Trends zu setzen. Seit Mitte der 90er Jahre räumt die Hofpfisterei jeden Öko-Preis von München bis Brüssel ab und hat ihr Filialnetz auf 140 Geschäfte erweitert. Dabei bieten die Läden fast nur Brot. Davon allerdings gleich 30 Sorten alles Natursauerteigbrote ohne Zusatz, aus Ökogetreide und in der eigenen Mühle gemahlen. Also wirklich fast noch wie zu Kaisers Zeiten. Wir sind die erste deutsche Großbäckerei, die sich komplett ökologisch umgestellt hat, sagt Chef Siegfried Stöcker. Fast jeder dritte Münchner ist sein Kunde. Wer mal kosten will, probiert vielleicht ein Scherzl Öko-Sonne. Scherzl heißen hier die knusprigen Anschnitte, die man woanders Ranftl, Kanten oder Knuste nennt.
Die Hofpfisterei

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Weinstadl

Schlimmer als der Tod Das Weinstadl ist das älteste Bürgerhaus Münchens. Selbst wenn es nur der Vorwand für eine kleine Rast bei einem guten Tropfen ist, lohnt sich ein Blick in den Laubenhof mit Schneckenturm, Gewölbe und Himmelsleiter eine durch das ganze Haus führende Treppe. Hier wohnte früher der Stadtschreiber, später war das Anwesen Weinlager und heute ist es ein Gasthof. Nebenan, in der Nr. 7, vollendete der 25jährige Mozart 1781 bei laufenden Proben im Cuvilliés-Theater seine Oper Idomeno. Die Münchner Sänger hielt er dabei für die Elendesten acteurs, die Jemals die Bühne trug, doch das Orchester konnte er als eine Armee von Generälen nicht genug loben. Als er die Oper zwei Jahre später in Salzburg in kleinem Kreis selber sang, war er von ihr so gerührt, dass er abbrechen musste und weinend den Raum verließ. Das Gefühl der abgrundtiefen Einsamkeit vor einem unabänderlichen Schicksal teilt sich aus der Musik bis heute mit. Schlimmer als der Tod, heißt es dazu im Libretto. Doch die Münchner ließ das völlig kalt. Die Presse erwähnte nicht einmal Mozarts Namen. Damit bekam er wieder keine Anstellung und musste sich weiter als schlecht bezahlter freier Künstler durchschlagen.
Der Stadtwirt im Weinstadl

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Dallmayr

Kultivierte Genüsse Drei Jahrhunderte lässt sich die Geschichte von Dallmayr zurückverfolgen. In dieser Zeit entwickelte sich das Familiengeschäft von der kleinen Spezereien-Handlung zum weltbekannten Delikatessenhaus und Lieferanten für 16 europäische Fürstenhäuser, später zum internationalen Markenartikler und zuletzt zu einer Sehenswürdigkeit, die mit 1,3 Millionen Jahresgästen besser besucht ist als Neuschwanstein. Heute gehören das Geschäft, ein Restaurant und ein Tabakladen zu dem altehrwürdigen Haus, das überall von einem Hauch hochkultivierter Genüsse durchweht wird, allen voran die Düfte von Kaffee, Schokolade und Trüffeln. Bereits um 1900 begann Dallmayr, seinen Kaffee selbst zu rösten. Daraus entstand in den dreißiger Jahren eine eigene Kaffeeabteilung, die schnell expandierte. Das Unternehmen Dallmayr produziert heute jährlich über 40.000 Tonnen Röstkaffee. Entsprechend würdig wird das Produkt im Laden behandelt. Es lagert lose in handbemalten Porzellangefäßen aus der Nymphenburger Manufaktur, wird mit der traditionellen Balkenwaage abgewogen und per Hand In Tüten abgefüllt. So viel Zuwendung erfährt der Supermarktkaffee nicht. Der kommt aus einer Fabrik in Berlin.
Dallmayr

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Hauptpostamt

Fortschritt mit Beamten-Spucke Klenze übernahm 1835 den Umbau eines alten Adelspalais zum ersten großen deutschen Postamt und gab ihm eine florentinische Fassade mit offener Bogenhalle und Rossebändiger-Fresken, um das Amt dem gegenüberliegenden neuen Königsbau anzupassen. 15 Jahre später schrieb die neue Hauptpost mit der Herausgabe der schwarzen Einser als erster deutscher Briefmarke Postgeschichte. Doch die Kunden waren von der Neuerung überhaupt nicht begeistert. Sie verstanden nicht, warum sie einen Brief bezahlen sollten, der noch gar nicht angekommen war, und sie glaubten nicht, dass das aufgeklebte Geld unterwegs nicht abfällt oder gestohlen wird. Die Beamten mussten über ein Jahr lang Bedenken zerstreuen, Reden halten und viel eigene Spucke investieren, bis das neue Porto endlich akzeptiert wurde und andere deutsche Länder dem Beispiel Bayerns folgten. In Gegenrichtung dauerte der Fortschritt allerdings noch länger. Denn als nach der Reichseinigung 1871 die neue Einheitsbriefmarke kam, weigerte sich die Königlich Bayerische Post hartnäckig, sie einzuführen. Nur die Württemberger waren noch genauso stur und so behielten beide Länder bis 1920 ihre eigenen Briefmarken.
Residenzpost wird Luxushotel

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Max-Joseph-Denkmal

Revolution von oben Der Max-Joseph-Platz steht wie kein anderer Ort Münchens für den Aufstieg Bayerns zum modernen Nationalstaat. Er befindet sich nämlich auf dem Grund eines früheren Franziskanerklosters, das Max IV. Joseph wie viele andere Klöster, Stifte und Abteien ab 1802 abreißen ließ, um sich ihren Besitz anzueignen und sich so ein geschlossenes Territorium zu schaffen, das sich gleichem Recht und einer Zentralverwaltung unterstellen ließ. Ohne die Franzosen im Land wäre dies nicht möglich gewesen. Aber mit ihnen wagte es der Fürst sogar, Protestanten und Juden den Katholiken gleichzustellen, seinem Land eine Verfassung zu geben und sich schließlich als Max I. Joseph auch noch eine Königskrone aufzusetzen. Das ließ sich aus der eigenen Ahnenreihe zwar kaum begründen, aber andere Fürsten nutzten die Gunst der Stunde gerade genauso, da sie der Kaiser nicht mehr daran hindern konnte. Trotz aller Reformen hielt der Fürst auch als König an seinem absoluten Herrschaftsanspruch fest und verwahrte sich gegen ein Denkmal, das ihn im Sitzen zeigte, statt würdig zu Pferde oder wenigstens im Stehen. Es wurde erst 1835 aufgestellt, als er schon lange tot war und sein Sohn, Ludwig I., regierte.
Maximilian I. Joseph

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Nationaltheater

Der König als Narr Für die alten Münchner war die Sache klar: Als der Architekt des neuen Nationaltheaters kurz nach der Eröffnung des Hauses 1818 mit 40 Jahren starb, war das die Strafe Gottes, weil dem Neubau ein altes Kloster weichen musste. Und als das Theater dann auch noch abbrannte, weil die Brunnen zugefroren waren und das Bier aus dem nahen Hofbräuhaus zum Löschen nicht reichte, war das nur noch die Bestätigung. Trotzdem wurde der Musentempel wieder aufgebaut. Vier Jahrzehnte später lud der 20jährige Märchenkönig Deutschlands ersten Popstar, Richard Wagner ein, hier seinen Tristan uraufzuführen. Obwohl Wagners Geldforderungen bald eine Staatskrise mit Rücktrittsdrohungen der Minister auslösten, stolperte er erst über die Lügen, mit denen er abstritt, ein Verhältnis mit der Frau des Hofkapellmeisters zu haben. Obwohl alle Welt wusste, dass er mit Cosima ein Kind hatte, gab der König öffentlich eine anderslautende Ehrenerklärung für Wagner ab. Als der Schwindel aufflog, floh der Komponist, Ludwig wollte sich erst umbringen und dann abdanken, war aber für beides zu feige. Stattdessen schickte er seinem Liebling weiter Geld und ließ ihn weiter aufführen manchmal sogar für sich ganz alleine.
Das Nationaltheater

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Residenz München

Bummel durch ein halbes Jahrtausend Seit 1385 residierten die Wittelsbacher in der Neuen Veste, deren Grundriss im Apothekenhof noch zu erkennen ist. Durch ständige Um- und Ausbauten bis ins 19. Jahrhundert wuchs daraus eine der größten Schlossanlagen Europas. Der älteste erhaltene TeiI aus dem 16. Jahrhundert liegt am Brunnenhof im Kern der Anlage. In ihm befindet sich das berühmte Antiquarium, ein riesiges Tonnengewölbe, in dem Herzog Albrecht V. seine Antiken aufbewahrte. Es gilt heute als der bedeutendste Profanbau der deutschen Renaissance. Das 17. Jahrhundert ist durch die Fassade an der Residenzstraße vertreten, die fast 200 Jahre lang die Schauseite des Schlosses bildete, und das 18. Jahrhundert mit dem berühmten Cuvilliés-Theater. Am stärksten ist die Residenz jedoch durch das frühe 19. Jahrhundert geprägt, angefangen bei den Bauten Max I. Joseph am Hofgarten bis zum Königsbau Ludwig I. am Max-Joseph-Platz, heute der Residenz das Gesicht gibt. Nur das 20. Jahrhundert sieht man kaum. Das war mit der Rekonstruktion des kriegszerstörten Baus beschäftigt. Das 21. Jahrhundert hat dagegen im Innern der Allerheiligen-Hofkirche am Marstallhof schon wieder Zeichen gesetzt.
Residenz München

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Residenzmuseum

Königsluft schnuppern Da das Residenzmuseum viel zu groß ist, um es bei einem Besuch zu erkunden, gibt es einen Vormittags- und einen Nachmittagsrundgang. Aber man verpasst weder bei der einen noch bei der anderen Variante etwas, denn die Highlights werden in beiden Touren vorgestellt. Dazu gehören der Grottenhof und das Antiquarium, das auch heute noch für Staatsempfänge genutzt wird, die 121 Bilder lange Ahnengalerie, die sogar Karl den Großen zum Wittelsbacher macht, und die Reichen Zimmer mit Paradeschlafzimmer und Spiegelkabinett, in denen auch schon Elisabeth II. und Charles de Gaulle übernachteten. Vormittags gibt es dazu die Porzellansammlungen sowie die Kurfürstenzimmer mit den Polenteppichen, während nachmittags die Kaiserzimmer und der Kaisersaal, die Reiche Kapelle und die Appartements Ludwig I. im Königsbau auf dem Programm stehen. Für beide Rundgänge kann man sich am Eingang einen kostenlosen Audioguide ausleihen. Wer keine Zeit hat und ohne Eintritt zu bezahlen, nur mal kurz Königsluft schnuppern will, der begnügt sich mit den Nibelungensälen. Dort dokumentiert eine Ausstellung den Wiederaufbau der Residenz nach ihrer fast völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg.
Das Residenzmuseum

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Schatzkammer

Glaubenskrieger als Drachentöter Die Schatzkammer zeigt Gold, Juwelen, Kronen und Kleinodien aus über einem Jahrtausend deutscher Herrschaftsgeschichte und ist eine der größten und wertvollsten Sammlungen der Welt. Ältestes Stück ist ein Gebetsbuch Kaiser Karls des Kahlen aus dem Jahre 806. Dazu kommen viele Krönungsinsignien, Pokale, Kelche, Schmuck und Tafelgerät. Am bekanntesten ist die Reiterstatuette des Heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen. Über und über mit Juwelen besetzt, zeigt der Heilige unter dem Helm die Gesichtszüge seines Auftraggebers, Wilhelm V., der damit einmal mehr Anspruch auf die Krone des Heiligen Römischen Reiches erhob. Sein Vater, Albrecht V., hatte Mitte des 17. Jahrhunderts testamentarisch die Unveräußerlichkeit der Hauskleinodien festgelegt und damit die Sammlung begründet. Großen Zuwachs erhielt sie 1802/03, als Max IV. Joseph die Schatzkammern von Klöstern und Kirchen plündern ließ, sowie 1806 durch die Herrschaftsinsignien seines neuen Königtums. Da die Schätze im Krieg ausgelagert waren und München den Amerikanern und nicht wie Dresden oder Berlin den beutegierigen Russen in die Hände fiel, ging bis heute keins der 1200 Schmuckstücke verloren.
Die Schatzkammer

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Cuvilliés-Theater

Vom Hofzwerg zum Hofbaumeister Mit dem Bau des Alten Residenztheaters schuf der einstige Hofzwerg Francoise Cuvilliés 1751 das schönste und phantasievollste Rokoko-Theater der Welt. Dafür hatte ihn sein Förderer, Kurfürst Max III. Joseph, erst zum Studium nach Paris geschickt und dann zum Hofbaumeister erhoben. Da das eigentliche Theater im Spätabsolutismus die Selbstinszenierung des Hofes war, erschien der Zuschauerraum als Kulisse dafür genauso wichtig, wie die Bühne. Sein Schnitzwerk spiegelt deshalb auch den gesamten Bilderkosmos der Zeit und wurde zum Himmel, in dem man sogar tanzen konnte, wenn sich Parkett und Bühne per Hebemaschine zum Ballsaal vereinten. Dabei entsprach die Sitzordnung im Theater akkurat der Hierarchie am Hof. Im Parkett saß der Stadtadel, der Hochadel nahm rechts und links neben der zweigeschossigen Kurfürstenloge im ersten Rang Platz, der zweite Rang gehörte dem niederen Adel und der dritte den Hofbeamten. Die Einrichtung war zum Glück ausgelagert, als eine Sprengbombe den Bau 1944 zerstörte. Beim Wiederaufbau in den 50er Jahren wurde das Theater, das zuvor an der Stelle des heutigen Neuen Residenztheaters stand, an den Apothekenhof im Osten verlegt.
Das Cuvilliés-Theater

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Staatskanzlei

Geschichtsträchtig Die bayerische Staatskanzlei steht auf geschichtsträchtigem Boden. Bevor sich die Wittelsbacher ihre Schlösser im Grünen bauten, erholten sie sich hier in einem Lusthaus. Zur Zeit der China-Mode spann man am gleichen Ort Seide und als Napoleons Massenheere Europa überfluteten, stand hier plötzlich eine riesige Kaserne allerdings auf feuchtem Grund und das wurde ihr am hygieneversessenen Ende des 19. Jahrhunderts zum Verhängnis. An ihrer Stelle entstand ein Bayerisches Armee-Museum als Zeichen für Bayerns staatliche Eigenständigkeit im Deutschen Reich. Der Wiederaufbau des Museums nach dem II. Weltkrieg scheiterte zunächst an der Sorge, die Bundeswehr würde ein deutsches und kein bayerischen Museum daraus machen. Doch 1962 war man sich endlich einig: Die Reste des Armeemuseums sollten, um einen Neubau erweitert, die neue Staatskanzlei und ein Haus der Bayerischen Geschichte aufnehmen. Es dauerte allerdings weitere 20 Jahre, bis F.J. Strauß das Projekt anging und Ironie der Geschichte erst sterben musste, damit es Wirklichkeit wurde. Denn erst sein Nachfolger Streibl akzeptierte den von München wegen der Baumassen geforderten Verzicht auf das Haus der Geschichte.
Die Bayerische Staatskanzlei

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Hofgarten

Garten der Macht Mit seiner strengen Geometrie und der Bavaria auf dem Pavillon in der Mitte ist der 400 Jahre alte Hofgarten ein perfektes Sinnbild absoluter Macht und damit eine Ikone aller Macht. Genau deshalb hat er auch immer wieder Begehrlichkeiten geweckt das erste Mal unter Napoleon, als sich dort ein pensionierter Minister das spätere Prinz-Carl-Palais baute, um darin seine private Existenz auf die Höhe eines königlichen Daseins zu steigern. Doch das irritierte den König so sehr, dass er Grundstück und Gebäude bei der erstbesten Gelegenheit sofort zurück kaufte, um den herrschaftlichen Ort wieder mit einem Mitglied seiner Familie zu besetzen. Kaum war die Monarchie untergegangen, versicherten sich die Demokraten mit dem Hofgarten ihres gerade errungenen Sieges und ließen ab 1924 den bayerischen Ministerpräsidenten darin residieren. Bis schließlich in den 80er Jahren auch die CSU darauf bestand, dass es für ihre neue Staatskanzlei keinen besseren Standort gibt als den Hofgarten. Obwohl das rote München zehn Jahre lang dagegen Sturm lief und die Presse den Neubau als Bayernkeml oder Straußoleum verriss, hielt die CSU unter Franz Joseph Strauß eisern an ihren Plänen fest.
Der Hofgarten

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Odeonsplatz

Großes Theater Als Münchens erste Bühne für Haupt- und Staatsaktionen hat der Odeonsplatz vom Prinzregenten über Kurt Eisner und Adolf Hitler bis zu F. J. Strauß alle Großen der Stadt erlebt, dazu Putsche, Militäraufmärsche, Kundgebungen und Demos aller Art. In den umliegenden Gebäuden konzentrierte sich nämlich seit jeher die bayerische Staatsmacht, und der galten die meisten Auftritte. Die Kulisse dafür baute Anfang des 19. Jahrhunderts Leo von Klenze. Und der kleckerte dabei nicht, sondern er klotzte. Sein für damalige Verhältnisse riesiges Leuchtenbergpalais setzte den Maßstab für alle Bauten bis zum Siegestor. Es gehörte einem Stiefsohn Napoleons, dem der König seine Tochter zur Frau geben musste, weil er Napoleon seine Krone verdankte. Heute arbeitet in dem Palais das Finanzministerium, während gegenüber im Odeon das Innenministerium sitzt. Das war früher mal ein berühmtes Ballund Konzerthaus, in dessen Saal die Beamten heute ihre Autos parken. An die Anfänge des Odeons-Platzes erinnert nur noch das 200 Jahre alte Biedermeier-Café Tambosi im Bazar-Gebäude. Es bietet zwei Freisitze: einen turbulenten auf dem Platz zum Leute gucken und einen ruhigen zum Entspannen im Hofgarten.
Der Odeonsplatz

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Feldherrnhalle

Neuer Kult Die 1841 nach florentinischem Vorbild als Auftakt zur Ludwigstraße errichtete Feldherrnhalle erinnert an Bayerns größte Militärs: an Tilly, den Führer der katholischen Liga im 30jährigen Krieg, und an General Wrede als Napoleon- Bezwinger. Vor allem aber zeigt der Bau, wie der Patriotismus zu einer neuen Staatsreligion aufstieg, die Heilige, Tempel und Rituale brauchte. Grundsteinlegung und Einweihung wurden deshalb auch auf Jubiläen großer Schlachten gegen die Franzosen gelegt, um dabei deren Veteranen als Helden feiern zu können. Geschichte schrieb der Ort dennoch erst mit dem Marsch auf die Feldherrnhalle am 9.11.1923. Nach Hitlers Putschversuch im Bürgerbräukeller stießen seine 2000 Anhänger hier auf eine Polizeikette und es kam zur Schießerei, bei der 14 Märtyrer und drei Beamte starben. Seit 1933 erinnerte eine Bronzetafel mit ständiger Ehrenwache an die Blutzeugen der Bewegung und einmal im Jahr gedachte man ihrer mit Fackel- Zügen. Wer im Alltag keine Lust hatte, vor den SS-Posten den Arm hoch zu reißen, umging sie über die Viscardigasse, die so zu ihrem Zweitnamen Drückebergergasse kam. Seit 1995 erinnert eine Platte im Pflaster an die drei erschossenen Polizisten.
Die Feldherrnhalle

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Theatinerkirche

Mediterranes Flair Als die 15jährige Henriette Adelaide von Savoyen 1652 bei ihrem Mann, Kurfürst Ferdinand Maria, in München eintraf, kam sie aus einer weltoffenen Stadt in ein finsteres Provinznest. Während man zu Hause in Turin mit Kunst und Spielen das Leben genoss, herrschten hier die strengen Jesuiten, das steife spanische Hofzeremoniell erstickte jede spontane Regung und es galt als Sünde, sich zu vergnügen. Doch das sollte sich mit den vielen Künstlern, die Henriette in ihrem Tross hatte, rasch ändern. Sie verhalfen einer neuen Weltsicht und damit dem Barock zum Durchbruch, während die junge Kurfürstin am Hof die freieren französischen Sitten und die Allonge- Perücke einführte. Als sie nach neun kinderlosen Jahren endlich den ersehnten Thronfolger gebar, löste sie mit dem Bau einer Kirche, wie es sie nördlich der Alpen noch nicht gab, ein Gelübde ein, stiftete den Bau dem italienischen Reformorden der Theatiner und setzte damit auch der Herrschaft der Jesuiten ein Ende. Denn die Theatinerkirche wurde zur Hofkirche und ihre Gruft zur Grablege für viele prominente Wittelsbacher. Wenn München heute stolz ist auf sein mediterranes Flair, hat es dies vor allem auch Henriette zu verdanken.
Die Theatinerkirche

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Palais Preysing

Rekord-Liebhaber Maximilian Graf von Preysing war im 18. Jahrhundert als Superminister Bayerns mächtigster Mann und nur Kurfürst Karl Albrecht durfte es wagen, ihn für seine zwei alten Häuser zu verspotten, die so gar nicht zu seinem Reichtum passten. Das wurmte den Grafen, denn die beiden verband eine echte Männerfreundschaft seit Preysing den Jungfürsten als Erzieher auf seiner Kavalierstour begleitet und ihm die ersten Liebschaften ins Bett gelegt hatte. Deshalb nutzte er 1723 eine Reise Karls, um ihn zu überraschen. Er ließ die beiden alten Häuser abreißen, um sich dafür Münchens schönstes Rokoko-Palais bauen zu lassen. Tatsächlich hatte der Heimkehrer seinen Spaß daran. Doch ihre Freundschaft kühlte trotzdem ab, als Preysing mit den Jahren immer frommer und der Fürst immer liebestoller wurde. Bis auf 60 uneheliche Kinder soll er es gebracht haben. Seine zweite Glanzzeit erlebte das Palais, als Prinz Otto, ein Sohn Ludwigs I., 1832 König von Griechenland wurde. Die ersten Griechen, die ihrem neuen Herrn daraufhin die Aufwartung machten, wohnten hier und das Haus war ständig von neugierigen Münchnern umlagert ein Ausdruck der damals grassierenden Griechenland-Begeisterung.
Das Palais Preysing

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Erzbischöfliches Palais

Zwischen allen Stühlen Nur noch wenig erinnert an das einstige Adelsquartier rund um die Pranner- und Faulhaber-Straße. Dafür trifft man hier gleich zwei Mal auf die Spuren des Schwerenöters Karl Albrecht. Seiner Geliebten, Gräfin Morawitzka, ließ er das Palais Portia (Faulhaber-Str. 12) errichten und seinem Sohn mit der Gräfin Holnstein das nach ihr benannte Holnstein-Palais (Nr. 7). Der Bankert-Balken über dem Wittelsbacher Wappen in der Fassade verweist auf die illegitime Abkunft des Besitzers. Heute residiert hier der Erzbischof von München und Freising. Der hieß seit 1917 Michael von Faulhaber und stand nach 1945 für Münchens Neuanfang, denn die Amerikaner übertrugen es ausgerechnet ihm, unbelastete Personen für die neue Stadtregierung zu benennen. Dafür ehrte man den Kardinal später mit dem Straßennamen, obwohl bald klar war, dass er selbst schuldig war. Denn auch ihm war Hitler zunächst als Retter erschienen. Er hatte für ihn gepredigt, beten oder sogar die Glocken läuten lassen. Und selbst als die Anfangs-Euphorie kritischer Distanz gewichen war, blieb er, um seine Kirche zu schützen, passiv gegen Rassenwahn und Judenmord. Das machen ihm bis heute viele zum Vorwurf.
Das Palais Holnstein als Dienstsitz des Erzbischofs

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Promenadeplatz

Jüdischer Bolschwismus Neben dem Hotel Bayerischer Hof erinnert eine Bodenplatte an das tödliche Attentat auf den ersten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, der mit seinem Bekenntnis zur deutschen Kriegsschuld 1919 nicht nur die Rechte provoziert, sondern auch die eigenen Wähler vor den Kopf gestoßen hatte. Die Linke antwortete auf seinen Tod mit der Ausrufung der Räterepublik, die sich immer weiter radikalisierte, bis sie den Kommunisten, darunter viele Juden, in die Hände fiel. Bei ihrer Niederschlagung starben 600 Menschen und das deutsche Bürgertum hatte fortan einen Namen für den schlimmsten aller vorstellbaren Schrecken den jüdischen Bolschewismus. Das benachbarte Hotel gehörte als Palais Montgelas dereinst zum Adelsquartier der Stadt und sein Besitzer, Graf Montgelas, schrieb Anfang des 18. Jahrhunderts als Reformminister Geschichte. Er formte aus dem Streubesitz der Wittelsbacher den heutigen Staat Bayern, gab ihm eine Verfassung, stellte seine Bürger gleich, hob die Leibeigenschaft auf, entschärfte das Strafrecht und zentralisierte die Verwaltung. Nur an der absoluten Machtstellung seines Königs ließ er nicht rütteln und darüber sollte er schließlich stürzen.
Das Attentat auf Kurt Eisner

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Karolinenplatz

Opferplatz Der Obelisk in der Mitte des Karolinenplatzes soll an die 30.000 Bayern erinnern, die im Russlandfeldzug für Napoleon starben. Zum Trost tragen die auf den Platz mündenden Straßen Namen von Orten, an denen die Bayern später Bonaparte besiegten. Doch die 33 Meter hohe Säule erzählt auch noch eine andere Geschichte. Sie wurde aus dem Erz ägyptischer Kanonen gegossen, die die Engländer 1727 in einer Seeschlacht gegen die Türken erbeuteten. Diese Schlacht brachte den Griechen die Freiheit. Und das wiederum war die Voraussetzung dafür, dass der 17jährige Wittelsbacher Otto I. 1832 König der Griechen wurde. Er sollte in dem kriegszerstörten Land die Utopie eines antiken Idealstaats verwirklichen, wie man ihn sich in Europa seit einem halben Jahrhundert zusammenträumte. Obwohl Bayern das Projekt mit viel Geld, Fachleuten und Soldaten unterstützte, blieb das Ergebnis weit hinter dem zurück, was bestehende bürgerliche Staaten bereits leisteten. Im Westen wurde Otto deshalb verspottet und von den Griechen wieder verjagt. Schuld daran war sein Vater, Ludwig I.. Deutschlands erster Philhellene scheute sich nicht, den eigenen Sohn auf dem Altar seiner realitätsfernen Träume zu opfern.
Der Karolinenplatz

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Führerbau und NSDAP-Verwaltung

Hauptstadt der Bewegung Nachdem die Nazis von München aus ganz Deutschland erobert hatten, erklärte Hitler die Stadt 1935 zur Hauptstadt der Bewegung und den Königsplatz zur Parteizentrale. Zwei offene Säulenhallen als Ehrengräber für die Putschisten von 1923 am Eingang des Platzes sowie der Führerbau und die Parteiverwaltung in der Arcis- bzw. Meiserstraße waren dafür die ersten Neubauten. Bis 1942 bezog die Partei in der Nähe über 50 weitere, meist vorhandene Gebäude und beschäftigte darin 6000 Angestellte. Im Führerbau unterzeichneten Daladier, Chamberlain, Mussolini und Hitler im September 1938 das Münchner Abkommen, nach dem die Tschechei Deutschland ihre deutsch besiedelten Gebiete abtreten musste. Im Verwaltungsbau auf der anderen Seite wurde die Kartei der sieben Millionen Parteimitglieder geführt. Obwohl sie bereits im April 1945 einem Papiermüller zur Vernichtung übergeben wurde, fanden sie die Amerikaner dort noch unversehrt vor und waren damit bestens für die Entnazifizierung gerüstet. Bis heute tut sich München schwer mit den beiden Bauten, die seit den 50er Jahren dem Musikund Kunststudium dienen. An die Ehrengräber für die Putschisten erinnern nur noch ihre Sockel.
München - Hauptstadt der Bewegung

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Königsplatz

Isar-Athen Der Königsplatz war für Ludwig I. 1816 der wichtigste von mehreren Plätzen, die sich wie die Perlen auf einer Schnur an der neuen Magistrale nach Nymphenburg entlang ziehen sollten. Hier wollte er sein Ideal von griechischer Architektur verwirklichen und seine Antiken zeigen, darunter das liederliche Prachtmannsbild des Barberinischen Fauns, das die Besucher mit seiner Sinnlichkeit bis heute überwältigt. Dafür baute Klenze dem König die ionische Glyptothek, dazu den korinthischen Ausstellungsbau und die dorischen Propyläen. Dem Tor sieht man noch die Begeisterung für den Freiheitskampf der Griechen an, der 1832 Ludwigs Sohn Otto auf den griechischen Thron brachte. Fertig wurde der Platz erst 1862, just in dem Jahr, als Otto aus Griechenland wieder vertrieben wurde. Da war auch sein Vater längst kein König mehr, hatte den Bau aber als Privatier weiter finanziert. Seither empfiehlt sich der Platz dem Zeitgeist. Die Nazis gedachten hier mit Fackeln, Scheinwerfern und Fahnen ihrer Märtyrer. Die Wirtschaftswunder- Generation parkte ihre schicken neuen Autos darauf. Und heute jagt dort im Sommer ein Großevent das nächste. Der Oper folgt das Rock- Konzert und dem die Firmenparty.
Der Königsplatz

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Lenbachhaus

Superstar durch Handicap Der im italienischen Stil für den Maler der Fürsten und den Fürsten der Maler, Franz von Lenbach, errichtete Palast war für das deutsche Bildungsbürgertum eine Kultstätte. Hier wohnte in einer Zeit, als die Fotografie gerade erst das Laufen lernte, Deutschlands bekanntester Porträtist. Lenbach selbst nutzte die Fotografie bereits, denn er sah so schlecht, dass er ohne fotografische Vorlage gar nicht malen konnte. Diese Fotos verarbeitete er In traditioneller Technik zu Gemälden von Bismarck, Wilhelm I. oder Franz Joseph I., die in Farbe und Ausdruck alle Schwarz-Weiß-Fotos der damaligen Zeit weit übertrafen. Dennoch ist Lenbach heute fast vergessen. Sein Haus wird seit den 50er Jahren von der Städtischen Galerie genutzt und vor allem wegen der Bilder der expressionistischen Künstlergruppe Der Blaue Reiter um den Russen Wassily Kandynski besucht. Denn ihnen verdankt München seinen kurzen Ruhm als Zentrum der Moderne um 1911. Darüber hinaus hängt hier alles, was München seit dem 19. Jahrhundert hervor gebracht hat, vom frühen Realismus bis zur jungen Gegenwarts-Kunst, dazu als zweites Highlight Bilder von großen Namen wie Beuys, Warhol, Kiefer oder Richter.
Lenbachhaus

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Pinakothek der Moderne

Hoch die Fahne! Die bayerische Antwort auf das Museum of Modern Art in New York ist mit einer Million Gästen im Jahr ein neuer Publikumsmagnet. Vier berühmte Einzelsammlungen der Architektur, des Designs, der Graphik und der Kunst sind hier seit 2003 mit insgesamt 60.000 Exponaten auf 12.000 Quadratmetern vereint. Während Berlin aus Geldnot die Modernisierung der Museumsinsel immer weiter streckte, entrollte München die Siegesfahne - die Pinakothek der Moderne ist Deutschlands größtes Museum moderner Kunst und eines der bedeutendsten der Welt. 100 Meter in der Diagonale kann der Besucher darin frei durch den Raum schauen. Ein Drittel der Ausstellungsfläche liegt unter der Erde, so dass sich die größere Pinakothek der Moderne von außen der eigentlich viel kleineren Alten Pinakothek unterordnet. Die Architekturabteilung im Erdgeschoss veranschaulicht in Modellen Ideen vom Kugelhaus bis zur gigantischen Endlosstadt. Grafik- Kunst- und Designabteilung zeigen, wie sich die Kunst vom Gegenstand löst und wie sie auf Umwegen wieder zu ihm zurückkehrt. Wem das nicht reicht, dem bleibt noch das benachbarte Museum Brandhorst mit seinen 700 Picassos, Twomblys, Polkes, Warhols und Kellys.
Die Pinakothek der Moderne über sich selbst

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Alte Pinakothek

Alexanderschlacht im Badezimmer Die Alte Pinakothek gehört mit einem Bestand von knapp 9000 Bildern aus der Zeit vom 14. bis 18. Jahrhundert zu den bedeutendsten Gemäldegalerien der Welt. Unter den 700 ausgestellten Malereien sind viele Hauptwerke der europäischen Kunst. Die Vereinigung mit verschiedenen älteren Kollektionen, vor allem aber die Ankäufe Ludwig I. machten um 1830 eine neue Galerie erforderlich. Der König ließ sie von seinem Baumeister Klenze am damaligen Stadtrand errichten und gab ihr den griechischen Namen Pinakothek. Der Neubau sollte vor allem wegen seiner Lichtführung zum Vorbild für viele andere Museen werden. Berühmtestes Bild der Sammlung ist Altendorfers Alexanderschlacht, das Wilhelm IV. 1505 in Auftrag gab, weil er gerne genauso mächtig gewesen wäre wie der mazedonische Eroberer. Napoleon träumte 300 Jahre später das gleiche. Aber anders als Wilhelm je in seinem Leben war er diesem Ziel schon sehr nah. Er raubte das Gemälde und ließ es zu Hause in Saint Cloud in seinem Badezimmer aufhängen. Während die Pinakothek im Krieg durch Bomben fast völlig zerstört wurde, erlitt die Sammlung keine Schäden. Sie wurde bereits zwei Tage nach Kriegsbeginn ausgelagert.
Die Alte Pinakothek über sich selbst

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Neue Pinakothek

Zwischen Kitsch und Propaganda Die Neue Pinakothek war 1853 die erste öffentliche Galerie der Welt, die sich ausschließlich der zeitgenössischen Kunst widmete. Sie krönte das lebenslange Engagement Ludwig I. für München als heimliche deutsche Kunst- und Kulturhauptstadt. Den Grundstock der Sammlung legte der König mit 400 Bildern aus seiner Privatsammlung selbst. In den folgenden Jahrzehnten wuchs daraus eine repräsentative Kollektion der europäischen Malerei des 19. Jahrhunderts von Goya bis Cezanne, vom Klassizismus bis zum Jugendstil. Nach der Kriegszerstörung des alten Gebäudes wurde das Museum 1981 in einem Neubau wiedereröffnet, der wegen seiner verspielten postmodernen Zitate lange umstritten war. Das Haus kann mit vielen großen Namen und bedeutenden Werken aufwarten. Doch genauso interessant sind die in anderen Museen oft als schwülstig ins Depot verbannten Historien-Schinken riesige Bilder, die mit theatralischem Pathos und überwältigenden Farben Politik machen und Deutschland oder Bayern retten wollen. Carl Spitzweg sorgte sich dagegen mehr um die private Welt der kleinen Leute. Und weil die sich kaum verändert hat, ist sein Armer Poet bis heute der Star der Sammlung.
Die Neue Pinkothek über sich selbst

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